Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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    Berichte aus den Sektionen

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    Sektion Organisationssoziologie Sektion Wissenschafts- und Technikforschung&nbsp

    Nachrichten aus der Soziologie

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    Ein kurzes Gespräch mit Martin Kohli, Gründer der Kohli Stiftung für Soziologie Schader-Preis 2023 für Steffen Mau In memoriam Volkmar Sigusch Ilka Quindeau In memoriam Jost Halfmann Stephan Hein, Andreas Höntsch Habilitationen Trilaterale Forschungskonferenzen »Villa Vigoni« 2024–2026 Dissertationspreis der Sektion Stadt- und Regionalsoziologie Hartmut-Häußermann-Preis »Soziale Stadt« 2023 Peter A. Berger Sektionspreis für herausragende Dissertationen Call for Papers Diversifizierung – Dezentrierung – Dekolonisierung Bilanz und Perspektiven kultur- und sozialwissenschaftlicher Gedächtnisforschung Globalisierte Kunstmärkte Summer School »Topoi und Netzwerke der religiösen Rechten« Tagungen ÖGS-Kongress: Kritische Zeite

    Zugutachterei: Bedingungen und Folgen korruptiver Nachsicht

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    Die Analyse von Gutachterei greift zu kurz, wenn sie sich allein auf die Beziehungen zwi­schen Prüfling und Prüfer versteift; man muss eruieren, wer wie in deren Ver­hältnis zusätzlich mitspielt. Hier beginnt die Soziologie. Auswahl und Finanzierung von Gutachtern beeinflussen mehr als alles andere ihre Unabhängigkeit. Ungute Folgen las­sen sich prinzipiell durch den öffentlichen Verkauf der Prüfungs­er­geb­nisse be­zie­hungs­weise durch staatliche Finanzierung vermeiden. Befinden Prüflinge selbst so­wohl über die Wahl ihrer Gutachter als auch über deren Finanzierung, sind von vorn­herein Abhängigkeiten im Prüfprozess vorhanden. Die Wahrscheinlichkeit von Ge­fälligkeitsgutachten (»Zugutachterei«) ist bei dieser Kapitalisierung von Be­gut­ach­tun­gen geschäftsbedingt. Verstärkungen dieser Wahrscheinlichkeit ergeben sich un­ter anderem bei einer Vermengung von Begutachtung und Beratung, bei Ein­schrän­kun­gen gutachterlicher Erhebungs- und Darstellungskompetenzen, sowie bei Vor­lie­gen staatlich geschützter ›Haftungsprivilegien‹. All dies ist heute vor allem im Wirt­schaftsbereich verbreitet. Aber auch der Staat ist als Kontrolleur nicht immer ver­lässlich. Ausdruck dafür ist unter anderem eine hierzulande ideologisch gewollte Unter­finan­zie­run­gen staatlicher Kontrollen sowie deren Finanzierung.   The analysis of review and assessment processes does not go far enough if it focuses solely on the relationship between the controllers and those who are assessed. It is necessary to find out who else plays a role in their relationship and how. This is where sociology comes in. More than anything else, the selection and funding of the reviewers influence their independence. Unfavorable consequences can be avoided if assessors finance themselves by selling the results of their assessments or by re­cei­ving state fun­ding. If those who are assessed decide themselves both on the selection of reviewers and on their financing, then there exists a dependency between the two actors from the outset. Under this condition, the probability of favorable assess­ments is very high. The likelihood of positive assessments is further increased if assessment and consulting are mixed-up, if the assessors are restricted in the collec­tion of data and in publishing their findings, and if there exist state-pro­tec­ted liability privileges. All this is common today, especially in the business sector. However, even the state is not always reliable as a controller. This is evident in Ger­many where state in­stitutions are un­der­funded as a matter of political will and their pri­vatization is favored

    Neuorientierung der Methoden-Ausbildung: Ein kurzer Problemaufriss

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    Wie in vielen Disziplinen gibt es heute eine teilweise erhebliche Diskrepanz zwischen Lehrbuchwissen/Inhalten von Methodenkursen und dem Stand der Forschung. Man könnte mit Ogburn von einem »cultural lag« sprechen; einer Lücke, die auch durch den rasanten Fortschritt von Digitalisierung und Technologieentwicklung bedingt ist. Das bisherige Programm von Metho­den­kursen muss modernisiert und an diese Entwicklungen angepasst wer­den. Wenn das nicht geschieht, wird die Soziologieausbildung gegenüber an­de­­ren Sozialwissenschaften ins Hintertreffen geraten. Neuentwicklungen gibt es im Bereich der Datenquellen, dem Design von Erhebungen, der Da­ten­ana­lyse und der Archivierung der Daten – Stichwort »Open Science«. Dieser kurze Pro­blemaufriss soll einen Anstoß zur Reform der Metho­den­aus­bildung geben

    Editorial

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    Liebe Kolleginnen und Kollegen, ein Gespenst geht um in der Soziologie, das Gespenst einer relationalen Sozio­logie. Auf dem Soziologiekongress in Bielefeld sah man es über den Nop­pen­boden schleichen. Der Bücherstand von Suhrkamp war der letzte, der am Freitagnachmittag abgebaut wurde, aber auch dort wurde man seiner nicht habhaft. Was hat es mit diesem Gespenst auf sich? Viele halten es für eine Neuerfindung der Soziologie mit den Mitteln der Soziologie, eine tauto­logisch-pleonastische Bekräftigung dessen, was die Soziologie immer schon war. Kann man sich, um nur einen Gründungsakt zu nennen, Auguste Com­tes Unterscheidung zwischen Statik und Dynamik, die Adorno nicht moch­te, ohne ein Grundverständnis von Relationen vorstellen? Immerhin ging es bei Comte um den Hinweis, dass jeder soziale Sachverhalt zugleich auf zwei Achsen zu denken sei, einmal als Differenz zu gegenwärtig mitlaufenden anderen Sachverhalten und einmal als Differenz zu früheren und späteren Versionen desselben Sachverhalts. Die Statik war eine der Ausdifferenzierung, die Dynamik eine der Entwicklung (oder der Stagnation). Beide sind ohne Relationen zum Anderen, Früheren und Späteren nicht zu denken. Bemer­kens­wert ist allenfalls, dass neben der Sachdimension und der Zeitdimension aller sozialen Sachverhalte die Sozialdimension keine explizite Erwähnung fin­det. Wurde die Soziologie ohne eine Berücksichtigung sozialer Relationen er­funden? Geht es darum? Wie man hört, will die relationale Soziologie den Unterschied zwischen Akteur und Struktur unterlaufen, also aus jener Sackgasse heraushelfen, in die sich eine Soziologie manövriert hat, die nicht weiß, wie Intentionen und Motive auf der einen Seite zu Verhältnissen auf der anderen Seite in eine Be­­ziehung zu setzen sind. Man denke an Colemans Badewanne. Die relatio­nale Soziologie wendet ein, dass es sich bei Relationen um Phänomene handelt, die weder das eine, Akteur, noch das andere, Struktur, sind. Schlim­mer noch, jetzt wird es gespenstisch, sie sind beides zugleich. Relationen be­sitzen eine eigene agency im Verhältnis zu Akteuren und sind damit der Stoff, aus dem die Verhältnisse bestehen, als jederzeit »ausge­han­delte« und neu »auszuhandelnde« Verhältnisse. Verhandlung klingt gut. Spooky. Kann man nicht einen Schritt weitergehen und unter Berufung auf Simmels Begriff der Wechselwirkung jeden soziologischen Grundbegriff als Relation rekonstruieren? Ein Akteur ist die Relation einer Intention oder eines Motivs auf eine Situation? Eine Struktur ist die Relation von min­des­tens zwei Determinanten einer Situation zueinander? Eine Rolle ist die Re­la­tion von Verhaltenserwartung und personaler Darstellung? Eine Norm ist die Relation von Verhaltenserwartung, Wahrscheinlichkeit der Ab­wei­chung und Sanktionspotential? Und so weiter. Ein Feld ist eine Relation zwi­schen einer Kraft und weiteren Kräften? Ein System ist eine Relation zwi­schen Ope­­ration und Rekursion? Ein Netzwerk ist eine Relation zwi­schen Po­si­tionen und Äquivalenzen? Das Gespenst kommt richtig in Fahrt. Was hätte man von solchen Reformulierungen? Sicherlich mehr be­griff­liche Beweglichkeit. Aber mir scheint außerdem, dass man mit diesem Ver­ständ­nis von Relation der Methodendebatte in der Soziologie zuarbeiten könnte, die wir mit dem vorliegenden Heft und einem Aufruf von Andreas Diekmann wieder aufnehmen. Wenn es stimmt, was Stephan Moebius und Oliver Römer in einem Beitrag über die »wilden siebziger Jahre« und ihre »gegnerischen Soziologien« in der Zeitschrift für Soziologie jüngst beschrieben haben, leidet die Soziologie weniger unter einem Theoriedefizit als vielmehr an einem Methodendefizit. Theorien großen Stils und mittlerer Reichweite gibt’s genug, auch wenn sie nicht facheinheitlich zu haben sind. Aber worauf es ankäme, wäre die Entwicklung von Methoden, die auf nichts anderes achten als auf Relationen, Beziehungen; diese jedoch quantitativ und qua­li­ta­tiv zu differenzieren wissen. Häufigkeiten und Frequenzen, Typen und Funktionen, Entstehung und Zerfall, wäre damit nicht für jede Art von So­zio­logie ein Boden gefunden, auf dem sie bauen kann? Statistische und hermeneutische Methoden hätten in Relationen ihren Konvergenzpunkt. Was stellt womit auf welche Art eine Beziehung her? Wo­raus, aus welchem Material, besteht diese Beziehung? Welche Rollen spie­len für wen das Reale, das Symbolische und das Imaginäre? Unter wel­chen Bedingungen hält diese Beziehung wie lange beziehungsweise kann wie und von wem wieder aufgelöst werden? Ich gebe zu, dass meine Eindrücke vom Kongress in Bielefeld an diesen Fra­gen nicht ganz unschuldig sind. Es gibt sie, die soziologische Fra­ge­stel­lung, aber kaum jemand ist streng genug, sich an sie zu halten. Mit herzlichen Grüßen Dirk Baecke

    Nachrichten aus der Soziologie

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    Rita Bischof: In memoriam Elisabeth Lenk Habilitationen Call for Papers Klassenkörper. Zur Körpergeschichte sozialer Ungleichheit,1770er- bis 1870er-Jahre »Frieden schließen«: Multidisziplinäre Ansätze zu Friedens- und Versöhnungsprozessen Tagungen My City is a Battleground: Intersectionality and Urban Violenc

    Berichte aus den Sektionen und Arbeitsgruppen

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    Sektion Soziologiegeschicht

    Soziologie als Beruf – zwischen gesellschaftlicher Relevanz und Prekarität

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    Der Beitrag geht von der vielfachen Spannung aus, in die sich die Soziologie derzeit gestellt sieht: zwischen erstens ihrer gesellschaftlichen Relevanz gerade in diesen Krisen­zeiten, zweitens den wissenschafts- und auch soziologiefeindlichen Haltun­gen, die sich seit der Pandemie und den Debatten um den Klimawandel offenbaren, und drittens der zunehmend prekären Beschäftigungssituation im Mittelbau. Daran hat das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) – neben der unzureichenden Grund­finanzierung der Universitäten – einen großen Anteil. Wir berichten über die Sonderveranstaltung des Ausschusses Soziologie als Beruf zum 41. Kongress der DGS in Bielefeld 2022 und verfolgen die auch 2023 fortgesetzte Debatte um die ausstehende Novelle des Gesetzes.   The article is based on the multiple tensions that sociology is currently facing: firstly, its social relevance, especially in these times of crisis; secondly, the anti-science and anti-sociology attitudes that have become apparent since the pandemic and the debates on climate change; and thirdly, the increasingly precarious employment situation among mid-level staff (Mittelbau). In addition to the inadequate basic funding of the universities the Wissenschaftszeitvertragsgesetz (German Act on Temporary Academic Contracts) plays a large part in this. We report on the special event organised by the committee Sociology as a Profession for the 41st Congress of the DGS in Bielefeld 2022, and follow the ongoing debate on the pending amendment of the law

    Was ist soziologischer Sachverstand und wie sollte eine Soziologin ihn einsetzen? Entgegnung auf Klaus Kraemer

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    Die kritische Reaktion von Klaus Kraemer[1] auf meinen Report einer teil­neh­men­den Beobachtung aus einem Beratungsgremium und einer zivil­ge­sell­schaft­­lichen Initiative während der Pandemie gibt mir die Ge­legenheit, in all­gemeineren Begriffen klar zu legen, was ich da als Sozio­lo­ge getan habe und wie man sich meiner Ansicht nach als Soziologin in dem »kri­tischen Mo­ment« eines gesellschaftlichen Großereignisses verhalten soll­te.      [1] Klaus Kraemer, Was kann die Soziologie im Schockzustand einer Krise leisten? SOZIO­LO­GIE, 52. Jg., 2023, Heft 1, S . 7–25

    Was kann die Soziologie im Schockzustand einer Krise leisten? : Eine Entgegnung auf Heinz Bude

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    In diesem Beitrag wird am Beispiel der SARS-CoV-2-Pandemie die Frage diskutiert, was die Soziologie als sozialwissenschaftliche Disziplin im Schockmoment einer Krise eigentlich leisten kann. In Abgrenzung zu Heinz Bude (Soziologie, Heft 3, 2022) wird argumentiert, dass die Aufgabe der Soziologie nicht darin bestehen sollte, Zustimmung in der Bevölkerung zu staatlichen Maßnahmen zu organisieren, son­dern eine sozialwissenschaftliche Beobachterrolle einzunehmen, um die blinden Flecke staatlicher Akteure und Expertenstäbe gerade auch unter Krisenbedingungen sicht­bar zu machen. Statt in den Modus einer Krisenrhetorik der einfachen Worte zu verfallen, wird dafür plädiert, sich auf die methodologischen und methodischen Kernkompetenzen des Faches zu besinnen und interdisziplinären Austausch nicht mit undisziplinierter Extradisziplinarität zu verwechseln.   This article uses the example of the SARS-CoV-2 pandemic to discuss the question of what sociology can actually do in the moment of shock of a crisis. In contrast to Heinz Bude (Soziologie, no. 3, 2022), it is argued that the task of sociology should not be to organise public approval for state measures, but to take on a sociological ob­server role in order to make the blind spots of state actors and expert groups vi­sible, especially under crisis conditions. Instead of falling into the mode of a crisis rhe­toric of simple words, it is advocated that one should remember the metho­do­lo­gi­cal and methodical core competences of the discipline and not confuse inter­dis­ci­pli­nary exchange with undisciplined extradisciplinarity

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