Journal für Psychoanalyse (Psychoanalytisches Seminar Zürich - PSZ)
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    Homophobie und Heterophobie – Schwierigkeiten unterschiedlicher psychosexueller Konstellationen des analytischen Paars

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    Der Autor untersucht Auswirkungen von Homophobie und Heterophobie in psychoanalytischen Behandlungen und Supervisionen aus der Perspektive des homosexuellen Analytikers. Anhand einiger Beispiele aus der Zeit während und nach seiner psychoanalytischen Ausbildung demonstriert er die Auswirkungen von Angst vor der psychosexuellen Andersartigkeit des jeweils anderen. Unter anderem betrachtet er die Hartnäckigkeit homophober und (komplementär) heterophober Reaktionen als Folge des jahrzehntelangen Ausschlusses offen homosexueller Menschen von der psychoanalytischen Ausbildung und damit aus der psychoanalytischen Gemeinschaft und ihren Diskursen. Die Öffnung und Liberalisierung der psychoanalytischen Institute gegenüber Homosexuellen eröffnet erst ganz allmählich die Möglichkeit des Austausches über und der Auseinandersetzung mit tiefsitzenden, oft unbewussten Ängsten und Vorurteilen, die aber erstaunlich wenig genutzt wird. Die vorliegende Arbeit möchte einen Beitrag leisten zu einer offenen und allmählich angstfreieren Auseinandersetzung mit Homophobie und Heterophobie in der Psychoanalyse

    Hans Peter Bernet, 1949–2015

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    Impressum

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    Die «genitale» Sexualität – Versuch der Dekonstruktion eines normativen psychoanalytischen Konzepts

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    Die konzeptuelle Kluft zwischen der in der Psychoanalyse als so determinierend angesehenen infantilen polymorph-perversen Sexualität und dem, was Freud an anderer Stelle recht normativ als «genitale» Sexualität beschreibt, wird einer kritischen Analyse unterzogen. Es folgen Vorschläge zu einer präziseren Fassung der Polymorphie menschlicher Sexualität

    Inserat

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    Editorial

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    Zwanzig Jahre nachdem am Psychoanalytischen Seminar Zürich ein Vortragszyklus mit dem Titel Vom Umgang mit der Homosexualität abgehalten wurde, freuen wir uns, Ihnen ein Heft zum Thema Heterosexualität und Homosexualität revisited zu präsentieren. Es scheint uns reizvoll, die damalige Vortragsreihe mit dem Inhalt unserer vorliegenden Nummer zu vergleichen. Schaut man sich die Liste der Vortragenden der damaligen Reihe im Wintersemester 1996/97 an, so stellt man fest, dass keine(r) zu den Schreibenden unseres aktuellen Heftes gehört. Sie haben nicht zuletzt einer jüngeren Generation Platz gemacht, was nicht heisst, dass sie nicht mehr rezipiert werden. So gehören Martin Dannecker, Eva Poluda-Korte, Udo Rauchfleisch, die damals alle in Zürich auftraten, zu den meist zitierten AutorInnen unseres Heftes – und von Mechtild Zeul ist im Beitrag von Rudolf-Petersen ein sehr schönes Fallbeispiel nachzulesen. Die damaligen OrganisatorInnen hatten bei der Titelgebung der Reihe bewusst den Akzent auf den Umgang (der Gesellschaft und insbesondere natürlich der Psychoanalyse) mit der Homosexualität setzen wollen und nicht auf die Gründe, die zu dieser oder jener Ausformung von Sexualität führen können. In der vorliegenden Sammlung machen nun zwei AutorInnen explizit dies zum Thema: Monika Gsell schreibt über das posthum erschienene Buch Grund zur Homosexualität von Judith Le Soldat und fragt, inwiefern die Autorin mit diesem Titel tatsächlich beansprucht hatte, den Grund für Homosexualität gefunden zu haben (s. dazu auch die Buchbesprechung zu Le Soldat von Schon und Stakelbeck in diesem Heft). Ebenfalls mit diesem Thema befasst sich Ralf Binswanger, der dabei aber eine ganz andere Perspektive wählt, wie schon der Titel seines Beitrags bekundet: (K)ein Grund zur Homosexualität. Ein Plädoyer zum Verzicht auf psychogenetische Erklärungsversuche von homosexuellen, heterosexuellen und anderen Orientierungen heisst sein Beitrag, in welchem der Autor auch eine Revision des Perversionsbegriffs vorschlägt. Im damaligen Eröffnungsvortrag referierte Erhard Künzler aus München über seine schwierigen Erfahrungen in der psychoanalytischen Gesellschaft als ein schwuler Psychoanalytiker, der sein Coming-out erst nach seiner Ausbildung, als bereits erfahrener und geachteter Psychoanalytiker machte. Im vorliegenden Heft berichten nun zwei KollegInnen, Angela Hennig (im Beitrag von Julia Braun) und Lothar Schon über ihre Erfahrungen in der Institution als KandidatInnen, die ihre Homosexualität nicht mehr verheimlichen wollten: Erschütternd sind die Erinnerungen Hennigs in Brauns Beitrag, und eindrücklich zeigen Schons Ausführungen, wie viel sich doch in nicht einmal zwanzig Jahren verändert hat – zum Guten, wie wir feststellen können, wenngleich Irritationen bleiben und uns wohl noch eine Zeitlang beschäftigen werden. Darauf weist auch Victoria Preis hin, die eine Beschäftigung mit dem «homophoben Erbe» fordert und der Rolle der Fantasien über Homosexualität und Homosexuelle nachgeht – der Fantasien der Psychoanalytiker wohlgemerkt – und deren Bedeutung für den psychoanalytischen Zugang zum homosexuellen Patienten. Der Untertitel ihres Beitrages lautet Zum Umgang der Psychoanalyse mit Homosexualität, also fast wörtlich so, wie der Titel unseres Zyklus von 1995/96. Am Schluss ihres Beitrags wirft Preis die provokante Frage auf, ob es nicht zuletzt auch ökonomische Überlegungen sein könnten, die die Institutionen zum Umdenken bringen. Verschiedene AutorInnen (Barron, Burgermeister und Garcia, Hutfless) setzen sich mit der Queer Theory auseinander, die in den letzten zwanzig Jahren vor allem in den USA entwickelt wurde und die sich für eine Entpathologisierung nicht nur der Homosexualität, sondern u. a. auch der Transsexualität einsetzt. Wir Europäer können dabei erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass in den USA bereits die ersten Transsexuellen zur psychoanalytischen Ausbildung zugelassen wurden. Interessant scheint uns auch die Tatsache, dass sich die Vertreter dieser Queer Theory in Vielem auf Lacan beziehen. Ohne die Queer Theory zu nennen, zielt Heenen-Wolffs Beitrag in eine ähnliche Richtung, plädiert sie doch für eine «Dekonstruktion eines normativen psychoanalytischen Konzepts» und dabei für eine Aufwertung des Polymorph- Sexuellen. Könnte dieser in vielen Beiträgen zum Ausdruck kommende Hang zur Dekonstruktion und zur Aufwertung des Polymorph-Sexuellen, ja des Triebhaften (und damit der Triebtheorie) eine allgemeine Entwicklung der heutigen Psychoanalyse anzeigen? Mit Rudolf-Petersens Beitrag kehren wir gleichsam an den Anfang zurück: Sie stellt zwei Konzepte vor, von denen das eine (von Poluda-Korte) eine lesbische Entwicklungslinie, eine Weichenstellung postuliert, also eine Art «Grund zur Homosexualität», während das andere (von Ermann) die (männliche) Homosexualität als gegeben annimmt und sich auf die Auseinandersetzung (den Umgang!) des Individuums mit eben seiner Sexualität konzentriert. Die Autorin spricht sich weder für das eine noch das andere Konzept aus, sondern benutzt beide und zeigt anhand eines Fallbeispiels (von Mechtild Zeul), dass es bei der Behandlung vor allem darum geht, als Analytikerin möglichst offen und flexibel zu bleiben und sich nicht von einer starren Theorie (in die Irre) leiten zu lassen. Noch etwas zu Grammatik und Geschlechterfrage: Sie werden feststellen, dass diesbezüglich in diesem Heft die Schreibweise uneinheitlich ist. Die AutorInnen benutzen verschiedene Formen. Wir haben beschlossen, auf eine Vereinheitlichung zu verzichten und jeder Autorin, jedem Autor die Entscheidung zu überlassen. Einerseits ist zur Zeit in dieser Sache nichts entschieden, ja alles im Fluss, und anderseits legt damit das Schriftbild Zeugnis ab von einer Vielfalt, für die dieses Heft in Sachen Sexualität stehen soll. Wir hoffen, Sie verzeihen uns diese Zumutung – und wünschen Ihnen bei der Lektüre viel Vergnügen

    Ablehnung oder Zuwendung? – Zum Umgang der Psychoanalyse mit Homosexualität

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    Der Umgang der Psychoanalyse mit Homosexualität ist von Ablehnung und Pathologisierung geprägt. Obwohl aktuell vermehrt Auseinandersetzungen auf Tagungen und Veranstaltungen sowie in Zeitschriften stattfinden, in denen die lang anhaltende Homophobie seitens der Psychoanalyse kritisiert sowie eine Beschäftigung mit dem «homophoben Erbe» gefordert wird und sich damit eine mögliche Offenheit abzeichnet, sind eine skeptische bis ablehnende Haltung seitens vieler Psychoanalytiker_innen anhaltend an der Tagesordnung. Im Artikel werden sowohl diese ablehnende wie auch eine offene Haltung gegenüber homosexuellem Begehren in unterschiedlich grossem Umfang betrachtet. Dabei richtet sich der Fokus auf die Frage, was mit diesem Begehren assoziiert wird – auf Phantasien von Psychoanalytiker_innen über homosexuelle Sexualität – sowie darauf, welche mögliche Funktion die Figur des Homosexuellen für die Psychoanalyse haben könnte

    Wider die Binarität – Psychoanalyse und Queer Theory

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    Wie Michel Foucault in seiner Analyse Sexualität und Wahrheit I gezeigt hat, ist die Kategorie «Homosexualität» Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts als diskursive Konstruktion entstanden. «Homosexualität» als Kategorie entwickelte sich also nicht als gelebte Identität, sondern zunächst als Markierungskategorie für deviante Subjekte. Die Psychoanalyse hat von Beginn an versucht, die Entgegensetzung von Abweichung und Norm aufzulösen, indem sie Homosexuelles im Heterosexuellen und die Perversion in jeder Sexualität verortet hat. Zugleich jedoch hat die Psychoanalyse diese Dichotomisierung mit einer Pathologisierung der Homosexualität auch fortgeschrieben. Konzepte innerhalb der Psychoanalyse, die die Unterscheidung von Homo- und Heterosexualität in Frage stellen, werden auch heute kaum aufgegriffen, während nach wie vor nach den Ursachen vor allem ersterer gefahndet wird. In meinem Beitrag möchte ich die Kritik an der binären Entgegensetzung von Homo- und Heterosexualität und die Entwicklung queerer Ansätze nachzeichnen und die Queer Theory mit der Psychoanalyse in einen produktiven Dialog bringen. Ansätze der Queer Theory können für eine nicht-pathologisierende Auseinandersetzung mit Homo-, aber auch Transsexualität in der Psychoanalyse wichtige Impulse liefern. 

    WARUM und/oder WIE – Unterschiedliche psychoanalytische Konzepte weiblicher Homosexualität

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    Anders als in den Vereinigten Staaten sind im deutschsprachigen Raum seit dem Erscheinen des pionierhaften Sammelbandes Stumme Liebe (1993) kaum Arbeiten zu weiblicher Homosexualität herausgekommen. Immerhin sind einige Artikel dieses inzwischen schon über 20 Jahre alten Readers weiterhin aktuell, z. B. der von Poluda-Korte, den ich zu Beginn der vorliegenden Arbeit vorstelle: Die Autorin entwickelt das Konzept des lesbischen Komplexes, mit dessen Hilfe sie eine lesbische wie auch eine heterosexuelle Entwicklung als Weichenstellung in einem unbewussten Konflikt versteht. Sie folgt der Frage nach der Psychogenese sexueller Orientierung, also der Frage nach dem Warum von Homosexualität bzw. Heterosexualität. Eben diese Frage hält Ermann (2009), rückblickend auf jahrzehntelange kontroverse Diskussion und Forschung, für z. Z. nicht beantwortbar. Er betrachtet es als ergiebiger, nicht von der Warum-, sondern von der Wie-Frage auszugehen, sich also mit den Grundkonflikten und spezifischen Entwicklungsaufgaben einer eigenständigen homosexuellen Entwicklung zu befassen, die bereits pränatal angelegt sein kann, den basic facts of homosexual life. Es erscheint lohnend, Ermanns die männliche Homosexualität betreffenden Überlegungen auch für weibliche Homosexualitäten zu berücksichtigen. Denn deren auffällige Variationsbreite spricht dafür, verschiedene Konzepte zu verwenden, fallweise nur das eine (das der pränatalen Bedingtheit) oder das andere (das der psychischen Weichenstellung), in anderen Fällen beide zugleich und gleichermassen

    «Solche wie Sie wollen wir hier nicht» Homosexuelle in der psychoanalytischen Ausbildung – Rückblick einer Berliner Psychoanalytikerin

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    Der Artikel zeigt auf, in welches Dilemma Homosexuelle bis vor nicht allzu langer Zeit noch gerieten, wenn sie eine psychoanalytische Ausbzw. Weiterbildung machen wollten. Einige Auswirkungen der institutionellen Diskriminierung auf die Situation der AusbildungskandidatInnen, beispielsweise die Notwendigkeit einer Selbstverleugnung als Eintrittskarte in ein psychoanalytisches Institut oder das Verunmöglichen des freien Assoziierens in der Lehranalyse, werden anhand eines Beispiels aus den 1980er Jahren in Deutschland veranschaulicht. Angela Hennig, die ihre psychoanalytische Ausbildung in der Zeit von 1981–1991 in Berlin absolvierte, hat sich dankenswerterweise für eine Berichterstattung zu dem Thema zur Verfügung gestellt

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