PraxisForschungLehrer*innenBildung (PFLB) - Zeitschrift für Schul- und Professionsentwicklung
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Freundschafts- und Hilfebeziehungen Geflüchteter in der Berufsschule
Vor dem Hintergrund des hohen und stark zunehmenden Anteils an jungen Menschen, die mit Fluchterfahrungen nach Deutschland kommen, gewinnt die Inklusion dieser geflüchteten Menschen an Bedeutung; Inklusion bezieht sich dabei nicht nur auf strukturelle Aspekte, wie die Schaffung von Teilhabemöglichkeiten etwa in der Schule oder auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch auf informelle Aspekte, wie positiv erlebte Begegnungen und Freundschaften mit einheimischen Gleichaltrigen. Der vorliegende Beitrag erfasst die positiv erlebten Beziehungen junger geflüchteter Menschen zu einheimisch-deutschen Gleichaltrigen in der Berufsschule basierend auf eine qualitative Interviewstudie mit 33 Geflüchteten und diskutiert dabei auch die Rolle dieser Beziehungen für den schulischen Erfolg sowie für das schulische und allgemeine Wohlbefinden. Aus dem Datenmaterial heraus konnten drei unterschiedliche Typen von freundschaftlichen sozialen Einbindungen junger Geflüchteter in die Berufsschulklassen gebildet werden. Die Pole reichen hierbei von jungen Menschen, die in vielfältige wechselseitige intra- wie interethnische Beziehungen eingebunden sind, bis hin zu Personen, die nur eine enge Freundschaft pflegen, oder jene, die – aus unterschiedlichsten Gründen – sozial isoliert sind
„Theoretisch haben wir ein ganzes Studium Zeit!“ – Beratungskompetenz als Ausbildungsziel für angehende Lehrkräfte der Sonderpädagogik (esE): Eine explorative Untersuchung der Perspektive von Studierenden
Beratung sollte eine Kernkompetenz für Lehrkräfte der Sonderpädagogik im Schwerpunkt Pädagogik bei Verhaltensstörungen darstellen. Dennoch fehlt es an systematischen Überlegungen bezüglich konkreter curricularer Inhalte, mit denen angehende Lehrkräfte auf diese wichtige Aufgabe vorbereitet werden können. In diesem Beitrag werden deshalb in einer ersten explorativen Analyse die Vorstellungen und Wünsche von Studierenden bezüglich erforderlicher Beratungskompetenzen und Möglichkeiten des Erwerbs dieser im Rahmen des Studiums herausgearbeitet. Hierfür wurden 67 Studierende der Sonderpädagogik mittels Fragebögen und Gruppendiskussionen befragt. Mithilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse wird ein breites Spektrum möglicher Themen und erforderlicher Kompetenzen für Beratung sowie inhaltlich-methodischer Ideen bezüglich konkreter Angebote zu deren Erwerb im universitären Kontext identifiziert. Die Ergebnisse werden im Hinblick auf Implikationen und Einschränkungen diskutiert
Was kann Peer-to-Peer-Beratung leisten? Eine empirische Studie zu den Möglichkeiten und Grenzen Kollegialer Fallberatung im Lehramtsstudium
Lehrkräfte sind in einem herausfordernden Beruf tätig, der sehr zufriedenstellend, aber auch belastend sein kann. Vor dem Hintergrund des komplexen und spezifischen beruflichen Anforderungsprofils von Lehrkräften erweist sich die Methode der Kollegialen Fallberatung als geeignetes Instrument zur Professionalisierung sowie zur Gesundheitsförderung im Kontext Schule. Kollegiale Fallberatung kann hinsichtlich der Reflexion, Bearbeitung und Bewältigung beruflicher Handlungsprobleme entlastend und impulsgebend wirken. Auch aufgrund ihrer einfachen Erlern- und Handhabbarkeit erfährt die Kollegiale Fallberatung zunehmend Bedeutung im Lehramtsstudium. Bislang liegen jedoch nur wenige Daten zur Effektivität Kollegialer Fallberatung in den verschiedenen Phasen der Lehrkräftebildung vor. Insbesondere mangelt es an Daten, die Aufschluss über die Prozess- und Ergebnisqualität geben können. An dieses Desiderat anknüpfend kontrastiert der vorliegende Beitrag die Wahrnehmung von Lehramtsstudierenden bezüglich der beruflichen Nutzbarkeit (Selbsteinschätzung via Fragebogen) mit der tatsächlichen Qualität Kollegialer Fallberatung (Fremdeinschätzung via Beobachtung). Dafür wurden im Rahmen eines Kompakttrainings „Gesunde Schule“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena drei Kollegiale Fallberatungen durchgeführt und videografiert. Die Fragebogendaten zeigen, dass die Studierenden den kollegialen Austausch und die gemeinsame Reflexion pädagogischer Handlungsprobleme sowie die Atmosphäre in den Kollegialen Fallberatungen als positiv bewerten. Aus Sicht der Fallgeber*innen schaffen die durchgeführten Kollegialen Fallberatungen jedoch nur in eingeschränkter Weise Sicherheit für zukünftige Situationen. Die Analyse der Videografien mittels Direct Behavior Rating zeigt, dass insbesondere die Qualität der Hypothesen unzureichend ist, um dem Anspruch der multiperspektivischen und bedarfsgerechten Auseinandersetzung mit einem Praxisproblem gerecht werden zu können. Zudem werden Rollendiffusionen, v.a. bei den Moderator*innen, sichtbar. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund zukünftiger Einsatzmöglichkeiten Kollegialer Fallberatung und damit verbundener Trainingsbedarfe im Lehramtsstudium diskutiert. Abschließend werden mögliche Forschungsperspektiven skizziert
Professionsbezogene Beratung im Spannungsfeld von Bildungsautonomie und curricularer Fremdbestimmung: Eine explorative Interview-Studie mit Lehramtsstudierenden im Rahmen des Tübinger Beratungsprojektes ProfiL
Lehramtsstudierende positionieren sich zu den Anforderungen von Studium und zukünftigem Beruf auf der Grundlage individueller Eingangsvoraussetzungen. Beratungsformate wie das Tübinger Projekt ProfiL sind konzeptionell darauf ausgerichtet, diese Vermittlung zwischen objektivem und subjektivem Bildungsgang zu unterstützen. Aus subjektivierungstheoretischer Perspektive entsteht jedoch die Frage, welche neuen Subjektmodelle und Subjektivierungsweisen mit solchen Beratungsangeboten in das Studium eingespeist werden. In einer narrativen Interviewstudie können diese Subjektivierungsweisen in ersten Ansätzen empirisch sichtbar gemacht werden: Beratungsteilnehmende verfolgen in der Auseinandersetzung mit Professionalitätserwartungen Subjektideen, die einerseits berufswunschbezogenen Normativen geschuldet sind. Andererseits bietet sich durch das Andocken an individuelle Voraussetzungen die Gelegenheit, programmatische Subjektmodelle (teilweise) zu überschreiben. Werden die inhaltlichen bzw. strukturellen Konzeptsetzungen zunehmend als Nichtpassung zu eigenen Entwicklungs- und damit Subjektivierungsbedarfen empfunden, brechen Teilnehmende die Beratung ab. Subjektorientierte Professionalisierung scheint demnach individuelle Anknüpfungs- und Adaptionsmöglichkeiten zu benötigen
Entwicklung fachlicher Hilfenetzwerke unter Peers: Eine soziometrische Analyse unter besonderer Berücksichtigung des Geschlechts
Hilfe und Unterstützung von Mitschüler*innen kann bei der Überwindung von fachlichen Schwierigkeiten und damit für die Aufrechterhaltung von Motivation sowie für den Lernerfolg eine bedeutsame Rolle zukommen. Der vorliegende Beitrag untersucht anhand der Daten einer Mikro-Längsschnitterhebung zweier Klassen einer Regelschule, wie sich fachliche Hilfenetzwerke in Mathematik und Deutsch unter Peers von der 5. bis zur 10. Jahrgangsstufe entwickeln. Dabei analysieren wir unter anderem, wie die Einbindung einzelner Schüler*innen in diese Netzwerke mit deren Noten und fachlichen Selbstkonzepten zusammenhängt. Da es sich bei Mathematik und Deutsch um geschlechtskonnotierte Fachdomänen handelt, in denen die Einschätzungen eigener Kompetenzen von Mädchen und Jungen von Geschlechterstereotypen und -rollen geprägt sind, beleuchten wir genauer, welche Bedeutung das Geschlecht für die Entstehung von und Einbindung in diese(n) Hilfenetzwerke(n) besitzt. In Übereinstimmung mit existierender Forschung zeigten unsere Ergebnisse zunächst stereotyp-konforme Ausprägungen der fachlichen Selbstkonzepte. Mädchen waren zudem in beiden Fächern besser in Hilfenetzwerke eingebunden, was, insbesondere in Mathematik, nicht vollständig durch ihre Kompetenzen erklärbar war. Insgesamt nahm Homophilie, also die individuelle Bevorzugung gleichgeschlechtlicher Helfer*innen, bei Mädchen und Jungen über die Zeit ab. Jungen wählten bereits mit Beginn der mittleren Adoleszenz im Fach Deutsch Mädchen ebenso häufig als Helferinnen wie Jungen als Helfer. Mädchen wählten hingegen erst im letzten Jahr vor Schulabschluss Jungen als Helfer in Mathematik. Individuelle Freundschaftswahlen waren noch stärker als Hilfewahlen von Homophilie geprägt. Implikationen für Lehrpersonen, vor allem mit Bezug zu ihrer Rolle in der Gestaltung von Hilfebeziehungen unter Schüler*innen, werden diskutiert
Ist das schon Praxisforschung? Hochschuldozentinnen forschen zum Praxissemester
In diesem Beitrag wird die Forschung, die die Autorinnen zur Frage des Vorhandenseins von Reflexion in Studienprojekten im Praxissemester durchgeführt haben, unter der Frage betrachtet, ob sie den Kriterien von Praxisforschung genügt. Als besonders wichtige Kriterien von Praxisforschung, die über die Kriterien für gute wissenschaftliche Forschung hinausgehen, werden u.a. der in einem Praxisproblem liegende Anlass für die Forschung sowie die Nutzung der Ergebnisse für die eigene Lehrpraxis angesehen. Es zeigt sich, dass die gewonnenen Ergebnisse aus der Forschung für die Weiterentwicklung der Lehre genutzt werden können, eine Anlage als Praxisforschung jedoch ein noch größeres Potenzial für die Weiterentwicklung der Hochschullehre gehabt hätte
In utramque partem disputare: Demokratiebildung in der Lehramtsausbildung und im Unterricht der alten Sprachen
Demokratiebildung und politische Bildung sind in den alten Sprachen vorwiegend in den Bereichen Textanalyse und Interpretation verortet. Gleichzeitig kommt ihnen die Funktion leitender Unterrichtsprinzipien zu. Das wichtigste fachspezifische didaktische Verfahren ist die historische Kommunikation, die letztlich auf dem Prinzip der klassischen Hermeneutik basiert. Der Beitrag erklärt dieses Verfahren, stellt die Potenziale der antiken Literatur für die avisierten Ziele vor und betrachtet dann exemplarisch an drei zentralen Inhaltsbereichen des Studiums im Fach Latein, wie Demokratiebildung gestaltet werden kann
Aufgaben, Ziele und Betreuungsstrategien von am Praxissemester beteiligten Lehrkräften: Zur Exploration der Perspektive und der Erfahrungen von Mentor*innen
Im Praxissemester sind Mentor*innen für Studierende wichtige Bezugspersonen und Kooperationspartner*innen, die die Studierenden u.a. bei der Planung, Durchführung und Reflexion von Unterricht begleiten. Während z.B. zur Kompetenzentwicklung Studierender im Praxissemester mehrere Erkenntnisse vorliegen, wurde die Perspektive von Mentor*innen bisher wenig untersucht. Dieser Beitrag zielt darauf, die Perspektive und Erfahrungen von Mentor*innen zu explorieren und sichtbar zu machen. In diesem Zusammenhang werden Ergebnisse einer leitfadenzentrierten Interviewstudie vorgestellt, an der 23 nordrhein-westfälische Lehrkräfte teilnahmen. Auf Grundlage der inhaltsanalytischen Auswertung der Transkripte werden die nachstehenden Fragestellungen beantwortet: (1) Was sind aus Sicht von Mentor*innen Aufgaben im Zusammenhang mit der Betreuung und Begleitung von Praxissemesterstudierenden? (2) Welche Ziele haben Praxisphasen aus der Perspektive der Mentor*innen? (3) Welchen Betreuungsstrategien folgen Mentor*innen bei der Betreuung und Begleitung von Praxissemesterstudierenden? Die Ergebnisse zeigen, dass die Antworten der Mentor*innen hinsichtlich der ihnen selbst zugeschriebenen Aufgaben und der dem Praxissemester attribuierten Ziele kaum differieren. Die Betreuungsstrategien der Befragten unterscheiden sich hingegen vergleichsweise stark. Unterschiede bestehen u.a. bezüglich der den Studierenden zugesprochenen Freiheitsgrade bei der Unterrichtsplanung und -durchführung sowie bei der (gemeinsamen) Gestaltung der Unterrichtsplanung bzw. -vorbesprechung
Was machen Mentor*innen im Vorbereitungsdienst? Rekonstruktive Einblicke in die begleitende Praxis der Ausbildungslehrpersonen
Die zweite Phase der Lehrer*innenbildung in Deutschland wird von zwei Gruppen von Lehrerbildner*innen gestaltet: zum von den formal bestellten Ausbildungskräften oder Fachleiter*innen am Studienseminar, zum anderen von den eher informell wirkenden Mentor*innen am Lernort Schule. Während in der Forschung zu Praxissemestern und Schulpraktischen Studien mittlerweile immer mehr Erkenntnisse dazu vorliegen, wie diese strukturtheoretisch gestaltet werden oder kompetenztheoretisch optimiert werden können, gibt es zur Mentoringpraxis im Vorbereitungsdienst bislang kaum empirische Befunde. Der Beitrag stellt den aktuellen Forschungsstand zu Mentor*innen in beiden Phasen der deutschen Lehrer*innenbildung sowie international einschlägige Erkenntnisse vor. Im Anschluss dient die Rekonstruktion zweier kontrastiver Fallbeispiele mittels der Dokumentarischen Methode dazu, Einblicke in die biographisch und normorientiert vermittelte Mentoringpraxis zu liefern. In der Zusammenschau mit der einschlägigen Forschung ergibt sich die Notwendigkeit, auch die Professionalität und Professionalisierung von Mentor*innen, ihre individuellen Überzeugungen und Rollenförmigkeiten innerhalb institutionalisierter Strukturen zu reflektieren
Das Anderssein als Ressource: Habitus und Habitusreflexion in der Lehrer*innenbildung
Lehrer*innen können dazu beitragen, dass bestehende soziale Ungleichheiten verstärkt oder auch abgebaut werden. Eine wichtige Rolle spielen dabei der sogenannte Habitus der Lehrer*innen und dessen (Nicht-)Passung zur sozialen Herkunft der Schüler*innen. In diesem Text stelle ich die Frage, wie angehende Lehrer*innen im Studium unterstützt werden können, die Bedeutung eigener habitueller Prägungen für das professionelle Handeln als Lehrperson zu reflektieren. Ganz besonders befasse ich mich mit der Rolle der Lehrer*innenbildner*innen bei der Förderung von solchen habitusreflexiven Kompetenzen. Hier spielen das Selbst der Hochschullehrenden und die bildungsbiographischen Erfahrungen, die auf dem Weg in die Hochschule gemacht wurden, eine wichtige Rolle