Universität Osnabrück: Open Journal Systems
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Musterschatz - Kollektionsentwicklung für die historische Beiderwandweberei Meldorf
Die Stiftung Mensch verfügt im Gebäudekomplex des Alten Pastorats in Meldorf über eine deutschlandweit einzigartige Beiderwandweberei. Bestandteil der Weberei ist ein historisch gewachsener Musterschatz mit komplexen Jacquardkartenläufen, historischen Webstühlen, Maschinen und Geräten sowie einem Archiv an Gewebezeichnungen und Musterproben. Durch den Kontakt mit dem Leiter des Handwerkerhofs in Meldorf, Wolfgang Sternberg, entstand die Idee, mit Studierenden neue, zeitlose Entwürfe für die historische Museumsweberei zu entwerfen. Bereits in vorigen Semestern hatten Studierende Entwürfe entwickelt, beispielsweise für eine Bauhaus-Ausstellung des Tuchmacher Museums Bramsche, für den akademischen Schal der Universität Osnabrück oder für ein Sozialprojekt in Sri Lanka. Ziel war es, zeitlose, geometrische Muster zu entwickeln, die sich in Jacquardkartenläufe umsetzen lassen könnten. Hierzu entwarfen die Studierenden auf der Grundlage ihrer im Research-Book gesammelten Inspirationen erste handgezeichnete Skizzen. Es folgte die Einarbeitung in digitale Bildbearbeitung und Musterversatz. Am Ende wurden die Entwürfe rapportiert und am digitalen Jacquardwebstuhl TC2 im Textilen Gestalten als Gewebeprobe realisiert. Die Bandbreite der Entwürfe entstand im Wechsel zwischen individuellen Entwurfsphasen, Feedback in der Gruppe, praktischer, handgewebter Umsetzung am Digitaljacquard TC2 und erneuter gestalterischer Überarbeitung
(Re-)Produktion(en) von Differenz in der sozialpädagogischen Praxis: Ein Beitrag zur Analyse symbolischer Differenzverhältnisse im Kontext von Migration und Schule
In Anlehnung an die sozialwissenschaftliche Differenz- und Ungleichheitsforschung beschäftigt sich der Beitrag mit den Fragen welche Differenzen und Kategorisierungen durch die pädagogische Praxis in Bezug auf die sogenannten Seiteneinsteiger*innen im schulischen Handlungsfeld ‘Vorbereitungsklasse‘ hergestellt werden und wie diese letztendlich Ungleichheit (re-)produzierende Ordnungen hervorbringen. Für die empirische Betrachtung und Reflexion wird ethnografisches Material, aus einem situationsanalytischen Forschungsprojekt (Dissertationsprojekt) herangezogen. Anhand der analytischen Erkenntnisse kann gezeigt werden, wie Differenzen im schulischen Handlungsfeld und damit im Kontext (sozial-)pädagogischer Praxis in Bezug auf neuzugewanderte Kinder und Jugendliche nicht nur produziert werden. Vielmehr verdeutlichen sich dabei Differenzmarkierungen in denen kulturalisierende und ethnisierende Adressierungspraxen enthalten sind, die letztendlich auf eine diskursive Zugehörigkeitsordnung in der Migrationsgesellschaft verweisen
Zwischen common ground und Multiperspektivität: Überlegungen zu Stand und Perspektiven der Migrationsforschung
Migrationsforschung lebt von ihrer Multiperspektivität. Sie könnte daher von einer stärkeren gemeinsamen Reflexion der beteiligten Disziplinen profitieren, um einen qualitätsvollen disziplinübergreifenden Resonanzraum für Forschungsergebnisse zu schaffen, den es so weiterhin zu selten gibt. Der Beitrag schlägt dazu drei Felder der Reflexion vor: Erstens diskutiert er die Frage nach einer Disziplinierung oder Kanonisierung der Migrationsforschung. Dabei plädiert er für die Herausbildung eines dynamischen zweistufigen Kanons, der sowohl disziplinübergreifend als auch disziplingebunden sein sollte. Der zweite Abschnitt widmet sich dem Dialog über normativepistemologisch bedingte Konfliktlinien hinweg. Hier fordert der Text insbesondere einen verstärkten Austausch zwischen akademisch und praktisch orientierten sowie zwischen traditionelleren und kritischen Perspektiven. Drittens werden Verzerrungen im Forschungsdesign empirischer Arbeiten thematisiert und am Beispiel der Fallauswahl bei der Erforschung lokaler Migrationspolitik kartiert. Der Beitrag fordert in diesem Zusammenhang eine stärkere Reflexion empirischer Forschungsdesigns und schließt damit an eine international geführte Diskussion an.
Reflecting Multiperspectivity: Thoughts on Migration Studies in Germany
Migration studies relies strongly on its multiperspectivity. However, the disciplines involved still fall short in jointly reflecting on common quality standards. The paper therefore proposes three areas for further exchange between migration scholars with different academic backgrounds. Firstly, it encircles the question to what extent migration studies should claim to be an academic discipline on its own. The paper argues that, instead of establishing an original discipline, migration studies might be better off following the path of a two-fold ›canonization‹ with a transdisciplinary and a disciplinary (e.g. political science, sociology, history) core that both consist of certain academic debates and axioms. Secondly, the paper identifies three normative and epistemological cleavages within (German) migration scholary. It advocates for more dialogue beyond the distinct perspectives. Thirdly, the contribution joins the international debate on reflectivity in migration studies when it comes to research designs. Practically, it focuses on five types of biases in the case selection process in studies on local migration policy: urban bias, progressive bias, extreme case bias, residence bias, and paternalistic bias
›Migration‹. Ein neues Konzept zwischen Politik und Wissenschaft in der Schweiz, 1987–1995
Der Artikel setzt sich mit dem Aufkommen des Begriffs Migration in der Schweiz zwischen Ende der 1980er und Mitte der 1990er Jahre auseinander. Durch eine dichte Beschreibung epistemischer und sozialer Zusammenhänge wird das Entstehen eines neuen Migrationsdiskurses rekonstruiert, der die Wahrnehmung von und Umgang mit grenzüberschreitender Mobilität in der Schweiz nachhaltig geprägt hat. In den politischen Debatten und Aushandlungsprozessen zwischen staatlichen Behörden, Sozialwissenschaften, Hilfswerken, Kirchen, politischen Parteien, zivilgesellschaftlichen Organisationen und ›Betroffenen‹ im Untersuchungszeitraum wurden verschiedene Aspekte und Wissensbereiche im Namen der ›Migration‹ neu zusammengebracht und reorganisiert, allen voran die Bereiche Asyl und Arbeit, aber auch Demografie, Entwicklung, Integration und Kultur. Bis Mitte der 1990er Jahre entwickelte der neue Migrationsdiskurs eine Eigendynamik, aus der heraus zeitgenössische Akteure anfingen, die Schweiz als ›Migrationsgesellschaft‹ wahrzunehmen. Mit der Fallstudie zur Schweiz leistet der Artikel einen Beitrag zur allgemeineren Debatte, wie die Geschichte von Migrationsregimen geschrieben werden kann.
›Migration‹. A New Concept Between Politics and Social Sciences in Switzerland, 1987–1995
The article deals with the emergence of the concept of migration in Switzerland between the late 1980s and mid-1990s. By providing a thick description of epistemic and social contexts, the author reconstructs the emergence of a new discourse on migration which shaped the perception and regulation of cross-border mobility in Switzerland. In the debates and political negotiation processes between state authorities, social sciences, aid agencies, churches, political parties, civil society organizations and ›affected persons‹, various aspects and areas of knowledge were brought together and reorganized in the name of ›migration‹, above all asylum and labor, but also demography, development, integration and culture. By the mid-1990s, the new discourse on ›migration‹ had developed such a momentum that contemporary actors began to perceive Switzerland as a ›migration society‹. With this case study on Switzerland, the article contributes to the more general debate of how to write the history of migration regimes
Probleme und Perspektiven der Flucht- und Flüchtlingsforschung
Die Entstehung einer eigenständigen Forschung über Flucht und Zwangsmigration ist als Ausdifferenzierung eines Forschungsbereiches innerhalb der interdisziplinären und anwendungsorientiert ausgerichteten Migrationsforschung erfolgt. Für die Migrationsforschung war und ist die Zielsetzung einer Einwirkung auf Politik und Öffentlichkeit und im Zusammenhang damit eine enge Anlehnung an Fragestellungen, Prämissen und Informationsbedarfe politischer Institutionen und Akteure kennzeichnend. Im Fall der Forschung über Flucht und Zwangsmigration verbindet sich dies zudem mit einer hohen moralischen Aufladung im Sinne der Erwartung, zur Lösung der gravierenden humanitären Probleme beizutragen, die im Kontext von Flucht sichtbar werden. Dies impliziert die Tendenz zu einer Engführung der Forschungsperspektive auf Fragestellungen, für die politische Relevanz angenommen wird. Demgegenüber werden hier Überlegungen zu den Problemen und Perspektiven einer selbstreflexiven sowie an der Unterscheidung normativer Überzeugungen von wissenschaftlichen Tatsachenbehauptungen orientierten Forschung entwickelt, die nicht auf die Bearbeitung politischer Problemdefinitionen und der dadurch präferierten Antwortmöglichkeiten begrenzt ist. Vor diesem Hintergrund wird argumentiert, dass die Flucht- und Flüchtlingsforschung mit Fragestellungen konfrontiert ist, die nicht zureichend im Kontext eines ausdifferenzierten Forschungsfeldes bearbeitet werden können und deshalb eine stärkere Rückbindung an Gesellschaftstheorien vorgeschlagen.
Problems and Perspectives of Refugee Studies
The emergence of distinct research on flight and forced migration occurred as a differentiation of a research area within the interdisciplinary and application- oriented field of migration research. A characteristic of migration research was and is the objective of influencing politics and the public and, in connection with this, a close connection to questions, premises and information needs of political institutions and actors. In the case of research on flight and forced migration, this is also associated with a high moral impetus in the sense of the expectation of helping to solve the serious humanitarian problems that become visible in the context of flight. This implies a tendency to narrow the focus of the research perspective to issues for which political relevance is assumed. In contrast, this paper develops reflections on the problems and perspectives of research that is not limited to the processing of political problem definitions and the response options preferred by them. The argumentation clarifies problems and perspectives of a research that is selfreflexive and oriented towards distinguishing normative convictions from scientific assertions. Against this background, it is argued that refugee research is confronted with questions that cannot be dealt with sufficiently in the context of a differentiated field of research and therefore a stronger connection to theories of society is proposed
Die transnationalisierte soziale Frage: Migration und soziale Ungleichheit (Erratum)
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