PraxisForschungLehrer*innenBildung (PFLB) - Zeitschrift für Schul- und Professionsentwicklung
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Methodische und mediale Parallelisierung von Unterrichtsinhalten in heterogenen Lerngruppen – Chancen und/oder Herausforderungen
Die Ausrichtung von Unterricht an heterogenen Lernenden kann als eine zentrale didaktische Herausforderung benannt werden, wenngleich es unterschiedliche Versuche, Ansätze und Methoden gibt, dieses Ziel systematisch umzusetzen und zu erreichen. Die Einlösung dieses Anspruchs stellt weiterhin die Fachdidaktiken sowie die unterrichtliche Praxis vor große Herausforderungen. Im vorliegenden Artikel werden zwei Möglichkeiten vorgestellt, wie sich solche Variationen von Unterrichtsinhalt systematisch realisieren lassen. Beim ersten Zugang werden kognitive Prozessdimensionen (Erinnern, Verstehen, Analysieren, Bewerten) mit unterschiedlichen Anforderungsniveaus (Reproduktion, Rekonstruktion, Konstruktion) kombiniert. Beim zweiten Zugang werden die Darstellungsformen aus der Tätigkeitstheorie (enaktiv, ikonisch, symbolisch) mit den sensorischen Präferenzen (visuell, auditiv, textorientiert und kinästhetisch) aus der Lerntypen-Theorie kombiniert
Meta-Reflexive Prozesse für die Weiterentwicklung pädagogischen Wissens von Lehrpersonen
Der Schulalltag von Lehrpersonen besteht aus zahlreichen Anforderungen. Lehrpersonen sind dabei gefordert, ihr pädagogisches Wissen kontinuierlich weiterzuentwickeln, um mit den daraus resultierenden Herausforderungen professionell und adäquat umgehen zu können. Reflexion ist ein Instrument, das dabei hilft, Denk- und Handlungsmuster zu durchbrechen und eigene berufsspezifische Kompetenzen weiterzuentwickeln. Das Konzept der Meta-Reflexion erweitert den Reflexionsdiskurs und hat zum Ziel, Prozesse mehrperspektivisch, wissenschaftstheoretisch sowie aus der Distanz zu analysieren. Im vorliegenden Beitrag wird das Konzept der Meta-Reflexion im Zusammenhang mit dem pädagogischen Wissen von Lehrpersonen diskutiert. Es wird der Frage nachgegangen, inwieweit Lehrpersonen bei der Rekonstruktion ihres eigenen pädagogischen Wissens das Konzept der Meta-Reflexion anwenden. Die zugrundeliegenden Daten basieren auf einer qualitativ-rekonstruktiven Studie zum Thema Pädagogisches Wissen im Lehrer*innenberuf. Der Beitrag zeigt unterschiedliche Ebenen der Reflexion von Lehrpersonen auf und verdeutlicht die zentrale Bedeutung der Lehrer*innenbildung für einen kontinuierlichen professionsspezifischen Entwicklungsprozess
„FInDig“: Fach – Inklusion – Digitalisierung vernetzen. Ein Planungs- und Reflexionsmodell für die Lehrkräftebildung
Inklusion und Digitalisierung zählen derzeit zu den viel diskutierten Themen in der Lehrkräftebildung und gelten als anspruchsvolle Professionalisierungsaufgaben. Nicht allein aufgrund der bildungspolitischen Vorgaben haben sich Hochschulen auf den Weg gemacht, diese Themen im Studium zu verorten. Damit angehende Lehrkräfte nicht isolierte Teilkompetenzen erwerben, sondern vielmehr vernetzt Expertise aufbauen, sind Inklusion und Digitalisierung gegenstands- und damit fachbezogen zu interpretieren und zu konkretisieren. Im Beitrag werden Möglichkeiten der vernetzten Gestaltung von inklusions- und digitalisierungsbezogener Hochschullehre diskutiert sowie ein Modell vorgestellt, welches auf der Basis der Paderborner Konzepte „Inklusion für alle Lehrämter“ und „Bildung in der digitalen Welt“ entstanden ist und in Form des Instruments „FInDig“ fächerübergreifend zur Planung und Reflexion von Lehrveranstaltungen an der Schnittstelle von Fach –Inklusion – Digitalisierung genutzt werden kann
„verschieden vielfältig“ – Relevanz von Diversität im Kontext von (Lehrer*innen-)Bildungsforschung: Einführung in das Themenheft
Vielfalt wahrnehmen, anerkennen und mit ihr umgehen zu können, erfordert gerade im Kontext von Lehrer*innenausbildung, Bildungsforschung und der Förderung des fachdidaktischen und bildungswissenschaftlichen Nachwuchses Diversitätssensibilität von allen Beteiligten auf verschiedenen Ebenen. Das Themenheft „verschieden vielfältig – Relevanz von Diversität im Kontext von (Lehrer*innen-)Bildungsforschung“ dokumentiert die Bielefelder Frühjahrstagung 2022, die sich als Nachwuchstagung umfänglich mit dem Phänomen Diversität aus der Perspektive der Lehrer*innenbildung und der Bildungsforschung beschäftigte. Dieses Editorial führt in das Themenheft ein, erläutert seine Entstehung und stellt die einzelnen Beiträge vor. Diese beschäftigen sich mit epistemischen Ungerechtigkeiten in bildungswissenschaftlichen Forschungskontexten, mit der Relevanz von Kategorien in der Bildungsforschung sowie mit dem Umgang mit und der Bedeutung von Diversität in den Fachdidaktiken Englisch und Biologie. Im abschließenden Beitrag wird schließlich entlang der Forschungswerkstätten der Bielefelder Frühjahrstagung eine diversitätssensible Nachwuchsförderung in der Lehrer*innenbildung entfaltet
Decolonizing Classics: Der klassische Kanon der Rezeptionsdokumente und seine Kritik am Beispiel von Phillis Wheatleys Niobe-Epyllion
Der Beitrag nimmt den unsichtbaren Kanon der Vergleichsdokumente des Lateinunterrichts in den Blick und unterzieht ihn exemplarisch an Cesare Maccaris Bild „Cicero klagt Catilina an“ einer Kritik. Auf dieser Basis werden zwei nicht-europäische Vergleichsdokumente – eines aus dem nordamerikanischen Westen, eines aus dem chinesischen Fernen Osten – unter dem Gesichtspunkt ihrer Eignung für den altsprachlichen Unterricht betrachtet. Die Vorschläge antworten dabei nicht zuletzt auf die Kritik des US-amerikanischen Altertumswissenschaftlers Dan-el Padilla Peralta an latent rassistischen Grundstrukturen in seiner Disziplin. Diese Kritik hat in den USA eine schon lange schwelende Debatte befeuert, in deren Rahmen auch der klassische Lektürekanon in Frage gestellt wurde. Gegenüber einer problematischen Lösung, den Textkanon der alten Sprachen aufzulösen, das in Hinblick auf muttersprachliche Texte als abgeschlossen gelten muss, wird der Vorschlag unterbreitet, den unsichtbaren Kanon der Vergleichsdokumente nach West und Ost zu öffnen. Der Beitrag illustriert diesen Vorschlag an jeweils einem Beispiel, wobei das erste, die Mythenrezeption der ersten afroamerikanischen Schriftstellerin Phillis Wheatley (1753?–1784), näher ausgeführt wird. Betrachtet wird konkret ihre poetische Rezeption des Niobe-Mythos der Metamorphosen Ovids und eines Gemälde Richard Wilsons, welche sich als Reflex biographischer Erfahrungen im Code der ovidischen und wilsonschen poetischen Welt zeigt. Ein zweites Beispiel, welches illustriert, inwiefern unter kulturwissenschaftlicher Perspektive historiographische Texte des Fernen Ostens als Vergleichsdokumente herangezogen werden können, schließt den Beitrag ab
Lernprozessbegleitende Diagnostik und Fachdidaktik: Gestufte digitale Lernhilfen als Professionalisierungskonzept für adaptiven Unterricht (DiLernProfis)
In inklusiven Settings sind Differenzierungen der Lerninhalte für ein adaptives Unterrichten unabdingbar. Diagnostische Erkenntnisse für die Planung, Durchführung und Reflexion von Unterricht sind von herausgehobener Bedeutung. In dem hier vorgestellten Verbundprojekt „DiLernProfis“ sollen die Praxen und Gelingensbedingungen der Verknüpfung von Diagnostik und adaptivem Unterricht analysiert werden. Dies erfolgt entlang der Konzeption und des Einsatzes von binnendifferenziert gestuften Lernhilfen, die in Form einer App für den naturwissenschaftlichen Unterricht erprobt werden. Dies erfolgt im Rahmen einer Fortbildung, die auf Lehrkräfteprofessionalisierung im Spannungsfeld von Diagnostik und Förderung zielt und in der die beteiligten Lehrpersonen als Community of Practice (CoP) organisiert sind. Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts umfasst qualitative und quantitative Erhebungen. Die Befunde münden in einem zertifizierten Konzept zur Lehrpersonen-Professionalisierung. Dies umfasst lerndiagnostisch-adaptiven Unterricht in der Aus- und Weiterbildung zum Fachunterricht der Sekundarstufe. Der fachdidaktisch fundierte Praxistransfer wird über eine interdisziplinäre Community of Research (CoR) von universitären Fachdidaktiken des Forschungs- und Entwicklungszentrums (FuE-Zentrums) für inklusionssensible Lehrer*innenbildung sowie Lehrpersonenforscher*innen der Versuchsschulen „Oberstufen-Kolleg“ und „Laborschule“ gewährleistet
"You ain’t seen nothing yet" – stehen literarische Kanonkonzepte und mit ihnen etablierte Lesarten und didaktische Verfahrensweisen im Englischunterricht vor einer grundsätzlichen Revision?
Der Autor skizziert Entwicklungen in der Literaturdidaktik des Faches Englisch seit den 1970er-Jahren und verdeutlicht, dass es eine längere Tradition der offenen Kritik an etablierten Kanones, Textvorgaben, Interpretationsansätzen und Unterrichtsverfahren gibt. Einflussreiche didaktische Richtungen aus Bereichen der race, class & gender studies werden aufgeführt, ebenso wie Dynamiken der Veränderung in theoretischen Konzepten, denen relativ statische Praktiken des Unterrichts gegenüberstehen. Gegenwärtige Ansätze einer kritisch-reflexiven Fremdsprachendidaktik werden entsprechend in bisherige Diskurslinien eingeordnet. Der Beitrag endet mit Überlegungen zu weiteren Herausforderungen an die Literaturdidaktik des Englischunterrichts: Diese ergeben sich aus stärker auf soziales Engagement setzenden Diskussionen, welche eine Umwertung und Neuorientierung im Sinne der Identitätspolitik und des ökologischen Bewusstseins fordern
Mittel- und neulateinische Texte im Lateinunterricht: Bestandsaufnahme und Perspektiven
Der Beitrag untersucht den Stellenwert mittel- und neulateinischer Literatur in aktuellen Latein-Curricula. Ausgehend von der historischen Entwicklung des Lateinunterrichts seit der Aufklärung werden statistische Befunde über die quantitative Verteilung antiker und nachantiker lateinischer Texte sowie die Berücksichtigung nachantiker Texte in heutigen Latein-Lehrplänen präsentiert. Zum Schluss folgen ein Überblick über die Diskussionen der letzten Jahre zum Für und Wider und ein Plädoyer für den Einsatz nachantiker Texte im Lateinunterricht
„Immer, immer, immer wieder üben.“: Eine Berner Lehrpersonen-Perspektive auf die Praxis des Übens im Kontext der selbstständigen Erschließung literarischer Texte und Konsequenzen für die Lehrpersonen-Ausbildung
Im Schweizer Kanton Bern wie auch in anderen Schweizer Kantonen müssen Schüler*innen im Rahmen der mündlichen Maturprüfung (= Reifeprüfung) im Fach Deutsch demonstrieren, dass sie selbstgewählte literarische Texte, die nicht im Deutschunterricht behandelt wurden, eigenständig erschließen können. Aus dieser während der gymnasialen Ausbildung wichtigen und in Hinblick aufs Matur-Prüfungsgespräch über Literatur zentralen Herausforderung ergeben sich für Lehrpersonen und damit auch für die Lehrpersonenausbildung literatur- und mediendidaktische Anforderungen, die beachtet werden müssten. Diesen Konsequenzen für die Lehrpersonenausbildung gehen wir im vorliegenden Aufsatz nach. Die explorative Studie öffnet den Blick auf ein bislang kaum erforschtes Feld im Bereich der Literaturdidaktik sowie in der Ausbildung der künftigen gymnasialen Deutschlehrpersonen: Basierend auf einer qualitativen Interviewstudie unter 21 Lehrpersonen im Kanton Bern kommen wir zu der Empfehlung, dass angehende Lehrpersonen mit den Schüler*innen nicht nur das Interpretieren literarischer Texte üben, sondern zusätzlich offenlegen sollten, welche literaturwissenschaftlichen Methoden zu welchen Textinterpretationen führen (können). Ebenso ist zu wünschen, dass die Spezifika von literarischen Unterrichtsgesprächen im Kontrast zu Prüfungsgesprächen über Literatur in der Lehrpersonenausbildung vertieft thematisiert werden. Als weiteres Ergebnis der Interviewauswertung sei hier angeregt, dass die Lehrpersonenausbildung angehende Lehrkräfte künftig stärker befähigen sollte, die digitale Mediennutzung im Literaturbereich adäquat einzubeziehen
Authentic Englishes.nrw: Understanding, Describing, and Teaching Varieties of English
In this contribution, we present the project AuthenticEnglishes.nrw, which is funded by the federal government of North Rhine-Westphalia and managed by the Digitale Hochschule NRW (DH.NRW). The project produces Open Educational Resources (OER) that can be used in university education to foster the skills of understanding, describing and – for students on a teaching degree – teaching varieties of English. We provide insights into what kinds of material are produced, and on which considerations the material is based. Our contribution contextualises the project against the backdrop of the highly diverse sociolinguistic reality of Authentic Englishes which students are confronted with in the twenty-first century. We argue that current teaching material for the higher secondary school level only slowly accommodates to these dynamics and rather focuses on a ‘traditional’ canon in which the standard varieties of Britain and the US feature prominently. This makes it imperative to provide university students with adequate Authentic Englishes material which goes significantly beyond the boundaries of the traditional canon to mirror twenty-first century sociolinguistic reality more accurately