Münchener Theologische Zeitschrift (Katholisch-Theologische Fakultät der LMU München)
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Kybernetismus: Politische Anthropologie in der Krise
Transformationen in der Gesundheitspolitik und in der globalen Ökonomie im Zusammenhang mit der Digitalisierung lassen sich interpretieren als Realisierungen eines kybernetischen Paradigmas, welches im Folgenden als ‚Kybernetismus‘ bezeichnet wird. Das impliziert eine politische Anthropologie, die mit jenem Menschenbild inkompatibel ist, welches von Aristoteles bis Habermas entwickelt wurde und die Grundlage des liberalen, demokratischen Rechtsstaats bildet. Im medizinisch-technokratischen Menschenbild zeigt sich das deformative Potenzial der angewandten Soziokybernetik, die den Fundamenten der Demokratie widerspricht
Performative Offenbarung: Zur fundamentaltheologischen Epistemologie der Rede von „Offenbarung“
Der Artikel setzt sich mit der Frage auseinander, welchen epistemischen Stellenwert das Konzept Offenbarung besitzt. Wie verhalten sich der Anspruch auf ein revelatori-sches Ereignis und hermeneutische Aneignung, aber auch religionsgemeinschaftliche Überlieferung zueinander? Erkenntniskonstitutiv lassen sich diese Aspekte weder in historischer noch in theologischer Hinsicht trennen. Religiöse Offenbarungsansprüche treten als kommunikative Handlungen auf, deren Bedeutung sich nur in Glaubensge-meinschaften erschließt und die dort ihre verbindliche, kanonische Gestalt annehmen. Es handelt sich bei der Rede von Offenbarung insofern um eine Interpretationsleistung. Der Wirklichkeitsgehalt dessen, was als Offenbarung bestimmt wird, erhält seine spe-zifische Signatur dabei durch die performative Erschließungskraft des Offenbarten
Toward a Hermeneutics of Divine Revelation: Bonhoeffer’s Quarrel with Barth
Dieser Beitrag wirft einen neuen Blick auf den Streit zwischen Karl Barth und Dietrich Bonhoeffer hinsichtlich der Frage nach göttlicher Offenbarung. Im ersten Abschnitt wird Barths aktualistische Darstellung der göttlichen Offenbarung untersucht, die zu-gleich einen ersten Einstieg in die Problematik der Offenbarung bietet. Der zweite Teil beleuchtet jene Art und Weise, in der Bonhoeffer versucht, Barths Position zu verbes-sern, indem er Offenbarung als durch Geschichte und menschliche Sozialität innerhalb der Kirchengemeinschaft vermittelt auffasst. Auf diese Weise bietet Bonhoeffer eine bessere Position, um eine Hermeneutik der göttlichen Offenbarung zu entwickeln, die zu zeitgenössischen Fragen der theologischen Erkenntnistheorie Stellung nehmen kann
Planetary Hermeneutics in a Time of Crisis
Der Klimawandel stellt die Menschheit vor weitreichende Herausforderungen. Wir sind im Allgemeinen nicht mit den Denk- und Handlungs-Erfordernissen auf planeta-rischer Ebene vertraut. Und doch müssen wir in philosophischer, sozialer und politi-scher Hinsicht global denken, wenn wir bestehende Spaltungen überwinden wollen. Wir argumentieren hier dafür, dass ein Teil der Antwort sich im kulturellen Gedächtnis von vor etwa 12.000 Jahren abgelagert haben könnte. Gemeint ist jener Zeitpunkt in der Jungsteinzeit, als das Sehen des Gesichts des anderen durch die intensive manuelle Gestaltung von Totenmasken die zwischenmenschliche Kommunikation vor allem auch taktil beförderte. Der Einblick in eine so wichtige Periode unserer Vergangenheit kann durch den Rückgang auf eine solche Innovation neue Quellen für das Verständnis der menschlichen Beziehungen in der Neuzeit bieten. Beginnend mit einer Analyse des Aufstiegs von Wissenschaft und Technik Mitte des 19. Jahrhunderts, verweist die Darstellung auf die Entwicklung von Derridas Denken im Lichte seiner späten Priori-sierung von Ritual, Kultur und gemeinsamer religiöser Traditionen. Schließlich stellen wir die Frage, ob die „taktile“ Revolution der neolithischen Zeit noch in unsere eigene Geschichte einbezogen werden kann – und wenn ja, was wir angesichts heutiger Her-ausforderungen von früheren Menschen lernen können
Synodale und befreiende Dynamiken im Pontifikat von Franziskus : Theologien im Dienst der Transformation
Dieser Beitrag bettet Martin Kirschners Projekt einer ‚Theologie in den Transformationsprozessen der Gegenwart‘ in die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils im Pontifikat von Franziskus und in den gegenwärtigen Reformprozess einer Kirche auf synodalen Wegen ein. Es geht heute darum, die geistliche Tiefendimension des Konzils auszuschöpfen und die befreienden und synodalen Dynamiken im Pontifikat von Franziskus herauszuarbeiten. Dazu ist die Entfaltung einer theologischen Hermeneutik notwendig, die als ‚topische Dialogik‘ im Dienst der Transformation steht und die sich als performative, in der Bekehrungsdynamik des Evangeliums gründende und konfliktstarke Theologie versteht. Das ist ein Denkweg, auf dem der Hingabe des göttlichen Logos in den ‚Zeichen der Zeit‘ nachgespürt werden kann
Konziliar, polyperspektivisch und subjektsensibel: Fundamentalmoralische Skizzen zum gegenwärtigen Selbstverständnis Theologischer Ethik
Jean Leclercq Ein Humanist wird Eremit. Paul Giustiniani (1476–1528). Aus dem Französischen übersetzt und bearbeitet von Plazidus-Karl Hungerbühler, Aachen: Patrimonium 2019 und Jean Leclercq, Mit Gott allein. Das eremitische Leben nach der Lehre des Se
Unterwegs zu einer neuen Sexualethik
Bei dem derzeit im kirchlichen Raum vielerorts postulierten Projekt einer „neuen“ Sexualethik geht es weder um Marginales noch gar um ein Werbesignal gegenüber der Öffentlichkeit. Der Beitrag erkundet deshalb zunächst, warum die Neuheit gewollt oder sogar notwendig ist. Er versucht dann zu klären, worin die Neuheit näherhin bestehen könnte. In direktem Zusammenhang damit geht er der Frage nach, was es mit der sogenannten katholischen Sexualmoral als Komplex fordernd auftretender konkreter Regeln und Prinzipien für sexuelles Handeln, von denen man sich so energisch absetzen möchte, auf sich hat. Im Anschluss daran werden Überlegungen angestellt, warum dieses Reformprojekt nach verbreitetem Eindruck eine zähe Angelegenheit ist. Abschließend wird versucht, einige Fixpunkte zu markieren, die sich in den bisherigen Debatten abzeichnen