PraxisForschungLehrer*innenBildung (PFLB) - Zeitschrift für Schul- und Professionsentwicklung
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LFB-Labs-digital: Schülerlabore als Ort der Lehrkräftefortbildung in der digitalen Welt: Ein Bericht zur Konzeption eines Verbundprojektes
Schülerlabore haben unter anderem zum Ziel, die Motivation, insbesondere das Interesse – i.S. einer gegenstandsbezogenen Motivation – von Schüler*innen an MINT-Themen und -Arbeitsweisen zu fördern. Darüber hinaus konnten sie sich schneller und produktiver als die formalen Bildungsorte den Herausforderungen der digitalen Transformation stellen. Das Potenzial, Schülerlabore auch als innovative Orte der Lehrkräftefortbildung (LFB) zu nutzen und digitalisierungsbezogene Kompetenzen bei Lehrkräften aufzubauen, wurde bisher nicht ausgeschöpft. Im Verbundprojekt mit insgesamt acht Standorten werden Schülerlabore zu LFB-Labs-digital ausgebaut und die Frage nach Implementierungsvoraussetzungen gelingender Fortbildungen in der digitalen Welt im MINT-Bereich bearbeitet. In diesem Artikel werden die theoretische Fundierung, Ziele und anvisierten Forschungsarbeiten des Verbunds LFB-Labs-digital dargelegt. Zur Unterstützung der mit der forschungsbasierten Qualitätsentwicklung der MINT-bezogenen Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften betrauten Einrichtungen in den Ländern sollen in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum MINT des Bundes die Lernorte „Schülerlabore“ für die digitale LFB erschlossen werden, um vermittelt hierüber die Motivation von Schüler*innen für die MINT-Fächer zu fördern. Die in den Schülerlaboren evaluierten und vom fächerübergreifenden adaptiven Qualitätsmanagement für die LFB wissenschaftlich begleiteten Good-Practice-Beispiele werden zur Grundlage für den „Referenzrahmen LFB-Labs-digital“. Dieser wird – vor dem Hintergrund einer Ergebnistriangulation aus der Begleitforschung sowie den damit parallelisierten Studien zur Evidenzbasierung der Lehrkräftequalifizierung in der digitalen Welt und dem Musterqualitätshandbuch LFB – entwickelt und von einem Implementierungsbeirat mit ausgewiesenen Expert*innen in diesem Bereich auf Transferoptionen hin geprüft. Die digitale Infrastruktur für die LFB-Labs-digital-Veranstaltungsformate wird hierzu prozessbegleitend ausgebaut
Das Fetale Alkoholsyndrom als pädagogische Herausforderung: Eruierung des Forschungsfeldes FASD und Desiderata erziehungswissenschaftlicher Forschung
Der nachstehende Beitrag behandelt die pädagogischen Implikationen des fetalen Alkoholsyndrom (engl. fetal alcohol spectrum disorder, kurz: FASD). Dieses entsteht durch mütterlichen Konsum von Alkohol während der Schwangerschaft und manifestiert sich in vielfältigen Störungen, Problemen und Behinderungen. Gleichzeitig handelt es sich bei FASD nicht um ein einheitliches Störungsbild, sondern um eine Benachteiligung, die sich in verschiedenen Dimensionen und Graden ausbilden kann – es wird daher, zumindest medizinisch, von einem Spektrum ausgegangen. Bislang wurde FASD vornehmlich aus medizinisch-diagnostischer Perspektive erforscht und diskutiert; die pädagogischen Implikationen wurden lediglich nachrangig thematisiert. Diesen Mangel an Thematisierung möchte dieser Beitrag adressieren, indem er sich einerseits dem Störungsbild FASD annähert und auf diagnostische Probleme hinweist, andererseits die Rolle von Schule bzw. pädagogischen Institutionen im Themenfeld FASD reflektiert. Der Beitrag endet mit der Identifikation von erziehungswissenschaftlichen Desiderata
KEUK – ein Design zur kontrollierten Evaluation von Unterrichtskonzepten
Die Erstellung und ggf. Veröffentlichung von Unterrichtskonzepten ist in allen Fachdidaktiken ein zentraler Aspekt universitärer Ausbildung, Forschung und diesbezüglicher Transferbemühungen sowie schulischer Praxis. Jedoch mangelt es oft an der Praxiserprobung, was die Transparenz von diesbezüglichen Publikationen, aber auch deren Validität beeinträchtigt. Um dieses Problem anzugehen, wurde das Design zur kontrollierten Evaluation von (innovativen) Unterrichtskonzepten (KEUK) entwickelt. Das Verfahren involviert zwei Lehrkräfte und Klassen bei der Erprobung eines Unterrichtskonzepts, wobei nach den Lehrversuchen eine (möglichst umfassende) Evaluierung und anschließende Revision des Konzepts erfolgt. KEUK zeichnet sich durch seine ökonomische Durchführbarkeit, klare Verständlichkeit und Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Forschungsanforderungen aus. Es bietet eine Möglichkeit zur Verbesserung und Validierung von Unterrichtskonzepten in den Fachdidaktiken und kann zudem einen Beitrag zur Hochschuldidaktik leisten, indem es Studierenden ein praxisnahes Experimentieren mit verschiedenen empirischen Methoden ermöglicht. Anschließbar ist KEUK an unterschiedliche Forschungsverfahren, insbesondere an Design (Based) Research bzw. Educational Design Research
Adaptive Lernunterstützung im Fachunterricht: Eine Einführung
Mit Heterogenität in Schule und Unterricht pädagogisch angemessen umzugehen und allen Schüler*innen in heterogenen Lerngruppen zu ermöglichen, zentrale Bildungsziele zu erreichen, sind die größten Herausforderungen für die Schule. Unterrichtsforschung und Schulentwicklung nehmen deshalb verstärkt individualisierte bzw. personalisierte Lehr-Lern-Prozesse in den Blick. Erweiterte Anforderungen, die sich daraus für die Lehrpersonenaus- und -weiterbildung ergeben, betreffen die Frage, wie Lehrpersonen bestmöglich auf einen angemessenen Umgang mit Heterogenität vorbereitet werden können. Das vorliegende Themenheft beinhaltet Beiträge, die sich auf unterschiedliche Weise und aus unterschiedlichen fachlichen Blickwinkeln der Frage nähern, was unter einer fachpädagogisch und kommunikativ gehaltvollen adaptiven Lernunterstützung zu verstehen ist und was es dafür auf der Planungsebene braucht, damit eine solche Unterstützung im Unterricht umgesetzt werden kann. Das Themenheft wird von einem Beitrag eröffnet, in dem das Konzept einer adaptiven Lernunterstützung vorstellt wird. Es folgen Beiträge aus den Unterrichtsfächern Musik, Naturwissenschaft, Kunst und Mathematik. Abschließend folgen ein Beitrag zu digital gestütztem Feedback und ein Beitrag zu einem videobasierten Test zur Kompetenz angehender Lehrkräfte, adaptive Lernunterstützung wahrnehmen zu können, an
Ein struktureller Rahmen für studentische Praxiserfahrungen zur Unterstützung von Schulen in Ostsachsen angesichts des Lehrkräftemangels
Die Diskussion über eine schlechte Verzahnung von Theorie und Praxis im Lehramtsstudium ist nicht neu, und auch ein zyklisch auftauchender Lehrermangel ist durchaus etwas Bekanntes im Diskurs der Erziehungswissenschaft. Wie beide Herausforderungen in einer krisenhaften Situation sich gegenseitig ergänzen können und sich neue Gestaltungsräume damit eröffnen können, soll in diesem Beitrag vorgestellt werden. Dafür wird die Pilotierung des Einsatzes von Lehramtsstudierenden an einem Tag in der Woche in der ländlichen Region nachgezeichnet, indem im Folgenden sowohl die Durchführung und die Erkenntnisse aus dem Pilot als auch die Ausgestaltung einer weiteren Umsetzungsphase bestimmt werden
Soziale Ungleichheit als Schwerpunkt in der Lehrer*innenbildung: Fachdidaktische Überlegungen und Konzepte
Im Mittelpunkt des Teilprojekts 3 „Fachdidaktische Professionalisierung unter Berücksichtigung sozialer Ungleichheit und Inklusion“ des Bielefelder Projekts BiProfessional der Qualitätsoffensive Lehrerbildung (Förderkennzeichen: 01JA1908) stand die Frage, wie die Produktion und Reproduktion sozialer Ungleichheit durch Lehrer*innenhandeln und institutionelle Diskriminierung in universitären Veranstaltungen verschiedener Fachdidaktiken in den Blick genommen werden kann, um bei Studierenden durch transdisziplinäre und phasenübergreifende Formate des Forschende Lernens ein reflexiv-kritischen Praxisverständnis zu entwickeln. Dieser Beitrag stellt die Ergebnisse des Projekts dar, indem er zunächst grundlegende Begriffe klärt und in den Kontext allgemeiner sowie fachspezifischer Ungleichheitsphänomene setzt. Anschließend werden Konzepte aus den einzelnen Fachdidaktiken dargestellt, durch die angehende Lehrkräfte eine kritisch-reflexive Distanzierung zu ihren eigenen Wahrnehmungsmustern anstreben und deren potenziellen Zusammenhang mit einer möglichen Reproduktion sozialer Ungleichheit erkennen sollen. Die Ausführungen zeigen, wie Lehramtsstudierenden bewusst gemacht werden kann, auf welche Weise Schule und Unterricht als (Re-)Produktionsort und sie selbst als Lehrkräfte als Reproduktionsagent*innen von Ungleichheit eine zentrale Rolle spielen und dass eine entsprechend kritisch-reflexive Distanzierung gegenüber den eigenen Wahrnehmungsmustern eine notwendige Ressource zu deren Bearbeitung darstellt
Lernpfade: Individuelle Entwicklungswege in der Schule durch digital gestütztes Dokumentationssystem ermöglichen
Individuelle Entwicklungswege von Schüler*innen im Rahmen von Schule zu begleiten, braucht ein Instrument. Die Lernpfade stellen für den Schulversuch Universitätsschule Dresden ein solches mögliches Instrument dar. Die in den letzten zwei Jahren entwickelten Lernpfade werden in ihrem Konzept vorgestellt hinsichtlich ihrer Funktion, den Lernprozess jedes einzelnen Schülers/jeder einzelnen Schülerin zu dokumentieren, womit das Verstehen von Lern- und Entwicklungsprozessen möglich wird. Dies wiederum bildet die Grundlage für die Gestaltung von Lernumgebungen und für eine anerkennende Feedbackkultur. Kontextualisiert werden diese Funktionen unter Bezugnahme auf die Kulturhistorische Theorie
Vielfalt, Varianz und Prototypen: Diversität als Gegenstand eines wissenschaftspropädeutisch reflektierten und politischen Biologieunterrichts
Diversität ist ein grundlegendes Merkmal biologischer Phänomene. Zudem erhält das Thema Diversität über fächerübergreifende Bildungsinhalte wie Inklusion, Sexualbildung oder eine rassismuskritische und antidiskriminierende Bildungsarbeit Eingang in den Biologieunterricht. Der Beitrag positioniert sich für einen wissenschaftspropädeutisch reflektierten und politischen Biologieunterricht, der sich der ethischen Dimension der Biologie zuwendet, um Schüler*innen für Diversitätsdiskurse zu sensibilisieren. Ein diversitätssensibler Biologieunterricht wird dabei aus der Perspektive und Verantwortung des Faches heraus begründet. Ein Verständnis des Wesens und der Bedeutung der Biologie impliziert sowohl ein Verständnis der Diversität und Individualität biologischer Phänomene als auch eine Reflexion der kulturellen und politischen Kontexte biologischer Forschung und der Verlockungen biologistischer Argumentationen und Ideologien. Aus didaktischer Perspektive werden auch die Herausforderungen einer im Unterrichtsfach Biologie zumeist noch vorherrschenden stoffzentrierten Lehr- und Lernkultur, einer starken Orientierung an prototypischen Darstellungen biologischer Phänomene sowie der häufig generalisierende Blick von Fachdidaktiker*innen auf schulisches Lernen problematisiert. Demgegenüber wird für eine Diskussionskultur argumentiert, die im Rahmen einer naturwissenschaftlich geprägten Fachkultur für eine verständigungsorientierte und fehlerfreundliche Behandlung ethisch sensibler Themen essenziell ist. Der Beitrag betont somit auch die pädagogische Perspektive der Didaktik der Biologie auf Unterricht und Lehrkräftebildung
A Critical Approach to L2 Classroom Discourse Competence: Some Preliminary Considerations for English Language Teaching
This article develops a proposal for a Critical Second Language (L2) Classroom Discourse Competence (CDC) for (English) language teachers. The proposal takes the comprehensive competence model as a starting point which Thomson (2022) presents in her volume on Classroom Discourse Competence, and argues that the existing model is highly valuable yet lacking in two aspects: 1) It does not yet consider the interconnectedness of classroom discourse with discourses outside the classroom. 2) In its focus on L2 acquisition (in the sense of language structures), it neglects the fact that another key task of 21st-century L2 teaching is fostering inclusion and, hence, social justice in and beyond the classroom. Consequently, this contribution argues that today’s L2 teachers’ classroom performance should not only provide a model of language structures, but also of inclusive and empowering discourse practices. To provide such a model, L2 teachers need a Critical L2 CDC. Hence, this article proposes to add knowledge, skills, and awareness elements to Thomson’s L2 CDC model, turning it into a Critical L2 CDC model. These considerations are specified by a multimodal interaction analysis of classroom videos from (inclusive) English lessons (years 5, 6, 9) that employ learner-centred methods. This analysis reveals the use of power-asymmetrical turn-taking practices and a potentially exclusive use of gender categories for classroom management. The article concludes by pointing out the potential role of teacher education in fostering Critical L2 CDC
“So I suppose you want to ask me why I spared the werewolves”: Collaborative Creative Writing as a Motor for Languaging in the English L2 Classroom, Using Born-Digital Prompts
Given the premise that the core skills for future education are creativity, communication, collaboration and critical thinking (Bialik & Fadel, 2015), the case for making (collaborative) creative prose writing a central activity in the English classroom is stronger than ever. In the quest to express and shape their own meanings, learners are propelled into “languaging” activities (Swain & Watanabe, 2013) that drive effective language learning. Scaffolding with a strong appeal to learners in the digital age can be provided by online tools of various kinds. Some are explicitly designed to support creative writers, no matter what their L1, others are tools the L2 creative writer can access online. I will present examples of these resources and argue that online tools such as text generators or writing prompts represent a specific kind of born-digital text, often serving as a draft, skeleton or stem for a new creative text. I will also argue that, with guidance from teachers and used purposefully in collaborative settings, such born-digital texts (exemplified here by a blurb produced by a text generator) can give learners experience in working with the kinds of “substantial texts” that Martín Alegre (2021) fears might be displaced by an overemphasis on digital media in the English Language classroom