PraxisForschungLehrer*innenBildung (PFLB) - Zeitschrift für Schul- und Professionsentwicklung
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Werteorientierungen von Lehrkräften mit und ohne Migrationshintergrund im Vergleich
Im Rahmen der vorliegenden Studie wurden insgesamt 51 Lehrkräfte mit und ohne Migrationshintergrund in qualitativ vertiefenden Interviews zu ihren Werteüberzeugungen und Erziehungsmaximen befragt. Gesellschaftspolitisch werden mit Lehrkräften mit Migrationshintergrund hohe Erwartungen verknüpft, da u.a. postuliert wird, dass sie auf Grund geteilter sprachlicher Kompetenzen und Werteüberzeugungen als Brückenbauer zur migrantischen Schülerschaft und deren Eltern fungieren könnten. Lehrkräfte mit Migrationshintergrund sind erst seit kurzem Gegenstand wissenschaftlicher Forschungen – zumeist wurde erfasst, wie sie mit den an sie gestellten Erwartungen umgehen und ob sie Rassismen und Vorurteile gegenüber ihrer Person wahrnehmen. Die vorliegende Studie deckt auf, dass sich die Werteorientierungen von Lehrkräften mit und ohne Migrationshintergrund kaum unterscheiden, was auf geteilte sozialisatorische Bedingungen der zumeist bereits in Deutschland aufgewachsenen Lehrkräfte sowie geteilte sozioökonomische Bedingungen zurückgeführt wird
Gesundheit und Arbeitszufriedenheit von Lehrer*innen? Eine Argumentationsmusteranalyse über Zufriedenheit und Wohlbefinden im Arbeitsleben von Lehrer*innen
Die vorgestellte Studie fokussiert auf Situationen und Bedingungen für Arbeitszufriedenheit im Lehrer*innenberuf. Theoretische Grundlage bildet das salutogenetische Modell von Antonovsky mit der zentralen Kategorie des Kohärenzgefühls. Damit ist das subjektive Gefühl von Stimmigkeit gemeint, d.h. das Gefühl eines befriedigenden, sinnstiftenden Arbeitsalltags. Im Rahmen eines Praxisforschungsprojektes wurden vier narrative Interviews mit Lehrpersonen geführt, die objektiv-hermeneutisch ausgewertet wurden. Als Ergebnis zeigen sich vier kontrastierende Argumentationsmuster, die latente Sinnstrukturen und komplexe Zusammenhänge von subjektiven Interpretationen bezüglich des Arbeitsauftrages, der Zielsetzung und der damit verknüpften Bewertung von Erfolgen und Misserfolgen offenlegen. Erkennbar werden verschiedene Bewertungs- und Verarbeitungsprozesse des Handelns von Lehrpersonen. Komplexe Ambivalenzen im beruflichen Alltagshandeln zwischen der eigenen Verausgabungsbereitschaft, Belastungs- und Überforderungssituationen und notwendigen Distanzierungsfähigkeiten werden deutlich. Diskutiert werden die Befunde vor dem Hintergrund, dass es kein verbindliches Berufs- und Anforderungsprofil für den Lehrer*innenberuf und das Handeln von Lehrpersonen zu geben scheint. Dieser weite Handlungsspielraum führt bei Lehrer*innen zu unterschiedlichen Interpretationen der eigenen Berufsrolle, des Arbeitsauftrages und der Wahrnehmung der an sie gestellten Anforderungen und Erwartungen
Der Einfluss von Schulkultur auf die Belastung von Lehrkräften
Während das Belastungsempfinden von Lehrkräften insgesamt einen bereits sehr umfassend erforschten Bereich darstellt, ist bisher noch nicht geklärt, inwiefern auch die Schulkultur als symbolische Ordnung der Einzelschule damit in Zusammenhang stehen könnte. Die Schulkulturtheorie nach Helsper postuliert, dass inkongruente Verhältnisse zwischen den Konstituenten der Schulkultur Spannungen erzeugen können. Dem vorliegenden Beitrag zugrunde liegt die daraus abgeleitete Annahme, dass solche spannungsreichen Verhältnisse zu Belastungen auf Seiten der Lehrkräfte führen können. Diese Annahme wird durch die argumentationsmusteranalytische Betrachtung von Gruppendiskussionen mit Lehrkräften explorativ beleuchtet. Es zeigt sich: Inkongruenzen zwischen den drei Konstituenten der Schulkultur scheinen durchaus in der Lage zu sein, individuelle Belastungen für Lehrkräfte zu bedingen oder ggf. zu verstärken. Der Beitrag wirft vor diesem Hintergrund Fragen für die weitere empirische Bearbeitung dieses Zusammenhangs auf
Erforschung der Zusammenhänge von elterlichem Belastungsempfinden und binnendifferenzierenden digitalen Lernmaterialien in Zeiten der Corona-Pandemie
Die Corona-Pandemie führt zu zahlreichen Herausforderungen für Lehrkräfte und Schüler*innen. Die meist digital aufbereiteten Lernmaterialien sollten vor allem während des Lockdowns nur wenig Unterstützung seitens der Lehrkräfte erfordern und die Schüler*innen größtenteils zum selbstständigen Arbeiten befähigen. Dies bedeutete daher für die Lehrkräfte, möglichst binnendifferenzierendes Material zu entwickeln und digital umzusetzen, was z.T. ganz neue Ansätze erforderte. Auch für Eltern ergab sich durch das Homeschooling eine neue Situation, da sie die Rolle der Lehrkräfte zumindest in Teilen mitübernehmen und ihre Kinder beim Lernen zu Hause unterstützen müssen. In diesem Kontext ist davon auszugehen, dass Eltern durch diese zusätzliche Aufgabe neben ihrer eigenen Berufstätigkeit sowie angesichts nicht immer passgenauer Lernmaterialien für ihre Kinder eine Mehrbelastung erfahren. Dieser Beitrag geht der Thematik des Homeschoolings und der digital zur Verfügung gestellten Materialien nach und greift auf Ergebnisse einer Onlinebefragung von 635 Eltern in Rheinland-Pfalz zurück, die während der Schulschließung durchgeführt wurde. Dabei wird zum einen untersucht, wie das Belastungsempfinden der Eltern in dieser Zeit ausgeprägt ist und welche individuellen Faktoren dieses beeinflussen. Zum anderen wird analysiert, wie das Belastungsempfinden mit der Qualität der bereitgestellten Materialien und der eingeschätzten Medienkompetenz der Lehrkräfte zusammenhängt. Es zeigt sich, dass das Belastungserleben neben persönlichen Unterschieden auch durch die Gestaltung des Lehrmaterials beeinflusst wird
Sprachwandel und Textvielfalt sichtbar machen: Anregungen für den Lateinunterricht
Texte in Lateinbüchern sind künstlich und didaktisiert. Die Sprache dieser Texte ist homogen und sieht immer gleich aus. Die Schüler*innen bekommen so den Eindruck, dass die lateinische Sprache sich nie verändert hat. Auch die Texte in der Übergangslektüre sowie in der Lektürephase sind insofern homogen, als dass sie zum Teil bearbeitet sind, zum Teil aus zeitlich ähnlichen Epochen stammen und für die Elite geschrieben wurden. Im Schriftbild unterscheiden sie sich gar nicht von den Lehrbuchtexten. Im Beitrag werden lateinische Schriftzeugnisse vorgestellt, die aus mehreren Jahrhunderten und von Verfassern aus unterschiedlichen Schichten stammen. Den Schüler*innen soll durch die Auseinandersetzung mit diesen Zeugnissenewusst gemacht werden, dass Latein eine „wirkliche“ Sprache war, die einem stetigen Wandel ausgesetzt war, wie es moderne Sprachen auch heute noch sind. Weiterhin soll gezeigt werden, dass Latein von Menschen aller sozialen Schichten benutzt wurde, was sich natürlich – wie heute – in Ausdruck und Stil niederschlägt. Schließlich soll aufgezeigt werden, dass Latein das verbindende Element nicht nur zwischen Nicht-Muttersprachler*innen und Muttersprachler*innen war, sondern auch zwischen Nicht-Muttersprachler*innen
Standards – Margins – New Horizons: Einleitung
Ausgehend von den Befunden der New London Group, die tiefgreifende Veränderungen im Arbeitsleben, im Privatleben und im öffentlichen Leben in der westlichen Gesellschaft feststellte, widmet sich der Sammelband der Frage, wie Fremdsprachenunterricht im 21. Jahrhundert in den neuen und alten Sprachen gestaltet werden soll. Im Vordergrund stehen die Fragen, auf welche Weise Lernende auf die zunehmend komplexen kommunikativen Herausforderungen vorbereitet werden können, die eine kulturell diversifizierte Welt bietet, und wie gleichzeitig einer (wachsenden) Heterogenität von Lerngruppen Rechnung getragen werden kann. Die vierzehn Beiträge sind in sechs Sektionen untergliedert: Sprachbildung; Sprachliche Vielfalt; Mehrsprachigkeit und Interkulturalität; Rezeption von Literatur, Kultur und Medialität; Literatur, Religion und Musik in heterogenen Lerngruppen; Digitalität, Digitalisierung und digitaler Wandel. Die Themenfelder werden im Dialog zwischen Neu- und Altphilologien (v.a. Anglistik und Latein, aber auch Romanistik) sowie der Musikpädagogik behandelt
Osmotische Wirkung von Kochsalz: Ein Schülerexperiment zur Bestimmung der Zellsaftkonzentration bei verschiedenen Gemüsearten
Salze sind für Lebewesen lebenswichtig. In hohen Konzentrationen wirken sie aber u.U. toxisch. In vorhergehenden Unterrichtseinheiten haben sich die Schüler*innen bereits mit dem Aufbau und der Struktur von tierischen und pflanzlichen Zellen beschäftigt. In der vorliegenden Einheit wird den Schüler*innen die Gelegenheit gegeben, die Wirkung von Salzen auf Zellen zu verstehen. Eine Messung der Gewichtsveränderung, verursacht durch osmotische Vorgänge in den Zellen, ermöglicht die Bestimmung und den Vergleich der Zellsaft-Konzentration von Gemüsearten
Forschungsperspektiven auf Unterricht im Spannungsfeld von Kontingenz und Kontinuität: Einführung in das Themenheft
Dieser Beitrag führt in das Themenheft „Forschungsperspektiven auf Unterricht im Spannungsfeld von Kontingenz und Kontinuität“ ein, das die Bielefelder Frühjahrstagung 2019 dokumentiert. Neben einer Einführung in die Thematik und der beispielhaften Darstellung von Kontingenzphänomenen stellt der Beitrag kurz die Beiträge des Themenheftes entlang ihrer jeweiligen Forschungsperspektive auf Unterricht vor
Bildungsbenachteiligung im Ausnahmezustand: Ergebnisse einer Lehrkräftebefragung zur Verschärfung von Bildungsbenachteiligung im Lehren und Lernen auf Distanz
Die Corona-Pandemie scheint, so der bisherige gesellschaftliche und wissenschaftliche Konsens, zur Verschärfung von Bildungsungleichheit beizutragen. Dabei ist bisher wenig darüber bekannt, wie die konkreten Bedingungen und Konsequenzen des Distanzlernens bestehende Benachteiligungsmechanismen verstärken. Dieser Beitrag zielt auf die Beantwortung der Frage, wie Bildungsbenachteiligungen von Schüler*innen in sozioökonomisch benachteiligter Lage durch die Pandemiesituation verschärft werden, um auf dieser Grundlage Impulse für beispielhaftes Lehrkräftehandeln zu geben. Zur Bearbeitung dieser Frage wurden Interviews mit Lehrkräften in sozioökonomisch benachteiligten (N = 12) sowie in privilegierten Settings (N = 4) geführt, transkribiert und inhaltsanalytisch ausgewertet. Die Daten wurden unter Bezugnahme auf Pierre Bourdieus Kapitaltheorie kategorisiert, um die empirischen Ergebnisse zu systematisieren und zu reflektieren. Abschließend werden anhand eines Fallbeispiels aus dem Interviewmaterial Handlungsoptionen aufgezeigt, die einer möglichen Verschärfung von Bildungsbenachteiligung entgegenwirken können
Das Konzept des fächerübergreifenden „Basiskurs Naturwissenschaften“ und seine didaktisch-methodischen Prinzipien
Im Sinne einer naturwissenschaftlichen Grundbildung (Scientific Literacy) sollen Schüler*innen Kompetenzen vermittelt werden, durch die diese naturwissenschaftliches Wissen nicht nur abrufen, sondern auch anwenden können. In diesem Beitrag wird ein stark experimentell ausgerichteter Naturwissenschaftskurs mit sukzessiv steigender Selbstständigkeit für die Eingangsphase der Oberstufe vorgestellt, der das Ziel verfolgt, bei Schüler*innen Scientific Literacy anzubahnen