FoRuM Supervision - Zeitschrift für Beratungswissenschaft und Supervision (Universität Bielefeld)
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Viele Wege führen nach Rom - manche auch daran vorbei
Eher suchend als wissend hinterfragt der Autor die strengen Vorgaben mancher reinen Lehre. Er bietet dazu eine Verschränkung von Überzeichnungen, Beispielen aus seiner Praxis, Analogien und Theorie-Häppchen an. Letztlich wird daraus ein Plädoyer für eine reflektierte Theoriegeleitetheit, die im Einzelfall den Sinn einer Regel immer wieder neu erweisen muss oder eine veränderte Dynamik begründet zulässt
Hauptsache, die Chemie stimmt. Vom Verschwinden des Widerstandes und der Abstinenz
Die Rede von der Chemie, die stimmen muss, begleitet heute die Auswahl von Führungskräften, aber auch von Beratern und Therapeuten. Entweder ist die Beziehung die richtige, oder man lässt sie lieber. Auch Berater werden in einer Art Casting gesucht, für das manche Einrichtungen ein Drittel der insgesamt für Supervision oder Teamentwicklung vorgesehenen Mittel einzusetzen pflegen. Was in dieser Sehnsucht nach symbiotischer Erfüllung verloren geht, ist die Arbeit am Widerstand. Ich habe manchmal den Eindruck, dass auch psychoanalytisch orientierte Helfer nicht mehr von diesem Konzept überzeugt sind. Wenn etwas verschwindet, heißt das keineswegs, dass es nicht mehr da ist. Es haben sich nur Gründe ergeben, Aufmerksamkeit ab zu ziehen, ein Konzept zu ignorieren, das einmal als wesentlich und fortschrittlich galt. In der Supervision ebenso wie in der (analytischen) Psychotherapie, ihrer älteren Stiefschwester, ist das Modell des Widerstandes ebenso wie das der Abstinenz (vor allem in ihrer Gestalt als Enthaltung von Suggestionen) mehr und mehr verloren gegangen
Cornelia Edding, Karl Schattenhofer (Hrsg.): Handbuch: Alles über Gruppen: Theorie, Anwendung, Praxis. Weinheim/Basei (Beltz Verlag) 2009
Buchrezensio
Solitäre in Organisationen -ein Paradoxon? Supervision an Hochschulen und Universitätsinstituten
"Die Idee der Universität" - so Jaspers 1946 - verlangt Wahrheit und Freiheit. Modeme Hochschulen haben aber völlig andere Themen und Nöte: der Wettbewerb unter den Organisationen hat Einzug gehalten, die Ökonomisierung setzt Rahmen und strukturiert Inhalte, das Label "Exzellenz" produziert Stolz und Beschämung, die Eliteidee ist neu geboren und selbstverständlich: Beratung, auch in Form von Supervision, wird nachgefragt und gewährt Einblicke in einst eher verschlossene Räume
Keine Themen - viele Themen: Kritische Augenblicke in der Supervision
In der Team-Supervision ist u.a. mit den folgenden zwei Problemsituationen zu rechnen: Es werden zu viele konkurrierende Themen genannt, oder es besteht gar keine Nachfrage. Beide sind für den Supervisor eine Herausforderung, weil er im einen Fall Prioritäten setzen und sich u.U. dem Eindruck der Ungerechtigkeit aussetzen muss, während im anderen Fall die Bedeutung der Supervision für das Team in Frage steht und vom Team in Frage gestellt wird. Für beide Situationen kann der Supervisor in unterschiedlicher Weise Interventionen bereithalten, die pragmatisch, würdigend und teamunterstützend wirken. Eine wiederkehrend etablierte Feedback-Schleife ist dabei eine Hilfe, im Kontakt mit dem Team zu bleiben und das jeweilige Supervisorentum auf seine Passung mit dem Team zu überprüfen
Selbstreflexion einer Supervisorin im Dienste der Schulverwaltung
Die Autorin reflektiert im Kontext ihres beruflichen Entwicklungsweges, wie sich ihr Verhältnis zur Beratung verändert hat. Ihre Stationen: von der jugendpolitischen Referentin zur Leiterin einer großen Bildungsstätte, von der internen Supervisorin in der Schulleitungsfortbildung zur Leitungsposition in der Schulverwaltung. Der Stellenwert von selbstreflexiven Arbeitsformen wird im Kontext von bestimmten historischen Epochen, gesellschaftlichem und organisatioellen Umfeld beschrieben. Die mit "Systemumbrüchen" wie der Einführung des neuen Schulgesetzes in Berlin einhergehenden menschlichen Reaktionsformen werden in den Blick genommen, die unterschiedlichen Wege, selbstreflexive Fortbildungsansätze und Supervision zu verankern, beschrieben. Anschaulich wird entwickelt, wie Praxiserfahrungen und Veränderungen in den Arbeitsfeldern neue Bedarfe nach Kompetenzerweiterung wecken, Interesse an neuen Theoriefeldern entsteht und in die Gestaltung der Arbeit zurückfließt