Journal für Psychoanalyse (Psychoanalytisches Seminar Zürich - PSZ)
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Die Zeit zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit
Die Zeit besitzt eine wichtige Orientierungsfunktion und ist Voraussetzung von Kommunikation. Sie unterliegt einem spezifischen psychischen Entwicklungsprozess. Die Zeit ordnet unser Leben, aber sie ordnet es auch auf seine Grenze, unseren Tod hin. Der Autor setzt sich mit den verschiedenen Dimensionen der Zeit, dem inneren Erleben und der äusseren Realität der Zeit, dem Verhältnis der Psychoanalyse zur Zeit und den Besonderheiten des psychoanalytischen Settings, dem zeitlosen Unbewussten, der Entwicklung des Zeiterlebens im Laufe der Lebensspanne, den Phänomenen eines pathologischen Zeiterlebens und dem Thema der Vergänglichkeit und Sterblichkeit auseinander
Jacques Press: Schicksale des frühen Ich. Psychoanalytische Überlegungen zu Frühformen psychischen Geschehens. Herausgegeben von Uorschla Guidon und Anna-Leta Schucany: Psychosozial-Verlag, Giessen, 2023
Roger Money-Kyrle: Klinische Beiträge. Ausgewählte Schriften Band 2. Herausgegeben und kommentiert von Heinz Weiß und Claudia Frank: Brandes & Apsel, Frankfurt am Main, 2022
Bis in alle Ewigkeit? Konsolidierung und Transformation im postanalytischen Prozess
Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit den Herausforderungen und Chancen nach dem Ende einer analytischen Behandlung. Die spezifischen Anforderungen von Separation, Trauer, Verzicht, Identifikation, Internalisierung, Selbstanalyse und Generativität im postanalytischen Prozess können für Analysand und Analytikerin1 gleichermassen herausfordernd sein. Die Autorinnen beleuchten dabei sowohl die inneren postanalytischen Entwicklungsaufgaben für das analytische Paar als auch die reale äussere Gestaltung postanalytischen Kontakts nach Behandlungsende. Die postanalytische Zeit wird dabei als vulnerable Phase angesehen, die besondere Sorgfalt für die jeweilige analytische Dyade und deren individuellen Aushandlung einer postanalytischen Beziehung benötigt. Eine spezielle Form der postanalytischen Beziehung ist dabei die lehranalytische Beziehung, deren Einfluss und Wechselwirkung auf die Institutionskultur an analytischen Ausbildungsinstituten diskutiert wird
Marie-Luise Hermann: War das schon alles? Babyboomer jenseits der Lebensmitte: Psychosozial-Verlag, Giessen, 2023
Die letzte Analyse-Stunde – und was dann?
In der psychoanaytischen Literatur existieren nach meiner Kenntnis keine kasuistischen Beiträge zur letzten Stunde, und die theoretischen Überlegungen zur letzten Stunde sowie zur postanalytischen Beziehung sind sehr überschaubar. Auch in der Ausbildung wird das Thema bestenfalls gestreift. In den mir bekannten Curricula der deutschen Institute werden keine Seminare zum Thema Abschied aufgeführt. Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Terminsetzung der letzten Stunde, der gemeinsamem Abschiedsgestaltung und Gestaltung des postanalytischen Kontakts auseinander. Dabei wird auch das Konzept der Übertragungsneurose, deren «Heilung» und die Auflösung der Übertragung als Gradmesser für das Ende des analytischen Prozesses kritisch hinterfragt. In der Erfahrung der Analysewirklichkeit «überlebt» eine Bereitschaft zu positiver, aber auch negativer Übertragung, die auch bei einer Wiederbegegnung nach Jahren anspringt. Im Wie der gemeinsamen Abschiedsgestaltung soll gezeigt werden, wie das Übertragungsfeld dieses Prozesses durch die inneren Arbeitsmodelle von beiden Protagonisten gemeinsam gestaltet werden.
In Fallvignetten zur letzten Stunde wird dargestellt, wie komplex die letzten Stunden sein können, aber auch wie unspektakulär sie manchmal sind. Sie entstammen eigener Erfahrung als Behandler, Supervisor und Dozent für Workshops zu diesem Thema. Weiter will ich auf die Gestaltung postanalytischer Beziehungen eingehen. Unser «Arbeitsmodell Abschied» wird mit dem Wissen um den dynamischen Entwicklungsprozess in den ersten Jahren nach einer analytischen Psychotherapie deutlich verändert. Dieses Wissen erleichtert vielleicht auch das Abtrauern von Grössenphantasien auf beiden Seiten der Couch, was in der Psychoanalyse bis zur letzten vereinbarten Stunde alles hätte erreicht werden müssen
Ende in der Psychoanalyse
Das Ende einer Psychoanalyse bedeutet neben Erweiterung der Persönlichkeit auch Abschied, Verlust und Getrenntsein. Für die Bewältigung dieser Gefühle braucht es eine Ausstattung, die ein Verstehen der inneren Welt möglich macht, um paranoide wie depressive Ängste zu verarbeiten. Dazu ist ein stabiles Ich notwendig, begleitet von einem schützenden, realistischen Über-Ich, der Internalisierung guter innerer Objekte, dem Verstehen der Komplexität des Zusammenwirkens von inneren Instanzen wie Über-Ich und Ich, den inhärenten Triebkräften und einer Unterscheidungsfähigkeit von Realität und Phantasma
Nachruf auf Dipl. Psych. Thomas Auchter: (1948–2024)
Nachruf auf Dipl. Psych. Thomas Auchter (1948–2024
«The end is where we start from» – Die Endlichkeit (in) der Psychoanalyse
Die Beendigung einer Analyse oder Psychotherapie erfordert auf Seiten der Analytikerin1 wie der Analysandin Toleranz für Unsicherheit und Nicht-Wissen, für Trennung und Endlichkeit, für Begrenztheit und Vergänglichkeit. Konnten diese Themen im Verlauf der Analyse nicht bearbeitet und die entsprechenden Bewältigungskompetenzen noch nicht entwickelt werden, so werden sie in der Beendigungsphase auftauchen. Drei hilfreiche Haltungen der Analytikerin für den Umgang mit dem Ende werden angeführt: die Haltung der Abschiedlichkeit, die der Offenheit für Neues und die der Entschlossenheit. Sie erleichtern die Bewegung hin zum Neuen jenseits der Analyse und verhindern, dass die Behandlung endlos und damit zur Sackgasse – zum «Dead End» – wird