Universität Osnabrück: Open Journal Systems
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Die Spannung zwischen Norm und Habitus in der Migration. Empirische Befunde zur Verhandlung natio-ethno-kultureller Normen der Herkunfts- und der Ankunftsgesellschaft
In diesem Beitrag geht es ausgehend von Fotointerviews, die mit der Dokumentarischen Methode analysiert worden sind, um die Frage, wie Menschen mit Migrationserfahrungen natio-ethno-kulturelle Normen verhandeln und sich in diesem Zusammenhang auch mit Differenzen zwischen ihrer Herkunfts- und der Ankunftsgesellschaft auseinandersetzen. Dies stellt sich vor dem Hintergrund der notorischen Diskrepanz zwischen Habitus und Norm als besondere Herausforderung der Migrationslagerung dar. Ergebnis der Analysen ist, dass Migrant:innen häufig eine doppelte Diskrepanz zwischen Habitus und Norm zu bewältigen haben, die darauf basiert, dass sie nicht allein die Spannung zwischen Habitus und Norm austarieren müssen, sondern darüber hinaus unterschiedliche natio-ethno-kulturelle Normen sowohl zueinander als auch zum Habitus relationieren.
The Tension between Norm and Habitus in Migration. Empirical Findings Regarding the Negotiation of Natio-ethno-cultural Norms of the Society of Origin and of the Society of Arrival
Persons with an experience of migration are confronted with normative standards differing between their society of origin and the society of arrival. This article explodes different modes of relating the discrepant identity norms within the society of origin and the society of arrival and combines these findings with methodological reflections on the discrepancy between habitus and norm. It henceforth discusses a double discrepancy between habitus and norm as a key challenge people are facing when making a live in a foreign place.The findings in this article are based on the analysis of photointerviews using the documentary method
Durch Migration ›estnisch‹ werden: Ethnizität als Ressource in den Lebenserzählungen von 1941 aus Estland nach Deutschland Umgesiedelten
Dieser Artikel befasst sich mit dem Konzept Ethnizität als Ressource, die in von Migration geprägten Situationen aktiviert werden kann, um bestimmte Ziele zu erreichen. Analysiert werden die Lebenserzählungen von vier Menschen, die im Jahr 1941 aus Estland nach Deutschland umgesiedelt wurden und die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs einen Flüchtlingsstatus erhielten. Der Artikel basiert auf Lebenserzählungen und Archivquellen und untersucht, wie Ethnizität in den Lebenserzählungen als eine Ressource thematisiert wird, auf die im Laufe des Lebens zurückgegriffen worden ist. Während die Befragten ihre Umsiedlung als ›Deutsche‹ eher als Fälschung oder Manipulierung von Dokumenten darstellen, beschreiben sie das Erlangen des Status als ›Displaced Persons‹ aufgrund ihrer Einordnung als ›Est*innen‹ als etwas Selbstverständliches. Angesichts des mehrdimensionalen kulturellen und sprachlichen Hintergrunds der Befragten zeigt dieses Ergebnis, wie entscheidend sich eine solche Unterscheidung für ihr postmigrantisches Leben und bezüglich des Forschungsverfahrens erweisen kann. Die Ergebnisse hängen von den Lebenserfahrungen der Befragten einerseits und den Zielen des Forschungsprojekts, den Beziehungen zwischen Forscher*innen und Befragten wie auch von den leitenden Fragen während der Interviews andererseits ab.
Becoming ›Estonian‹ through Migration: Ethnicity as a Resource in the Narratives of People Resettled from Estonia to Germany in 1941
This article deals with the concept of ethnicity as a resource that can be activated in situations characterised by migration in order to achieve certain goals. It analyses the narratives of four people who were resettled from Estonia to Germany in 1941 and acquired a DP status after the end of the World War II. Based on life narratives and archival sources, the article explores how ethnicity is thematised in the life narratives as resource that has been drawn upon throughout life. While the respondents tend to present their resettlement as ›Germans‹ as a falsification or manipulation of documents, they describe acquiring a DP status as something taken for granted because of their classification as ›Estonians‹. Given the multidimensional cultural and linguistic background of the respondents, this result demonstrates how decisive such a distinction can prove to be for their post‐migrant lives and regarding the research process. The findings depend on the life experiences of the respondents, on the one hand, and the goals of the research project, the relationships between researchers and interviewees as well as the guiding questions during interviews, on the other hand
Schützende Bewältigung – Rassismus als ein Thema von und für Fachkräfte(n) der Sozialen Arbeit
In diesem Beitrag stellt Araththy Logeswaran ausgewählte Ergebnisse aus ihrer Dissertation vor. In der qualitativen Studie setzt sie sich mit Diskriminierungserfahrungen von muslimischen Fachkräften der Sozialen Arbeit auseinander. Anhand ihres innovativen Theoriemodells der Schützenden Bewältigung legt sie dar, warum es wichtig ist, die gesellschaftliche Position als Fachkraft zu reflektieren und welche Gefahren damit verbunden sind, wenn diese nicht berücksichtigt wird
Fragile Buffer Zones. The Externalization Dynamism in the Field of Border Security and Possible Alternatives
For decades, the externalization of border control has been a central means of European border and migration policy. It is at the external border of the EU where the dynamism between the European center and the European peripheries manifests. The center of the EU externalizes border control tasks to the member states with European external borders, whereas the external border states and the EU as a whole externalize border control tasks to the periphery outside the Schengen borders. This principle is fragile, vulnerable and in large parts dysfunctional. Nevertheless, no alternative seems to be feasible for the EU. But a different way of dealing with those seeking protection, which would actually be in the EU\u27s genuine interest, is certainly possible and is discussed in this article.
Fragile Pufferzonen. Die Externalisierungsdynamik im europäischen Grenzschutz und mögliche Alternativen
Die Externalisierung des Grenzschutzes ist seit Jahrzehnten ein zentraler Pfeiler der europäischen Grenz- und Migrationspolitik. An den Außengrenzen der EU manifestiert sich dabei die Dynamik zwischen dem europäischen Zentrum und den europäischen Peripherien. Das Zentrum der EU externalisiert Grenzkontrollaufgaben an die Mitgliedstaaten mit europäischen Außengrenzen, während die Außengrenzstaaten und die EU als Ganze Grenzkontrollaufgaben an die Peripherie außerhalb der Schengengrenzen externalisieren. Dieses Prinzip ist fragil, vulnerabel und in großen Teilen dysfunktional. Dennoch scheint für die EU keine Alternative dazu zu existieren. Ein anderer Umgang mit Schutzsuchenden, der letztlich auch im genuinen Interesse der EU wäre, ist aber durchaus möglich und wird in diesem Artikel diskutiert
Textiles Gestalten in der Grundschule – nicht der kindlichen Bildung wert?
Elena Hardenberg setzt sich in ihrer mit Zielen, Bildungsanspruch, Potential und theoretischen Ansätzen im Textilunterricht auseinander. Unter der Überschrift „Textiles Gestalten in der Grundschule – nicht der kindlichen Bildung wert?“ schildert sie Erklärungsansätze und den Legitimationsdruck des Faches, setzt sich mit der geschichtlichen Entwicklung auseinander und betrachtet das Kerncurriculum in Niedersachsen kritisch
Vorwort
Prof.in Dr.in Bärbel Schmidt faßt die Lehre im „Corona-Alltag“ zusammen und gibt Einblicke in die Arbeit im Fachgebiet
Das Kerncurriculum neu gedacht – Die Textile Kette als Projektunterricht in der ersten und zweiten Klasse
In der Masterarbeit „Das Kerncurriculum neu gedacht“ beschäftigt sich Eyleen Huil mit der Textilen Kette als Möglichkeit für Projektunterricht in der ersten und zweiten Klasse. Dabei beleuchtet sie die geschichtliche Entwicklung des Kerncurriculums in der Grundschule für die Fächer Kunst, Werken und Textiles Gestalten und erörtert die Möglichkeit der Implementation von Projektunterricht am Beispiel der Textilen Kette
Sprache – Macht – Integration: Afrikanische Migrantinnen und die deutsche Sprache
Afrikanische Migrant*innen müssen sich aufgrund der großen kulturellen und strukturellen Unterschiede im Vergleich zu ihren Herkunftsländern in der Regel in Deutschland neu gesellschaftlich positionieren. Die vorliegende Studie zeigt exemplarisch anhand von qualitativen Interviews mit afrikanischen Migrantinnen aus West- und Zentralafrika, dass sie gesellschaftliche Anerkennung und Integration vor allem über den Erwerb der deutschen Sprache anstreben. Obwohl die Migrantinnen meist mehrsprachig sind, kann dieses kulturelle Kapital aber nur selten in Deutschland in Wert gesetzt werden. Gute Deutschkenntnisse sind daher für die interviewten Migrantinnen essentiell für eine erfolgreiche Positionierung in Alltag, Ausbildung und auf dem Arbeitsmarkt, aber auch zum Schutz vor Diskriminierung. Auf Basis der Analyse des Sprechens des französischen Soziologen Pierre Bourdieu wird gezeigt, dass Deutschlernen und -sprechen für die Migrantinnen mit erheblicher Mühe, Abwertung und Frustration verbunden sind. Dies liegt zum einen daran, dass das Sprachkönnen am Standardhochdeutschen als einzig legitim geltender Sprache gemessen wird und zum anderen, dass die Bewertung der Sprachkompetenzen häufig von negativen Statuszuschreibungen aufgrund von zugeschriebener Fremdheit sowie Vorstellungen von mangelnder fachlicher Kompetenz und Intelligenz überlagert werden.
Language – Power – Integration: African Migrants and the German Language
African migrants usually have to position themselves in the German society due to the cultural and structural differences with respect to their countries of origin. The present study shows exemplarily on the basis of qualitative interviews with female migrants from West and Central Africa that they pursue societal recognition and integration primarily through the German language. While most African migrants are multilingual, their language skills are often of little value in Germany. An excellent knowledge of German is therefore essential for the interviewed migrants to position themselves successfully in everyday life, vocational training and employment as well as to protect themselves from discrimination. Based on the analysis of language by the French sociologist Pierre Bourdieu, the present study shows that learning and speaking German involves a good deal of trouble, devaluation and frustration for the migrants. This is on the one hand because their language skills are compared with the only legitimate standard language, and on the other hand because the assessment of the migrants’ command of language often interferes with negative status attribution due to foreignness and notions of deficient professional expertise and intelligence