PraxisForschungLehrer*innenBildung (PFLB) - Zeitschrift für Schul- und Professionsentwicklung
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Einführung in das Themenheft und Vorstellung des Seminarkonzeptes
Der Beitrag führt in das Themenheft ein, in dem ein Seminarkonzept vorgestellt wird, das den Aufbau und die Förderung von Forschungskompetenz Lehramtsstudierender zum Ziel hat. Es wird der Hintergrund der Überlegungen zum Seminar dargestellt und ein Überblick über die Beiträge des Themenheftes gegeben
"DigitalPakt Schule 2019 bis 2024" – Analyse der strukturellen Digitalisierung des Bildungssystems in Deutschland
Die digitale Transformation stellt die Bildungslandschaft in Deutschland vor große Herausforderungen. Darauf reagierten bildungspolitische Entscheidungsträger*innen mit der Verwaltungsvereinbarung DigitalPakt Schule 2019 bis 2024 zum Auf- und Ausbau digitaler Infrastruktur. In diesem Beitrag werden die Genese und aktuelle Entwicklungen des DigitalPakts auf Basis einer thematischen Inhaltsanalyse von 41 (inter)nationalen bildungspolitischen Dokumenten beschrieben und analysiert. Es zeigt sich, dass die Digitale Agenda der Bundesregierung mit dem Ziel „Zugang und Teilhabe“ den Weg für das Infrastrukturpaket ebnete, welches einen ersten Baustein der Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft darstellen sollte und zugleich einen heftigen Bund-Länder-Streit auslöste. Die Genese des DigitalPakts sowie dessen Zusatzvereinbarungen werden abschließend in Bezug auf bildungspolitische Entscheidungen vor dem Hintergrund der Interdependenzen des politischen, ökonomischen und Bildungssystems diskutiert
Biografiearbeit im Rahmen von Supervision: Ungenutzte Potenziale für die Lehrer*innenbildung
Die Beschäftigung mit Biografiearbeit als einem Element von Supervision hat in (sozial-)pädagogischen Handlungsfeldern eine lange Tradition. In der Lehrkräfte(fort)bildung und der Schule dagegen können Auseinandersetzungen mit Biografiearbeit bisher als sehr verhalten bezeichnet werden, trotz neuer Konjunktur von Supervision in der Bildung von Lehrkräften. In dem Beitrag wird der Blick daher auf die skizzierte Leerstelle gerichtet und mithilfe empirischer Daten der Frage nachgegangen, welches Potenzial in Biografiearbeit als einer Form von Supervision im Hinblick auf Professionalisierungsprozesse von Lehrkräften verborgen ist. Für die Datenerhebung und -analyse wurden nicht nur verschiedene Interviewformen sowie ein kategorienbasiertes und ein sequenzanalytisches Verfahren miteinander trianguliert, sondern es wurden mit der fallinternen Zusammenhangsanalyse ebenso methodisch kontrollierte Zusammenhänge zwischen biografischem und beruflichem Handeln herausgearbeitet. Anhand zweier Fallbeispiele wird exemplarisch veranschaulicht, dass Biografiearbeit nicht nur das reflexive Sich-Auseinandersetzen mit dem eigenen Gewordensein befördert, sondern die daraus resultierenden Resonanzen ebenso Eingang in das pädagogische professionelle Handeln finden und die reflexive Auseinandersetzung mit diesem anregen
Professionelle Wahrnehmung von Elterngesprächen von Lehramtsstudierenden im Bachelor
Forschung zur Expertise professioneller Berater*innen legt nahe, dass kompetentes Beraten u.a. in einem adäquaten individuellen Fallverständnis gründet (Strasser, Geißler & Kronawitter, 2005). Dieses setzt eine professionelle Wissensbasis voraus, in welcher Erfahrungs- und Grundlagenwissen integriert sind (Strasser & Gruber, 2015). Offen ist, an welche Wissengrundlagen bei angehenden Lehrkräften angeknüpft werden kann und wodurch ihr Blick auf schulische Beratungssituationen bestimmt ist. Ziel der Studie ist es, die Entwicklung eines videobasierten Instruments voranzutreiben und erste Erkenntnisse über situationsspezifische beratungsbezogene Fähigkeiten zu gewinnen (n = 49). Dazu soll geklärt werden, a) ob Studierende relevante Aspekte der Gesprächsführung bei der Beobachtung eines videobasierten Elterngesprächs identifizieren und b) wie die wahrgenommenen Aspekte interpretiert werden. Zur Beantwortung der Fragestellungen wurde ein Mixed-Methods-Design gewählt, welches einen Fragebogen mit geschlossenem und einen mit offenem Antwortformat kombiniert. Quantitativ erfasst wurden in Bezug auf eine videobasierte Elterngesprächssituation Aspekte professionellen Beratungshandelns sowie die Selbstwirksamkeitserwartung hinsichtlich künftiger Beratungssituationen. Die offenen Fragen beziehen sich auf Wahrnehmungs- und Bewertungsaspekte sowie Optimierungsvorschläge. Die Ergebnisse zeigen, dass basale als positiv einzustufende Verhaltensweisen der gesprächsführenden Lehrkraft von den teilnehmenden Studierenden mehrheitlich erkannt werden, kritische Aspekte im Gespräch sowie Bruchstellen jedoch mehrheitlich nicht identifiziert werden. Ferner sind die teilnehmenden Studierenden nur bedingt in der Lage, förderliche Optimierungsvorschläge zu benennen. Insgesamt deuten die Befunde darauf hin, dass angehende Lehrkräfte eher geringe situationsspezifische beratungsbezogene Fähigkeiten aufweisen, was auf ein eher rudimentäres beratungsbezogenes Ausgangswissen schließen lässt, welches nicht den Kriterien professioneller Beratung genügt
Beratung als Raum reflexiver Professionalisierung: Überlegungen zu Unbestimmtheit und (migrations-)gesellschaftlicher Vermitteltheit
In dem Beitrag wird Beratung als ein Raum erkundet, der im Kontext der Bildung von (angehenden) Lehrer*innen einen Platz für die kritische Reflexion von Unbestimmtheit und der Bedeutung gesellschaftlicher Verhältnisse für pädagogisches Handeln eröffnen soll. Beratung wird daher als grundlegende pädagogische Handlungsform betrachtet, die letztlich im Rahmen verschiedener Formate (wie Supervision oder Coaching) unterschiedliche Ausdrucksformen findet. In Anlehnung an (sozial-)pädagogische Perspektiven auf Beratung, den strukturtheoretischen Ansatz der Professionalisierung und die migrationspädagogische Perspektive diskutiert der Beitrag Beratung als Raum, der unter anderem durch die strukturierte Konfrontation und Auseinandersetzung mit Nicht-Wissen, der Krisenhaftigkeit pädagogischen Handelns sowie der Eingebundenheit von Lehrer*innen und Schule in die (migrations-)gesellschaftlichen Verhältnisse Professionalisierungsprozesse ermöglicht. Der Beitrag geht der Frage nach, wie Beratung als Raum entworfen werden kann, der als Element einer kritisch-reflexiven Professionalisierung Lehrer*innen in ihrer professionellen Handlungsfähigkeit stärkt, ohne Unbestimmtheit in Bestimmtheit zu wandeln
Videobasierte Fallarbeit zu kompetenzorientiertem Bewegungs- und Sportunterricht: Konkretes Lehr-Lern-Format für die fachdidaktische Ausbildung angehender Sportlehrpersonen
Die Einführung kompetenzorientierter Lehrpläne impliziert für Fachdidaktik-Dozierende, angehende Lehrpersonen auf das Planen und Durchführen kompetenzorientieren Unterrichts vorzubereiten. Videobasierte Fallarbeit stellt dazu ein probates Mittel dar. Basierend auf einer systematischen Literaturrecherche fasst dieser Beitrag aktuelle Erkenntnisse zum Einsatz videobasierter Fallarbeit in der (sport-)fachdidaktischen Ausbildung zusammen. Darauf aufbauend wird ein spezifisches Lehr-Lern-Format videobasierter Fallarbeit zur Förderung der professionellen Kompetenz angehender Sportlehrpersonen hinsichtlich der Planung und Durchführung kompetenzorientierten Bewegungs- und Sportunterrichts skizziert
Spiralcurriculum als Professionalisierungs- und Kohärenzprojekt der Potsdamer Lehrer*innenbildung
An der Universität Potsdam werden die fünf Schulpraktischen Studien im Rahmen des BA- und MA-Studiums der Lehrerbildung gemäß dem Modell eines Spiralcurriculums konzeptionell entfaltet. Vor diesem Hintergrund geht der theoretisch orientierte Beitrag der Frage nach, inwieweit das spiralcurriculare Modell auch für die Konzipierung der Lehrerbildung insgesamt – also in ihren fachwissenschaftlichen, fachdidaktischen und bildungswissenschaftlichen Anteilen – herangezogen werden kann. Dabei werden – auch mit bildungshistorischem Rückgriff – sieben Merkmale systematisiert, die die mit dem Modell verbundenen Chancen und Herausforderungen zur Professionalisierung der Lehrerbildung thematisieren. Im Modell des Spiralcurriculums wird die Gesamtheit der curricularen Ziele, Inhalte und Methoden aller beteiligten lehrerbildenden Disziplinen entlang dreier tragender Leitlinien (Leitlinie der fächerspezifischen Erkenntnisgewinnung, Leitlinie der fächerübergreifenden Erkenntnisgewinnung sowie Leitlinie der individuellen Persönlichkeits-/Kompetenzentwicklung der Lehramtsstudierenden) ordnend verankert
Helfen subjektive Vorerfahrungen mit Mobbing angehenden Lehrkräften beim Erkennen und bei der Handlungskompetenz in Mobbingsituationen?
Diese Studie untersucht die Frage, welche Einflüsse Vorerfahrungen von Lehramtsstudierenden mit Mobbing auf das Erkennen von bzw. mögliche Handlungsoptionen bei Mobbing haben. An der Untersuchung nahmen insgesamt 83 Lehramtsstudierende der allgemeinbildenden Schulen an der Universität des Saarlandes teil. 76 Prozent der befragten Studierenden hatten in ihrer Schulzeit bereits Erfahrung mit Mobbingsituationen gemacht, wobei Studentinnen überwiegend verbales Mobbing in der Opferrolle und männliche Studierende dies eher in der unbeteiligten Zuschauer-Rolle (bystander) erlebt haben. Relationales Mobbing, wurde von etwa der Hälfte der Teilnehmenden der Studie als bystander erlebt. Vor allem die männlichen Studierenden unterschätzen die Ernsthaftigkeit von verbalem und relationalem Mobbing deutlich. Frühere Mobbingopfer nahmen die verschiedenen Mobbingsituationen ernster als Personen, die noch nie Mobbing erlebt hatten, und zeigten auch tendenziell größeren Ärger über das Mobbingverhalten bzw. stärkeres Mitgefühl für die Opfer. Sie würden aber seltener intervenieren als andere. Ein möglicher Grund dafür könnte die fehlende Interventionskompetenz sein. Wir empfehlen deshalb, bei der Behandlung des Themas Mobbing in der Schule auf die Vorerfahrungen der Studierenden zurückzugreifen, vor allem um die Ernsthaftigkeit von relationalem und verbalem Mobbing zu betonen und durch die Einbindung der positiven Erfahrungen früherer Helfer*innen zudem die Interventionskompetenz in allen Mobbingformen zu stärken
Globales Lernen im Geschichtsunterricht: Verflechtungsgeschichtliche Perspektiven für die Lehrer*innenbildung
Während globalgeschichtliche Ansätze sich aus der Geschichtswissenschaft nicht mehr wegdenken lassen, dominiert im Geschichtsunterricht ein nationales Narrativ. Der Unterricht verpasst auf diese Weise nicht nur den Anschluss an gegenwärtige Entwicklungen in der Wissenschaft, sondern verfehlt das selbst gesetzte Ziel, den Schüler*innen Orientierung in ihrer Lebenswelt zu bieten. Wie kann historisches Lernen einen Beitrag dazu leisten, dass sich Schüler*innen in einer zunehmend globaleren Welt zurechtfinden und dazu befähigt werden, Gesellschaft mitzugestalten? Welche Akzente kann die geschichtsdidaktische Lehrer*innenbildung im Rahmen der Querschnittsaufgabe Globales Lernen für die Demokratiebildung setzen? Wie muss sich der Geschichtsunterricht verändern, um der Diversität an Lebenswelten, die in einem Klassenraum zusammenfinden, gerecht zu werden? Im Praxisprojekt Wissen um globale Verflechtungen haben Didaktiker*innen und Fachwissenschaftler*innen an der Universität Bielefeld gemeinsam Unterrichtsmaterialien für den Schulunterricht entwickelt, um aufzuzeigen, wie sich die Forderung einer Perspektiverweiterung sowie die Förderung verflechtungsgeschichtlicher Perspektiven im Unterricht in der Schulpraxis umsetzen lassen. Davon ausgehend formuliert der vorliegende Artikel Impulse für die Lehrer*innenbildung
„Dafür, dass alles so plötzlich kam, fand ich den Umstieg [...] gelungen!“: Perspektiven von Teilnehmenden auf die coronabedingte Digitalisierung in Weiterbildungsstudien für Deutsch als Zweitsprache
Im Frühjahr 2020 mussten in der Bundesrepublik Deutschland bedingt durch die Covid-19-Pandemie völlig unerwartet plötzlich beinahe alle Lehr- und Lernangebote auf Distanz umgestellt werden. In der öffentlichen Debatte werden diesbezüglich häufig an erster Stelle die Herausforderungen für die allgemeinbildenden Schulen diskutiert; von dieser plötzlichen Änderung der Rahmenbedingungen betroffen waren aber auch viele weitere Bereiche des Bildungssektors. So wurden zu dem Zeitpunkt im Kontext der Hochschullehre und Lehrkräfteweiterbildung die sonst üblichen Präsenzveranstaltung ad hoc auf digitale Bildungsangebote umgestellt. Die vorliegende Studie beleuchtet diese Umstellung für die Weiterbildungsstudien Deutsch als Zweitsprache in Nordrhein-Westfalen und stellt dabei die Perspektive der teilnehmenden Lehrkräfte in den Fokus. Dabei zeigt sich dieser historisch einmalige Moment als aufschlussreiche Lerngelegenheit für die Gestaltung zukünftiger Angebote, da durch die notgedrungenen Erfahrungen mit Online-Formaten nicht nur Hinweise auf konkrete Herausforderungen und Potenziale digitaler Weiterbildungsstudien aufgezeigt werden können, sondern sich auch Veränderungen in der Haltung der befragten Lehrkräfte zu E-Learning-Angeboten in der Weiterbildung beobachten lassen. Als besonders zukunftsweisend scheinen in diesem Kontext hybride Formate zu sein, die Vorteile von Präsenz- und Online-Angeboten systematisch und gewinnbringend kombinieren