Journal für Psychoanalyse (Psychoanalytisches Seminar Zürich - PSZ)
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Erfahrungen am PSZ
Die vorliegende Arbeit geht den Stationen nach auf meinem Weg zum Psychoanalytiker. Anhand eines Beispiels wird der Einbezug der sog. Gesellschaftskritik in die psychoanalytische Praxis problematisiert. Ein solches Selbstverständnis im PSZ, wie auch seine überwiegende Ausrichtung an der Ich-Psychologie, brachten mich angesichts meiner Sympathien für die lacanianische Auffassung der Psychoanalyse an den Rand des PSZ
Das Individuum als Konstrukt – Zum Stand der psychoanalytischen Gruppenarbeit am PSZ
Interview mit Georg Hess (He), Susanna Kretschmann (Kr) (beide SGAZ), Thomas von Salis (vSa), Andreas Sidler (Si) (beide AGOG
Zur Theorie und Praxis der Selbstdeklaration am PSZ
Irene Passweg im Namen der Selbstdeklarationsgrupp
Rückblick und Ausblick: Die Vernetzung der Freud\u27schen Linken in Mittel- und Lateinamerika
Ausgehend von ihrer Emigration nach Zentralamerika im Rahmen der sandinistischen Revolution stellt die Autorin die Entwicklung der Vernetzung zwischen europäischen und lateinamerikanischen PsychoanalytikerInnen dar. Sie geht zurück zu den marxistischen Bewegungen der 68er Jahre, die den historischen Kontext abgaben für die Gründung der linken Organisation Platafoma internacional (1969-89) und für die Abspaltung des Psychoanalytischen Seminars Zürich (PSZ) von der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse (IPA). Die Gründung des autonomen PSZ im Jahre 1977 lässt Zürich zu einem Mittelpunkt der Vernetzung der Freud’schen Linken werden, dies auch in Bezug auf die Arbeit der Autorin in Nicaragua, Costa Rica, Kuba und El Salvador. Obgleich der Rückblick auf die Entwicklung der Freud’schen Linken im internationalen Rahmen nicht ohne Traurigkeit und Wut erfolgen kann angesichts der Niederlage der linken Bewegungen weltweit, sieht die Autorin in ihrem Ausblick eine mögliche Weiterverfolgung und Wiederaufnahme dieser Ziele im Zusammenhang der Antiglobalisierungsbewegung, dies im speziellen in Lateinamerika
Die Babys, die Fremden und die Wissenschaft
Die psychotherapeutische Kompetenz in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen hat sich zumindest in der Schweiz erst in den letzten 30 Jahren verbreitert und etabliert. Eigenständige formalisierte Ausbildungen, die nicht bloss als Zusatz zur Erwachsenenpsychotherapie konzipiert sind, sind erst am Entstehen. In der vorliegenden Arbeit werden das Ausbildungsumfeld zu Beginn dieser Entwicklung und die Bedeutung des PSZ für die psychoanalytische Identifizierung aus der Sicht einer Beteiligten dargestellt. Die Erschliessung weiterer Interessengebiete nach der Ausbildung innerhalb (und am Rand) der Psychoanalyse - die Therapie mit Eltern und Säuglingen, die interkulturelle Therapie und das Verhältnis der Psychoanalyse zur Forschung - befolgt subjektive Motiven der Autorin und wird ebenfalls im Kontext des lokalen und transnationalen Berufsnetzes dargestellt
Analytikerin-Sein, in Beziehung mit dem Analysanden/der Analysandin, mit wachem Blick auf die Theorie, das Leben und die Gesellschaft
Die Autorin schildert, wie wichtig ihr sowohl der reflektierte beziehungsvoll-haltende Aspekt als auch das neugierig-skeptische Forschen im psychoanalytischen Übertragungsfeld sind, so dass ein kreativ-dialektischer Entwicklungsprozess entstehen kann. Sie zeigt auf, dass sie zu dieser psychoanalytischen Haltung nicht in erster Linie durch das Erlernen von fachspezifischen Theorien gekommen , sondern in einem viel weiteren geisteswissenschaftlich- gesellschaftlichen Boden verwurzelt ist. Um AnalytikerInnen für ihre anspruchsvolle Arbeit vorzubereiten, seien Institute wie das PSZ unabdingbar, die mit Struktur und Wissensvermittlung eine haltende Funktion ausüben können, aber sowohl in den Zugangsbedingungen wie im Diskurs das Andere zulassen wollen
Editorial
Auch dieses Heft greift ein Kernanliegen der Psychoanalyse auf, nämlich das der internationalen Vernetzung. Schon früh hat Freud die Notwendigkeit der Vernetzung erkannt und auf eine internationale Institutionalisierung von psychoanalytischer Forschung und Lehre hingearbeitet. Bis zum heutigen Tag verbindet sich damit eine überaus spannende, wechselvolle, aber auch spannungsgeladene Geschichte, die scheinbar fast zwangsläufig auf Probleme im Umgang mit Macht, Politik, Moral und Berufsethik hinausläuft. Die Geschichten, von denen in dieser Bestandesaufnahme die Rede ist, handeln von neueren Vernetzungsversuchen wie etwa dem der Generalstände (États Généraux de la Psychanalyse), vom steten Hadern mit der Institutionalisierung von Psychoanalyse in Europa, vom Weiterspinnen des „Plattform“-Gedankens in Lateinamerika, vom politischen Missbrauch der Psychoanalyse im Krieg, sowie vom steten Kampf politisch denkender Psychoanalytiker um gesellschaftspolitische Relevanz. Zugleich spinnen die Autoren Grundgedanken der Vernetzungsbewegung der 80er Jahre fort und gehen auf länderspezifische Entwicklungen ein, die selbstverständlich mit der jeweiligen Kultur der Gesundheitsversorgung zu tun haben. Die Komplexität dieser vielschichtigen Prozesse hat Isidro Fernandez, selber Psychoanalytiker in Spanien, in einem sehr ausdruckstarken Titelbild zusammengefasst.Während der Lektüre der verschiedenen Beiträge, die alle zugleich auch wichtige Facetten der Abspaltungsgeschichte des PSZ von der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse beleuchten, ist mir immer wieder eine Parabel von Heinrich Popitz (1968) in den Sinn gekommen. Sie berichtet von Prozessen der Machtbildung und handelt von einem Schiff, das im östlichen Mittelmeer kreuzt. Der offenbar einzige Luxus waren einige Liegestühle. Anerkannten die ständig wechselnden Passagiere anfänglich keine Belegsymbole, womit ein begrenztes Gebrauchsgut weiterhin allen zur Verfügung stand, so wechselte das Szenario nach dem Auslaufen aus einem der Häfen. Die Neuankömmlinge beriefen sich auf ein gemeinsames Konzept alternativer Ordnungsvorstellungen und leiteten daraus einen dauerhaften Besitzanspruch ab. Seine Durchsetzung gelang dank einem gemeinsamen Kraftaufwand aller Auch-Besitzer: „Näherte man sich einem gerade freien Liegestuhl in irgend verdächtiger Weise, so wurde man durch Posen, Gesten und Geschrei der Auch-Besitzer zurückgewiesen. Die Abschreckungsaktionen waren so eindrucksvoll, dass ein handgreiflicher Konflikt (ausblieb) (...). (Schliesslich schoben) die Besitzenden ihre Liegestühle näher aneinander, (sodass sie) wehrhaften Wagenburgen glichen.Nach der Durchsetzung exklusiver Verfügungsgewalten einer Teilgruppe über ein allgemein begehrtes Gebrauchsgut bekam das Sammelsurium der Passagiere Struktur. Zwei Klassen hatten sich etabliert, Besitzende und Nicht-Besitzende, positiv und negativ Privilegierte. (...) Der nächste Schritt (war) die zeitweilige Vermietung der Liegestühle an einige Nicht-Besitzer. Als Gegenwert kamen neben Naturalien vor allem Dienstleistungen in Frage, und hier wiederum in erster Linie die Übernahme der Wächterfunktion. Die Delegation des Wächteramtes an einige Nichtbesitzende (brachte aber) nicht nur eine Entlastung der Besitzenden, sie führte auch zu einer weiteren Bereicherung des inneren Gefüges, das sich nun dreiteilig entfalten konnte (...). Damit (wurde) zugleich eine wesentliche Klärung erreicht: Die Nur-Besitzlosen sind von nun an aus freien Stücken und eigenem Verschulden in der schlechtesten Lage (...).“ Selbstverständlich geht die Geschichte auch bei Popitz weiter. Er versucht anhand dieser Parabel die überlegene Organisationsfähigkeit der Privilegierten darzulegen, die sich aus ihrer positiven Selbstinterpretation ergibt. Während diese sich kraft „wohlerworbener Rechte“ als zu Recht privilegiert erachten, bestreiten ihre Kontrahenten gerade dieses Privileg, selbstverständlich ohne es für sich selbst zu beanspruchen. Damit berauben sie sich aber gerade desjenigen Gutes, das sie organisationsfähig machen würde. Stattdessen droht ihnen ein permanentes Verharren in der einfachen Negation.Einige der Artikel sind aus der bitteren Erfahrung heraus geschrieben, die ein solches Verhaltensmuster in psychoanalytischen Gesellschaften immer wieder erzeugt. Zu denken ist namentlich an die ohnmächtige Wut im Umgang mit der institutionalisierten Lehranalyse. Noch immer beruft sich eine kleine Elite auf moralische Erwägungen, um den vertieften Einblick in die Lebensgeschichten Dritter machtpolitisch auszubeuten, indem sie sich ein Urteil über den Charakter des potentiellen Kandidaten anmasst und so den Widerspruch aus den eigenen Reihen möglichst zum Voraus verbannt. Immer öfter wird aber auch der Ausschluss des Politischen aus der Vermittlung der psychoanalytischen Erfahrung beklagt, der dann im Kleide wilder Agiererei wiederkehrt. So finden sich die so Verbannten in neuen Netzwerken wieder, wo das bunte Treiben um die Liegestühle scheinbar wieder von vorne beginnt. Ja gibt es denn keinen Ausweg aus diesem Circulus vitiosus, so möchte man fragen? Wohl nur das geistreiche Erzählen und Nachdenken über Prozesse zu wagen, die so oder ähnlich auch unsere Vorfahren schon beschäftigt haben. Dazu und zum Weiterspinnen solcher Gedanken bietet dieses Heft Hand.Markus Weilenmann LiteraturPopitz, Heinrich (1968): Prozesse der Machbildung. Tübingen: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck),Reihe Recht und Staat, Heft 362/36
Haarscharf am Rande des Abgrunds. Eindrücke zur Gegenwart psychoanalytischer Opposition(en) in Österreich
Auswirkungen der mittlerweile breiten wie prominenten Kritik an psychoanalytischen Standesorganisationen und Ausbildungsordnungen scheinen nach Ansicht der Autorin in Österreich äusserst gering zu sein. Die Verabschiedung des Psychologen- und Psychotherapiegesetzes anfang der 1990-er Jahre trug ihren Teil zu dieser Entwicklung bei. Im folgenden Beitrag werden Spuren einer institutions-und gesellschaftskritischen psychoanalytischen Bewegung untersucht, Ereignisse rund um die ‚offizielle’ Psychoanalyse beobachtet und organisatorisch-ideelle Möglichkeiten für die neuerliche Formierung psychoanalytischer Opposition(en) überlegt
Sprachverwirrungen überwinden – Gedanken zu kleinianischen Geh-Versuchen
Nicht mehr genau zu rekonstruieren ist, wann genau mein Interesse für die kleinianische Psychoanalyse begonnen hat. Genau erinnern kann ich mich aber an das große Befremden, welches die erste Lektüre von Melanie Klein in mir ausgelöst hat. Was liegt dazwischen? Was faszinierte mich an den kleinianischen Gedanken? Und: Wo bleiben die Fragezeichen? – Dies nachzuzeichnen möchte ich im folgenden versuchen. Dazu ist ein kurzer Rückblick auf mein Interesse am Psychischen notwendig