Universität Osnabrück: Open Journal Systems
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„Peace on the left, justice on the right“– Was die Black-Lives-Matter-Bewegung für Sozialarbeiter*innen bedeutet
Seit der rassistischen Ermordung von George Floyd im Jahr 2020 durch Polizeigewalt erlangt die Black-Lives-Matter-Bewegung (BLM) erneut an Bedeutung. Auch die Fachkräfte der Sozialen Arbeit haben es sich zu Aufgabe gemacht, Unrechtserfahrung zu bekämpfen, wozu auch Rassismuserfahrungen zählen. Um jedoch dem sozialarbeiterischen Auftrag gerecht zu werden, sind Sozialarbeitende dazu angehalten, ihre Eigenbeteiligung an (re-)produzierenden Prozessen rassismuskritisch zu hinterfragen. Dieser Beitrag erläutert zunächst, was unter soziale Bewegung zu verstehen ist. Anschließend daran wird der Entstehungskontext der BLM wiedergegeben, um dann schlussendlich der Frage nachzugehen, wie Fachkräfte der Sozialen Arbeit auf soziale Bewegungen reagieren sollten. Hierzu werden zum Schluss zwei Handlungsperspektiven für Sozialarbeitende formuliert
Perspektiven der ethnographischen Grenzregimeforschung: Grenze als Konfliktzone
In den vergangenen Jahren wurden wir Zeug*innen einer verstärkten Wiederkehr nationaler und regionaler Grenzapparaturen auf dem europäischen Kontinent: Zäune, Gräben, Wachtürme, Lager und weitere technologische Apparate sowie gezielte Rechtsverletzungen prägen die derzeitigen Stabilisierungsversuche des europäischen Grenzregimes nach dem ›langen Sommer der Migration‹ 2015. Im Zuge dessen werden die unterschiedlichen Regierungstechnologien und Paradigmen, welche den konfliktiven Aushandlungsprozess des EU-europäischen Grenzregimes in den vergangenen Jahrzehnten geformt haben, einem Wandel unterzogen und neu justiert. Mit Blick auf diesen Prozess des europäischen ›Re-Borderings‹ widmet sich der vorliegende Beitrag zunächst der Frage, wie die Grenze in Bezug auf die Migrationskontrolle in den internationalen ›border studies‹ in den vergangenen Jahren gedacht wurde. Mit den Ausführungen zur These der ›Autonomie der Migration‹ und dem Verständnis von Migration als konstitutive Kraft für gesellschaftliche Transformationsprozesse zeigt der Beitrag weiter, wie uns die Perspektive der Migration bereits Anfang der 2000er Jahre dazu brachte, die Analytik und Methodologie der ethnographischen Grenzregimeanalyse zu konzipieren.
Perspectives of Ethnographic Border Regime Research: Border as Conflict Zone
In recent years we have witnessed an increased recurrence of national and regional border apparatuses on the European continent: fences, ditches, watchtowers, camps, and other technological devices as well as deliberate legal violations characterize the current attempts of stabilizing the European border regime after the long summer of migration in 2015. During these, the different governmental technologies and paradigms that have shaped the conflictive negotiation process of the EU-European border regime over the past decades, are modified and readjusted. Regarding this process of European re-bordering, this article will first address the question of how the border has been conceived in relation to migration control within the international border studies in recent years. Referring to the thesis of the ›autonomy of migration‹ and the understanding of migration as a constitutive force for social transformation processes, the article further shows how the perspective of migration inspired us to conceive the analytics and methodology of ethnographic border regime analysis back in the early 2000s
Quo vadis, Migration Studies? The Quest for a Migratory Epistemology
This article starts by sketching the links between changing mobility and migration patterns, processes of social transformation, corresponding migration control policies, and related perceptions of social problems. It acknowledges that since the 1980s in the US and the 1990s in Europe, migration studies have come of age, bringing about a plethora of typologies, concepts, and theories. However, the knowledge production of migration studies is haunted by a range of frustrations, including unconvincing definitions, lack of data, reductionism, short-range theories, often biased research funding practices, usually negative public and political discourse, and an underlying dominant perspective of the nation-state and thus an omnipresent sedentary bias. In contrast, this article offers some cornerstones of reflexive migration studies and drafts a migratory epistemology that takes inspiration from feminist and postcolonial epistemologies, resting on complexity thinking and acknowledging key intersectionalities while being rooted in thorough ethical reflections so as to contemplate the (re)politization of research.
Wie weiter mit der Migrationsforschung? Auf der Suche nach einer migratorischen Erkenntnistheorie
Dieser Artikel beginnt mit einer Skizze des Zusammenhangs von Mobilitäts und Migrationsmustern, Prozessen sozialen Wandels sowie damit verbundenen Migrationskontrollpolitiken und Wahrnehmungen sozialer Probleme. Er würdigt, dass die Migrationsforschung seit den 1980er Jahren in den USA und seit den 1990er Jahren in Europa erwachsen geworden ist und zahlreiche Typologien, Konzepte und Theorien hervorgebracht hat. Dennoch ist die Wissensproduktion gekennzeichnet durch eine frustrierende Reihe von wenig überzeugenden Definitionen, einen Mangel an Daten, zu kurz greifende Theorien, oftmals voreingenommene Forschungsförderpraktiken, meist negativ konnotierte öffentliche und politische Diskursen, eine den Betrachtungen zugrunde liegende Fokussierung auf den Nationalstaat sowie die allgegenwärtige Vorstellung von der Sesshaftigkeit als gesellschaftlicher Normalität. Alternativ dazu greift dieser Beitrag einige Kernideen reflexiver Migrationsstudien auf und skizziert eine migratorische Erkenntnistheorie, welche Anregungen aus feministischen und postkolonialen Erkenntnistheorien aufgreift, auf ›complexity thinking‹ beruht sowie wesentliche Intersektionalitäten anerkennt. Sie ist zugleich ethisch grundiert und berücksichtigt auch die (Re)Politisierung von Forschung
Public Discourses and Politics on Migration: A Precarious Situation and Dismal Outlook?
Emotions dominating normative frameworks is not new in the making of migration-related policies or in public discourses on migration. However, this matter has entered a different dimension in the age of populism and post-factualism reshuffling the parameters of this issue to a large extent. I will argue in this article that we can find a mixture of developments that consecutively reveals a state of public discourses that is highly precarious and that needs change and counteraction. Instead of retreating into welltrodden policy issues and overtly neglecting the potentiality for a constructive discourse that includes the deliberation on migration realties and migratory processes and its complexities, a vision is needed for new evidencebased, well-informed, yet not technocratic, forms of discourse and a future of reflexive knowledge production.
Öffentliche Diskurse und Migrationspolitik: Eine prekäre Situation und ein düsterer Ausblick?
Die Prägung politischer und öffentlicher Migrationsdiskurse durch Emotionen und Normativität ist nicht neu. Im Zeitalter von Populismus und Post- Faktizität hat diese Prägung jedoch Dimensionen angenommen, die die Parameter dieses Sachverhalts deutlich verschieben. Ich werde in diesem Beitrag verschiedene Entwicklungen diskutieren, die einen öffentlichen Diskurs kenntlich machen, der als hochgradig prekär bezeichnet werden kann und der Änderungen sowie Gegenmaßnahmen benötigt. Anstatt bekannte und veraltete Politiken zu rekurrieren und einen potenziell konstruktiven Diskurs zu vernachlässigen, braucht es Ideen und Visionen einer evidenzbasierten, jedoch nicht technokratischen, Form eines Migrationsdiskurses und einer zukünftigen reflexiven Wissensproduktion
Einmischen! Aber wie? Migrationsforschung zwischen Wissenschaftskommunikation, kritischer Politikbegleitung und Politikberatung
Der Beitrag folgt der Annahme, dass Migrationspolitiken mit defizit- und problemorientierten Migrationsdiskursen verwoben sind. Die Kritik an vorherrschenden Migrationspolitiken müsste aus Sicht einer kritischen Migrationsforschung also auch an der Kritik dominanter Migrationsdiskurse ansetzen. Im Folgenden wird untersucht, inwiefern der hiesigen Migrationsforschung eine Einmischung in politische, mediale und gesellschaftliche Öffentlichkeiten möglich ist bzw. wie diese wirkmächtig sein kann. Einmischung im Sinne verschiedener Spielarten der Wissenschaftskommunikation wird exemplarisch anhand der Arbeit dreier Akteure reflektiert: Annette Treibel, Klaus J. Bade und Gerald Knaus, die sich auf sehr unterschiedliche Weise in den öffentlichen Diskurs eingemischt haben. Es geht darum, aus diesen Beispielen zu lernen. Im Ergebnis zeigt der Beitrag, dass Wissenschaftskommunikation gründlich vorbereitet werden muss. (Kritische) Migrationsforscher* innen sollten sich – so das Plädoyer – trotz aller Risiken einmischen.
Interfere! But how? Migration Research between Science Communication, Critical Policy Monitoring and Policy Advice
The paper assumes that migration policies are interwoven with deficit- and problem-oriented migration discourses. From the perspective of critical migration research, the criticism of prevalent migration policies should therefore also be based on the criticism of dominant migration discourses. In the following, I study the extent to which local migration research is able to intervene in political, media and social public spheres and how this can be effective. Interference in the sense of different varieties of science communication is reflected exemplarily by the work of three actors: Annette Treibel, Klaus J. Bade and Gerald Knaus, who have interfered in the public discourse in very different ways. The point is to learn from these examples. As a result, the article shows that science communication needs to be thoroughly prepared. (Critical) migration researchers should – so the plea – interfere despite all risks
The Politics of (Non)Knowledge in the (Un)Making of Migration
In the past decade, constructivist understandings of migration have gained momentum in migration studies. Scholars have shown how (some) people are enacted as ›migrants‹ when human mobility clashes with nation‐states’ claimed prerogative to control »the legitimate means of movement« (Torpey). Another body of scholarship has highlighted the crucial role played by knowledge practices in the enactment of migration as an intelligible object of government. However, these two lines of inquiry have largely been conducted independently of each other. To better account for how practices of border control affect the production of knowledge about migration and how the latter, in turn, informs practices and rationales of migration management, this article asks: How can we conceptualize and empirically investigate the relationship between enacting migration through knowledge practices and enacting migrants through practices of bordering? In response to this question, I propose a sociology of translation and treason in the tradition of the Actor‐Network Theory (ANT), which enables tracing how records produced in border encounters are translated into not only ›migration facts‹ but also various forms of nonknowledge. To demonstrate the analytical potential of this approach, I show how statistical knowledge about the ›deportation gap‹ – often invoked to justify ever‐more restrictive measures in the field of return policy – is, to a significant extent, a result of the mistranslation of returned migrants in administrative records used for migration statistics.
Zur Politik des (Nicht‐)Wissens in der Herstellung/dem Rückgängigmachen von Migration
In den letzten Jahren haben konstruktivistische Ansätze in der Migrationsforschung an Bedeutung gewonnen. Zahlreiche Forscher*innen haben gezeigt, wie einige Subjekte zu Migranten gemacht werden, wenn Mobilität mit dem von Nationalstaaten beanspruchten Recht kollidiert, »die legitimen Mittel der Bewegung« (Torpey) zu kontrollieren. Ein zweiter Forschungsbereich hat die Rolle von Wissenspraktiken bei der Konstitution von Migration als einem Objekt des Regierens aufgezeigt. Bislang wurden diese beiden Forschungsrichtungen zumeist unabhängig voneinander betrieben. Um besser zu verstehen, wie Praktiken der Grenzkontrolle die Produktion von Wissen über Migration beeinflussen, und wie Letztere Praktiken und Logiken des Grenz‐ und Migrationsmanagements prägt, fragt dieser Artikel: Wie lässt sich die Beziehung zwischen der Konstituierung von Migration als einem Objekt des Regierens durch Wissensproduktion und die Konstitution von Migrant*innen durch Praktiken der Grenzkontrolle theoretisch denken und empirisch erforschen? Hierfür wird eine Soziologie der Übersetzung und des Betrugs in Tradition der Akteur‐Netzwerk‐Theorie (ANT) vorgeschlagen. Dieser Ansatz erlaubt es zu untersuchen, wie administrative Daten, die Begegnungen zwischen mobilen Subjekten und Akteuren der Grenzkontrolle generiert werden, in Fakten bzw. in Nicht‐Wissen über Migration übersetzt werden. Um das analytische Potential dieses Ansatzes zu demonstrieren, zeige ich, wie statistisches Wissen über den ›deportation gap‹, der häufig bemüht wird, um restriktivere Maßnahmen im Bereich der Rückkehrpolitik zu legitimieren, zu einem signifikanten Teil auf der Nicht‐Übersetzung von remigierten Migrant*innen in administrative Daten beruht, die für die Produktion von Migrationsstatistiken genutzt werden
Decolonizing Migration Studies? Thinking about Migration Studies from the Margins
Against the background of calls to ›decolonize knowledge‹ in migration studies as in different academic fields, this article addresses the conditions under which knowledge on migration is produced at German universities. Noting that refugee scholars and those with migration backgrounds from outside Western Europe or North America face specific difficulties in pursuing academic careers, a ›coloniality of migration‹ framework is employed to examine how different groups are differentially integrated into the German academic system. Suggesting a self-reflexive focus on the conditions for academic research at higher education institutions, it is argued that the conditions under which a heterogeneous ›we‹ performs the work of migration studies are differentially implicated in the governmental curtailment and management of migration and (post)migrant subjects, and in global unequal forms of hegemonic knowledge production.
Migrationsforschung dekolonialisieren? Überlegungen zur Migrationsforschung und ihren Rändern
Vor dem Hintergrund von Forderungen nach einer ›Dekolonisierung des Wissens‹ in der Migrationsforschung, aber auch in anderen wissenschaftlichen Feldern thematisiert dieser Beitrag die Bedingungen, unter denen Wissensproduktion zu Migration an deutschen Universitäten stattfindet. Angesichts der besonderen Schwierigkeiten, mit denen geflüchtete Wissenschaftler* innen, aber auch jene mit Migrationshintergründen aus Ländern jenseits von Westeuropa oder Nordamerika auf ihrem akademischen Karriereweg konfrontiert sind, wird der ›coloniality of migration‹-Ansatz genutzt, um die differenzielle Integration verschiedener Gruppen in das deutsche Wissenschaftssystem zu untersuchen. Im Zuge einer selbstreflexiven Thematisierung der Produktionsbedingungen von Forschung an Hochschulen wird argumentiert, dass die Bedingungen, unter denen ein heterogenes ›Wir‹ die Arbeit der Migrationsforschung betreibt, mit der gouvernementalen Regulierung von Migration und (post)migrantischen Subjekten verknüpft sind sowie mit global ungleichen Formen hegemonialer Wissensproduktion
Zum Status quo muslimischer Wohlfahrtspflege in Deutschland und den Gründungsprozessen muslimischer Wohlfahtsverbände
Der dritte Beitrag unter dem Titel „Status quo muslimische Wohlfahrtspflege in Deutschland und den Gründungsprozessen muslimischer Wohlfahtsverbände“ von Samy Charchira zeigt auf, wie sich das Thema muslimische Wohlfahrtspflege in den vergangenen sieben Jahren weiterentwickelt hat. Hierbei wird deutlich, dass die DIK stets die treibende Kraft war. Bemerkenswert ist ferner, dass bislang keine Gründungsinitiative für einen muslimischen Wohlfahrtsverband von den islamischen Verbänden ausgegangen ist. Dies findet Charchira sehr erstaunlich angesichts der breiten Organisationsstruktur der Verbände und guter Zugänge in die kommunalen Räume. Als problematisch erweist sich ferner die Tatsache, dass bislang lediglich Bund und Länder Finanzmittel für muslimische Träger bereitstellten. Kommunale Mittel fließen hingegen kaum. Genau hier müsse eine Umkehrung erfolgen. Denn der Zugang zu kommunalen Mitteln bleibt der Schlüssel zu einer dauerhaft finanzierten muslimischen Wohlfahrtspflege