PraxisForschungLehrer*innenBildung (PFLB) - Zeitschrift für Schul- und Professionsentwicklung
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Apuleius, Metamorphosen – eine Eselei in der Schule? Literaturdidaktische Perspektiven verändern den Lateinunterricht
Die Metamorphosen des Apuleius sind eines der wirkmächtigsten literarischen Werke der Antike und gehören zur Weltliteratur. Im Lateinunterricht der Schule werden sie bislang nicht gelesen. Der Beitrag fordert genau dies ein, damit der Lateinunterricht auf die Anforderungen der Gegenwart – das Leben in einer zunehmend von Diversität geprägten und Werte immer wieder in Frage stellenden Gesellschaft – antworten kann. Der Beitrag gliedert sich in drei Teile: 1. Warum ist Apuleius wichtig? Es gibt fachliche, didaktische und pädagogische Argumente dafür, dass Apuleius literaturdidaktisch in der Schule gelesen werden soll. 2. Was kann man mit Apuleius in der Schule machen? Der Text ist ein Entwicklungsroman für Jugendliche, thematisiert mit Vielfalt, Interkulturalität, der Einnahme der Perspektive des Tieres und mit Interreligiosität aktuelle Herausforderungen. Literarisch bietet er durch die systematische Destabilisierung des Lesers und durch den distanzierenden Witz ein einmaliges literarisches Bildungserlebnis. 3. Die Folgen für den Lateinunterricht: Die Lektüre des Apuleius stellt neue Herausforderungen und verändert den Lateinunterricht bis hin zur Lehrbuchphase. Wenn man einen Autor wie Apuleius und vergleichbare Literatur lesen will, dann müssen von Anfang an andere Schwerpunkte im Bereich Wortschatz und Themen gesetzt werden, als es aktuell der Fall ist. Die Kanonfrage des Lateinunterrichtes erstreckt sich damit bis zur ersten Lektion des Lehrbuches. Auch die Rolle der Schüler*innen ändert sich, denn der*die literarisch lesende Schüler*in braucht eine hohe Selbstständigkeit im Umgang mit den Texten
Sprachbewusstheit 2.0: Digitalised Language Awareness
Die Digitalisierung unserer globalisierten Welt verändert auch das vorhandene bzw. zu erwerbende Sprachwissen sowie die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die im Rahmen von Sprachbetrachtung im Fremdsprachenunterricht relevant sind. Ändern sich der Gebrauch von Sprache(n), die Betrachtung von Sprache(n) und das Sprache(n)lernen, so ändert sich auch das Konzept der Sprachbewusstheit. Um diese Ideen zu konkretisieren, wird in diesem Beitrag ein anwendungsorientiertes Modell entwickelt, das Sprachbewusstheit zunächst in drei Teilbereiche gliedert: die Sprachwissensgenese, die Verbalisierung von Sprachwissen und die Verwendung dieses Wissens. Anhand des Modells wird anschließend aufgezeigt, wie sich das Konzept der Sprachbewusstheit durch die Digitalisierung von Sprache, Sprachwissen und Sprachenlernen wandelt. Zuletzt werden exemplarische Texte und Aufgaben vorgestellt, wie sie für ein Dossier an zeitgemäßen Materialien für den Englisch-, Französisch- und Spanischunterricht genutzt werden können. Im Zentrum der Überlegungen steht dabei, wie sich der Kompetenzbereich der Sprachbewusstheit durch die zunehmende Digitalisierung transformiert und wie sich seine Förderung in den modernen Fremdsprachenunterricht integrieren lässt
Behinderung als Kategorie – mögliche Wirkungen und Widersprüche in der inklusiven Pädagogik
Dieser Beitrag geht der Frage nach, welche Wirkung die Bildung von Kategorien in den Bildungs- und Erziehungswissenschaften auf die Forschung und die Sicht der sogenannten inklusiven Pädagogik zum Thema „Behinderung“ entfaltet. Im Mittelpunkt dieser Erörterung steht die Frage, ob und in welcher Art und Weise der Prozess der Kategorisierung die Richtung der Forschung und gegebenenfalls auch ihre Ergebnisse zu antizipieren vermag. Besondere Beachtung erfährt dabei das Phänomen sogenannter „Kategorisierungsfallen“, die letztlich in prominenter, kontraproduktiver Funktion für die Verhinderung der Erreichung des deklarierten Ziels der Wissenschaftsdisziplin – Inklusion „Behinderter“ – als mitverantwortlich identifiziert werden können. Der Beitrag vollzieht anhand der Klärung grundlegender Funktionen von Kategorien den Prozess und die Wirkung der Übernahme des Behinderungsbegriffs in die (Bildungs-)Wissenschaft nach. Er zeigt die Widersprüche im Rahmen von Diskursen der inklusiven Pädagogik auf, die sich als Folge der wissenschaftlichen Basierung auf problematische Kategorien ergeben, und skizziert eine Perspektive, aus der mögliche Konsequenzen abgeleitet werden können
Building a Contemporary List of Texts for Teaching Greek on the Secondary Level
This article argues that it is necessary to redefine the canon of works of Greek literature that is read in schools. In addition, it undertakes the attempt to suggest directions in which we could look for new texts in this regard. An increasingly diverse student body and the emergence of new identities within Western Europe require us to go beyond the epic poetry of Homer and authors of the classical period. Pedagogical traditions and their limits of the past may not restrain us for the future. Neither in terms of its content nor in terms of the locations where it was written, Greek literature was ever restricted to what we today define as “Europe”
What Is English in the Light of Its Global Use? Exploring Students’ Concepts of English
Today, English can be called a truly global language, as it is used in diverse sociocultural contexts. With research paradigms such as World Englishes and English as a lingua franca which investigate these uses, the concept of English has changed from a monolithic understanding with target norms and target culture mainly related to anglophone references to views in which English becomes multiple and more complex. Changing conceptions of what English is in the light of its global uses raise the question of what exactly should be taught and how. The question of what constitutes English ultimately is an ontological one: It underlines the importance of becoming aware of what English means to different people in different contexts, particularly in educational settings. In this contribution, I firstly elaborate on the changing meanings of English in connection with its global uses. For this, I focus on World Englishes and English as a lingua franca as vital research paradigms and their conceptions of English. I then outline these conceptions within an ontological framework which accounts for different senses of language and English. In a next step, I relate the changing senses of English to implications for English language teaching. In the second part of the contribution, I provide insights into my own research related to student conceptions of English: With the help of a constructivist grounded theory framework, I explored how they view English and what constitutes English for them. My results revealed that for students, using and encountering English inside the classroom was different from how they conceptualized English outside the classroom. This difference in student perceptions raises the question of to what extent English is appropriately represented in the school setting – and, thus, in the current canon of language teaching. Based on my results, I provide some practical suggestions for the classroom to bridge the gap by using conceptions of English from the paradigms World Englishes and English as a lingua franca
From Language Portraits to Language-In-Education Policies in Higher Education for the 21st Century
The focus of this paper is to contribute to the conversation about 21st century teaching skills from the vantage point of appropriate language-in-education policies for this context that keep the development of 21st century skills in mind. The approach taken was to use language portrait data gathered among students at the North-West University (NWU) in South Africa to establish the nature of their language repertoires and to investigate the relationships between the languages in the repertoire of the participants and 21st century skills. The findings from these analyses were then used to capture recommendations for appropriate 21st century language-in-education policies. The main findings from the analyses are that the participants display multilingual profiles, and that the languages included in the repertoires of the participants perform different functions. The analysis approach towards the language portraits seems to hold great potential to link the information provided in language portraits more directly to language-in-education policies
Diversitätssensible Nachwuchsförderung in der Lehrer*innenbildung: Die Bielefelder Frühjahrstagung und ihr „Herzstück“ – die Forschungswerkstätten
Im Beitrag werden entlang der Bielefelder Frühjahrstagung 2022 zentrale Aspekte einer diversitätssensiblen Nachwuchsförderung in der Lehrer*innenbildung entwickelt und Empfehlungen für eine diversitätssensible Ausgestaltung von Forschungswerkstätten als zentralem Element der Nachwuchsförderung gegeben. Der Fokus des Beitrags liegt auf dem „Herzstück“ der Bielefelder Frühjahrstagung – den Forschungswerkstätten. Anhand dieser wird herausgearbeitet, dass ergänzend zu eher klassischen Differenzkategorien wie Geschlecht, Herkunft oder Nationalität in der diversitätssensiblen Förderung des heterogenen wissenschaftlichen Nachwuchses in der Lehrer*innenbildung, der sich zu schul-, unterrichts- oder professionalisierungsbezogenen Themen in einer Fachdidaktik oder den Bildungswissenschaften qualifiziert, auch disziplinäre Heterogenität, paradigmatische Vielfalt und unterschiedliche forschungsmethodische Zugänge berücksichtigt werden müssen
Fachdidaktische Tagespraktika im Potsdamer Modell der Lehrerbildung: Erste Befunde zum Kompetenzerleben der Studierenden im ersten Unterrichtspraktikum
Der Beitrag befasst sich mit dem Kompetenzerleben von Lehramtsstudierenden der Universität Potsdam im Rahmen ihres Fachdidaktischen Tagespraktikums (FTP), in dem sie erstmals eigene Unterrichtserfahrungen sammeln. Ziel der Begleitstudie ist es, den Beitrag der Schulpraktischen Studien zum Kompetenzerwerb der Lehramtsstudierenden der Studiengänge „Lehramt für die Primarstufe“ und „Lehramt für die Sekundarstufen I und II (allgemeinbildende Fächer)“ zu erforschen und passgenaue Lehrveranstaltungs- und Begleitformate zu identifizieren. Hierfür wird eine Kohorte Lehramtsstudierender (N = 578) durch die fünf Schulpraktischen Studien des Potsdamer Modells der Lehrerbildung mit einer Online-Befragung begleitet. Für das FTP erweisen sich die „Unterrichtsbesprechungen“, die „Zusammenarbeit in der Kleingruppe“ und die „Seminaristische Begleitung“ als zentrale Parameter des Kompetenzerlebens, wobei die „Wichtigkeit der vorbereitenden, begleitenden und auswertenden Lehrveranstaltungen“ den stärksten Einfluss auf das Kompetenzerleben der Studierenden zeigt. Die drei Gelingensfaktoren und ihre Einflüsse auf die Kompetenzeinschätzung der Studierenden werden durch eine qualitative Analyse der offenen Rückmeldungen der Studierenden weiter untermauert. In der abschließenden Diskussion werden Folgerungen für die Weiterentwicklung der Schulpraktischen Studien erörtert
Jenseits des Klassenverbandes: Community Lost, Saved or Liberated?
In diesem Beitrag werden die Auswirkungen eines Wegfalls von festen Klassenstrukturen an der Universitätsschule Dresden auf die Sozialkontakte der Schüler*innen untersucht. Im Mittelpunkt steht dabei die Annahme, dass der Wegfall fester Klassenverbände einerseits zu einer Vergrößerung des Interaktionsraums und damit der potenziellen Anzahl möglicher Sozialkontakte führt, dass der Wegfall der Opportunitätsstruktur Klassenverband andererseits jedoch auch Erwartungssicherheiten senken kann, was die Anzahl und die Qualität von Sozialkontakten verringern würde. Um dies zu untersuchen, wurden alle ca. 200 Schüler*innen des ersten Jahres der Universitätsschule nach ihren Sozialkontakten befragt, und die sich daraus ergebende Netzwerkstruktur wurde mit entsprechenden Strukturen an vergleichbaren „regulären“ Schulen verglichen. Dabei ergaben sich für die Universitätsschule dichtere und verästeltere Strukturen von Kontakten vergleichbarer Stabilität und höherer Reziprozität. Die Anzahl relativ wenig integrierter Schüler*innen war an der Universitätsschule etwas niedriger als beim Durchschnitt der Vergleichsschulen
Forschungsperspektiven und -befunde zum Forschenden Lernen im Praxissemester: Plädoyer für eine Zielklärung
Die mit dem Forschenden Lernen verbundenen Verständnisse werden in der Literatur als vielfältig bewertet und die damit einhergehenden Auswirkungen als problematisch für Erforschung, hochschuldidaktische Umsetzung sowie Wirkungsannahmen gesehen (Huber & Reinmann, 2019). Vornehmlich in der Lehrkräftebildung entwickelte sich ein eigener Diskurs. Im vorliegenden Aufsatz wird dafür plädiert, die immer wieder benannte spezifische, berufsperspektivische Zielsetzung des Forschenden Lernens in der Lehrkräftebildung stärker theoretisch auszuformulieren, um die Verständnisklärung von Forschendem Lernen vor diesem Hintergrund vorantreiben zu können. Damit einhergehend werden aktuelle Forschungsbefunde und -erkenntnisse des Forschenden Lernens im Praxissemester in Deutschland berichtet und diskutiert. Es werden mögliche Ansatzpunkte für die theoretische Weiterentwicklung und damit verbundene Implikationen für die Praxis aufgezeigt