PraxisForschungLehrer*innenBildung (PFLB) - Zeitschrift für Schul- und Professionsentwicklung
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Zum Stellenwert der Allgemeinen Didaktik in der (aktuellen) Lehrer*innenbildung
Die Dauerkrise der Allgemeinen Didaktik führt zu immer neuen Auseinandersetzungen rund um ihren Stellenwert und ihre Zukunftsfähigkeit. Dabei scheint ihr Status als (schul-)pädagogische Leitdisziplin spätestens mit der stärkeren Output-Orientierung des Bildungssystems seit Anfang der 2000er-Jahre verloren. Dennoch beschäftigen sich nach wie vor zahlreiche Personen und Publikationen in – zum Teil stark selbstreferenziellen – Diskursen mit der Allgemeinen Didaktik, wobei neben Reformüberlegungen auch Abgrenzungen zu anderen Disziplinen eine große Rolle spielen. Wenig beachtet ist bislang jedoch der Stellenwert der Allgemeinen Didaktik in der (universitären) Lehrer*innenbildung, was umso mehr erstaunt, bedenkt man, dass durch eine hochschulische Verankerung auch die unterrichtsbezogene Ausrichtung und späteres berufliches Handeln mit beeinflusst werden. Der Beitrag greift diese Überlegungen auf und versucht sich in einer mehrstufigen Beleuchtung der Allgemeinen Didaktik in der aktuellen Lehrer*innenbildung, die sowohl Hochschullehrpersonen als auch curriculare Vorgaben und die Studierendenperspektive umfasst
Bildungswissenschaftliches Wissen und Kompetenzselbsteinschätzungen unter Berücksichtigung individueller Voraussetzungen: Ergebnisse der Befragung angehender Lehrkräfte im Praktikum
Im Zentrum dieses Beitrags stehen Ergebnisse der Messung pädagogischer Kompetenzen Studierender, die das Praxissemester absolviert haben. Das bildungswissenschaftliche Wissen, Kompetenzselbsteinschätzungen sowie die Einschätzung der im Praxissemester erreichten Ziele Studierender werden dabei unter Berücksichtigung ihrer individuellen Voraussetzungen (Ausrichtung des Lehramtsstudiums auf eine Schulform; Geschlecht; Alter; Abitur- und Bachelornote) betrachtet (N = 2 008). Bevor die Hypothesen abgeleitet, die Anlage der Studie sowie die Testinstrumente vorgestellt, die Ergebnisse präsentiert und diskutiert werden, stehen u. a. exemplarische Forschungsbefunde zur schulformspezifischen Professionalisierung sowie Annahmen zur Relevanz von Wissen für Lehrerhandeln im Fokus. Die Ergebnisse zeigen u. a. (1) signifikante Mittelwertsunterschiede in den Studiengängen bezüglich des Geschlechts, des Alters, der Abitur- und Bachelornote, (2) dass das Geschlecht, die Abitur- und Bachelornote signifikante Prädiktoren für das bildungswissenschaftliche Wissen sind, (3) dass sich die Kompetenzselbsteinschätzungen insbesondere in Abhängigkeit der Ausrichtung des Lehramtsstudiums auf eine Schulform unterscheiden und (4) dass die Einschätzung der im Praxissemester erreichten Ziele in Abhängigkeit des Geschlechts differiert
Aktivität von Radionuklidgemischen – Ein Konzept zur Entwicklung eines mathematischen Modells
In diesem Beitrag wird ein Konzept zur schülergerechten Entwicklung eines mathematischen Modells vorgestellt, mit dem die Beschreibung der zeitabhängigen Aktivität eines Gemisches von Radionukliden gelingt. Den notwendigen Zugang liefert eine Simulation, anhand derer die Vorgänge der Kernumwandlung auf der Teilchenebene nachgestellt und mittels Differenzengleichungen modelliert werden können. Die Ergebnisse der numerischen Simulation werden mit experimentellen Daten verglichen. Die vorgestellte Simulation ist darüber hinaus geeignet, fehlerhafte Präkonzepte zu korrigieren und ein tiefergehendes Verständnis der ablaufenden Prozesse zu ermöglichen, das eine vollständige Interpretation von Messergebnissen ermöglicht
Demokratiebildung als (hoch-)schulische Querschnittsaufgabe und demokratisch-politische Bildung als Prinzip der Lehrer*innenbildung: Einführung in das Themenheft
Demokratie wird immer wieder aufs Neue auf den Prüfstand gestellt, sei es durch Wahlsiege rechtspopulistischer Parteien oder durch die aktuelle „Corona-Krise“. Vor diesem Hintergrund ist das Erlernen und Erleben von Demokratie insbesondere für die heranwachsende Generation zentral, woraus sich für Schule und Unterricht die Querschnittsaufgabe Demokratiebildung ergibt. Anzusetzen ist dabei auch bei den (zukünftigen) Lehrkräften. Dieses Editorial führt in das Themenheft „Demokratiebildung als (hoch-)schulische Querschnittsaufgabe und demokratisch-politische Bildung als Prinzip der Lehrer*innenbildung“ ein und erläutert seine Entstehung. Neben einer Einführung in die Thematik werden die Beiträge des Themenheftes vorgestellt
Netiquette, Voting & Feedbackkultur: Demokratiebildung in der digitalen Französisch-/Spanisch-Lehrer*innen-Bildung
Dieser Beitrag soll aufzeigen, inwiefern aktuelle Ansätze und Formate der Fremdsprachen(didaktik)-Lehre zur demokratisch-politischen Bildung beitragen können. Neben einer fachspezifischen Begriffsbestimmung und einer Verortung im fremdsprachendidaktischen Diskurs werden dafür auch konkrete Implementierungsversuche aufgezeigt, die illustrieren sollen, wie Demokratiebildung im Französisch-/Spanischunterricht und in der romanistischen Fremdsprachen-Lehrer*innen-Bildung gefördert werden kann. Da hierbei auch die zunehmende Digitalisierung eine wichtige Rolle spielt und derzeit überwiegend Distanzlehre praktiziert wird, werden insbesondere digitale Umsetzungsmöglichkeiten vorgestellt. Ziel dieses Beitrags ist die Dokumentation, Reflexion und Neu-Konzeption fachbezogener Demokratiefördermöglichkeiten, welche als Anregungen für die universitäre Lehre und auch direkt im schulischen Fremdsprachenunterricht genutzt werden können
Pädagogische Beziehungen und Anerkennung – Perspektiven aus den Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften: Einführung in das Themenheft
Dieser Beitrag führt in das Themenheft „Pädagogische Beziehungen und Anerkennung – Perspektiven aus den Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften“ ein, das die Bielefelder Frühjahrstagung 2020 dokumentiert. Neben einer Einführung in die Thematik werden die Beiträge des Themenheftes vorgestellt
Anerkennung: Erziehungswissenschaftliche Betrachtungen einer ambivalenten Kategorie
Der Beitrag verfolgt die These, dass sich Anerkennung bei der Thematisierung ethnischer Differenz in Schulen der Migrationsgesellschaft als doppelte Ambivalenz zeigt: Sie spannt sich einerseits im Verhältnis von Anerkennung und Missachtung auf; andererseits ist für Anerkennung auch Verkennen konstitutiv. Das Konzept von Anerkennung und Missachtung geht auf Honneth zurück und differenziert unterschiedliche Beziehungsdimensionen von Anerkennung (emotional, moralisch, individuell) aus. Den positiven Anerkennungsformen, die sich darin ausbilden, stehen jeweilige Missachtungsformen entgegen. Das Konzept von Anerkennung und Verkennen ruft die Machtdimension von Anerkennung auf den Plan. Um anerkannt zu werden – so die These –, muss sich die Person anerkennungsfähigen Kategorien unterwerfen, die sie im Alltagshandeln verkennt. Beide Positionen werden am Beispiel der Einführung von „Ghettos“ in Dänemark und der Studie zu „Institutioneller Diskriminierung“ von Gomolla und Radtke diskutiert. Vor diesem Hintergrund werden dann zwei Fallbeispiele aus dem vergleichenden DFG-Projekt EDUSPACE analysiert, an denen die Anerkennungs-Missachtungs-Verkennensstrukturen nachvollzogen werden können. Der erste Fall stammt aus einer deutschen Gemeinschaftsschule und thematisiert im Rahmen einer Klassenleiterstunde die Gefahr islamophober Diskriminierung im Sinne einer Abwehr möglicher Übergriffe und unter der Perspektive der Anpassung an dominanzgesellschaftliche Körperbilder. Der zweite Fall thematisiert Ungleichbehandlung von Schüler*innen, die der Gruppe der „African Americans“ zugerechnet werden im Verhältnis zu den als „White“ positionierten Mädchen. Eine theoretisierende Diskussion der Anerkennungsbeziehungen verweist auf die Grenzen von Anerkennbarkeit in schulischen Rahmungen, aber auch auf die Möglichkeiten, Grenzen zu hinterfragen
Bildungsbiografische Grenzgänge in der Sekundarstufe II: Eine Längsschnittstudie an acht Oberstufen
In diesem Beitrag legt die Forschungsgruppe „Bildungs-biografische Grenzgänge in der Sekundarstufe II“ ihren Abschlussbericht über das gleichnamige Forschungs- und Entwicklungsprojekt vor, das zwischen 2012 und 2020 in Kooperation von Versuchsschule und Wissenschaftlicher Einrichtung Oberstufen-Kolleg durchgeführt wurde. Im Zentrum stehen gefährdete, „schwierige“ und scheiternde Bildungsbiografien in der Oberstufe, die mit quantitativen und qualitativen Methoden im Längsschnitt untersucht wurden. Die Ergebnisse sind vielfältig und deuten in ihrer Gesamtheit vor allem darauf hin, dass Rückstufungen und Abbrüche in der Oberstufe in nahezu allen Fällen auf eine Kombination schulischer und außerschulischer Ursachen zurückzuführen sind. Im Fazit ziehen wir erste Schlussfolgerungen für die Gestaltung von Beratung in der Oberstufe und geben einen Ausblick auf die Nutzung der Ergebnisse in einem zukünftigen Transferprojekt
Bildungsbenachteiligung in der Corona-Pandemie: Erste Ergebnisse einer multiperspektivischen Fragebogenstudie
Bildungsbenachteiligung ist neben der Digitalisierung eines der großen Themen, die die wissenschaftlichen und öffentlichen Diskurse rund um mögliche Folgen der Corona-Pandemie für Bildungsprozesse dominieren. Jedoch reicht die Beschäftigung mit struktureller Benachteiligung bislang kaum über Fragen der Ausstattung und der Ressourcenverteilung, etwa mit Blick auf ein herkunftsbedingt unterschiedliches Verfügen über digitale Infrastruktur und geeignete Räume für das Lernen zuhause, hinaus. Im Beitrag wird der Frage nachgegangen, welche Strategien im Fernlernen Lehrpersonen an Schulen unterschiedlicher sozialräumlicher Lage in der Zeit der COVID-19-bedingten Schulschließungen in Bezug auf die Dimensionen „inhaltliche Standards“ und „Schüler*innen-Lehrer*innen-Beziehung“ verfolgt haben. Die Ergebnisse deuten für benachteiligte Schulen im Vergleich zu privilegierten auf ein Senken des Anspruchsniveaus bei gleichzeitig stärkerer Betonung von Beziehungsaspekten hin. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund von Befunden zu gelingenden Lernprozessen an Schulen in sozialräumlich benachteiligten Lagen diskutiert
Streiten lernen. In der Uni? Stimmen aus dem Seminarraum
Obwohl weithin Übereinstimmung darin besteht, dass die Wissenschaft vom argumentativen Wettstreit lebt, scheinen akademische Kontroversen seit einigen Jahren an Popularität zu verlieren. Das liegt nicht nur an veränderten materiellen Rahmenbedingungen, unter denen an der Universität gelehrt, geforscht und studiert wird, sondern auch an einer gesteigerten Sensibilität für sprachliche Verletzungen. Nicht zuletzt führen bestimmte sprachliche Codes und die Sorge vor gegenseitiger Kränkung zu gestiegenen Erwartungen an Seminarbeiträge der Studierenden. Der folgende Text spürt den Entwicklungen der veränderten Debattenkultur an der Hochschule nach und fragt nach den Ursachen für die Zurückhaltung von Studierenden bei streitbaren Themen und den Folgen einer sich verändernden Streitkultur in der Academia. Das Besondere dabei: Nach einer Einschätzung des Beobachtungsgegenstands aus professoraler Perspektive kommen zwei Studierende eines Tübinger Masterstudiengangs zu Wort. Milena Feldmann und Linnéa Hoffmann kommentieren bzw. ergänzen den Beitrag von Markus Rieger-Ladich aus studentischer Sicht. Dabei wählen sie bei der Suche nach Erklärungen für die Veränderungen des akademischen Betriebs etwas andere Akzente und formulieren die Vermutung, dass es an deutschen Hochschulen um die Debattenkultur möglicherweise gar nicht so schlecht bestellt ist, wie dies immer wieder zu lesen ist