Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
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    Kampf um Zugehörigkeit: Was die Gegner*innen der Corona-Maßnahmen antreibt und was sie über den Zustand von Demokratie und Zusammenhalt verdeutlichen

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    Die Corona-Maßnahmen haben zu einer emotional aufgeheizten Auseinandersetzung um ihre Angemessenheit geführt. Diese gehört zu den aktuellen Beispielen für eine grundlegende Unzufriedenheit und Verunsicherung von wachsenden Teilen der Bevölkerung, die folgenreich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sein können. Die Vehemenz der Maßnahmengegner*innen war Ausgangspunkt unserer Forschung über die Hintergründe der Ablehnung und die Gemeinsamkeit der Gegner*innen, die durch die bisher vorliegenden Untersuchungen als stark heterogene Gruppe identifiziert worden ist. Prägnantes Ergebnis: Die Maßnahmengegner*innen bilden eine neue Form der Vergemeinschaftung über ihre Allianz des „Gegenwissens“ und stiften sich dadurch eine kollektive Identität. Diese ist in der Lage einen Sinnstiftungsverlust zu kompensieren, der durch die Corona-Maßnahmen angestoßen wurde. Um diese These zu begründen, präsentiert der Beitrag ausgewählte Ergebnisse der rekonstruktiven Analysen anhand der Objektiven Hermeneutik. Untersucht wurden Dokumenten von und Interviews mit Gegner*innen der Maßnahmen in Bezug auf Form, Funktion und Folgen der Allianzbildung. Zudem werden Schlüsse gezogen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die Stärkung der Demokratie und die Rolle der Soziologie

    „Ich bin Dein und nicht Dein“ oder: Wie Liebe mit Betriebssystemen (nicht) funktioniert: Eine soziologische Betrachtung des Zukunftsentwurfs im Film „Her“

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    Der Spielfilm „Her“ (2013, Regie: Spike Jonze) antizipiert eine nahe Zukunft, in der romantische Bindungen zwischen Menschen und künstlicher Intelligenz möglich sind. Die gezeigte Liebesbeziehung zwischen den Figuren „Theodor“ (ein Mensch) und „Samantha“ (ein Betriebssystem) spielt mit der Möglichkeit, dass eine KI Bewusstsein besitzt, Gefühle entwickelt und Liebe erwidert. Die Filmfiktion öffnet einen Frageraum zu polarisierenden Zukunftserwartungen. Unser Beitrag fokussiert die Frage, wie der Film das Gelingen romantischer Intimität zwischen Mensch und KI inszeniert und authentifiziert? Hierzu bedienen wir uns einerseits Luhmanns (1982) systemtheoretischem Ansatz zu Liebe als Kommunikationscode, andererseits der stark phänomenologisch ausgerichteten Resonanztheorie nach Rosa (2016). Wir zeigen, wie der Film die Liebe der Zukunft abseits einer scharfen Polarisierung imaginiert und die zunächst maximal oppositionelle Natur der Beziehung (Mensch vs Nicht-Mensch, Subjekt vs Objekt) aufzulösen vermag

    „In Tirana bin ich Geschäftsmann und arbeite rund um die Uhr. Hier habe ich ein Arbeitsverbot und sitze nur herum.“: Transnationale Lebensgeschichten zwischen Teilhabe und Ausschluss

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    Der Beitrag beleuchtet die Verflechtungen von Selbst- und Fremdzuschreibungen Geflüchteter aus „sicheren Herkunftsstaaten“ und macht die daraus resultierenden Ambivalenzen zwischen Vulnerabilität und Handlungsmacht sichtbar. Im Mittelpunkt stehen die Selbstzuschreibungen der Biograph*innen im Kontext gesellschaftlicher Strukturierungen von Teilhabe. Anhand von biographischen Interviews und Dokumenten aus Asylverfahren wird herausgearbeitet, welche Positionierungen sie entlang verschiedener Ungleichheitsdimensionen vornehmen und wie sie diese in Bezug auf soziale Ungleichheit interpretieren. Zunächst werden die gesellschaftspolitischen Rahmungen, die Polarisierung und damit einhergehende Marginalisierung dieser sozialen Gruppe hervorbringen, beleuchtet. Daran anschließend werden Selbstzuschreibungen Geflüchteter aus Westbalkanstaaten im Lichte gesellschaftlicher Strukturierungen von Teilhabe analysiert. Für den vorliegenden Beitrag wurden zwei Fallbeispiele von Menschen aus Albanien ausgewählt, die ein Asylverfahren in Deutschland durchlaufen haben und sich bis dato in Deutschland aufhalten. Darüber hinaus zeigt sich, wie sich Schutzsuchende aus „sicheren Herkunftsstaaten“ in Abwägung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zu anderen Geflüchteten positionieren und welche Strategien des Zugangs zu gesellschaftlicher Teilhabe sie entwickeln

    Kontroversen und Effekte des Diskurses zu sogenannter Clankriminalität: Zur diskursiven Konstruktion von Clans und sozialen Zugehörigkeiten

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    Innerhalb des Beitrags werden Fremdzuschreibungen, die mit einem als Clan bezeichneten Kollektiv in Verbindung gebracht werden, unter einer Perspektive von (Nicht-)Zugehörigkeit betrachtet. Die empirische Grundlage bilden 52 leitfadengestützte teilstrukturierte Expert:inneninterviews mit 66 Repräsentant:innen verschiedener Professionsgruppen, die mit vermeintlichen Clans respektive dem Phänomen sogenannter Clankriminalität befasst sind. Es deutet sich an, dass die zugeschriebene Zugehörigkeit zu einem diffusen, als Clan bezeichneten Kollektiv – sofern der Begriff affirmativ verwendet wird – vielfach gegenüber anderen Formen der Zugehörigkeit überbetont wird. Die Zuschreibung Clan vereinigt insbesondere Zugehörigkeitsformen von Familie sowie Ethnizität. Dies führt dazu, dass lebensweltliche Erfahrungen, Problemlagen sowie Normbrüche respektive Kriminalität vor allem vor dem Hintergrund einer vermeintlichen Clanzugehörigkeit betrachtet werden

    Re-Writing Bodies: Episte(m)ethodologien als Antwort auf mehr-als-menschliche Welten

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    Dieser Artikel beginnt eine Diskussion zur Frage nach der Verantwortung, die in den wissenschaftlichen Praktiken des (ethnografischen) Schreibens liegt. Er schlägt vor, wie ein feministisches Objektivitätsverständnis mit dem Vorschlag von John L. Jackson Jr. kombiniert werden könnte, der darauf hinweist, sich anstatt der aneignenden dichten Beschreibung einer Geertzschen Anthropologie einer dünnen Beschreibung zuzuwenden, die bruchstückhaften Ontologien, Körpern und Phänomenen mehr gerecht werde. Schließlich soll daran das Konzept des Caring with von Astrid Schrader angeschlossen werden, das spezifisch nach der Verschränkung zwischen Wissenschaftler*innen, ihren Praktiken und ihren Untersuchungsgegenständen fragt und wie diese stets wechselseitig re-konfiguriert werden

    Doing family und displaying family in der elterlichen Konstruktion des Kindes in seiner Geschlechtlichkeit

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    Das Bild der Familie als primärer Sozialisationsinstanz unterliegt gegenwärtig einem Wandel. Das Kind wird als „Projekt“ begriffen, dessen Gelingen von den elterlichen Bemühungen abhängig ist (vgl. Beck-Gernsheim 2010). In unserem DFG-Projekt „Projekt Kind: Elterliche Konstruktion des Kindes in seiner Geschlechtlichkeit“ wird durch eine Methodentriangulation von (Paar-)Interviews und Kinderfotografien die (geschlechtlich) geformten Imaginationen und Projektionen von Eltern untersucht. Wir interviewten sowohl heterosexuelle Eltern als auch LGBTQ+-Eltern, Alleinerziehende oder Patchworkfamilien. Das Projekt verortet sich an der Schnittstelle von Geschlechter-, Familien- und Kindheitsforschung. Es verbindet die Ansätze des Doing und Displaying Family und des Doing Gender. Es wird davon ausgegangen, dass Geschlecht und Bilder eines (geschlechtlich geformten) „gelungenen Kindes“ von den Eltern im Interview und in Fotografie deutlich werden; sei es, indem eine traditionelle Zuordnung akzentuiert wird, gerade unkonventionelle Verhaltensweisen des Kindes betont werden oder durch eine Darstellung von praktizierter Geschlechtsindifferenz. Am Beispiel unseres empirischen Materials wird anhand eines heterosexuellen Elternpaars die elterlichen Darstellungs-, Vorstellungs- und Herstellungsleistungen sowie deren (geschlechtlich) geformten Imaginationen und Projektionen in Bezug auf ihre Kinder aufgezeigt

    Understanding Trans-Sequential Ethnography and its Place in the Contemporary Sociological Landscape

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    What is trans-sequential ethnography? What defines it – both as a theoretical apparatus and a way of practicing ethnography? We address these questions by situating trans-sequential ethnography, also frequently known as trans-sequential analysis or TSA, within broader trends within the discipline of sociology as a whole. In particular, we argue that TSA can perhaps best be understood in two ways. First, we argue that it should be seen as standing within a long line of social theory which argues that the fundamental ontological condition of social life is one of, what we term, excess. Second, we argue that TSA should also be seen as a rather systematic attempt to overcome the methodological difficulties that sociologists (and ethnographers in particular) have encountered as a result of this ontological fact

    Der Begriff der Komplexität in der Geschichte der Sozialwissenschaften

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    Was ist genau mit Komplexität gemeint? Über den Begriff der Komplexität wurde bereits häufig theoretisch reflektiert, aber über die Rolle, die er in der Geschichte der Sozialwissenschaften spielte, eher weniger. Bemerkenswert ist, dass die Wörter Komplex und System etymologisch gesehen dasselbe zum Ausdruck bringen, und zwar einen Zusammenhang oder das Zusammengefügte. An diesen Wörtern war immer schon die Frage verknüpft, ob das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist oder vollständig auf diese reduziert werden könne. Diese Frage prägte die modernen Wissenschaften, besonders die Biologie, aber auch die Soziologie. Probleme der Komplexität thematisiert Edmund Burke und August Comte. Der Begriff der Komplexität taucht bei Herbert Spencer explizit auf. In diesem Zusammenhang standen auch Fragen nach der Wechselwirkung zwischen den Teilen, dem strukturellen Aufbau des Ganzen, der Dynamik und Evolution der Systeme und ihr Verhältnis zur Umwelt. Die Philosophie Whiteheads und der Britische Emergentismus prägen auch das Werk Talcott Pasons. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Komplexität in der Kybernetik und der Systemtheorie zu einem Leitbegriff. Aufgrund des damaligen fortschrittsoptimistischen Zeitgeistes war man zuversichtlich, dass sich mit neuen Methoden, Modellen und dem Fortschritt der Computertechnik komplexe Systeme immer besser regulieren ließen. Dieser Optimismus verblasste aufgrund von gesellschaftlichen und innerwissenschaftlichen Umbrüchen in den 1970ern. Die Chaostheorie zeigte, dass nichtlineare Dynamiken die Berechenbarkeit von Modellen stark einschränken, aber dass zugleich aus dem Chaos heraus neue Strukturen entstehen können. Mit Computersimulationen lassen sich Dynamiken sozialer Systeme modellieren. Diese haben aber den Nachteil, dass sie Phänomene starker Emergenz vernachlässigen. Durch eine solche historische Rekonstruktion können die Möglichkeiten und Grenzen des Leitbegriffs der Komplexität besser umrissen werden

    Prädiktion in der Präzisionsmedizin

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    Die seit ca. 25 Jahren als zukunftsweisende Entwicklung gehandelte „Präzisionsmedizin“ fußt auf dem Versprechen, für jede(n) Patient:in auf Grundlage persönlicher genetischer Information eine individualisierte Behandlung zu liefern. Wo sich soziologische Beobachtung mit ihr beschäftigen, pflegt sie auf „verschwimmende Grenzen“ zu stoßen. Traditionellere Unterscheidungen, wie beispielsweise zwischen Prognose/Diagnose, Prävention/Behandlung, medizinischen Disziplinen, und Forschung/Klinik, scheinen hier an Trennschärfe zu verlieren. Die vorgestellte These lautet, dass demgegenüber eine noch grundlegendere Integration einander scheinbar ausschließender Konzepte den Kern der Präzisionsmedizin ausmacht, nämlich eine neue Form der Kombination statistischer Daten mit personalisierter Anwendung. Die „statistische Revolution“ des späten 19. Jhds. hatte mit dem order-from-disorder-Prinzip der Erkenntnis Verbreitung verschafft, dass sich zukünftige Systemzustände probabilistisch vorhersagen lassen, wenn man vom Verhalten ihrer Einzelkomponenten gerade absieht. Das impliziert, dass die Vorhersage auf den Einzelfall übertragen sehr falsch ausfallen kann. Statistische Prognose wurde so zunächst aus der medizinischen Praxis in die Gesundheitspolitik externalisiert. Es ist die Reintegration von Vorhersage und Individualisierung, die im Zentrum der Präzisionsmedizin steht. Nun ist das Zusammentreffen statistischer Daten und personalisierter Informationen keinesfalls unbemerkt geblieben. Behandelt wird es jedoch als ein weiterer Fall der besagten verschwimmenden Grenzen. Der vorgeschlagene Ansatz unterscheidet sich davon in zweierlei Hinsicht: Erstens, indem er plädiert, von einer Kombination statt von einer Vermischung auszugehen. Zweitens wird angenommen, dass die Integration statistischer und individueller Daten in der Medizin nur einen Fall eines umfassenderen Musters darstellt, das aus dem Einsatz komplexer Algorithmen resultiert, welche auf große Datenbanken (hier: für potentiell pathogene Genvarianten) zurückgreifen, um individualisierte Empfehlungen (hier: für Therapien) zu geben

    Außeralltägliche Situationen: Empirische und theoretische Aspekte zum Jugendwandern

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    Auf der Grundlage von ethnografischen Beobachtungsprotokollen und Interviews werden Situationen vorgestellt, die sich während des Gruppenwanderns mit Kindern oder Jugendlichen ergeben haben. Dabei geht es einerseits darum, die Situationen selbst in ihrer Typik strukturell zu charakterisieren, anderseits sollen die sozialen Dynamiken und pädagogischen Potentiale der jeweiligen Begebenheiten sichtbar gemacht werden. Grundlage für die Interpretation der ausgewählten Situationen bilden Bezüge zu systemtheoretischen und (neo)phänomenologischen Theorien. So sind beispielsweise außeralltägliche Gruppensituationen strukturell durch eine absichtsvolle Reduktion von Komplexität gekennzeichnet. Im Innenverhältnis der sozialen Gruppe wirkt diese Entlastung häufig positiv auf die Binnenbezüge der Akteure und erleichtert die Bildung von wechselseitigem Vertrauen. Das gemeinsame Wandern schafft darüber hinaus eine gemeinsame Situation, in der mannigfaltige Phänomene der „Einleibung” zu beobachten sind. Charakteristisch dabei ist, dass sich die während des Wanderns ergebenden Situationen ungeplant einstellen

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