Münchener Theologische Zeitschrift (Katholisch-Theologische Fakultät der LMU München)
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Richard Graupner, Der Gottesdienst als Ritual. Entdeckung, Kritik und Neukonzeption des Ritualbegriffs in der evangelischen Liturgik (Evangelisch-Katholische Studien zu Gottesdienst und Predigt 5), Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2019
Welche Schwierigkeiten entstehen, wenn wir von „moralischer Wahrheit“ sprechen?
Der vorliegende Beitrag versucht, einige Verpflichtungen zu benennen, die mit dem Gebrauch der Rede von moralischen Wahrheiten verbunden sind. Was explizit ist, hat einen propositionalen Gehalt, etwa den Gehalt einer Überzeugung, die durch das Benennen moralischer Wahrheiten zum Ausdruck gebracht wird. Beleuchtet werden soll das Implizite, das in einer entsprechenden Praxis enthalten ist. Dabei zeigen sich Spannungen innerhalb des in solchen Überlegungen in Anspruch genommenen normativen Vokabulars
Creations of the Mind: Antirealismus bei artifiziellen Gegenständen?
Gibt es Artefakte wie Stühle, Tische und Tassen wirklich, oder sind es nur Konzepte unseres Geistes, welche wir auf bestimmte Ansammlungen von physikalischen Mikroelementen projizieren? Peter van Inwagen argumentiert auf Basis seiner Theorie der materiellen Zusammensetzung unter anderem für eine ontologische Eliminierung aller artifizieller Objekte, da diesen keine von unseren geistigen Aktivitäten unabhängige Bestimmtheit zukommen kann. Auch bei alltagsontologischen Entwürfen, die materielle Zusammensetzung auf Basis einer Artenontologie denken, stellt die Frage nach Artefakten ein intrikates Problem dar; beruhen artifizielle Arten nicht immer auf unseren Zweckbestimmungen und Intentionen und sind daher notwendig bewusstseinsabhängig? Dieser Artikel vergleicht verschiedene Theorie zum Umgang mit Artefakten im Kontext der Diskussion um materielle Objekte und deren Zusammensetzung
„Man darf den Priester nicht in dieser Weise bloßstellen...“: Nachlese zum „Fall Crottogini“
1955/56 verbot das Sanctum Officium zunächst einzelne Kapitel, schließlich die gesamte Dissertation „Werden und Krise des Priesterberufes“ des Schweizer Ordenspriesters Jakob Crottogini SMB. Bislang konnte nur vermutet werden, dass dies aus Opportunitätsgründen geschehen war, weil Crottogini sich darin empirisch u. a. mit sexuellen Schwierigkeiten von Priesterkandidaten beschäftigt hatte. Auch der genaue Ablauf des Zensurverfahrens ließ sich nicht lückenlos rekonstruieren, weil eine wesentliche Quelle noch gesperrt war: Crottoginis Akte im Archiv der Kongregation für die Glaubenslehre. Erst seit März 2020 ist die Akte zugänglich, was nun eine abschließende Rekonstruktion und Bewertung dieses Zensurfalls kurz vor der Abschaffung des Index der verbotenen Bücher ermöglicht. Vor allem vor dem Hintergrund der Missbrauchsvorwürfe in der katholischen Kirche ist dieser signifikante Zensurfall von besonderer Bedeutung