Universität Osnabrück: Open Journal Systems
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Differenzierung von Islam- und Muslim*innenfeindlichkeit – Potenziale für die Praxis
Immer wieder kann eine synonyme Verwendung der Begriffe \u27Islamfeindlichkeit\u27 und \u27Muslim*innenfeindlichkeit\u27 beobachtet werden, was den Eindruck erwecken kann, es handele sich hierbei um dasselbe Phänomen. Mittlerweile gibt es jedoch sowohl theoretische Überlegungen zu einer potentiellen Differenzierung von feindlichen Einstellungen gegenüber der Religion des Islams und feindlichen Einstellungen gegenüber Menschen muslimischen Glaubens als auch empirische Evidenz für zwei statistisch unterscheidbare Dimensionen. Dieser Beitrag überträgt die theoretischen Überlegungen und die empirischen Befunde aus der Wissenschaft auf die Praxis und lotet Implikationen und Potentiale einer differenzierten Betrachtung von Islam- und Muslim*innenfeindlichkeit für die Soziale Arbeit aus
Wirklichkeitskonstruktionen in der postmigrantischen Gesellschaft und das Problem der Viabilität in der Sozialen Arbeit
Der Beitrag von Michael Kiefer, „Wirklichkeitskonstruktionen in der postmigrantischen Gesellschaft und das Problem der Viabilität in der Sozialen Arbeit“, befasst sich mit den zahlreichen Hindernissen der Organisationsentwicklung. Der Autor fokussiert ausgewählte Aspekte aus einer konstruktivistischen Perspektive und entwickelt im Anschluss Handlungsempfehlungen
Mobilität in turbulenten Zeiten: Herausforderungen gegenwärtiger gesellschaftlicher Transformationen
Ausgehend von gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen sollen verschiedene Theorieansätze diskutiert werden, die die Verschiebung von der Migrations- zur Mobilitätsforschung skizzieren. Durch die Globalisierung ist ein lang anhaltendes Gleichgewicht aufgebrochen, das neue Akteure in Erscheinung treten lässt, wodurch Fragen menschlicher Mobilität neu strukturiert werden. Insbesondere die Würdigkeit, zum geschützten Kern moderner Gesellschaften gerechnet zu werden, schichtet die Gesellschaft neu und bestimmt somit den Wert sozialen Zusammenhalts. Von Ausschluss bedroht, nimmt die Spaltung der Gesellschaft über Parteigrenzen hinweg in Kosmopoliten und Kommunitaristen zu. Ein anderer Blick auf die Einwanderungsgesellschaft tut deshalb Not, der die Gegenwart und dessen Dramatik neu denkt.
Mobility in Times of Turbulence: Challenges of Current Societal Transformations
Based on current societal challenges, different theoretical approaches will be discussed outlining the shift from migration to mobility research. Globalization has broken a long lasting equilibrium, which has led to the emergence of new actors and restructured questions of human mobility. In particular, the qualification to deserve being part of the protected core of modern societies is stratifying our communities and thus determining the value of social cohesion. Threatened by exclusion, the division of society across party lines into cosmopolitans and communitarians is increasing. A different view on migration societies is therefore needed, able to rethink the present in a dramatic new way
Textilkisten – Ein Bericht aus der Praxisphase GHR 300
Das Jahr 2020 ist in allen Bereichen des Lebens durch die weltweite Pandemiesituation geprägt worden. Die Situation in Studium und Schule veränderte sich durch wochenlange Schließungen drastisch. Ad hoc mussten passende Konzepte für das sogenannte schulische Distanzlernen und für digitale Bildungsangebote an der Universität entwickelt werden. Unter Distanzlernen wird das schulische Lernen zu Hause während der Pandemiesituation verstanden, bei welchem die Kinder von der Schule auf analogem oder digitalem Wege Aufgaben erhalten, die sie eigenständig bearbeiten sollen. Obwohl die Schülerinnen und Schüler bereits vor den Sommerferien stufenweise in halbierten Lerngruppen wieder Präsenzunterricht in den Schulen erhielten, durften die GHR 300 – Praktikant_innen nicht wieder zurück in die Schulen. Das gesamte Sommersemester an der Universität wurde ausschließlich über digitale Veranstaltungen realisiert. Im Rahmen der Praxisphase GHR 300 mussten Alternativen konzipiert werden, um den Studierenden den Abschluss des Praxisblocks ohne weitere schulische Präsenz zu ermöglichen. In diesem Bericht steht neben dem möglichen Kompetenzerwerb während des Praxisblocks im Fach Textiles Gestalten besonders die Ersatzleistung für die fehlende Unterrichtstätigkeit der Studierenden im Praxisblock 2020 im Fokus – die Textilkisten
Konturen einer Moralsoziologie der Migrationsgesellschaft
Der Artikel entwickelt in einem ersten Schritt ein Begriffsrepertoire zur Analyse der moralischen Dimension migrationsgesellschaftlicher Diskurse. In diesem Kontext wird argumentiert, dass in sozialwissenschaftlichem Wissen enthaltene moralische Bewertungen sich graduell, aber nicht fundamental von anderen Formen der Moralisierung unterscheiden. In einem zweiten Schritt wird der Diskurs des Integrationismus innerhalb eines moralsoziologischen Rahmens analysiert. Als moralisch-politische Rechtfertigungsordnung entfaltet der Integrationismus seine Wirkung insbesondere dadurch, dass er die Grenzen zwischen Alltagsleben, Politik und Sozialwissenschaften überspannt. In der Analyse integrationistischer Diskurse und Praktiken in Baden-Württemberg zeigen sich vor allem vier Merkmale. Der Integrationismus (a) legitimiert Personalisierungen und Essentialisierungen von moralischen Urteilen über Migrant*innen, (b) schreibt einerseits Machtunterschiede zwischen Eingesessenen und Zugewanderten fest und fordert sie andererseits heraus, (c) vermittelt zwischen konkreten Ereignissen und allgemeinen moralischen Schlussfolgerungen und (d) erlaubt im Kontext migrationspolitischer Debatten ein Changieren zwischen Rationalisierung und Emotionalisierung.
Towards a Moral Sociology of Migration
The article proposes an analytical framework for studying and theorizing the moral dimension of representations of migrants and migrations. It is argued that social science knowledge contains moral ideas that differ gradually but not fundamentally from other forms of moralization. In a further step, the article develops the notion of integrationism and analyses it within the proposed analytical framework. As a moral-political order of justification, integrationism unfolds its efficacy by spanning the boundaries between everyday life, politics and the social sciences. The empirical analysis of integrationism in Baden-Württemberg demonstrates that it (a) practically legitimizes personalizations and essentializations of moral judgements about migrants, (b) allows both for reinforcing power imbalances between residents and migrant newcomers and for challenging them, (c) provides an interpretative device for the generalization of moral conclusions drawn from specific events, and (d) oscillates between rationalization and emotionalization
Migrationssoziologie im 21. Jahrhundert: Aus der Randständigkeit in die Mitte der Disziplin
Migrationsforschung hat sich im deutschsprachigen Raum qualitativ und quantitativ sehr stark entwickelt. Die Migrationssoziologie differenziert sich bezüglich behandelter Themenfelder und konzeptionell aus und kann einen bedeutsamen Beitrag zur Sozialtheorie generell leisten. Sie kann die im Zuge von Globalisierung bedeutsamer werdende internationale Arbeitsmobilität ebenso theoretisch und empirisch erfassen wie die migrationsbezogenen Zugehörigkeitsmechanismen und Bezeichnungspolitiken. Sie unterstützt die Überwindung klassischer Dualismen wie Sozial- und Systemintegration, freiwillige und erzwungene Migration, Nation und Ethnizität. Sie leistet schließlich einen Beitrag, jenseits des methodologischen Nationalismus Migration als genuinen Bestandteil menschlicher Lebenspraxis, als ergebnisoffenen, über mehrere Generationen fragilen und veränderbaren Prozess der Rekonstruktion von wechselseitigen Selbst- und Fremdzuordnungen und mehrdimensionalen Teilhabemustern zu untersuchen.
Migration Sociology in the 21st Century: From the Margins to the Center of the Discipline
Migration research increased in the German speaking area in qualitative and quantitative terms. Sociology of Migration differentiates according to thematic fields and conceptual approaches and contributes more and more to general social theory. In the globalization process, it can conceptualize transnational labor mobility as well as corresponding social mechanisms of belonging and categorizing. Migration Sociology helps to overcome classic dualisms like social and system integration, voluntary and forced migration or ethnicity and nation. Beyond methodological nationalism it facilitates to understand migration as a genuine part of human social practice, as an open-ended and for generations fragile and reversible process of reconstructing social attributions to oneself and others and of multi-dimensional participation in social entanglements
Gender in Migration Studies: From Feminist Legacies to Intersectional, Post- and Decolonial Prospects
The figure of the female migrant has been a major focus of feminist thought in the German-speaking migration studies since the early 1980s. The article provides some reflections on the past to show how a number of milestones in feminist thought have influenced migration studies. It then continues with reflections on the present stance that analyses the dominant (re)production of (post-)migration realities as a gendered, ethnicized/racialized and classrelated project(s). Finally, the article concludes with a discussion of the prospects of gender-sensitive migration research in relation to postcolonial, decolonial and queer approaches to migrant othering.
Geschlechterverhältnisse in der Migrationsforschung: Von der feministischen Theorie zu intersektionellen, post- und dekolonialen Ansätzen
Die Figur der Migrant*in ist seit Anfang der 1980er Jahre ein Schwerpunkt des feministischen Denkens in der deutschsprachigen Migrationsforschung. Der Aufsatz beginnt mit einem Rückblick und gewährt Einblicke in die Meilensteine feministischer Theorien, die die Migrationsstudien beeinflusst haben. Anschließend werden aktuelle Forschungsperspektiven in diesem Bereich vorgestellt. Insbesondere wird betont, dass die gesellschaftliche (Re-)Produktion von (Post-)Migrationsrealitäten als geschlechtsspezifische, ethnisierte/rassifizierte und klassenbezogene Prozesse zu analysieren sind. Der Aufsatz schließt mit der Darstellung der postkolonialen, dekolonialen und queeren Ansätze zur geschlechtersensiblen Analyse von gesellschaftlichen Othering-Prozessen in der Migrationsgesellschaft
Migrationsethik in der Krise. Einige grundlegende philosophische Überlegungen
Diskussionen über Migration, aber auch deren Erforschung sind auf vielfältige Weise von Wertungen und normativen Urteilen bestimmt, die nur selten selbst in den Blick genommen werden. Eine der Aufgaben der Philosophie besteht genau in solchen Untersuchungen, weshalb die philosophische Migrationsethik danach strebt, Grundlagen für entsprechende Wertungen und Urteile zu identifizieren. Hierbei stehen aktuell liberale Theorien, die über den Vorrang eines Menschenrechts auf Bewegungsfreiheit oder eines solchen auf Vereinigungsfreiheit debattieren, Ansätzen gegenüber, die normative Bezugspunkte über existierende rechtliche Regelungen, gesellschaftliche Selbstverständnisse oder die Klärung konkreter Streitfragen im Flüchtlingsbereich gewinnen wollen. Dieser Artikel diskutiert und kritisiert diese Varianten der Migrationsethik und setzt ihnen ein Modell entgegen, das die derzeit kontrovers betrachtete Migration als Ausdruck einer globalen Legitimitäts- und Gerechtigkeitskrise versteht. Dieser Migrationsethik zufolge müssen normative Referenzpunkte bei Überlegungen gesucht werden, die nach Pflichten und Rechten angesichts des absehbaren Nichterreichens sehr viel legitimerer und gerechterer Verhältnisse fragen.
The Ethics of Migration in Crisis. Some Philosophical Thoughts
Valuations and normative judgements are important in many respects for discussions about and also research on migration, but only rarely these valuations and judgments are considered themselves. One of the tasks of philosophy consists precisely in such investigations, which is why the philosophical ethics of migration strives to identify the normative foundations for the evaluations and judgements in question. At present, there are liberal theories that debate the primacy of a human right to freedom of movement or a human right to freedom of association, and approaches that seek to gain normative reference points in legal regulations, self-understandings of societies, or responses to concrete controversial issues with regard to the allocation of responsibility for refugees. This article discusses and criticizes these forms of migration ethics and contrasts them with a model that understands migration, which is currently regarded as controversial, as an expression of a global crisis of legitimacy and justice. According to this ethics of migration, normative reference points must be sought in considerations that ask for duties and rights in view of the foreseeable failure to achieve much more legitimate and just conditions in the near future