Journal für Psychoanalyse (Psychoanalytisches Seminar Zürich - PSZ)
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Wider die Struktur
Ausgangspunkt der Untersuchung, dessen Ergebnisse in diesem Artikel zusammengefasst dargestellt werden, ist ein Unternehmen zur beruflichen Ausbildungs- und Laufbahngestaltung – ausschliesslich von Frauen gegründet und geführt –, das Konkurs ging. Ziel ist nicht die Erklärung des Scheiterns, sondern die Annäherung an ein Verstehen des institutionellen Entwurfs. Als Methode wird die Ethnopsychoanalyse gewählt – und damit der Bezug zur Psychoanalyse und der Blick auf die bewussten und unbewussten Anteile der Subjektivität der Einzelperson in ihrem Verhältnis zur Umwelt, zu dieser Organisation. Im Zentrum stehen ethnopsychoanalytische Forschungsgespräche. Mit einem Vorgehen über mehrere Stufen werden die Gesprächstexte bearbeitet und interpretiert; in der Auseinandersetzung mit theoretischen Konzepten (Freud, Erdheim, Buchinger, Institutionelle Analyse) werden Facetten der Organisation aufgezeigt. Identifizierungen und Idealisierungen führen zu einem überhöhten Entwurf des Unternehmens, der kaum mehr kritisier- und veränderbar ist. Voraussetzung für eine Entidealisierung – und damit für eine produktive und langfristige Zusammenarbeit – ist die Anerkennung der Differenz und des existentiellen Mangels. Voraussetzung ist auch die „Einschreibung in die soziale Realität“ im Rahmen eines Prozesses der Institutionalisierung. Dieses Unternehmen als institutionellen Entwurf im Sinne eines gemeinsamen Projekts mit verbindlichen Strukturen hat es nur ansatzweise gegeben
„Ein Baby in der Fremde – oder wie hole ich mir das Vertraute?“ Einige Überlegungen zur Gruppenarbeit im Integrationsbereich
Ausgehend von einem Integrationsprojekt, eine Mutter-Kind-Gruppe für albanisch sprechende Frauen, an der Migrantinnen mit ihren Babys teilnahmen, werden einige Überlegungen über den Bezug des Subjekts zu den gesellschaftlichen Strukturen angestellt. Ausgehend vom Lacanschen Konzept des Spiegelstadiums wird der Mensch als in seiner Struktur intersubjektives Wesen dargestellt. Eine Grundbedingung des menschlichen Daseins ist die Unmöglichkeit, ganz im Sein aufzugehen, da es durch die Voraussetzung der Sprache mit einem Riss konfrontiert ist, mit einem Rest, der nie aufgeht. Um diesen Riss herum, mit Lacan benennen wir ihn mit dem Begriff „Objekt a“, verschränkt sich das Individuum mit der Gesellschaft. Diese Verschränkung enthält ein Konfliktpotential, die Verknüpfung funktioniert nur mehr oder weniger gut. Veränderungsprozesse und Erfahrungen, die einen besonders heftigen Einbruch in bisher gültige Sinnzusammenhänge darstellen, wie dies für die Lebensbedingungen der kosovo-albanischen Migrantinnen zutrifft, rühren an diese erste, im psychoanalytischen, nicht im pathologischen Sinn traumatische Erfahrung und können zur „Zurückweisung“ der ursprünglichen Gespaltenheit des Subjekts führen. Damit wird versucht, die bei Migranten häufig anzutreffenden Pathologien strukturell zu erklären. Es wird vorgeschlagen, die Arbeit mit Migranten und Migrantinnen in Gruppen als präventives Instrument zu nutzen
Coming-out, Dialektik, Ich-Psychologie. Akzente zum Werk Fritz Morgenthalers und zum Kongress
[Schema: Skizze des psychoanalytischen Werkes Fritz Morgenthalers als Leitlinie für den Kongress]Den kurzen Überblick über das Werk Fritz Morgenthalers und den beginnenden Kongress möchte ich unter drei Gesichtspunkte stellen, die bei ihm einen zentralen Stellenwert haben und gerade auch heute Diskussionen anstossen können. Die Metapher des coming-out veranschaulicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Vertiefung und Verankerung seiner Texte, was Morgenthaler nicht geleistet hatte. Dialektik bezieht sich auf seine erkenntnistheoretische Fundierung bei marxistischen Klassikern, und Ich-Psychologie benennt die angebliche Schwachstelle, wie sie Morgenthaler von lacanscher und (neo-)kleinianischer Seite vorgeworfen wird. Der beigefügte wissenschaftliche Apparat soll helfen, erwähnte Themen in Morgenthalers Texten und im Programmheft des Kongresses nachschlagen zu können.
Anmerkungen zu Fritz Morgenthalers Buch »Der Traum«
Es wird eine theoriegeleitete Ergänzung der Traumdiagnostik vorgenommen, die bei Morgenthaler zwar schon anklang, aufgrund seines Verbleibens in der klassischen Metapsychologie Freuds für ihn jedoch noch begrifflich unzureichend fassbar blieb. Insbesondere ahnte Morgenthaler mit seiner intuitiven Begabung, dass es eine emotionale Tiefendimension gibt, die keineswegs lediglich als regressiv und primärprozesshaft zu bestimmen ist, sondern unseren emotionalen Urgrund, die »primäre Lebensorganisation« ausmacht. Im Fall von nichtvalidierten und traumatisch erlebten sensorischen Erfahrungen drängen diese danach, kovariierend mit deklarativen Erinnerungen symbolisiert zu werden. In den von Morgenthaler in Anknüpfung an Freud konzeptualisierten »Begleitumständen« und in den »emotionalen Bewegungen« finden sich Spuren dieser zunächst noch subsymbolischen Dimension, die zusammen mit dem erinnerten und erzählten Trauminhalt wichtige Aufschlüsse über die dem Traum zugrunde liegenden Beziehungserfahrungen vermitteln. In Übereinstimmung mit neueren Traumtheorien (z.B. Bucci, Moser) wird postuliert, dass im Traum – und in den Begleitumständen – die Verbindung zwischen unsymbolisiert gebliebenen emotionalen Komplexen und Traumbildern leichter gelingen kann als im Wachbewusstsein. Schließlich werden noch Gedanken dazu geäußert, ob eine Beziehungsanalyse des Erzählens von Träumen das inhaltliche Eingehen auf einen Traum erübrigt
»Faire travailler Morgenthaler – Cherchez la femme!« Mehr als erwartet – weniger als gewünscht. Kleines Prélude zum Genderaspekt in Fritz Morgenthalers Theorien zur Sexualität
Ausgehend vom Eindruck, dass Fritz Morgenthaler in seinen Arbeiten zur Sexualität in erster Linie für Männer über Männer theoretisiert, stelle ich in dieser Arbeit die Ergebnisse meiner Re-Lektüre seines Buchs »Homosexualität, Heterosexualität, Perversion« dar. Obschon »weniger als gewünscht«, gibt es überraschend viele Stellen, bei denen er ausdrücklich weibliche (Homo)Sexualität reflektiert. Morgenthalers Hypothesen könnten, meiner Meinung nach, einer vertieften Diskussion darüber dienen. Zum Schluss werden Fragen gestellt, wie: weshalb sind Denkansätze und Hypothesen zur weiblichen (Homo)Sexualität immer wieder vom Verschwinden bedroht ? Bedeutet die Entpathologisierung der Homosexualität das Ende aller vertiefenden psychoanalytischen Fragen zum Thema
Halluzinose als Plombe
Es ist meine Absicht, anhand einer Fallvignette darzustellen, dass die Plombentheorie Fritz Morgenthalers als ein klinisch überaus nützliches psychodynamisches Modell angewandt werden kann
Über Sexualität theoretisieren
Über Sexualität zu theoretisieren konfrontiert uns mit unseren frühesten theoretischen Versuchen um herauszufinden, woher die Kinder kommen. Wie sehr wir uns auch anstrengten, wir mussten daran scheitern und fanden keine befriedigende Lösung. Unausweichlich gerät auch unser heutiges erwachsenes Denken in die alten Bahnen und macht es so schwer zu akzeptablen Lösungen zu kommen. Auch die Auseinandersetzung mit Morgenthalers Theorien über Sexualität löst regressive Tendenzen in uns aus, die uns darin blockieren, das Neue bei ihm zu erkennen. Neu ist Morgenthalers Ansatz in Hinblick auf ein Verständnis des Inzestverbots und seiner Auswirkungen auf die Kultur und das Fremde