PraxisForschungLehrer*innenBildung (PFLB) - Zeitschrift für Schul- und Professionsentwicklung
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Selbstdeutung, Positionierung & Rollenfindung: Zum Selbst in der universitären Lehrer*innenbildung: Eine Einleitung in das Thema, editorische Notizen und Lesehinweise
In diesem Editorial werden zunächst der Ausgangspunkt des Themenheftes „Selbstdeutung, Positionierung & Rollenfindung: Zum Selbst in der universitären Lehrer*innenbildung“ in den Diskussionen der Bielefelder Materialwerkstätten und die mit dem Heft verfolgte Idee, Impulse für die Auseinandersetzung mit der Lehrendenrolle zu erhalten, erläutert. Unter Rückgriff auf Mollenhauer erfolgt eine kurze thematische Einführung in die Rollenproblematik von Lehrenden. Nach einem Überblick über die einzelnen Beiträge des Heftes schließt das Editorial mit einem ersten Resümee und dem Ausblick auf weiterführende Diskussionen
Einstellungen von angehenden Lehrer*innen gegenüber (Cyber-)Mobbing und wahrgenommene Interventionskompetenz
Mobbing ist ein großes Problem in der Schule, und der Umgang damit wird in der Lehrer*innenausbildung selten oder gar nicht thematisiert. In dieser Studie befragten wir 103 deutsche Lehramtsanwärter*innen zu ihrer Einstellung gegenüber körperlichen, verbalen, relationalen und Cybermobbing-Situationen. Für jede dieser Situationen wollten wir einschätzen, (a) wie ernst man die Situation nehmen würde (Schweregrad), (b) wie wütend man über die Situation wäre (Ärger), (c) wie mitfühlend man gegenüber dem Opfer wäre (Empathie), (d) wie wahrscheinlich eine Intervention wäre (Intervention) und (e) wie kompetent man sich fühlen würde, in der Situation zu intervenieren (Kompetenz). Alle Arten von Mobbing wurden sehr ernst genommen, wobei verbales Mobbing signifikant weniger ernst genommen wurde als die anderen drei Arten. Cybermobbing und physische Angriffe führten zu größerer Verärgerung als verbales oder relationales Mobbing. Häufigeres Eingreifen wurde für Cyber- und physisches Mobbing berichtet, seltener für relationales und verbales Mobbing. Angehende Lehrer*innen fühlten sich aber in allen Mobbing-Situationen wenig kompetent einzugreifen
Zum Theorie- und Empirieanspruch (in) der Auseinandersetzung mit Praxis: Hochschuldidaktische Überlegungen zur Unhintergehbarkeit von Nützlichkeitserwartungen an die universitäre Lehrer*innenbildung
Die im Call erbetene Vergewisserung über mein professionelles Selbst im Kontext der universitären Lehrer*innenbildung nehme ich im Anschluss an strukturtheoretische Bestimmungen pädagogischer Professionalität vor. Diese entwerfen Reflexion als Kernoperation pädagogischen Handelns und die Anbahnung habitusbildender Reflexivität als zentrale Aufgabe der universitären Lehrer*innenbildung. Inwiefern diese Zielbestimmungen (für mich als Lehrer*innenbildnerin) hochschuldidaktisch herausfordernd sind, habe ich mit der Metapher des schmalen Grats kenntlich zu machen versucht. Dieser besteht darin, einem riskanten (Vermittlungs-)Anspruch gerecht zu werden, den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn und die diskursive Verhandlung wissenschaftlicher Geltungsansprüche in der Arbeit mit den Studierenden zu den an die universitäre Lehrer*innenbildung gerichteten Erwartungen einer berufspraktischen Relevanz in Beziehung zu setzen. Dass ich bezogen auf die im Call formulierte (und mit der Zusage des Beitrags angenommenen) Aufgabe einer öffentlichen Verhandlung meiner hochschuldidaktischen Positionierung gehadert und mich entgegen des vielleicht erwarteten berufsbiographischen, anekdotischen Zugangs für allgemeinere hochschuldidaktische Überlegungen im Anschluss an den wissenschaftlichen Diskurs zu kasuistischen und forschungsmethodischen Lerngelegenheiten entschieden habe, nehme ich im Ausblick zum Anlass, auf notwendige Forschungen zur universitären Lehrer*innenbildung als Hochschulforschung zu verweisen. Damit ist – wie zu zeigen sein wird – auch eine Selbstverpflichtung benannt
Zur Selbstdeutung, Rollenfindung und Positionierung von Lehrenden der evangelischen Religionspädagogik an Hochschulen: Eine Matrix
Die Disziplin der Religionspädagogik an Hochschulen ist aufgespannt zwischen Theologie und Pädagogik, zwischen Kirche und Schule, zwischen Theorie und Praxis. Diese drei Spannungsfelder lassen sich für die vier Parameter des (kategorialen) „Selbst“ einer*eines Hochschullehrenden der evangelischen Religionspädagogik durchbuchstabieren: Herkunft, Selbstverständnis, Habitus und Wirkungshoffnung. So ergibt sich ein Raster mit zwölf nicht immer trennscharfen Feldern, das diesen Artikel strukturiert. Die gesammelten Eindrücke bilden trotz ihrer Fragmentarität eine Matrix, in der sich jede*r Hochschullehrende der Religionspädagogik mehr oder weniger explizit verortet
Kontinuitäten und Diskontinuitäten im Zusammenspiel von Praxis, Forschung, Praxisforschung, Bildung und Lehrer*innenbildung angesichts eines Praxistrends der Forschungsförderung: Editorial zum dritten Jahrgang des Journals PraxisForschungLehrer*innenBildung (PFLB) – Zeitschrift für Schul- und Professionsentwicklung
Im hiermit vorliegenden Editorial zur dritten Ausgabe der Zeitschrift erläutern die Herausgeber*innen, wie in diesem Jahrgang die Intentionen und Grundgedanken mit Blick auf das Verhältnis von Praxis und Forschung realisiert werden konnten. Im Anschluss an den Ausblick finden sich am Ende des Editorials auch die Abstracts aller Beiträge der diesjährigen regulären Ausgabe sowie kurze Überblicke zu den Inhalten der diesjährigen Themenhefte
Die Systematik der Anerkennung: Anmerkungen zu einem zentralen bildungswissenschaftlichen Begriff
Das Konzept der Anerkennung findet seit einigen Jahren verstärkt Zugang in der bildungswissenschaftlichen Forschung und Theoriediskussion. Der vorliegende Beitrag möchte zu dieser Debatte analytische Systematisierungen liefern, die auf Arbeiten der finnischen Philosophen Heikki Ikäheimo und Arto Laitinen zurückgehen
Studierendenperspektiven auf Schüler*innenmitbestimmung im Englischunterricht: Auswertung eines literaturdidaktischen Master-of-Education-Seminars und einer Onlinebefragung von Studierenden dreier Universitäten
Im Mittelpunkt dieses Artikels steht die Frage, welche genuin fachlichen Gegenstände geeignet sind, um die Querschnittsaufgabe Demokratiebildung möglichst organisch in den Englischunterricht zu integrieren. Basierend auf den Eindrücken aus der Planung, Durchführung und Evaluation eines literaturdidaktischen Master-of-Education-Seminars wurde im November 2020 eine Onlinebefragung unter Studierenden im Fach Englisch an drei deutschen Universitäten durchgeführt. Sowohl die Seminareindrücke als auch die Konzeption, Umsetzung und Auswertung der Onlinebefragung werden präsentiert. Die Ergebnisse der Befragung zeigen, welche fachdidaktische und berufsbiographische Herausforderung die Stärkung der Lerner*innenperspektive im Englischunterricht mit literarischen Texten aus der Sicht der Studierenden darstellt und was dies mit Demokratiebildung zu tun hat. Aus den Ergebnissen werden abschließend Schlussfolgerungen v.a. für die universitäre fachdidaktische Lehrer*innenbildung gezogen
Professionelle Handlungskompetenz im Lehr-Lern-Labor: Vignettenbasierte Erfassung der professionellen Handlungskompetenz angehender Biologielehrkräfte in Bezug auf Erkenntnisgewinnung im Lehr-Lern-Labor
Der Transfer des Ausbildungswissens in die Unterrichtspraxis ist die Grundlage für professionelles unterrichtliches Handeln. Dieser stellt eine Herausforderung für angehende Lehrkräfte dar. Lehr-Lern-Laboren (LLL) wird das Potenzial zugeschrieben, professionelle Handlungskompetenzen anzubahnen. Es finden sich aber bisher nur wenige empirische Untersuchungen zur professionellen Handlungskompetenz im LLL. In der vorliegenden Studie wurde die professionelle Handlungskompetenz von Studierenden des Faches Biologie in Bezug auf Experimentiersituationen mit Schüler*innen im LLL untersucht. Zur Erhebung wurde ein vignettenbasiertes Testinstrument eingesetzt, und die erhobenen Daten wurden inhaltsanalytisch ausgewertet. Dabei wurden authentische Videovignetten aus dem LLL, die von den beteiligten Studierenden schriftlich analysiert wurden, als kontextsensitiver Impuls zur Datengewinnung genutzt. Diese Analysen wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet, und es wurde ein Indikatorensystem zur Beurteilung der Kompetenzfacetten des zugrunde liegenden Modells zum professionellen Wahrnehmen und Handeln im Experimentalunterricht entwickelt. Die Ergebnisse zeigen, dass bei den untersuchten Studierenden im Master of Education insbesondere in Bezug auf Wahrnehmung und Prognose von Lernprozessen beim Experimentieren sowie in Bezug auf die kontextualisierte Bewertung von Experimentierprozessen im LLL anhand (fach-)didaktischer Konzepte weiterer Professionalisierungsbedarf besteht
Zusammenhänge erkennen, konzeptuelles Denken entwickeln: Konzept eines Lehr-Lern-Modells für den Sachunterricht
Besonders im Sachunterricht ist es aufgrund seiner diversen Bezugsdisziplinen herausfordernd, eine Basis für Anschlussfähigkeit zur nächsten Bildungsstufe zu schaffen. Die Schwierigkeit liegt vordringlich darin, gleichsam das Wesen des Sachunterrichts, mit seinem Anspruch der ganzheitlichen Welterschließung, und die fachlich orientierten Anforderungen der Sekundarstufe zu berücksichtigen. Das Verbindende dieser beiden Ansätze sind zentrale Konzepte diverser Inhalte aus den Bezugsdisziplinen. Die Fähigkeit, Inhalte auf diese Weise zu vernetzen, ist jedoch anspruchsvoll und muss erlernt werden. Dazu fehlt es an Theorien mit Vorschlägen zu konkreten Handlungsideen. Dieser Artikel skizziert ein Lehr-Lern-Modell für den Sachunterricht, das diese Problematik aufgreift und zu lösen sucht. Es zeigt einen theoretischen Ansatz zum verstehensorientierten und konzeptbezogenen Lernen, verknüpft mit fachdidaktischen Tools zur unterrichtlichen Planung, Gestaltung und Umsetzung kompetenzorientierten Sachunterrichts. Ausgehend von der Entwicklung des Lehr-Lern-Modells werden theoretische Hintergründe erläutert, bevor das Modell selbst und seine Einbeziehung in die Unterrichtspraxis vorgestellt werden
Der Sinn der Demokratie: Überlegungen zur Legitimität und zum Gehalt schulischer Demokratiebildung
Demokratiebildung kann gerade in Zeiten von Demokratieskepsis und Politikverachtung nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Die Frage nach der Legitimität von Demokratiebildung hängt eng mit der Frage nach ihrem Gegenstand zusammen. Der Artikel gibt Antworten auf beide Fragen im Zusammenhang: Demokratie legitimiert sich durch den exzeptionellen Charakter der Demokratie, der auch im Zentrum der Demokratiebildung stehen sollte, ebenso wie die der Demokratie inhärenten Spannungen und ihr Entwicklungspotenzial