PraxisForschungLehrer*innenBildung (PFLB) - Zeitschrift für Schul- und Professionsentwicklung
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Profile Forschenden Lernens in der Bielefelder Lehrer*innenbildung – eine einführende Einordnung
Der Beitrag beinhaltet die Einführung in das Heft zu den Profilen Forschenden Lernens in der Bielefelder Lehrer*innenbildung. Mittels eines historischen Rückblicks werden zunächst die Verbindung zwischen dem Konzept Forschenden Lernens und der Universität Bielefeld aufgezeigt sowie die Genese der Inhalte und Zielvorstellungen Forschenden Lernens nachgezeichnet. Die Diskussion aktueller Herausforderungen Forschenden Lernens in der Lehrerbildung an der Universität Bielefeld rahmt den Überblick über die Beiträge des Heftes und deren inhaltliche Einordnung
Forschendes Lernen in der Geschichtsdidaktik
Die Bielefelder Geschichtsdidaktik versteht das Forschende Lernen im Rahmen der Ausbildung von Lehramtsstudierenden als ein Mittel, die Umsetzbarkeit theoretischer Konzepte in der Praxis empirisch zu überprüfen und daraus Konsequenzen für die eigene Unterrichtsplanung und Kompetenzentwicklung abzuleiten. Der folgende Beitrag informiert über Grundlegung, Ziele, Methoden und fachdidaktische Reflexion des Bielefelder Konzepts im Fach Geschichte
Forschendes Lernen in der sprachdidaktischen Lehramtsausbildung: Fachspezifische Reflexionsanlässe durch ethnographische Unterrichtsbeobachtungen
Im Zuge der Ausdifferenzierung und Konturierung von Konzepten Forschenden Lernens in den Fachdidaktiken soll in diesem Beitrag anhand eines Beispiels aus einer authentischen Seminarsituation der Sprachdidaktik gezeigt werden, welches Potenzial ethnographische Beobachtungen für fachspezifische Reflexionen haben können. Dabei wird das Ethnographische Beobachten als Ausdruck eines offenen Konzepts Forschenden Lernens verwendet, durch welches eine forschende Haltung gegenüber dem Deutschunterricht angeregt werden soll. Durch die Grundprinzipien der Verfremdung, Verschriftlichung und analytischen Bearbeitung sollen die Studierenden des Faches Deutsch habitualisierte Wahrnehmungsmuster systematisch hinterfragen und durchbrechen, um so als Forschende auf ihr späteres Berufsfeld zu schauen
Entstehung und überblicksartige Darstellung der Profile
Die in dieser Veröffentlichung dargestellten fachdidaktischen Profile Forschenden Lernens (FLs) wurden anhand von Leitfragen entwickelt, welche die am Cluster beteiligten Fächer in Workshops gemeinsam erarbeitet haben. Ziel war es, Gemeinsamkeiten und Spezifika der Zugänge zum FL auszuloten. Neben den zu erwartenden Unterschieden zeigten sich auch eine Reihe von Überschneidungen und Verknüpfungsmöglichkeiten zwischen den fachdidaktischen Ansätzen FLs. So werden in den Profilen als bevorzugte Forschungskontexte die Wirkungsforschung, die wissenschaftliche Begleitforschung und empirisch ausgerichtete Qualifikationsarbeiten in den Studiengängen genannt. Hinsichtlich der Bereiche, in denen das FL eine besondere Wirksamkeit entfalten kann, wird auf den Abgleich von Theorie und Praxis, auf das theoriebasierte Reflektieren, auf die Entwicklung eines forschenden Habitus und auf die Ausbildung von Professionalität verwiesen. Eine Reihe von Fachdidaktiken hebt dabei die Notwendigkeit hervor, das Verhältnis von Theorie und Praxis wahrzunehmen und zu reflektieren. Vielfach werden problem- und studierendenzentrierte Ansätze verfolgt. Häufig wird das FL auch mit dem Durchlaufen der wesentlichen Schritte eines Forschungsprozesses identifiziert. Die Fachdidaktiken begründen ihre Ansätze mit Verweis auf einschlägige didaktische Fachliteratur und wissenschaftliche Veröffentlichungen angrenzender Fächer. Die Mehrzahl der Fachdidaktiken verortet sich zudem in spezifischen Theorierahmen. Es kann festgehalten werden, dass Synergien zwischen den Fachdidaktiken vor allem dort entstehen, wo es um die Anbahnung eines kritisch-reflexiven Habitus und einer anwendungsbezogenen Forschungskompetenz geht. Hinsichtlich der praktischen Umsetzung FLs im Praxissemester wird auf konkrete Arbeitshilfen sowie Angebote im Bereich Fortbildung und Beratung verwiesen. Vereinzelt wird auch auf gemeinsame Forschungsperspektiven Bezug genommen. So wird angeregt, sowohl domänenspezifische als auch domänenübergreifende Lehr-/Lern- und Forschungsbündnisse zu bilden
Zum Profil Forschenden Lernens im Fach Kunst an der Universität Bielefeld
Unter Verweis auf die besondere Einbindung der vergleichsweise jungen kunstpädagogischen Forschung in den aktuellen Diskurs um die unterschiedlichen Erkenntnismodelle von Kunst und Wissenschaft thematisiert der Beitrag, in welcher Weise sich auch im engeren Feld kunstdidaktischer Forschung mit ihrer Fokussierung auf das Handlungsfeld Schule die praxeologischen Mittel der Kunst selbst einsetzen lassen. Zugleich werden Widersprüche zwischen Anspruch und Wirklichkeit, die Studierende an der Schnittstelle universitärer und schulischer Ausbildung erfahren, in Rückbindung an das phänomenologische Erfahrungsmodell von Bernhard Waldenfels als wirksame Impulse für den forschenden Zugriff auf das Handlungsfeld Schule ausgewiesen. Anknüpfend an Überlegungen zum komplexen Verhältnis zwischen empirischer Forschung und kunstpädagogischer Theoriebildung verweist der Beitrag im dritten Teil auf theoretische Positionen der Fachdidaktik, die ein Forschen mit den Mitteln der Kunst ermöglichen. Als Art-Based-Research findet diese Schnittstelle zur Künstlerischen Forschung nicht zuletzt deshalb Beachtung, weil kunstpädagogische Konzepte, teils bereits ihrer Bezeichnung nach, den forschenden Zugriff implizieren. Für zwei von ihnen – Ästhetische Forschung und Mapping – wird exemplarisch dargelegt, wie sie die forschende Haltung der Studierenden fundieren und dazu anregen, das zukünftige Berufsfeld auch mit den Mitteln der Kunst zu beforschen
„Forschendes Lernen“ als diffuser Steuerungsimpuls in günstiger Gelegenheitsstruktur? Governanceanalytische Betrachtungen zur Implementierungslogik des Programms Forschenden Lernens
Ausgehend von der Frage nach den Ursachen für den derzeitigen Hype um das Konzept des Forschenden Lernens in der Lehrer*innenbildung erfolgen im vorliegenden Beitrag aus Governance-Perspektive eine Analyse des Steuerungsimpulses im Land Nordrhein-Westfalen auf der Makroebene sowie eine Darstellung der parallel vom Bund zur Verfügung gestellten ressourciellen Gelegenheitsstruktur zur Ausgestaltung, um in diesem Zusammenspiel nachzuzeichnen, welche Effekte dies an der Universität Bielefeld in den einzelnen Fächern auf der Programmebene hatte. Abschließend wird die Frage gestellt, inwiefern diese Entwicklung mit Blick auf das Ziel der Implementierung des „Forschenden Lernens“ als Reaktion auf einen diffusen Steuerungsimpuls funktional ist. Hier wird argumentiert, dass die Verschiedenheit der disziplinären Zugänge und deren Referenzen auf unterschiedliche Paradigmen dann für das Forschende Lernen an der Universität produktiv werden können, wenn es jenseits der Paradigmenstreite im konstruktiven Interdependenzmanagement der Disziplinen zur produktiven Ausdifferenzierung anstatt zu nivellierender Entdifferenzierung der forschenden Zugänge kommt. Die im vorliegenden Beitrag beschriebene Konstellation eines diffusen Steuerungsimpulses (Lehrerausbildungsgesetz), der auf eine günstige Gelegenheitsstruktur (Qualitätsoffensive Lehrerbildung) traf, kann so als durchaus funktionale Kombination gelten.
Starting with a query of the reasons for the hype regarding the concept of research-based learning in teacher education, this article analyzes from a governance-analytical perspective both the governance impulse by the Land North Rhine-Westphalia on the macro-level and a depiction of the parallel provided opportunity structure to get resources to react to the impulse. It describes for various university subjects the effects of these initiatives on the program level. Finally it raises the question to which extent this development, triggered by a diffuse governance impulse, is functional with regard to the implementation of “research-based learning”. It argues that the diversity of disciplinary approaches and their reference to various paradigms can become productive for research-based learning at the university if it results – beyond paradigm disputes and in a constructive interdependency management of the disciplines – in a productive differentiation instead of a levelling de-differentiation of research approaches. The constellation of a diffuse governance impulse (Teacher Education Law) meeting a favorable structure of opportunities (“Qualitätsoffensive Lehrerbildung”), which is described in this article, can thus be seen as a functional combination.
 
Forschendes Lernen in der Mathematikdidaktik
Im Gegensatz zur Mathematik liegt der Fokus von Forschung bei der Mathematikdidaktik nicht auf universeller Gültigkeit, sondern auf dem lernenden Individuum. Allgemeines theoretisches Wissen kann hierbei nicht einfach umgesetzt werden, sondern muss im Hinblick auf die jeweils konkret vorliegenden spezifischen Bedingungen angepasst und übertragen werden. Hierfür ist eine forschende Grundhaltung aufgrund der hohen subjektiven Situiertheit von Lernprozessen naheliegend und damit von zentraler Bedeutung für Theorie und Praxis der Mathematikdidaktik