JournaLIPP (Graduate School Language & Literature - Class of Language, LMU München)
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    Multiethnolektales Zürichdeutsch: Dialekttransformation und soziolinguistische Wahrnehmung

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    Der vorliegende Beitrag vermittelt einen Einblick in ein Forschungsprojekt, welches den Zürcher Dialekt von Jugendlichen mit Migrationshintergrund untersucht. Ausgehend vom Ansatz einer perzeptiven Varietätenlinguistik stellen wir zunächst die Frage, ob multiethno­lektales Sprechen von gleichaltrigen Jugendlichen eher kategorisch oder als Kontinuum wahrgenommen wird. Danach vergleichen wir die Ergebnisse eines Rating-Experiments mit der Ausprägung zweier linguistischer Variablen, nämlich der Dauer anlautender Frikative und dem Anteil an lexikalischen Interferenzen aus dem Standarddeutschen im verwendeten Dialektwortschatz. Dabei zeigt sich einerseits, dass die Jugendlichen in der Tat verschiedene Grade der Multiethnolektalität wahrnehmen – und zwar in Form eines Kontinuums und nicht als klar voneinander abgegrenzte Kategorien. Andererseits lassen sich in der Sprach­produktion bestimmte Muster ausmachen, die mit der perzeptiven Einordnung der Sprechenden korrelieren und als eine Art ‘Dialekttransformation’ des Zürichdeutschen charakterisiert werden können. Keywords: Multiethnolekte, Zürichdeutsch, perzeptive Varietätenlinguistik, Frikative, Dialektwortschat

    Pfälzisch in Nordamerika? Beispiellexeme aus dem Pennsylvaniadeutschen

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    1683 gründeten erste deutschsprachige Siedler nördlich von Philadelphia die Siedlung Germantown, wohin ab 1685 Kurpfälzer aus Kriegsheim zogen. Ab 1710 kam es zur ersten großen Einwanderungswelle, viele Pfälzer erhofften sich ein besseres Leben in der neuen Welt. Nach einigen Umzügen siedelten sich 1723 etwa 15 Familien westlich von Reading in Berks County in Pennsylvania an. In der Folgezeit nahmen Zehntausende die Reise nach Pennsylvania auf sich, so dass zu Beginn des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1776 etwa 110.000 der insgesamt 225.000 Einwohner Pennsylvanias deutschsprachig waren. Die Neuankömmlinge fingen an, aus ihren mitgebrachten südwestdeutschen Dialekten, vornehmlich Pfälzisch, Alemannisch, Schweizerdeutsch usw., eine eigene sprachliche Varietät herauszubilden, das Pennsylvaniadeutsche. Bis heute sprechen noch über 400.000 Amerikaner die Varietät, die eine starke Ähnlichkeit zum Pfälzischen aufweist (vgl. Werner 2021: 14). Nach der Vorstellung der SprecherInnen und Aspekten des Pennsylvaniadeutschen werden vier Beispiellexeme lexikographisch analysiert: Die Nomen Grumbeere und Guckbax und die Adjektive bleed und hattschaffig. Jedes der ausgewählten Lemmata steht stellvertretend für ein Phänomen im Pennsylvaniadeutschen und unterstreicht die Eigenständigkeit der Sprache. Grumbeere ist ein Beleg für die Stabilität des Pennsylvaniadeutschen und den engen Bezug zum Pfälzischen. Guckbax wiederum zeigt die Vitalität der Sprache. Das Adjektiv bleed dient der Darstellung von semantischem Wandel und hattschaffich zeigt den Einfluss des Englischen auf das Pennsylvaniadeutsche. Keywords: Variationslinguistik, Lexikographie, Pennsylvania German, Dialektologi

    Alemannisch-Schwäbische Zuwanderung und das Aussterben des Rätoromanischen

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    Der Artikel befasst sich mit der Aussagekraft der Toponyme für die Rekonstruktion des Sprachwechsels in der Raetoromania submersa. Einige Gebiete Liechtensteins, des Kantons St. Gallen, Vorarlbergs und Tirols besaßen teils bis zum Beginn der Neuzeit eine rätoromanische Bevölkerung. Dem Sprachwechsel gingen Jahrhunderte der Zweisprachigkeit voraus, die durch die Zuwanderung germanischsprachiger Siedler zustande kam. Unterrätien wurde dabei erst später und auf anderen Wegen germanisiert als bspw. das Schweizer Mittelland. Die Migration ist eng geknüpft an die jeweiligen Herrschaftsverhältnisse, was sich u. a. in den historischen Quellen ablesen lässt. Aber auch die modernen alemannischen Mundarten enthalten noch Hinweise auf das Ursprungsgebiet ihrer Vorfahren. Als weiterer Faktor erscheinen im 13. und 14. Jh. die Walser, die nicht überall gleich gut greifbar sind. Auch wenn sie nur vorübergehend an einem Ort siedelten, hinterließen sie oftmals linguistische Spuren. Keywords: Kontaktlinguistik, Onomastik, Romania submersa, historischer Sprachkontak

    Vergleichende Sprachbiographieforschung: Migrationsbedingte Brüche in unmittelbarer, erinnerter und vererbter Migration

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    Migrationsbedingte „Brüche“, die teilweise indirekt und teilweise direkt geäußert werden, stellen ein häufig wiederkehrendes Thema in der Analyse von Sprachbiographien dar. Der Beitrag verortet zunächst die Untersuchung sprachbiographischer Interviews im Kontext der Migrationslinguistik, sodass die Prozesse des Sprachgebrauchs aus sprecherindividueller Perspektive im Zentrum stehen. Anhand sprachbiographischer Interviewauszüge wird anschließend verdeutlicht, dass sprachbiographische Brüche in der Migration in unterschiedlichen Formen auftreten und dass sie sowohl als unmittelbar erlebte als auch als erinnerte oder von der Elterngeneration vermittelte Ereignisse von sprachbiographischer Bedeutung sind. Analysiert werden Beispiele unterschiedlicher Erhebungen mit jungen Geflüchteten aus Iran, Afghanistan und Syrien sowie Sprecherinnen und Sprechern mit türkischem, bosnischem und irakischem Migrationshintergrund. Durch die Gegenüberstellung von Migrationserfahrungen und den darin enthaltenen sprachbiographischen Brüchen können individuelle und gesellschaftliche Muster deutlich werden, die sich auf den Verlauf von Migration und Inklusion sowie auf Spracherwerb und Spracherhalt auswirken. Keywords: Mehrsprachigkeit, Migration, Flucht, Biographi

    Introduction

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    Das Symposium bot die Gelegenheit eines professionellen Austauschs über das Thema Language and Migration aus unterschiedlichen Perspektiven und aus der Sicht verschiedener sprachwissenschaftlicher Teildisziplinen.The 27th LIPP symposium offered the opportunity for professional exchange on the topic of Language and Migration from different perspectives and points of view of various linguistic disciplines

    „Das“ ostbelgische Deutsch – Zwischen Standard und regionaler Varietät

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    In Belgien, einem territorial mehrsprachigen Staat, ist Deutsch die Erstsprache (L1) von einer Minderheit (ca. 0,7 Prozent der Gesamtbevölkerung) im offiziell deutschsprachigen Gebiet im Osten des Landes. Nicht zuletzt durch die in den letzten Jahren ständig wachsende Autonomie dieses Gebietes (= Ostbelgien) spielen sowohl das Deutsche als Sprache als auch die belgische Nationalität für den größten Teil der Bevölkerung Ostbelgiens eine wichtige, identitätsstiftende Rolle. Zu dieser kulturellen und politischen Entwicklung hat die Anerkennung von drei Sprachgemeinschaften in Belgien beigetragen, die zu einer mehrsprachigen Bildungspolitik in Ostbelgien geführt hat. Diese verfolgt einerseits das Ziel, Deutsch als L1 zu bestärken, andererseits parallel dazu aber auch Französisch als erste Fremdsprache in höchstem Maße zu fördern. Nach der mittlerweile etwa 100 Jahre alten politischen Trennung des Gebietes von Deutschland lässt sich nun durchaus die Frage stellen, inwieweit sich ein besonderes ostbelgisches Deutsch entwickelt hat und welche Einstellungen die Bevölkerung gegenüber jenem hat. Der Ausgangspunkt dieser Frage ist das Zusammenspiel zwischen Sprache und Identität, welche im Falle Ostbelgiens in eine Art Migrationsnetzwerk, bestehend aus den angrenzenden Gebieten Belgiens, Deutschland und Luxemburg, eingebunden sind und von diesem bestimmt werden. Das Ziel dieses Beitrags ist, eine Analyse über jenes Zusammenspiel von Sprache und Identität durchzuführen und der Frage nachzugehen, ob und wie sich ein spezifisches ostbelgisches (Standard-)Deutsch definieren lässt, durch welche sprachlichen Kontakteinflüsse es geprägt ist und wie es von unterschiedlichen Standpunkten aus betrachtet wird. Keywords: Sprachkontakt; Spracheinstellungen; Sprachideologien; Varietätenlinguistik; Ostbelgien; Deutschsprachige Gemeinschaf

    Supply, demand and... what? Why some features are not borrowed.

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    The canonical picture of how creoles emerge through language contact involves the source languages – superstrates, substrates and adstrates – providing the necessary grammatical and lexical input to shape emerging structures (Winford 2009: 22ff.). However, the lack of a certain grammatical feature in an emerging contact language does not automatically lead to its adoption from a source language, even though it might be available (Wurm and Mühlhäusler 1985: 114f.). Tok Pisin, the creole serving as Papua New Guinea’s lingua franca, provides two examples. I argue that there were language–internal and language–external influences impeding the adoption of these grammatical features in the forms present in the source languages. Showing how these impediments differed at various stages and how language–external and language–internal factors either worked in concert or against each other will help illustrate the complex origin of contact languages

    Stylistic Models in Sociolinguistics and Social Philosophy : Keynote Article

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    Das Aufkommen neuer theoretischer Paradigmen in der Geschichte wissenschaftlicher Revolutionen geschieht immer im Einklang mit der Sozialphilosophie ihrer Zeit. Historische Perioden und Denkrichtungen können nicht als diskrete Einheiten behandelt werden, da sie auf die direkt vorausgehende Phase aufbauen, aus der sie hervorgehen und gegen die sie normalerweise reagieren. Stilistische Modelle in der Soziolinguistik sind sich der Sozialphilosophie ihrer Zeit nicht unbewusst. Während sich alle einig sind, dass intra-speaker Variation ein Phänomen ist, welches von extralinguistischen Faktoren bedingt wird, wurden die Ressourcen und Mechanismen, die ihr Auftreten in Sprachproduktion und effektive soziale Bedeutung widerspiegeln mit verschiedenen linguistischen Konstrukten und Theorien assoziiert, die versuchen ihr Wesen und ihre Funktion zu erklären. Das Ziel dieses Papers ist es, die hauptsächlichen unterschiedlichen theoretischen Modelle zu erkunden und zu illustrieren, die entwickelt wurden um die Art, Motivationen und Mechanismen für die Nutzung und den Effekt von style-shifting in sozialer Interaktion zu erklären: Audio-monitoring, Audience Design, Script Design, Register Model und Speaker Design.  Keywords: Soziolinguistik, style-shifting, intra-speaker und inter-speaker Variation, reaktive/proaktive Sprecher*innen Dieser Artikel ist auf Englisch verfasst. The emergence of new theoretical paradigms along the history of scientific revolutions always occurs in tune with the social philosophy of their time. Historical periods or schools of thought cannot be treated as discrete entities, since they are built upon the immediately preceding stage from which they start and which they normally react against. Stylistic models in Sociolinguistics have not been unaware of the social philosophy of their time. While everybody would agree that intra-speaker variation is a phenomenon conditioned by extralinguistic factors, the resources and mechanisms for reflecting its presence in language production and effective social meaning have been associated with different linguistic constructs and theories trying to account for its nature and functioning. The aim of this paper is to explore and illustrate the main different theoretical models developed to account for the nature, motivations and mechanisms for the use and effect of style-shifting in social interaction: Audio-monitoring, Audience Design, Script Design, Register Model and Speaker Design. Keywords: sociolinguistics, style-shifting, intra-speaker and inter-speaker variation, reactive/proactive speaker

    Diminutives in Southern Hemisphere Englishes

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    Dieser Artikel befasst sich mit den Unterschieden in der Diminutive-Formation und -Nutzung in den australischen (AusE), neuseeländischen (NZE), und südafrikanischen (SAE) Varietäten des Englischen (Südhemisphären Englische; Engl. ‘Southern Hemisphere Englishes’, SHEs). Diminutive auf -ie, welche für alle drei Varietäten charakteristisch sind, wurden analysiert. Die Studie zeigt, dass südafrikanisches Englisch einige Diminutive beinhalten, die vom Afrikaans entlehnt wurden und unterscheidet sich damit von den australischen und neuseeländischen Varietäten, in denen fast alle Diminutive auf Basis englischer Lexeme geformt werden. Andere Unterschiede in der Komposition der Diminutive in jeder SHE-Varietät reflektiert die kennzeichnenden Merkmale der lokalen Flora und Fauna, sowie Phänomene, die charakteristisch sind für die jeweilige soziale Umgebung. Dieser Artikel ist auf Englisch verfasst. This article deals with the differences in diminutive formation and usage in Australian (AusE), New Zealand (NZE), and South African (SAE) Englishes (Southern Hemisphere Englishes; SHEs). Diminutives in -ie characteristic for all three varieties have been analyzed. The study shows that South African English contains a lot of diminutives borrowed from Afrikaans and is therefore different from Australian and New Zealand varieties where almost all diminutives are formed from English bases. Other differences in the composition of diminutives in each SHEs variety reflect the distinguishing features of local flora and fauna, as well as phenomena characteristic of the local social environment

    Clausal Verb Complementation in Varieties of English

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    Dieser Artikel betrachtet die finite/nicht-finite-Komplementierungsalternation mit expect (dt. ‘erwarten’) und suggest (dt. ‘vorschlagen’) aus einer diachronen und synchronen Perspektive. Er untersucht, ob die diachrone Verschiebung von finiter zu nicht-finiter Komplementierung im britischen Englisch durch die distributionellen Unterschiede in finiten vs. nicht-finiten Komplementierungsmustern in den World Englishes in unterschiedlichen Phasen des Schneider’schen Dynamic Model (2007) wiederspiegelt wird. Er erforscht ebenso die Faktoren, die die Komplementierungsalternation in diesen Varietäten bestimmen. Daten wurden aus den CLMET, BNC und GloWbE Korpora extrahiert. Auf methodologischer Ebene werden Frequenzanalysen, random-forest-Analysen, logistische Regressionsanalysen und konditionelle-Interferenz-trees eingesetzt. Die Analysen zeigen, dass expect zum größten Teil die Hypothesen bestätigt, während suggest unerwartete Tendenzen zeigt. Dieser Artikel ist auf Englisch verfasst. This article looks at the finite/non-finite complementation alternation with expect and suggest (in its suasive meaning) from a diachronic and a synchronic perspective. It investigates whether the diachronic shift from finite to non-finite complementation in British English is reflected by distributional differences in finite vs. non-finite complementation patterns in World Englishes positioned at different stages in Schneider’s Dynamic Model (2007). It also examines the factors that determine the complementation alternation in these varieties. Data have been extracted from the CLMET, BNC and GloWbE corpora. Methodologically, frequency analyses, random forest analyses, logistic regression analyses and conditional inference trees are employed. The analyses show that expect largely corroborates the hypotheses, whereas suggest shows unexpected tendencies

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