Journal für Psychologie (Neuen Gesellschaft für Psychologie - NGfP)
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Intercultural competence in socio-pedagogic family support (SPFH) exemplified with Turkish migrants in Berlin
Dieser Beitrag thematisiert basierend auf einer empirischen Untersuchung Vorliegender Artikel basiert auf einer Studie der Verfasserin zu interkultureller Kompetenz in der SPFH (Erdem 2011). Für die Untersuchung wurde eine Doppelperspektive, und zwar die der Familienhelfer_innen deutscher und türkischer sowie die der Erziehungsberechtigten türkischer Herkunft gewählt. die Problematik der mangelnden »interkulturellen Kompetenz« in der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH). Hierbei handelt es sich um eine Hilfe zur Erziehung nach § 31 SGB VIII (Sozialgesetzbuch Acht). Aufgrund der starken Präsenz der Helferin/des Helfers in der Familie stellt die SPFH einen wesentlichen Eingriff in die Autonomie der Familie dar. Umso wichtiger ist es daher, dass in der Arbeit mit Familien mit Migrationshintergrund nicht nur allgemeine professionelle Standards eingehalten werden, sondern darüber hinaus zentrale Qualitätskriterien »interkultureller Kompetenz« sowohl im Prozess der Hilfeplanung durch das Jugendamt als auch in der alltäglichen Zusammenarbeit der Fachkraft des Freien Trägers mit der Familie Berücksichtigung finden. Anhand eines Fallbeispiels zeigt dieser Artikel die Anforderungen an eine interkulturell kompetente Praxis der Planung und Umsetzung der Sozialpädagogischen Familienhilfe auf. Der vorliegende Artikel basiert auf einer Studie der Verfasserin zu interkultureller Kompetenz in der SPFH (Erdem 2011). Für die Untersuchung wurde eine Doppelperspektive, und zwar die der Familienhelfer_innen deutscher und türkischer sowie die der Erziehungsberechtigten türkischer Herkunft gewählt. Die Frage der Studie lautet: Welche Probleme werden von den Akteur_innen berichtet und inwieweit erweist sich interkulturelle Kompetenz als ein essentieller Bestandteil der Zusammenarbeit in der SPFH?This article, which is based on an empirical survey1, addresses the problem of insufficient "intercultural competence" in socio-educational family assistance (SPFH). This is an educational assistance provision under § 31 SGB VIII (Sozialgesetzbuch Acht - Social Security Code Eight). Due to the powerful presence of the counsellor within the family, SPFH constitutes a significant invasion of the family\u27s autonomy. It is therefore all the more important that, while working with families with migration background, not only general professional standards, but also vital quality criteria of "intercultural competence" are met - both during the process of assistance planning by the youth welfare service, as well as during the day-to-day cooperation between the qualified employee of the private welfare agency and the family. This article illustrates the requirements placed on an interculturally competent practice of planning and implementing socio-educational family assistance by means of a case example. The present article is based on a study by the author concerning intercultural competence in SPFH (Erdem 2011). The survey utilized a double perspective, i.e. this of family counsellors of German and Turkish descent on the one hand, and this of parents of Turkish descent on the other.
The study\u27s research question is: Which problems are reported by the parties and to what extent does intercultural competence prove itself to be an essential component of cooperation in SPFH
To make live and to make die: Antimuslim and other racisms in the regulation of «drug-addicts” without German citizenship
Im Mittelpunkt des Beitrags steht die besondere Gefährdung »ausländischer Drogenabhängiger«, zu sterben oder abgeschoben zu werden, die sich aus dem Ineinandergreifen ausländer-, sozial- und betäubungsmittelrechtlicher Regulierungen ergibt. Unter Rückgriff auf Michel Foucaults Bio-Machtanalytik analysiert der Beitrag diese »Gefährdung« als Effekt jener leben machenden und sterben lassenden Zäsursetzung, die für Foucault den Kern des Rassismus ausmacht. Der Beitrag geht den vielfältigen kulturalisierenden, orientalisierenden und biologisierenden Rassismen nach, die in die Logik und die Genealogie der gesetzlichen Regulierung »ausländischer Drogenabhängiger« eingehen, an die auch der antimuslimische Rassismus anknüpft. Dies ist insbesondere die Konstruktion von »nichteuropäischen Ausländern« als besondere »Gefahr« für die »Volksgesundheit«, in die u.a. die verbreitete Repräsentation von »Ausländern« als »Dealer« eingeht. Die leben machenden und sterben lassenden Effekte der hier analysierten Regulierungen werden dabei nicht unter Aussetzung des Rechts, sondern mit dem Recht, innerhalb des Rahmens des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaats erzeugt, so das Fazit des Beitrags.This contribution is centered on the special danger of dying or being deported, which characterizes the situation of «drug-addicts” without German citizenship. This danger is produced by the intersection of social-, immigrant-, citizenship- and narcotic drug laws. This «danger” is analyzed in terms of Michel Foucault’s analysis of bio-power as the power «to make live and to make die”. The article sketches the intersections of diverse strands of racisms in the logic and genealogy of regulating «drug-addicted non-citizens”, including culturalizing, orientalizing und biologizing racisms, to which current anti-muslim racisms connect. Specifically, these racisms include the construction of «non-european foreigners” as particularly «dangerous” for the «Volksgesundheit” or the health of the population, which reproduces the widespread racist image of «foreigners” as «drug dealers”. The regulation of drug-addicted non-citizens differentiates between those, who are to live and those, who can be symbolically und physically let to die, which for Foucault characterizes racism. As the article highlights, this racism is not produced by the suspension of law, but by means of law, within the framework of the constitutional state
Securing privileges, revitalizing national identity
Islamfeindlichkeit, Muslimfeindschaft, Islamophobie, antimuslimischer Rassismus – diese Begriffe kursieren derzeit in der bundesdeutschen Debatte, wenn es darum geht, ein Phänomen zu benennen, das Muslim_innen als Muslim_innen diskriminiert. Häufig werden die Begriffe synonym verwendet oder ihre Verwendung pragmatisch begründet, etwa mit Hinweis darauf, dass ein bestimmter Begriff bereits eingeführt, in der internationalen Debatte üblich oder an andere gebräuchliche Begriffe anschlussfähig sei. Gleichwohl rekurrieren die Begriffe auf unterschiedliche Gesellschaftsmodelle, so dass Theorie, Forschung und Praxis divergieren. Zwei Erklärungsansätze, die sich jeweils auf eigene empirische Studien stützen, werden im Aufsatz einander gegenübergestellt: 1.) Die Modelle der Islamophobie bzw. der Islamfeindlichkeit, die Heitmeyer et al. in ihrer Langzeitstudie zur »Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit« erforschen (vgl. Heitmeyer 2012) und 2.) die Theorie des antimuslimischen Rassismus, der sich auf die kritische Rassismusforschung und die postkoloniale Theorie bezieht (vgl. Attia 2009).Islamophobia, anti-Muslim racism, and anti-Muslim and anti-Islamic hostilities – these concepts have been circulating in recent German discourse in an effort to name a phenomenon in which Muslims are discriminated against as Muslims. The terms are often used synonymously or their respective use is justified pragmatically by indicating, for example, that a certain term has already been introduced, is common in international discourse, or is compatible with other frequently used terms. These terms nevertheless refer back to different social theories, causing theory, research, and practice to diverge. Two explanatory approaches, each of which is supported by its own empirical studies, will be contrasted in this article: (1) the models of Islamophobia or anti-Islamic hostilities, which Heitmeyer et al. are researching in their longitudinal study on «group-focused enmity” (see Heitmeyer 2012); and (2) the theory of anti-Muslim racism, which is based on critical racism and postcolonial theory (see Attia 2009)
Mobilizing emotive power: The politics of affects
Im vorliegenden Artikel wird gezeigt, wie das Verhältnis zwischen Macht und Wissen im biopolitischen Migrationsregime sich wandelt. Nicht nur – obwohl es nach wie vor in Statistiken, Narrativen und Repräsentationen ausgiebig vorkommt – das »objektive« Wissen, sondern die aktive Mobilisierung immaterieller Kapazitäten des Körpers zum Denken, Fühlen und Verstehen rückt zunehmend in den Fokus der Macht. Die populistischen Kritiker_innen von Diversität und Multikulturalität bedienen sich emotiver Kräfte wie Liebe, moral panic, Angst und Unsicherheit, um in das öffentliche Unbewusstsein intervenieren zu können. Sie zielen auf eine gesunde und produktive Gesellschaft von verantwortlichen Bürger_innen ab, wovon die devianten und mangelhaften (muslimischen) Migrant_innen ausgegrenzt werden sollen. Obschon dieser Ansatz aufgrund seiner Leugnung von pluralen Auswahlmöglichkeiten moderner Zugehörigkeiten unrealistisch und auch undemokratisch ist, ermöglicht die Nostalgie das Wiederaufleben »nationaler« Werte und die Ausgrenzung oder die Domestizierung von Fremden.In this article, I consider how the particular arrangement of power/knowledge in today’s biopolitical migration regime indexes an emotive negotiation between the State and the national subject, thus fostering symbolic and material exclusions. This arrangement is less concerned with "objective" knowledge, although it is still widely spread in statistics, narratives and representations; rather, it is the active mobilization of the immaterial capacity of the body to think, feel and understand which is increasingly becoming the focus of the power/knowledge dynamics of the present. Populist critics of diversity and multiculturalism draw on these emotive forces, such as love, moral panic, fear and insecurity in order to intervene in the public unconscious. They aim for a healthy and productive society of responsible citizen-subjects, from which «deviant and defective” (i.e. Muslim) immigrant ones can then be «legitimately” excluded. Although this approach is unrealistic and undemocratic – not least due to its denial of plural choices of modern affiliations/belongings –, a nostalgic attachment between State and national subject emerges from this formation, enabling the resurgence of "national" values and the simultaneous exclusion, or domestication, of strangers
Organizational Identity and Growth of Young Companies – A Case Study Approach Based by System Theory
Die organisationale Identitätsforschung wurde, ausgehend von Albert und Whettens wegweisendem Beitrag in 1985, bisher weitgehend von sozialpsychologischen Ansätzen dominiert, bei denen die Dauerhaftigkeit ein wesentliches Identitätsmerkmal war. Der Umgang mit Wandel stellte im Rahmen dieser Ansätze folglich eine besondere Herausforderung dar, insbesondere die Frage nach der Wandelbarkeit der Identität selbst. Systemtheoretische Ansätze von organisationaler Identität gehen aufgrund ihres reflexiven Charakters immanent von einer wandelbaren Organisationsidentität aus. So wird im vorliegenden Beitrag nach einem kurzen Abriss über Konzepte der Organisationsidentität ein systemtheoretisches Verständnis von Organisationsidentität als theoretische Basis fundiert, um hierauf aufbauend im Rahmen von zwei Fallstudien erste Aussagen zum Wandel von Organisationsidentität in jungen, wachsenden Unternehmen zu treffen. Es zeigt sich, dass diese Unternehmen dem Risiko unterliegen, in eine Identitätsfalle zu tappen, wenn sich ihre Identität nicht wandelt. Ein Identitätswandel beinhaltet veränderte Selbstbeschreibungen eines Unternehmens und wird durch Umweltanregungen ausgelöst und befördert.Research on organizational identity is, followed by Albert and Whetten’s seminal work in 1985, dominated by the social identity theory stream which puts focus on the «enduring” character of identity. In this context the inclusion of change is a major challenge, especially with regard to a changing identity itself. Constructs of organizational identity which are based on system theory are reflexive in nature and thus incorporate an immanently dynamic view on identity. In this paper we briefly summarize different concepts of organizational identity before we describe the system theory view on organizational identity as a theoretical basis for two case studies. These cases deal with changes in the organizational identity of two young companies during times of growth. It results that both case companies run the risk of falling into an identity trap if they miss to adapt their identities. Identity adaptations, observed by changing self descriptions, are triggered by irritations from the environment
Identity of and identification with organisations
Das Interesse an der Erforschung der organisationalen Identität ist in den letzten Jahrzehnten gestiegen. Eher weniger beleuchtetet wurden Formen der Nicht-Identifikation. Identifikation und Nicht-Identifikation stellen dabei zwei voneinander unabhängige Variablen dar. Sie markieren vier verschiedene Formen der Identifikation: hohe Identifikation, hohe Nicht-Identifikation, neutrale Identifikation und ambivalente Identifikation. In diesem Artikel wird ein Überblick über die bisherigen Forschungen zum Thema Nicht-Identifikation gegeben und anhand eines Fallbeispiels aufgezeigt, dass im Rahmen eines Veränderungsprozesses aufgrund des fehlenden Einbezugs des Personals, ausbleibenden Erfolgs und fehlenden Prestiges unterschiedliche Formen der Identifikation unter den MitarbeiterInnen entstehen. Wesentliche Einflussfaktoren auf die Form der Identifikation sind in diesem Fall die Geschichte der MitarbeiterInnen in der Organisation und die Länge der Betriebszugehörigkeit. Zum Abschluss gibt der Artikel Anhaltspunkte für das Management von Veränderungsprozessen, um die Identifikation der MitarbeiterInnen zu erhalten.Interest on research on employees’ identification with their organization has emerged rapidly in the recent decade. A topic that has not reached much attention is disidentification. That is why the following article deals with different forms of identification and disidentification in an organizational context. Identification and disidentification are not the opposite, but two different variables that define four different types of identification: high identification, high disidentification, neutral identification and ambivalent identification. After giving an overview of the discussion on identification and disidentification a qualitative case study shows different forms of identification and disidentification after a change process. The reason for the different forms among employees lies in the missing involvement of the employees, missing profit and prestige. That is why the main factor of influence for disidentification in this case study is grounded in the history of the employee in the organisation and the job tenure. Finally, the article makes recommendations for management to hold up identification during and after a change process
Rising uncertainties and »Eigensinn«. Educational Labor in processes of reorganization
Wir diskutieren in diesem Artikel ausgewählte Ergebnisse des Forschungsprojekts »Bildungsarbeit im Umbruch?«, in dem wir die Konsequenzen bildungspolitischer Reformen für Arbeit und Organisation im Bildungssystem untersucht haben. Dabei konzentrieren wir uns auf zwei Problembereiche. Wir zeichnen, erstens, die Verunsicherungsprozesse nach, die die Stellenstrukturen und die professionelle Identität der Beschäftigten betreffen. Daran anschließend untersuchen wir, zweitens, den Eigensinn der Beschäftigten, der sich in ihrem Umgang mit Organisationsreformen beobachten lässt. Wir schließen mit einer Reflexion zum Wechselverhältnis zwischen Organisationsreformen und daraus resultierenden Verunsicherungen und dem Eigensinn der Beschäftigten.This article discusses selected results from the research project »Educational Labour in Transition« that analyzed the consequences of educational policy reform on labor and organizations within the educational system. We focus on two issues: First, we reconstruct the increasing uncertainty of positional structures and professional identities. Second, we observe the «Eigensinn” of educational workers that expresses itself in their way of tackling organizational reforms. We close our discussion by reflecting on the interaction of educational, increasing uncertainties and employees’ Eigensinn
Change Management in the Public Sector – a Practical Example
Im Rahmen des Überleitungsprozesses der Landesverteidigungsakademie (LVAk) des BMLVS (Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport, Österreich) hin zu einer gegenwärtig neu zu entstehenden Zielstruktur wurde neben einem fachorientierten Zugang auch ein mitarbeiterorientierter Prozess ermöglicht. In diesem Zusammenhang wurden sechs Veranstaltungen in Form eines adaptierten World Cafés mit unterschiedlichen Fragestellungen abgehalten und nach der Erarbeitung und Auswertung der gewonnenen Daten eine entsprechende Rückmeldung mit Bearbeitungsanhalten an das durchführende Kommando und die einbezogenen Arbeitsgruppen sowie an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegeben. In Kooperation mit dem verantwortlichen Kommando konnten die ersten Punkte, resultierend aus den Ergebnissen der World Café Phasen, schon an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rückgemeldet und umgesetzt werden. Die Begleitung des mitarbeiterorientierten Prozesses findet derzeit über einen »Point of Contact« mit der Möglichkeit der Ideengenerierung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber auch durch die aktive Informationsgestaltung durch das Kommando statt.The National Defence Academy, an element of the Austrian Ministry of Defence and Sports, is undergoing a transition process leading the Academy towards a new target structure that is currently being developed. In so doing, in addition to a subject-oriented approach, also an employee-oriented process was introduced. In the process, a total of six events were held in the form of adapted World Cafés, dealing with various issues; and after the preparation and evaluation of the gained data feedback, including guidance on how to process the data, was passed on to the implementing Headquarters, the working groups involved and also the employees. In cooperation with the responsible Headquarters the first items resulting from the World Café phases could already be fed back to the employees and be implemented. The staff-oriented process is currently supported via a point of contact, through which the staff can contribute ideas as well, but also by the active information policy on the part of the Headquarters