Herausforderung Lehrer_innenbildung – Zeitschrift zur Konzeption, Gestaltung und Diskussion (HLZ - Universität Bielefeld)
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Promoting Self-Reflection and Further Development Orientation through Reflection-Oriented Workshops in Teacher Education
In der Professionalisierung von Lehrkräften ist die Selbstreflexion eine wesentliche Voraussetzung, da sie zentral für die Weiterentwicklung der eigenen Kompetenzen ist. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, bereits in der ersten Phase der Lehrkräftebildung die Selbstreflexion und die Weiterentwicklungsorientierung zu fördern. Hierzu sind auf Grund des sozialen Settings gezielte reflexionsorientierte Workshops chancenreich. Um die Effekte von reflexionsorientierten Workshops und dabei den Zusammenhang zwischen der Selbstreflexion und der Weiterentwicklungsorientierung zu überprüfen, wurden anhand einer Stichprobe von N = 646 Lehramtsstudierenden die Entwicklung der Selbstreflexion und Weiterentwicklungsorientierung beim Besuch von Workshops zu überfachlichen Kompetenzen untersucht. Die Datenerhebung erfolgte vor, direkt nach und erneut vier bis sechs Wochen nach den reflexionsorientierten Workshops mittels eines Fragebogens. Durch Varianzanalysen können in Bezug auf die Selbstreflexion direkt nach den Workshops signifikante Effekte sowie eine konstante Ausprägung vier bis sechs Wochen später nachgewiesen werden. Weiterhin konnte ein signifikanter Anstieg bei der Weiterentwicklungsorientierung über die drei Messzeitpunkte verzeichnet werden. Ebenso zeigte sich ein positiver Effekt der Selbstreflexion auf den Anstieg der Weiterentwicklungsorientierung.In the context of teacher professionalization, self-reflection is an essential requirement because it is central to the further development of one’s own competences. This connection underlines the need to promote self-reflection and further development orientation already in the first phase of teacher education. For this purpose, targeted reflection-oriented workshops seem to be promising, especially due to the social nature of this method. In order to investigate the effects of reflection-oriented workshops and the connection between self-reflection and development orientation, both constructs were examined using a sample of N = 646 student teachers attending workshops on generic competences. Data was collected before, immediately after and four to six weeks after the reflection-oriented work-shops by questionnaire. Variance analyses show significant effects on self-reflection immediately after the workshops, as well as a constant expression four to six weeks later. In addition, a significant increase in further development orientation can be found across the three measuring points. Furthermore, there has been a positive effect of self-reflection on the increase in development orientation
Problem Solving in the Mathematics Classrooms: An Online Professional Development Course with Options for Individual Utilization
Trotz vielfältiger Bemühungen, Problemlösen als prozessbezogene Kompetenz nachhaltig in den Mathematikunterricht zu integrieren, sind problemlösende Elemente im deutschen Mathematikunterricht nach wie vor unterrepräsentiert. Eine Möglichkeit, dem entgegenzuwirken, stellen Fortbildungsangebote für Mathematiklehrkräfte dar. Wie ein solches Fortbildungsangebot zum Problemlösen in Zeiten der Digitalisierung gestaltet werden kann, wird im folgenden Beitrag dargestellt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Gestaltung eines digitalen Angebots, das von den Teilnehmenden flexibel und adaptiv genutzt werden kann. Basierend auf Rückmeldungen von 166 Lehrkräften aus drei Durchführungen der Online-Fortbildung konnten das Angebot optimiert und Implikationen für zukünftige Konzeptionen vergleichbarer Fortbildungsangebote (Online-Fortbildung mit synchronen und asynchronen Elementen) herausgearbeitet werden.Despite many efforts to integrate problem solving as a process-related skill in mathematics classrooms, problem-solving elements are still underrepresented in German mathematics classrooms. One way to counteract this is to offer professional development (PD) courses for mathematics teachers. The following article describes how such PD courses offers for problem solving can be designed in times of digitalization. A special focus is on the design of a digital course offered that can be used flexibly and adaptively by the participants. Based on feedback from teachers who participated in three rounds of the online teacher professional development (oTPD) course, implications for future conceptions of similar oTPD courses offered could be worked out
The Perspective of Different Stakeholder-Groups Involved in Teacher Training upon the Professionalism of Teachers
Fragen zur Gestaltung der Lehrkräftebildung werden seit jeher aus unterschiedlicher Perspektive diskutiert. Die Schwerpunktset-zungen dieser Diskussion unterscheiden sich je nach Institutionen und Akteur*innen, die an der Lehrkräftebildung beteiligt sind. Es ergibt sich ein Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis, das zuletzt nicht nur im Rahmen der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ intensiv beforscht wurde. Da unterschiedliche Ansätze und Sichtweisen auf die Professionalität und Professionalisierung von Lehrkräften orchestriert werden müssen, um eine aufeinander abgestimmte (Aus-)Bildung gestalten zu können, ist es notwendig, diese Sichtweisen zu kennen und Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten zu identifizieren. In der hier beschriebenen Studie wurden 19 Interviews mit Dozierenden aus den am Praxissemester beteiligten Institutionen geführt. Eine qualitative Inhaltsanalyse in ein deduktiv erstelltes Kategoriensystem, das die theoretischen Ansätze der Lehrkräftebildung (Kompetenzansatz, Strukturtheoretischer Ansatz, (Berufs-)Biografischer Ansatz, Persönlichkeitsansatz) abbildet, ergab Hinweise auf die jeweiligen Verständnisse von Professionalität und Professionalisierung. Neben unterschiedlichen Sichtweisen der Akteur*innengruppen zeigt eine Typisierung, dass sich die Perspektiven der Mentor*innen an den Schulen sowohl untereinander als auch im Vergleich mit den anderen Akteur*innen sehr unterscheiden. Das kann zur Folge haben, dass diese Akteur*innen unterschiedliche Schwerpunkte in der Begleitung setzen und damit eine Wahrnehmung der Inkohärenz bei den Studierenden begünstigen. Ein Qualifizierungsprogramm für alle begleitenden Akteur*innen könnte ein kohärenzstiftendes Forum des Austauschs bieten. Auf Grundlage der identifizierten Querschnittsthemen Reflexion, Praxiserfahrung und Verzahnung von Theorie und Praxis kann ein solches Qualifizierungsprogramm nach dem Ansatz der Core Practices konzipiert werden.Questions regarding the design of teacher training have always been discussed from different perspectives. This discussion’s focus differs depending on the institutions and stakeholders involved in teacher training. This causes tensions between theory and practice, which is a topic that has recently been the subject of intensive research, not only within the “Qualitätsoffensive Lehrerbildung”. Since different approaches and perspectives on professionalism and professionalization of teachers need to be orchestrated in order to design coordinated (initial) teacher training, it is necessary to know these perspectives and to identify differences and similarities. In the study described here, 19 interviews were conducted with instructors from the institutions involved in the practical semester. A qualitative content analysis in a deductively created category system, which depicts the theoretical approaches of teacher training (competence approach, structural theoretical approach, (professional) biographical approach, personality approach), revealed indications of the respective understandings of professionalism and professionalization. In addition to the different perspectives of the stakeholder groups, a typification shows that the perspectives of the mentors at the schools differ greatly both among themselves and in comparison to the other stakeholders. This can result in these actors setting different priorities in their mentoring and thus creating an awareness of incoherence among the students. A qualification program for all the involved instructors could provide a coherence-creating forum for exchange. Based on the identified common themes such as reflection, practical experience and the interlinking of theory and practice, such a qualification program can be designed according to the core practices approach
Language Promoting Subject Teaching in actu: Language Promoting Subject Teaching in Actu
In dem Beitrag wird eine handlungsorientierte Lerngelegenheit für Lehramtsstudierende der Universität Hamburg vorgestellt. Bei der Lerngelegenheit handelt es sich um eine digitale synchrone Abschlusssitzung des Seminars „Sprachbildender Unterricht in actu – Unterrichtinteraktion und Sprachdiagnostik“, das erstmals im Wintersemester 2021/22 durchgeführt wurde. Teilnehmende waren gut 170 Lehramtsstudierende des 3. Semesters der Lehramtsmasterstudiengänge für allgemeinbildende Schulen. In der Lerngelegenheit werden die im Seminar vermittelten Inhalte aus den beiden Schwerpunkten Unterrichtsinteraktion und Sprachdiagnostik zusammengeführt und angewendet. In der Sitzung reflektieren die Studierenden systematisch einen Ausschnitt aus einem videografierten und transkribierten Unterrichtsgespräch in einer Regelklasse. Die Studierenden stellen dabei Bezüge zu den Seminarinhalten her und erproben an der Videosequenz einen diagnostischen Blick, sowohl in Bezug auf das Handeln der Lehrkraft als auch pointiert auf die Äußerungen der Schüler*innen. Die Lerngelegenheit wird mit Hilfe des DaZKom-Strukturmodells daraufhin untersucht, welche Facetten aufgrund der thematischen Zugänge und hochschuldidaktischen Anlage von den Teilnehmenden besonders in den Blick genommen und vernetzt werden. Bezogen auf das DaZKom-Strukturmodell wird in der Lerngelegenheit vor allem die Dimension „Didaktik“ akzentuiert, und zwar mit der Facette „Mikro-Scaffolding“ in den beiden Subdimension „Diagnose“ und „Förderung“.This paper presents an action-oriented learning opportunity for pre-service teachers at Hamburg University. The learning opportunity is the final session of the course “Sprachbildender Unterricht in actu – Unterrichtsinteraktion und Sprachdiagnostik”, which we conducted digitally and synchronously for the first time in the winter term 2021/22. Around 170 third semester pre-service teachers of the Master’s teacher education program participated. With the learning opportunity we intended to integrate the two focal areas of the whole course: classroom interaction and language diagnostics. In the session, the pre-service teachers systematically reflect on an excerpt from a videotaped and transcribed classroom conversation in a mainstream classroom. In doing so, they make references to the seminar content and apply the video sequence to develop a diagnostic perspective, both in relation to the teacher’s actions and focused on the students’ expressions. By employing the DaZKom structure model, we examine the learning opportunity in order to see which facets are particularly taken into account and are integrated by the participants due to our thematic approaches and higher education didactics. With reference to the DaZKom structure model, the learning opportunity primarily accentuates / highlights the dimension “didactics”, namely with the facet “micro-scaffolding” in the two sub-dimensions “diagnosis” and “support”
Developing Competencies in German as Second Language via Reflection of Everyday Myths about Multilingualism and Second Language Acquisition
Der Beitrag befasst sich mit mehrsprachigkeitsbezogenen Vorannahmen und Alltagsmythen und ist den Facetten „Zweitspracherwerb“, „Sprachliche Vielfalt“ und „Umgang mit Heterogenität“ des DaZKom-Strukturmodells zuzuordnen. Es wird eine Lerngelegenheit für zwei Seminarsitzungen vorgestellt, die zur Auseinandersetzung mit den Vorstellungen zur Mehrsprachigkeit und zum Zweitspracherwerb anregt, welche Studierende zu Beginn ihres Studium mitbringen. Ausgehend von dem eigenen mehrsprachigen Selbstverständnis wird über die von der Autorin entwickelte Methode des „Sprachen-Kopf-Portraits“ ein Reflexionsanlass geschaffen, der den Studierenden ihre eigene Mehrsprachigkeit bewusst machen soll. Die darauffolgende Beschäftigung mit Alltagsmythen sensibilisiert hinsichtlich Fragen, die sich in der Arbeit mit Schüler*innen, die Deutsch als Zweitsprache erwerben, stellen können. Die Aufgabe hat eine wertschätzende und kompetenzorientierte Sicht auf Mehrsprachigkeit zum Ziel. The paper deals with multilingualism-related assumptions and everyday myths and is classified under the aspects of second language acquisition, linguistic diversity and handling heterogeneity of the GSL structural model. A learning opportunity for two seminar sessions is presented, which encourages the discussion of the ideas about multilingualism and second language acquisition that students bring along at the beginning of their studies. Starting from their own multilingual self-concept, the method of the “language-head-portrait” developed by the author creates an occasion for reflection, which should make the students aware of their own multilingualism. The following examination of common myths raises awareness of questions that may arise when working with students who acquire German as a second language. The task aims to develop an appreciative and competence-oriented view of multilingual competences.
The 9-Field Competence Matrix as an Interdisciplinary Model for Digital Competence: A Theoretical Orientation Framework for a Curricularly Anchored University Module
Durch die zunehmende Digitalisierung in allen Lebensbereichen entstehen auch neue Herausforderungen und Anforderungen, um sowohl Lehrende als auch Lernende insbesondere in Bildungseinrichtungen auf das Leben in der digitalisierten Welt vorzubereiten. Neben der Gestaltung digitaler Lehr-Lernprozesse ist die Vermittlung und Förderung digitaler Fähigkeiten und Fertigkeiten dabei zentral. Für die Verzahnung dieser beiden Aufgaben ist ein theoretischer Rahmen erforderlich, der die professionellen Handlungskompetenzen im Kontext Digitaler Bildung in den Blick nimmt. Eine solche Orientierungsgrundlage bietet die hier vorgestellte 9-Felder-Kompetenzmatrix mit ersten Ergebnissen einer faktoriellen Untersuchung, die die beschriebenen neun Felder der vorliegenden Kompetenzmatrix stützen. Die Matrix dient als phasenübergreifendes Modell für ein curricular verankertes Hochschulmodul zur Förderung digitaler Kompetenzen von Studierenden sowie für die Planung und Gestaltung digitaler Lehr-Lern- prozesse für Dozierende. Der Beitrag schließt mit einem Fazit und Ausblick zum Potenzial der 9-Felder-Kompetenzmatrix, diese auch für andere Bildungsbereiche, wie die zweite Phase der Lehrkräftebildung, zu adaptieren. Increasing digitization in all areas of life is also creating new challenges and requirements, especially for educational institutions and the preparation of both teachers and learners for life in the digitized world. In addition to the design of digital teaching-learning processes, the teaching and promotion of digital skills is central to this. To dovetail these two areas, a theoretical framework is required that focuses on professional skills in the context of digital education. The 9-field competence matrix presented here provides such a basis for orientation with the initial results of a factorial investigation that support the nine fields described in this competence matrix. The matrix serves as a cross-phase model for a curricular anchored university module for the promotion of digital competences of students as well as for the planning and design of digital teaching-learning processes. The article concludes with a conclusion and outlook on the potential of the 9-field com-petence matrix to be adapted to other educational areas, such as the second phase of teacher training.
Teachers in Schools of the Migration Society: Typical Pedagogical Orientations and the Significance of the Teacher’s Own Sense of Recognition
Lehrpersonen sind aufgefordert, bei all ihren Schüler*innen bestmöglich sowohl für Bildungschancen als auch für soziale Zugehörigkeit zu sorgen. In der vorliegenden Studie wird untersucht, woran sie sich dabei orientieren und wovon diese Orientierungen lebens- und berufsgeschichtlich geprägt sind. Die Untersuchung folgt einem qualitativ-hermeneutischen Vorgehen mit einer Datenerhebung mittels biografisch-narrativer Interviews und Datenanalysen nach der Dokumentarischen Methode (Bohnsack, 2011). Das Sample umfasst 38 Primarschul-Lehrpersonen in der deutschsprachigen Schweiz. Die Analysen lassen fünf Typen erkennen, die sich handlungsstrukturtheoretisch (Helsper, 2011) als mehr oder weniger professionalisiert beschreiben lassen. Es zeigt sich darin erstens, dass professionelles pädagogisches Handeln im Migrationskontext – und insbesondere die Fähigkeit zur Dezentralisierung der Perspektiven – wesentlich davon abhängt, ob Lehrpersonen gelernt haben, die verschiedenen Lebenswirklichkeiten jenseits von stereotypisierenden Zuschreibungen wahrzunehmen. Zweitens wird deutlich, dass dabei die Frage der empfundenen Anerkennung eine bedeutsame Rolle spielt, indem das pro-fessionelle pädagogische Handeln maßgeblich eingeschränkt sein kann, wenn die eigene Anerkennung als fragil erlebt wird. Umgekehrt scheint großes Potenzial darin zu liegen, Anerkennungsverhältnisse für Lehrpersonen zu verbessern und gleichzeitig – soweit möglich – versöhnlich damit umzugehen, dass Anerkennung immer nur gebrochen und unvollständig verwirklicht werden kann.Teachers are called upon to provide the best possible educational opportunities as well as social belonging for all their students. This study scrutinizes what teachers orient to in this regard and how these orientations are shaped by the teachers’ life and professional histories. The investigation is based on a qualitative-hermeneutic approach with data collected from biographical-narrative interviews and analyzed according to the documentary method (Bohnsack, 2011). The sample comprises 38 primary school teachers in German-speaking Switzerland. The analyses reveal five idealtypical structures, which can be described in the light of professionalization theory (Helsper, 2011) as more or less professionalized. It becomes clear that, firstly, professionalized teaching in the migration context – and in particular the ability to decentralize perspectives – essentially depends on whether teachers have learned to perceive their students’ realities beyond stereotypes. Secondly, there is evidence that this professionalization largely depends on the question whether teachers feel sufficiently recognized. If they do not, their ability to professionalize is significantly restricted. Conversely, there seems to be great potential if the teachers’ recognition is improved. At the same time, it seems enormously supportive if teachers deal conciliatorily with the fact that recognition can only ever be realized in a broken and incomplete way
Learning assignments in teacher training: Students develop linguistic sensitivity in subject teaching
Die universitäre Lehrer*innenausbildung in Deutsch als Zweitsprache steht in der Verantwortung, Lehrkräfte auf das Unterrichten in sprachlich heterogenen Lerngruppen vorzubereiten. Insbesondere in Erweiterungsfächern, mit denen Studierende ihre grundständigen Fächer ergänzen, spielen Planungskompetenzen im Bereich sprachsensibler Fachunterricht eine bedeutende Rolle, da hier die Aufgaben einer regulären Fachlehrkraft mit der Querschnittsaufgabe sowie Multiplikator*innenrolle im Themenfeld Deutsch als Zweitsprache nachhaltig verknüpft werden können. Im vorliegenden Beitrag wird daher eine Lernaufgabe vorgestellt und diskutiert, die Lehramtsstudierende in die Situation bringt, eine sprachsensible Fachunterrichtsstunde nach dem Scaffolding-Prinzip zu planen, d.h., eine sinnvolle Verzahnung von fachlichen und sprachlichen Lernzielen zu durchdenken, mögliche Herausforderungen in der Durchführung zu antizipieren und unterstützende Maßnahmen zum Ausbau (bildungs-)sprachlicher Kompetenzen in ihre Planung zu integrieren. Die theoretische Folie für die Diskussion stellt das DaZKom-Modell dar, das Lehrkompetenzen im Bereich Deutsch als Zweitsprache in 19 Teilkompetenzen (Facetten) differenziert und dabei eine Kompetenzentwicklung über drei Niveaustufen annimmt. Das Lernziel der vorgestellten Lernaufgabe wird zunächst der Facette Makro-Scaffolding zugeordnet und zu anderen Facetten ins Verhältnis gesetzt. Anschließend werden drei studentische Unterrichtsentwürfe mit unterschiedlichen Herangehensweisen exemplarisch vorgestellt und hinsichtlich ihres Lernpotenzials in heterogenen Studierendengruppen diskutiert. It is the responsibility of teacher training to prepare (prospective) teachers for linguistically diverse classrooms. Especially for students with “regular” school subjects and additional education in German as a Second Language, it is considered to be of special importance to develop linguistic sensitivity in subject teaching. In this article, a learning assignment is presented that tasks students to plan a linguistically responsive subject lesson using the Scaffolding concept, i.e., finding a meaningful interconnection of language and subject-related learning targets, anticipating challenges during realisation, and integrating supportive methods in promoting (academic) language skills. As a theoretical framework, the DaZKom model is employed, which differentiates teaching competences in German as a Second Language into 19 “facets” and assumes development of competency along three stages. The learning target of the presented assignment is first allocated to the macro-scaffolding facet, in relation to other facets. Looking at three exemplary lessons planned by students, different approaches to add linguistic targets to a subject lesson are illustrated and the
DaZKom at a glance.: The Genesis of the Three DazKom-Projects
Der Beitrag gibt einen Überblick über Entstehungshintergrund und -zusammenhänge, Entwicklung, Evaluierung und Weiterentwicklung des DaZKom-Modells, auf das sich alle weiteren Beiträge dieses Themenheftes beziehen. This article provides an overview of the background and context of the development, evaluation and further development of the DaZKom-model, to which all other articles in this issue refer.
Dealing with Multilingualism in a Resource-Oriented Way: Language and Educational-Biographical Reflections as a Learning Opportunity in the Teacher Education Course German as a Second Language
Die Lerngelegenheit „Sprach- und bildungsbiographische Reflexionen“ wird im Rahmen eines von drei Grundlagenmodulen der DaZ-/DaF-Studiengänge seit dem Sommersemester 2020 an der Universität Augsburg durchgeführt. In der rahmenden Grundlagenveranstaltung (Vorlesung/Seminar mit obligatorischer Übung) wird Mehrsprachigkeit in individueller und gesellschaftlicher Hinsicht als Normalfall aufgefasst. Diese Sichtweise erfordert einen Bruch mit dem monolingualen Habitus (Gogolin & Duarte, 2018), den sowohl Studierende mit der Erstsprache Deutsch als auch migrationsbedingt mehrsprachige Studierende in unterschiedlichem Maße erfahren haben. Damit verbunden ist zudem eine Überwindung des häufig noch immer überwiegend defizitorientierten Blicks auf mehrsprachige Kinder und Jugendliche im Lehramtsstudium. Die Lerngelegenheit hat somit die übergeordnete Funktion, den Umgang mit sprachlicher Heterogenität und eigenen Sprachaneignungserfahrungen vor dem Hintergrund von Normalitätserwartungen kritisch zu betrachten. Mit einem fachwissenschaftlich angeleiteten Blick zurück auf die persönlichen Schul- und Bildungserfahrungen der ein- und mehrsprachigen Lehramtsstudierenden werden die eigenen Vorannahmen sichtbar gemacht. Dabei werden die persönlichen sprachlichen Ressourcen vor allem auch in Bezug auf die zukünftige professionelle Tätigkeit verdeutlicht und reflektiert. Der Beitrag bietet zahlreiche Hinweise zur methodisch-didaktischen Umsetzung der Lerngelegenheit. Hierbei liegt der Fokus auf der dreigliedrigen Aufgabenstellung, die verschiedene Aspekte wie z.B. die Frage nach sprachlichen Ressourcen und Lern-/Lehr-gewohnheiten umfasst. Der Beitrag enthält zudem Auszüge aus studentischen Reflexionen, Anregungen für die Gestaltung des dozent*innenseitigen Feedbacks und Vorschläge für eine weitergehende inhaltliche Beschäftigung. Abschließend wird die Lerngelegenheit hinsichtlich ihrer möglichen Verortung im DaZ-Strukturmodell (vgl. Ohm, 2018, S. 80f.), insbesondere innerhalb der Facetten Umgang mit Heterogenität, Sprachliche Vielfalt in der Schule und Gesteuerter vs. Ungesteuerter Spracherwerb diskutiert. The learning opportunity “Language and Educational-Biographical Reflections” has been conducted as part of one of three modules of the German as a Second Language/German as a Foreign Language (DaZ/DaF) degree programs since summer term 2020 at the University of Augsburg. In the framing course (lecture/seminar with compulsory exercise), multilingualism is conceived as a normal case in individual and social terms. This view requires a break with the monolingual habitus, which students with German as their first language and migrant multilingual students have experienced to varying degrees. This entails overcoming the still predominantly deficit-oriented view of multilingual children and adolescents in teacher education programs. The learning opportunity thus has the overriding function of critically examining the handling of linguistic heterogeneity and one’s own language acquisition experiences against the background of expectations of normality. With a scientifically guided look back at the individual school and educational experiences of monolingual and multilingual student teachers, their own presuppositions are made visible. Individual linguistic resources are clarified and reflected, especially with regard to future professional activities. The article offers hints for the methodical-didactical implementation of the learning opportunity. The focus is on the three-part task, which includes aspects such as linguistic resources and learning/teaching habits. The article contains excerpts from student reflections, suggestions for lecturer feedback, and proposals for further content-related work. Finally, the learning opportunity is discussed regarding its possible location in the DaZ structural model, especially within the facets of dealing with heterogeneity, linguistic diversity in school, and controlled vs. uncontrolled language acquisition