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Nächtliche Hypoxämie und Höhensymptomatik während einer Ausbildungsexpedition in den peruanischen Anden
Die Akute Bergkrankheit (AMS, acute mountain sickness) wird durch Hypoxie in großer Höhe ausgelöst und kann in das potenziell tödliche Krankheitsbild des Höhenhirnödems übergehen. Ihre Inzidenz steigt mit zunehmender Höhe und ist eng verbunden mit der Geschwindigkeit der Höhenzunahme. Trotz zahlreicher Studien konnten jedoch bisher keine prädiktiven Faktoren ermittelt werden, die eine Früherkennung ermöglichen. In der Vorstudie konnte erstmalig bei Höhenbergsteigern eine circadiane Rhythmik der arteriellen Sauerstoffsättigung (SpO2) beschrieben werden. Manche Autoren sehen den nächtlichen Abfall der SpO2 als klinisch bedeutsamer für die Entwicklung der AMS als Entsättigungen während des Tages. Um diese Rhythmik und den vermuteten Zusammenhang zwischen nächtlichem SpO2-Verlauf und der Leistungsfähigkeit näher zu erforschen, erhoben wir während einer 20-tägigen Ausbildungsexpedition in den peruanischen Anden in Höhen von bis zu 6025 m an elf Bergsteigern kontinuierlich nächtliche SpO2-Werte. Durch die Methode der kontinuierlichen SpO2-Messung konnten pro Teilnehmer bis zu 129.000 Einzelmessungen in die Auswertung eingeschlossen werden. Dies ermöglichte eine genaue und sehr detaillierte Darstellung des nächtlichen SpO2- Verlaufs in großer Höhe. Allerdings ist aufgrund der großen Datenmenge die Einzelfallanalyse jedoch äußert aufwendig und kaum durchführbar unter Realbedingungen. Diese erscheint jedoch notwendig, da Störungen des Schlafs in großer Höhe durch Toilettengänge, Periodische Atmung oder andere den alpinen Umständen geschuldete Ursachen häufig sind und sich prinzipiell auf die SpO2 auswirken. Wir entwickelten einen Algorithmus zur Identifikation von Phasen mit relevanten Wachheitsereignissen und konnten so mögliche Veränderungen durch einen Datenausschluss quantifizieren. Es zeigte sich allerdings im Vergleich zur Rohdatenanalyse lediglich eine Differenz von 0,3 %-Punkten, die deutlich unter der Messgenauigkeit der Pulsoxymeter (2 %) liegt. Wir konnten damit zeigen, dass bei der kontinuierlichen SpO2-Messung entgegen bisherigen Vermutungen keine Datenselektion notwendig ist. Gerätefehler und offensichtliche Fehlmessungen müssen dennoch ausgeschlossen werden. Wir sehen darin eine essenzielle Erkenntnis, da dies folgenden Forschungen eine vereinfachte und praxisnahe Auswertung erhobener Daten ermöglicht. Auch wenn wir bei der kleinen Anzahl an Probanden keinen Zusammenhang zwischen dem nächtlichen SpO2-Verlauf und der Leistungsfähigkeit bzw. Entwicklung der AMS zeigen konnten, sehen wir eine große Chance zur weiteren Forschung in der zunehmenden Verbreitung von Sportuhren mit SpO2-Messungen. Für bisherige Forschung, bei der mit solchen Sportuhren kontinuierlich die SpO2 ohne weitere Selektion aufgezeichnet wurde, können wir die Daten durch unsere Arbeit als valide bestätigen. Dies ermöglicht es in den nächsten Jahren Messdaten von große Probandengruppen zu erheben und unmittelbar ohne aufwendige Datenverarbeitung auszuwerten. Wir können die Ergebnisse der Vorstudie in Bezug auf die circadiane Rhythmik der SpO2 bestätigen. In 86,7 % der Nächte stieg die SpO2 von erster zu zweiter Nachthälfte an (Max +3,9 %-Punkte). Auch der Zeitpunkt des niedrigsten SpO2 Mittelwertes war in dieser Studie sehr ähnlich. In 76,8 % der Nächte lag der niedrigste Mittelwert in der ersten Nachthälfte. (22.00–00.00 Uhr: 43,3 %, 00.00–02.00 Uhr: 33,5 %). Während des Zeitraums der Expedition wurde ein Anstieg der SpO2 durch Akklimatisation gezeigt, die auch nach 20 Tagen wahrscheinlich noch nicht abgeschlossen war. (1. Nachthälfte +4,7 %-Punkte, 2. Nachthälfte +3,9 %- Punkte). Weiter zeigen unsere Ergebnisse eindrücklich, dass die Schwere der Hypoxie während des Schlafs deutlich ausgeprägter ist als bisher durch Einzelmessungen am Morgen nach dem Aufstehen beschrieben wurde. Einzelmessungen in Wachheit waren +4,9 %-Punkte höher (Min –1,7 %-Punkte, Max 12,8 %-Punkte) als die Mittelwerte der letzten beiden Stunden Schlaf. Der niedrigste zweistündige SpO2- Mittelwert eines Teilnehmers betrug 63,1 % (Min 57 %, Max 73 %) in einer Höhe von 4600 m. Bisherige Studien zeigten bei bestmöglich an die Höhe angepassten Menschen tagsüber SpO2-Werte über der Schwelle der Erythropoetinstimulation. Unsere Studie liefert mit den nächtlichen Entsättigungen eine Erklärung, warum in dieser Gruppe dennoch eine Höhenpolyglobulie beobachtet werden kann.
Somit liefert diese Studie einen wesentlichen Beitrag zum besseren Verständnis der nächtlichen Entsättigungen in großer Höhe. Wir konnten die zwingende Notwendigkeit kontinuierlicher Messungen bestätigen und geben anwendungsnahe Erkenntnisse für künftige Studien.Acute mountain sickness (AMS) is caused by hypoxia at high altitudes and can develop into the potentially fatal condition of high altitude cerebral edema. Its incidence increases with altitude and is closely related to the rate of ascent. Despite numerous studies, however, no predictive factors have yet been identified that would enable early detection. In a preliminary study, a circadian rhythm of arterial oxygen saturation (SpO2) was described for the first time in high-altitude mountaineers. Some authors consider the nocturnal drop in SpO2 to be clinically more significant for the development of AMS than desaturation during the day. In order to investigate this rhythm and the suspected connection between nocturnal SpO2 progression and performance in more detail, we continuously recorded nocturnal SpO2 values in eleven mountaineers during a 20-day training expedition in the Peruvian Andes at altitudes of up to 6025 m. Using the method of continuous SpO2 measurement, up to 129,000 individual measurements per participant could be included in the evaluation.This enabled an accurate and very detailed representation of the nocturnal SpO2 curve at high altitude. However, due to the large amount of data, individual case analysis is extremely time-consuming and hardly feasible under real conditions. Nevertheless, this appears necessary, as sleep disturbances at high altitude due to toilet visits, periodic breathing, or other causes related to alpine conditions are common and generally affect SpO2. We developed an algorithm to identify phases with relevant wakefulness events and were thus able to quantify possible changes by excluding data. However, compared to the raw data analysis, there was only a difference of 0.3 percentage points, which is significantly below the measurement accuracy of pulse oximeters (2%). We were thus able to show that, contrary to previous assumptions, no data selection is necessary for continuous SpO2 measurement. Device errors and obvious measurement errors must nevertheless be excluded. We consider this to be an essential finding, as it enables simplified and practical evaluation of collected data in subsequent research. Even though we were unable to demonstrate a correlation between nocturnal SpO2 levels and performance or the development of AMS in the small number of test subjects, we see great potential for further research in the increasing prevalence of sports watches with SpO2 measurements. Our work confirms the validity of previous research in which SpO2 was continuously recorded with such sports watches without further selection. This will make it possible to collect measurement data from large groups of subjects in the coming years and evaluate it immediately without time-consuming data processing. We can confirm the results of the preliminary study with regard to the circadian rhythm of SpO2. In 86.7% of nights, SpO2 increased from the first to the second half of the night (max +3.9 percentage points). The time of the lowest SpO2 mean value was also very similar in this study. In 76.8% of nights, the lowest mean value was in the first half of the night. (10 p.m.–midnight: 43.3%, midnight–2 a.m.: 33.5%). During the expedition period, an increase in SpO2 was demonstrated due to acclimatization, which was probably not yet complete even after 20 days. (first half of the night +4.7 percentage points, second half of the night +3.9 percentage points). Furthermore, our results clearly show that the severity of hypoxia during sleep is significantly more pronounced than previously described by individual measurements taken in the morning after waking up. Individual measurements while awake were +4.9 percentage points higher (min. –1.7 percentage points, max. 12.8 percentage points) than the average values for the last two hours of sleep. The lowest two-hour SpO2 mean value for a participant was 63.1% (min 57%, max 73%) at an altitude of 4600 m. Previous studies have shown SpO2 values above the threshold for erythropoietin stimulation during the day in people who are optimally acclimatized to altitude. Our study provides an explanation for why high-altitude polycythemia can still be observed in this group, based on nocturnal desaturation.
This study thus makes a significant contribution to a better understanding of nocturnal desaturation at high altitudes. We were able to confirm the urgent need for continuous measurements and provide application-oriented findings for future studies
Die Bedeutung begleitender Genmutationen bei der NPM1-mutierten akuten myeloischen Leukämie (AML) des Erwachsenen
Ziel dieser Studie war es, die NPM1-mutierte akute myeloische Leukämie (AML) genetisch zu charakterisieren, insbesondere Co-Mutationsmuster zu identifizieren und den Einfluss von Co-Mutationen auf die Prognose intensiv behandelter Patienten zu untersuchen. Die gezielte DNA-Sequenzierung mittels Next-Generation-Sequencing von 263 Genen wurde bei 568 NPM1-mutierten AML-Patienten (Durchschnittsalter: 59 Jahre) durchgeführt, die an der prospektiven AMLSG 09-09 Behandlungsstudie teilnahmen.
Die am häufigsten co-mutierten Gene waren DNMT3A (49,8%), FLT3-TKD (25,9%), PTPN11 (24,8%), NRAS (22,7%), TET2 (21,7%), IDH2 (21,3%), IDH1 (18,0%) und FLT3-ITD (17,3%). Eine oder mehrere Myelodysplasia related gene (MRG)- Mutationen wurden in 18,1% der Fälle festgestellt. Einen prognostisch negativen Einfluss auf das EFS (Event-free survival) von NPM1-mutierten Patienten haben die Mutationen DNMT3AR882 (p < 0.001) und FLT3-ITD (p < 0.001). Das OS (Overall survival) wird durch die Co-Mutation FLT3-ITD (p < 0.001) signifikant reduziert.
Bei den 470 Patienten mit European LeukemiaNET (ELN) 2022 günstiger NPM1-mutierter AML (FLT3-ITD Wildtyp) zeigte die multivariate Analyse für das EFS, dass MRG-Mutationen (p = 0.03), DNMT3AR882 (p < 0.001), IDH1 (p = 0.007) und Alter (p < 0.001) ungünstige Faktoren darstellten. Im Gegensatz dazu wirkten sich Cohesin-Co-Mutationen (p = 0.001) und die Behandlung mit GO (Gemtuzumab-Ozogamicin) (p = 0.007) positiv auf das EFS aus. Für das OS zeigte sich, dass DNMT3AR882 (p = 0.042), IDH1 (p = 0.045), KRAS (p = 0.003) und Alter (p < 0.001) ungünstige Faktoren waren
Veränderung der Männlichkeitsorientierungen und berufsbezogenen Einstellungen im Behandlungsverlauf bei Männern mit depressiven Erkrankungen – eine latente Klassen-, Transitions- und Pfadanalyse
Hintergrund: Depressionen werden bei Frauen deutlich häufiger diagnostiziert als bei Männern, während Männer gleichzeitig bis zu dreimal häufiger Suizid begehen. Dieses sogenannte Genderparadox verweist auf eine Diskrepanz zwischen Hilfebedarf und Hilfesuche durch Männer. Ursachen dafür liegen u. a. in geschlechtsrollenspezifischen Unterschieden im Hilfesuchverhalten, in der Symptomwahrnehmung sowie in stigmatisierenden Einstellungen. Die Orientierung an traditionellen Männlichkeitsnormen erschweren es vielen Männern, psychische Belastungen offen zu kommunizieren oder rechtzeitig therapeutische Hilfe aufzusuchen. Während gut dokumentiert ist, dass diese Normen das Hilfesuchverhalten beeinflussen, ist bislang kaum erforscht, ob und wie sich Männlichkeitsorientierungen und berufsbezogene Einstellungen im Therapieverlauf verändern – und ob solche Veränderungen wiederum mit dem Verlauf depressiver Symptome assoziiert sind. Unklar ist auch, unter welchen Bedingungen solche Veränderungsprozesse stattfinden und welche soziodemografischen oder behandlungsbezogenen Einflussfaktoren daran beteiligt sind. Trotz wachsendem Interesse an geschlechtssensibler Psychotherapie fehlen systematische Längsschnittstudien, die die Dynamik von Männlichkeitsorientierungen und berufsbezogenen Einstellungen über die Zeit analysieren. Diese Studie schließt diese Forschungslücke, indem untersucht wird, wie sich Männlichkeitsorientierungen und berufsbezogene Einstellungen im Behandlungsverlauf verändern und in welchem Zusammenhang diese Veränderungen mit der Entwicklung depressiver Symptome sowie mit therapeutisch relevanten Einflussfaktoren stehen.
Methoden: Die Untersuchung basiert auf einer prospektiven Längsschnittstudie mit vier Messzeitpunkten im Abstand von jeweils sechs Monaten. Zwischen Mai 2022 und Mai 2023 wurden insgesamt 360 Männer im Alter von 18 bis 65 Jahren rekrutiert, bei denen eine unipolare depressive Erkrankung (ICD-10: F32.0, F32.1, F32.2, F33.0, F33.1, F33.2) diagnostiziert worden war und die sich in fachpsychiatrischer oder fachpsychotherapeutischer Behandlung befanden. Die Rekrutierung erfolgte über acht psychiatrische und psychosomatische Kliniken in Süddeutschland – darunter die Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm am Bezirkskrankenhaus Günzburg, die Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Ulm, die Bezirkskrankenhäuser in Augsburg, Kempten, Memmingen und Donauwörth, das kbo-Isar-Amper-Klinikum sowie das Klinikum Heidenheim – und ergänzend über die psychotherapeutische Praxis der Studienleiterin, über Selbsthilfegruppen und über soziale Medien. Mittels Online-Fragebögen wurden die Männlichkeitsorientierungen (MRNS: Male Role Norms Scale), berufsbezogene Einstellungen (AVEM: Arbeitsbezogenes Verhaltens- und Erlebensmuster), depressive Symptome (PHQ-9: Patient Health Questionnaire) sowie persönliche und wahrgenommene Stigmatisierung (DSSS: Depression Self-Stigma Scale) erhoben. Die Auswertung erfolgte mittels latenter Klassenanalyse (LCA), latenter Transitionsanalyse (LTA) und konfirmatorischer Pfadanalyse.
Ergebnisse: Von den 360 rekrutierten Teilnehmern konnten 313 in die Analysen eingeschlossen werden. Bei 189 Männern lagen vollständige Datensätze an allen vier Messzeitpunkten vor. Die Dropoutquote lag bei rund 30 % über 18 Monate. Die latente Klassenanalyse identifizierte drei stabile Subgruppen depressiver Männer, die sich deutlich in ihren Männlichkeitsorientierungen und arbeitsbezogenen Einstellungen unterschieden: Klasse A war geprägt durch eine vergleichsweise starke Orientierung an traditionellen Männlichkeitsnormen sowie durch ein hohes Arbeitsengagement bei gleichzeitig geringer psychischer Widerstandskraft, Klasse B durch eine ähnlich starke Orientierung an traditionellen Männlichkeitsnormen sowie durch niedriges Arbeitsengagement, ausgeprägte Resignationstendenzen und den negativsten berufsbegleitenden Emotionen, während Klasse C die am wenigsten traditionell orientierten Männlichkeitsnormen und gleichzeitig eine vergleichsweise hohe psychische Resilienz aufwies. Die anschließende latente Transitionsanalyse zeigte, dass Männer der funktionaleren Klasse C über den Studienverlauf hinweg überwiegend stabil blieben. Umgekehrt wurden Wechsel aus den dysfunktionaleren Klassen A und B in Richtung C häufiger beobachtet als Rückentwicklungen. Besonders Männer der Klasse A zeigten eine hohe Übergangsdynamik. Die Wahrscheinlichkeit eines Klassenwechsels wurde dabei systematisch durch bestimmte Einflussfaktoren bestimmt. Eine erhöhte wahrgenommene Stigmatisierung verringerte die Wahrscheinlichkeit eines Wechsels in die funktionale Klasse C und begünstigte gleichzeitig eine Verschiebung hin zur resignativen Klasse B. Eine stärkere persönliche Stigmatisierung war insbesondere mit einem Wechsel von der funktionalen Klasse C in Richtung der leistungsorientierten, aber psychisch vulnerablen Klasse A verbunden. Auch die Intensität der stationären Therapie zeigte einen bedeutsamen Einfluss: Männer mit intensiverer stationärer Behandlung wechselten seltener in die funktionalere Klasse C und häufiger in die leistungsfokussierte Klasse A. Im Pfadmodell erwies sich ein Wechsel in die funktionale Klasse C als zentraler Prädiktor für eine signifikante Verbesserung depressiver Symptome über die Zeit. Ein Wechsel in die weniger funktionalen Klassen A oder B war hingegen nicht mit einer Veränderung depressiver Symptomatik verbunden. Die Inanspruchnahme einer leitliniengerechten Therapie wirkte sich indirekt über einen Wechsel in die Klasse C günstig auf den Depressivitätsverlauf aus. Zudem führten sowohl eine erhöhte wahrgenommene als auch eine erhöhte persönliche Stigmatisierung zu einer erhöhten Ausgangsdepressivität, welche einerseits die Wahrscheinlichkeit erhöhte, eine intensivere stationäre Behandlung zu erhalten sowie andererseits die Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme einer leitliniengerechten ambulanten Therapie verringerte.
Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass sich Männlichkeitsorientierungen und berufsbezogene Einstellungen im Therapieverlauf verändern können. Diese Veränderungen stehen in engem Zusammenhang mit dem Verlauf depressiver Symptome. Die Inanspruchnahme einer leitliniengerechten Therapie wirkt sich indirekt über einen günstigen Klassenwechsel hin zur resilienteren Klasse C auf den Depressivitätsverlauf aus. Hingegen können hohe Stigmatisierung oder intensive Behandlung ohne normreflektierende Inhalte Rückschritte oder Blockaden im Veränderungsprozess begünstigen. Eine rein leistungsbezogene Reaktivierung (z. B. Wechsel von Klasse B nach A) ist nicht automatisch mit einer Verbesserung verbunden, sondern kann maladaptive Bewältigungsmuster stabilisieren.
Schlussfolgerung: Veränderungen in Männlichkeitsorientierungen und arbeitsbezogenen Einstellungen sind zentrale Ansatzpunkte in der Behandlung depressiver Männer. Eine nachhaltige Verbesserung depressiver Symptome gelingt insbesondere dann, wenn Männer die Möglichkeit erhalten, tradierte Rollenmuster zu hinterfragen und funktionalere, emotional zugänglichere Rollenorientierungen zu entwickeln. Therapieangebote sollten daher geschlechtersensibel und normreflektierend ausgestaltet sein. Besonders der Abbau stigmatisierender Einstellungen, sowie eine kritische Auseinandersetzung mit traditionellen Männlichkeitsnormen sind entscheidend, um langfristige Therapieerfolge bei Männern mit Depression zu erzielen
Molecular characterization and liquid biopsy analysis of acinar- and duct-derived pancreatic ductal adenocarcinoma
Pancreatic ductal adenocarcinoma (PDAC) can originate from both pancreatic and acinar cells, with caerulein- and duct obstruction-induced pancreatitis promoting pre-neoplastic lesions in acinar and duct compartments, respectively. Whether the cell of origin contributes to PDAC molecular heterogeneity remains unclear.
In this study, I employed a transgenic mouse model to generate PDAC of distinct cellular origins. To elucidate the differences between acinar- and duct-PDACs, I conducted comprehensive analyses of tumor phenotype, oncogenic mechanism and liquid biopsy. Histological analysis revealed that acinar-derived tumors were more differentiated and exhibited increased collagen deposition and immune cell infiltration, particularly by macrophages. At the cellular level, acinar- and duct-PDAC cells displayed entirely different morphology. Transcriptomic profiling showed that acinar-PDACs aligned with the classical subtype of human pancreatic cancer, while duct-PDACs resembled the basal-like subtype. To further investigate the underlying regulatory mechanisms, I performed epigenomic analyses using ATAC-seq, CUT&Tag, and ChIP-seq. These experiments identified Brd4/Gata4 and Brd4/Runx2 as key lineage-specific transcription factors in acinar- and duct-PDACs respectively. To explore the translational potential of our findings, I analyzed serum protein profiles using four independent methods (Cytokines array, Olink, Mass spectrometry-TMT and Mass spectrometry-LFQ) and identified seven proteins (Dspp, Csf1r, Mgam, Saa2, Saa1, HGF and PDGF-B) with significantly different abundance between the two mouse models. These proteins may serve as candidate biomarkers for distinguishing classical and basal-like subtypes of PDAC
Spectroscopic Fingerprinting of Extracellular Vesicles from Diverse Cellular Origins by ATR-FTIR: Toward Vibrational Biomarkers of Vector-Host Interactions.
Extracellular vesicles (EVs) are nanoscale lipid bilayer structures that facilitate intercellular communication across biological systems. Although extensively studied in mammals, their spectral and biochemical characteristics in invertebrate hosts relevant to viral transmission remain poorly understood. In this study, Attenuated Total Reflectance–Fourier Transform Infrared (ATR-FTIR) spectroscopy was used to characterize and discriminate EVs derived from human dermal fibroblasts (FibEVs), hepatocytes (HepEVs), and Aedes albopictus mosquito cells (MosqEVs), alongside synthetic EV-like vesicles (SynEVs). Spectral data were analyzed using Principal Component Analysis (PCA), Canonical Analysis of Principal Coordinates (CAP), and sparse Partial Least Squares–Discriminant Analysis (sPLS-DA). PCA revealed clear clustering according to EV origin, while CAP showed strong group separation (R² ≈ 0.99), with the first two canonical axes explaining 89% of total variance. sPLS-DA identified discriminant wavenumbers associated with lipids, proteins, and nucleic acids, achieving 93% classification accuracy and an average AUC of 0.99. MosqEVs displayed lipid-enriched spectral profiles consistent with insect membrane composition, whereas mammalian EVs were protein-dominant. These findings demonstrate that ATR-FTIR is a rapid, label-free approach for EV discrimination and provide the first vibrational characterization of mosquito-derived EVs, supporting future applications in vector biology, infection surveillance, and exosome quality assessment
Psychometric Evaluation of the UPSIDES fidelity Scale
These datasets were used for the psychometric evaluation of a fidelity tool designed to assess adherence to the UPSIDES peer support intervention. Derived from the Using Peer Support In Developing Empowering Mental Health Services (UPSIDES) study, these datasets offer insights into the validation of the fidelity scale and its psychometric properties.
The datasets comprise data collected from six study sites across five countries, involving peer support workers and their clients. This data includes ratings of fidelity to the peer support intervention, collected at four and eight months after initial contact. The data was used for psychometric analysis, including assessments of internal consistency, construct validity, and criterion validity of the fidelity scale. It provides insights into the reliability and validity of the scale across different contexts and populations.
To ensure that no personal data (or data that could be used to draw conclusions about the identity of individual study participants) is published, the open access dataset was restricted to key variables relevant to the psychometric evaluation, while all items of the sociodemographic questionnaires were excluded. The data will be available in the repository OPARU following an embargo until 31/12/2025, to allow for prioritised generation of research findings by members the UPSIDES consortium
Wie verändern sich ausgangsrisikoabhängig die Hyperinflammationsparameter IL-6 und Ferritin sowie der Covid Inflammation Score unter dem Januskinaseinhibitor Ruxolitinib bei intensivtherapiepflichtigen Covid-19 Patienten?
Im Rahmen der vorliegenden Dissertation sollte geklärt werden, ob die Wirksamkeit einer Therapie mit Ruxolitinib bei intensivtherapiepflichtigen kritisch kranken Covid-19 Patienten von ihrem jeweiligen Ausgangsrisiko abhängig ist. Dazu wurden die Daten von 92 Patienten ausgewertet, welche aufgrund ihrer Covid-19 Infektion auf der Interdisziplinären Operativen Intensivmedizin (IOI) Station F1 des Universitätsklinikums Ulms behandelt wurden und im Rahmen der übergeordneten Studie „Ruxolitinib in Covid-19 patients with defined hyperinflammation (RuxCoFlam)“ mit dem Studienmedikament Ruxolitinib therapiert wurden. In die Studie aufgenommen wurden nur kritisch kranke Patienten, welche eine Hyperinflammationsreaktion gemessen am neu etablierten Covid Inflammation Score (CIS) aufwiesen. Als Endpunkte des Therapieansprechens wurden die Reduktion des CIS um mehr als 25% an Tag 7 im Verhältnis zum Ausgangswert definiert, sowie der Verlauf der Interleukin-6- und Ferritinserumkonzentrationen von Tag 1 bis Tag 7 miteinander verglichen. Dabei sollte geklärt werden, ob das Therapieansprechen (CIS-Response) vom Ausgangsrisiko der Patienten abhängig ist. Es wurde davon ausgegangen, dass Patienten mit einem hohen Ausgangsrisiko bessere Chancen auf einen Therapieerfolg (CIS-Response) haben und die Interleukin-6- bzw. Ferritinserumkonzentrationen stärker abfallen als bei Patienten mit niedrigerem Ausgangsrisiko. Hierfür wurde eine Kaplan-Meier-Kurve erstellt und mithilfe eines Log-Rank-Tests ausgewertet, Dotplots und Boxplots angefertigt und mithilfe von Mann-Whitney-Tests untersucht, Kreuztabellen mit absoluten bzw. relativen Häufigkeiten erstellt sowie logistische Regressionsanalysen durchgeführt.
Der Vergleich der Ausgangsrisikogruppen zeigte in Subgruppen aller Ausgangsrisiken einen Abfall der Interleukin-6- und/oder Ferritinserumkonzentrationen bei den CIS-Respondern im Gegensatz zu den Non- CIS-Respondern. So konnte nachgewiesen werden, dass der durch Ruxolitinib verursachte Abfall der Interleukin-6- und Ferritinserumkonzentrationen bei den CIS-Respondern, als zwei Einzelparameter, zur Senkung des Covid Inflammation Scores beigetragen hat. Dies unterstreicht die Wertigkeit des CIS zur Detektion von Covid-19 Patienten mit Hyperinflammation und als Selektionskriterium für eine Ruxolitinibtherapie. Die logistischen Regressionsanalysen ergaben unter zusätzlicher Berücksichtigung der Veränderung der Interleukin-6- und
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Ferritinserumkonzentrationen im Verlauf, dass vor allem das Geschlecht, das Alter und der CIS zu Beginn einen Einfluss auf das Therapieansprechen mit Ruxolitinib haben. Es profitierten eher männliche als weibliche, eher jüngere als ältere Patienten und eher Patienten mit einem höheren Maß an Hyperinflammation gemessen am CIS zu Beginn der Therapie. Der in Box- und Dotplots durchgeführte Vergleich der Interleukin-6- und Ferritinserumkonzentrationen in Zusammenschau mit den Kreuztabellen ergab, dass eher Patienten mit Blutgruppe A, mit einem höheren cycle-threshold-Wert zu Beginn, mit beziehungsweise ab zweiwöchiger Symptomdauer und Patienten ohne Organunterstützungsverfahren von einer Ruxolitinibtherapie profitieren könnten. Bezüglich der Auswertung des „Sequential Organ Failure Assessment“ - Scores (SOFA) ergaben sich widersprüchliche Ergebnisse, die zeigten, dass sowohl Patienten mit einem niedrigen als auch mit einem hohen Score die beste Chance auf eine Therapieansprechen hätten.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Hypothese nicht für alle untersuchten Ausgangsrisiken als bestätigt angesehen werden kann. So zeigte sich, dass dies beispielsweise beim Alter nicht zutrifft: jüngere Patienten, das heißt diejenigen mit einem geringeren Ausgangsrisiko, hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit, eine CIS-Response zu erreichen. Zudem zeigten einzelne Ausgangsrisikogruppen wie beispielsweise der SOFA–Score oder der World- Health-Organization-Schweregrad, dass ein niedrigeres Ausgangsrisiko mit einer stärkeren Senkung der Interleukin-6- und/oder Ferritinserumkonzentrationen assoziiert war. Aus den Ergebnissen der vorliegenden Arbeit kann jedoch abgeleitet werden, welche Subgruppen zu welchem Zeitpunkt am besten von einer Ruxolitinibtherapie profitieren könnten, nämlich männliche, jüngere Patienten mit einem höheren Maß an Hyperinflammation gemessen am CIS zu Beginn der Therapie.
Basierend auf den vorliegenden Ergebnissen wäre eine ausgangsrisikobasierte Folgestudie mit Kontrollgruppe und einer größeren Studienpopulation wünschenswert. Unter dieser Patientenselektion könnte hierbei unter Zuhilfenahme von weiteren im CIS enthaltenen Laborparametern noch genauer differenziert werden, welche Patienten zu welchem Zeitpunkt am besten und spezifisch von einer Ruxolitinibtherapie im Rahmen ihrer intensivtherapiepflichtigen Covid-19 Erkrankung profitieren könnten
Eine Pilotstudie über die Auswirkungen von Early Life Stress auf männliche Schweine – untersucht am Gehirn sowie anhand von Vital- und Laborparametern während einer Narkose
Wirkt psychischer oder physischer Stress auf Säuglinge und Kleinkinder führt dies zu neuronalen Entwicklungsstörungen im Gehirn und im Erwachsenenalter zu einer erhöhten Anfälligkeit für akute und chronische Erkrankungen und zu psychischen Störungen. Es gilt inzwischen als gesichert, dass das Neurohormon Oxytocin und dessen Rezeptor dabei eine entscheidende Rolle spielen, indem sie an der Steuerung wichtiger physiologischer Vorgänge beteiligt sind, die den Organismus vor Schäden durch Stress, Inflammation, Ischämie oder freien Radikalen schützen. Auch der Gasotransmitter Schwefelwasserstoff (H2S) ist an der Steuerung dieser Prozesse beteiligt und es ist naheliegend, dass beide Substanzen miteinander interagieren.
Ziel der vorliegenden Pilotstudie war es, zu untersuchen, ob sich frühkindlicher Stress (englisch: early life stress (ELS)) auf die Narkoseführung bei jungen Schweinen auswirkt und sich im Vergleich zu gesunden Tieren kreislaufstabilisierende Maßnahmen, hämodynamische Parameter, Blutgaswerte und die Konzentrationen ausgewählter Biomarker im Serum unterscheiden. Außerdem sollte untersucht werden, ob sich ELS auf das Vorkommen und die Menge von Oxytocin und dessen Rezeptor und der H2S produzierenden Enzyme im Schweinehirn auswirkt.
Im Alter von 6 Monaten wurden die Tiere 3 Tiere der Versuchsgruppe und 3 Tiere der Kontrollgruppe im Institut für Anästhesiologische Pathophysiologie und Verfahrensentwicklung an der Universität Ulm narkotisiert. Während der Narkose wurden die kreislaufstabilisierenden Maßnahmen, respiratorischen Parameter, hämodynamischen Parameter, und die Parameter des Säure-Basen-Haushaltes dokumentiert und es wurden für die Untersuchung von Biomarkern (Stressmarker, Zytokine, gehirnspezifische Marker) Blut entnommen. Die Verteilung von Oxytocin (OXT), Oxytocinrezeptoren (OXTR), Cystathionin-β-synthetase (CBS) und Cystathionin-γ-lyase (CSE) im Frontallappen, der Amygdala und im Hypothalamus mittels Immunhistochemie untersucht.
In Narkose traten bei Tieren der ELS-Gruppe im Vergleich zu gesunden Tieren häufiger Herzrhythmusstörungen auf. Der arterielle Mitteldruck war trotz erhöhtem Verbrauch an blutdrucksenkenden Medikamenten deutlich niedriger als in der Kontrollgruppe. Im Vergleich zur Kontrollgruppe wiesen die Tiere der ELS-Gruppe eine deutliche Leukozytose und erhöhte Blutzuckerwerte auf. Weiterhin fanden sich bei den männlichen Tieren der Kontrollgruppe höhere Serumspiegel für den Tumornekrosefaktor-α-, Interleukin-10, Enolase 2, Mikrotubuli-assoziiertes Protein 2 und das saure Gliafaserprotein. Wir konnten zeigen, dass OXT größtenteils im Hypothalamus produziert wird, dessen Rezeptor jedoch auch in der Amygdala und in der weißen Substanz des präfrontalen Kortex exprimiert wird. Die Anzahl der OXTR ist in der ELS-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe in den untersuchten Regionen deutlich kleiner. Das H2S-produzierende Enzym CBS konnten wir in allen von uns untersuchten Gehirnregionen nachweisen, während CSE nur vereinzelt im Hypothalamus nachweisbar war. Ein Unterschied zwischen den Tieren der ELS-Gruppe und der Kontrollgruppe bestand hier nicht
Emotional aging and the recall of autobiographical memories
Affective well-being has been found to increase throughout adulthood, and many theories have been proposed to explain this seemingly paradoxical phenomenon. One prominent suggestion that many of these theories have in common is that older adults may become increasingly adept at regulating their emotions by, for instance, avoiding potentially stressful situations. The strength and vulnerability integration (SAVI) framework additionally proposes that older adults may become better at regulating emotional experiences after some time, that is, in retrospect. While previous studies have found that older adults tend to avoid potentially harmful situations more frequently than younger adults do, the notion that older adults are more likely than younger adults to view past life events more positively over time has rarely been investigated. Thus, little is known about age-related differences in the emotional changes of autobiographical memories from the moment of the event to the moment of recall. Research on emotional changes in autobiographical memories primarily focused on the fading affect bias, which refers to the phenomenon whereby, on average, the affect intensity of negative events decreases to a greater extent and more rapidly over time than the affect intensity of positive events. The overall goal of this cumulative dissertation is to examine the processes of emotional aging from a different perspective by examining it in the context of the fading affect bias in autobiographical memories.
Four studies focusing on different aspects of this research question were conducted. Study I examined age-related differences in affective well-being in more detail and found that increased affective well-being in older age is evident also when examined through the trait version of the positive and negative affect schedule (PANAS). Studies II and III of this thesis focused on the fading affect bias in autobiographical memories. Study II found that the fading affect bias is the result of four different types of affect change in autobiographical memories, which largely depend on the initial affect intensity of events, and become more positive for individuals with higher levels of affective well-being. Study III examined the validity of the fading affect bias, demonstrating that individuals subjectively perceive a fading affect bias in their autobiographical memories, thereby supporting the appropriateness of retrospective methods in fading affect bias research. Finally, Study IV found that the fading affect bias exhibits a U-shaped curve across age: it decreases slightly until around 40 years of age, then increases into oldest age.
Taken together, these findings are in accordance with the notion that older adults experience increased affective well-being partly because they view their personal past more positively. In this regard, this thesis demonstrates the relevance of internal stimuli for emotions in explaining age-related differences in affective well-being, thus offering a new perspective on emotional aging that has largely been overlookedEine Reihe von empirischen Studien ergaben, dass das affektive Wohlbefinden von Individuen über das Erwachsenenalter zunimmt und im hohen Erwachsenenalter am stärksten ausgeprägt ist. Um dieses scheinbar paradoxe Phänomen zu erklären, wurden unterschiedliche Theorien vorgeschlagen. Eine in diesem Rahmen oft genannte mögliche Erklärung ist, dass ältere Erwachsene ihre Emotionen zunehmend besser regulieren können, beispielsweise, indem sie potenziell stressauslösende Situationen vermeiden. Die Strength and Vulnerability Integration (SAVI) Theorie schlägt zusätzlich vor, dass ältere Erwachsene immer besser darin werden, vergangene Lebensereignisse nach einiger Zeit emotional zu regulieren, das heißt, in der Retrospektive. Während frühere Studien ergeben haben, dass ältere Erwachsene potenziell schädliche Situationen tatsächlich eher vermeiden als jüngere Erwachsene, wurde der Vorschlag, dass ältere Erwachsene vergangene Ereignisse im Nachhinein in einem positiveren Licht sehen könnten als jüngere Erwachsene, bislang nur selten untersucht. Mit anderen Worten: Es ist nur wenig bekannt über altersbedingte Unterschiede in emotionalen Veränderungen autobiographischer Erinnerungen über die Zeit, das heißt, vom Zeitpunkt des Ereignisses bis zum Zeitpunkt des Abrufs. Die Forschung zu emotionalen Veränderungen in autobiographischen Erinnerungen konzentrierte sich in erster Linie auf den Fading Affect Bias, der das Phänomen beschreibt, dass die Affektintensität negativer Ereignisse im Durchschnitt stärker und schneller über die Zeit abnimmt als die Affektintensität positiver Ereignisse. Das übergeordnete Ziel dieser kumulativen Dissertation ist es, die Prozesse des emotionalen Alterns anhand von Altersunterschieden im Fading Affect Bias und damit aus einer neuen Perspektive zu untersuchen.
Vier empirische Studien, die sich auf verschiedene Aspekte dieser Forschungsfrage konzentrieren, sind Bestandteil der vorliegenden Dissertation. Studie 1 untersuchte Altersunterschiede im affektiven Wohlbefinden im Detail und ergab, dass ein erhöhtes affektives Wohlbefinden im höheren Alter auch bei Verwendung der Trait-Version des Positive and Negative Affect Schedule (PANAS) deutlich wird. Die Studien 2 und 3 dieser Arbeit konzentrierten sich auf den Fading Affect Bias in autobiographischen Erinnerungen. Studie 2 ergab, dass der Fading Affect Bias das Ergebnis von vier verschiedenen Arten von Affektveränderungen in autobiographischen Erinnerungen ist, die weitgehend von der anfänglichen Affektintensität der Ereignisse abhängen und bei Personen mit einem höheren affektiven Wohlbefinden positiver ausfallen. Studie 3 untersuchte die Validität des Fading Affect Bias und zeigte, dass Personen subjektiv einen Fading Affect Bias in ihren autobiographischen Erinnerungen wahrnehmen, was die Angemessenheit retrospektiver Methoden in der Forschung zum Fading Affect Bias unterstützt. Studie 4 schließlich ergab, dass der Fading Affect Bias eine U-förmige Kurve über das Alter hinweg aufweist: Er nimmt bis zum Alter von etwa 40 Jahren leicht ab und steigt dann bis zum höheren Erwachsenenalter an.
Zusammengenommen stimmen diese Ergebnisse mit der Annahme überein, dass ältere Erwachsene ein höheres emotionales Wohlbefinden erleben, weil sie ihre persönliche Vergangenheit positiver sehen. In dieser Hinsicht unterstreicht diese Arbeit die Relevanz interner emotionaler Stimuli zur Erklärung altersbedingter Unterschiede im affektiven Wohlbefinden und bietet somit eine neue, bisher vernachlässigte Perspektive auf emotionales Altern
Transkutanes CO2-Monitoring bei komplexen elektrophysiologischen Eingriffen in moderater bis tiefer Analgosedierung
Komplexe elektrophysiologische Interventionen zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen gewinnen in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung. Eine tiefe Sedierung des Patienten ist die Grundvoraussetzung für eine sichere und effiziente Untersuchung. Unkontrollierte Patientenbewegungen während des Eingriffs können so vermieden und eine ungestörte, kontinuierliche Durchführung der Intervention gewährleistet werden. Die Gabe von Sedativa und Analgetika ist mit dem Risiko einer Atem- und Kreislaufdepression verbunden und kann potenziell zu verschiedenen Komplikationen, wie Hyperkapnie, Hypoxie und Hypotonie, führen.
Die Zielsetzung dieser Arbeit war die Evaluation des Nutzens einer zusätzlichen transkutanen Kohlenstoffdioxidmessung (tCO2) auf das Sedierungsmanagement während komplexer elektrophysiologischer Untersuchungen im Vergleich zu einem Standardmonitoring. Das Standardmonitoring beinhaltet die kontinuierliche Überwachung der Sauerstoffsättigung (SpO2), regelmäßige nicht-invasive Blutdruckmessungen sowie halbstündliche Blutgasanalyse (BGA). Der kombinierte primäre Endpunkt war definiert als ein Abfall des SpO2 unter 90 % und das Auftreten einer pathologischen venösen BGA. Als pathologische venöse BGA wurden folgende Kriterien gewertet: Anstieg des pCO2 > 70 mmHg oder > 30 % vom Ausgangswert oder einem pH < 7,25 im Sinne einer respiratorischen Azidose. Sekundärer Endpunkt waren die einzelnen Aspekte des primären Endpunktes und zudem Hypotonien sowie die verabreichten Sedativa- und Analgetikamengen.
In dieser prospektiv, randomisierten, monozentrischen Studie wurden insgesamt 726 Patienten rekrutiert, die sich am Herzzentrum der Universität Ulm einer elektrophysiologischen Intervention unter tiefer Sedierung unterzogen haben. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt: In einer Gruppe wurden die Patienten während der Sedierung mittels Standardmonitoring überwacht, während die andere Gruppe zusätzlich ein kontinuierliches transkutanes CO2-Monitoring (TCM) erhielt. Nach Ausschluss von 21 Patienten aufgrund technischer Probleme, wurden insgesamt 705 Patienten in die Analyse eingeschlossen: 357 in der Gruppe „Standardmonitoring + TCM“ und 348 in der Gruppe „Standardmonitoring“.
Die Ergebnisse zeigen, dass 221 (61,9 %) Patienten in der Gruppe mit zusätzlichem TCM und 227 (65,2 %) Patienten in der Gruppe mit Standardmonitoring den primären Endpunkt erreichten, wobei kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen beobachtet wurde (p = 0,359). Hinsichtlich der sekundären Endpunkte wies die Standardüberwachungsgruppe dagegen einen deutlichen Anstieg des peripheren venösen CO2-Partialdrucks von über 30 % gegenüber dem Ausgangswert auf (p = 0,005). Darüber hinaus traten Fälle, in denen der venöse pH-Wert unter 7,25 fiel, in der Gruppe „Standardmonitoring“ signifikant häufiger auf als in der Gruppe „Standardmonitoring + TCM“ (p = 0,047).
Zusammenfassend ist festzustellen, dass das TCM während komplexer elektrophysiologischer Untersuchungen im Vergleich zum Standardmonitoring keinen signifikanten Vorteil hinsichtlich des kombinierten primären Endpunkts bietet. Das erweiterte Monitoring der Patienten kann zur Verhinderung signifikanter CO2-Anstiege und respiratorischer Azidose beitragen