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Education as a Self-Conscious Process: From the Necessity of a Critical Attitude Towards Generative AI
In diesem Artikel wird die These entfaltet, dass Bildung nicht nur als Habitustransformation verstanden werden kann. Gerade im Kontext der Entwicklung generativer Künstlicher Intelligenz (KI) zeigt sich, dass Bildung als reflexiver Prozess über reine Wissensvermittlung hinaus eine kritische, selbstbewusste Haltung fordert und fördert. Eine solche Haltung ist gegenüber den Herausforderungen durch generative KI notwendig, da diese durch ihren Einfluss auf den Bildungssektor die Art und Weise verändern kann, wie Wissen, aber auch Verstehen, vermittelt und betrachtet wird. Sowohl der Bildungsbegriff als auch der Bildungsprozess müssen von technizistischen Implikationen freigehalten werden, um Bildung nicht als Ausbildung misszuverstehen. Bildung insgesamt wird als ein Prozess beschrieben, der nicht nur explizites und implizites Wissen umfasst, sondern ebenso moralische Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit als auch die Fähigkeit zur kritischen Reflexion. Es wird für eine Bildungspraxis plädiert, die diese Komplexität der Bildungsprozesse anerkennt und sich nicht auf den Umgang mit technologischen Werkzeugen reduziert. Dafür wird eine kritische Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen generativer KI gefordert, ebenso wie die Bedeutung dessen, was Aristoteles ‚phronesis‘, also praktische Weisheit, nennt. Diese Meta-Tugend zeigt sich in einem selbstbewussten Umgang mit (neuen) Technologien – gerade vor dem Hintergrund ihrer gesellschaftlichen Implikationen.The article aims to demonstrate that education is not merely training but must be understood as an emancipatory process based on individual phronesis or judgment, self-determination, moral integrity, and social responsibility. The current developments and challenges of generative AI systems particularly illustrate that we must understand education in this way: When a text can be generated within seconds without knowledge of the content upon request via prompt, it demands reflective and reciprocal considerations or even practical changes in our educational practice—not merely as a reaction to a new tool available to us. The hope is, therefore, that generative AI compels our educational practices toward self-criticism, self-reflection, and rethinking, as certain principles of current educational practice are coming to an end or at least need to be questioned: Education can no longer focus solely on the assessment or consideration of the result or output. At the same time, generative AI systems, due to their hallucinations, biases, and discriminations, force us into a media-critical approach based on a (self-)critical individual attitude. This can only manifest as a well-founded opinion or conviction of the whole person
CALL: Video & Filmtage 2025 Filmfestival des jungen Kurzfilms 02. bis 05. Oktober 2025: Einreichfrist: 22. August 2025
Auch heuer finden die Video & Filmtage statt. Das Festival des jungen Kurzfilms richtet sich an Filmemacher:innen bis 22 Jahre. Das Medienzentrum als Veranstalter bietet im Vorfeld Beratung und Workshops, sowie Studio- und Schnittplätze als auch Equipmentverleih an, um Filmprojekte bestmöglich zu verwirklichen. Einreichfrist ist der 22. August 2025.The Video & Film Days are taking place again this year. The young short film festival is aimed at filmmakers up to the age of 22. As an organizer, the media center offers advice and workshops in advance, as well as studio and editing rooms as well as equipment rental in order to realize film projects in the best possible way. The deadline for submission is August 22, 2025
Julia Leyda: Anthroposcreens Mediating the Climate Unconscious.: Cambridge: Cambridge University Press 2023. ISBN: 9781009317702. 75 Seiten, 19,84 €.
Wer sich vor Augen führt, dass Europas größter Ölproduzent Norwegen seine Industrie bis jetzt weder in Filmen noch in Serien behandelt hat, kommt, wie Julia Leyda, nicht umhin, zu fragen: "Where was their Dallas[?]" (S. 1). Diese Frage entwickelt sie aus ihrer eigenen Situierung heraus, denn seit 2016 lehrt sie an der Norwegian University of Science and Technology in Trondheim als Professorin für Filmwissenschaft. Neben der Verwunderung darüber, dass es in Norwegen kaum Filme oder Serien über die Ölindustrie gibt, leitet sich die zweite Frage aus ihrer persönlichen Frustration ab, jedes Semester sehen zu müssen, wie Dennis Quaid in The Day After Tomorrow (2004) seinen Sohn rettet: "Surely, White Americans cannot be the only people in the United States affected by climate crisis[.]" (S. 1) Damit ist auch schon das Untersuchungsfeld umrissen, das sich aus "contemporary Black American and Norwegian films and television series" (S. 1) zusammensetzt und damit einen erfrischenden Blickwechsel für die Forschungen zur cli-fi (climate fiction vgl. Svoboda 2016, Leikam/Leyda 2017) ermöglicht.
Nun hat Leyda nach einer Reihe an Aufsätzen zur cli-fi mit Anthroposcreens. Mediating the Climate Unconscious eine eigenständige, wenn auch knappe Monografie zu diesem Thema vorgelegt. Die Kürze ist dabei weniger dem Inhaltlichen als der Form der Buchserie Environmental Humanities geschuldet (höchstens 75 Seiten). Wie Leyda auch zu Beginn des Buches zugibt: "I have more to say on this than can fit into this short form […]", um zugleich hinzuzufügen: "[…] and there will be more to come." (S. 3) Und dennoch gibt es bereits in diesem Bändchen eine Fülle an Analysen verschiedener screen texts, die sich den Fragen widmen, wie Schwarze Filme und Fernsehserien die Klimakatastrophe adressieren und wie norwegische Serien die An- und Abwesenheiten von Öl und Race verhandeln (vgl. S. 1).
In den folgenden drei Kapiteln werden sodann rezente Filme und Serien in den Blick genommen, die auf ihr climate unconscious (vgl. S. 4) hin befragt werden. Das klimatisch Unbewusste beschreibt dabei jene "structures of feeling that characterize current film and television’s particular ways of processing environmental thinking" (S. 4) beziehungsweise "the ways environmental issues find expression aesthetically and affectively in clusters of media texts." (Ebd.) Diese Darstellungen müssen nicht unmittelbar auf die Klimakatastrophe bezogen sein, sondern können auch in Einzelheiten aufscheinen, wie zum Beispiel im Schweiß auf den Gesichtern der Darsteller*innen in The Walking Dead (2010-2022), die in der "post-air conditioning era" der starken Hitze der amerikanischen Südstaaten ausgesetzt sind, wie Leyda mit Verweis auf einen ihrer eigenen Aufsätze schreibt (vgl. Leyda 2021).
Über das klimatische Unbewusste hinaus schließt Leyda noch an den Begriff des Anthropozäns an, das als Konzept die Implikation der Klimakatastrophe stärker expliziert. Denn jegliche \u27natürliche\u27 Prozesse wie Erdbeben können jetzt – in diesem Zeitalter des \u27Menschen\u27 – als teilweise anthropogen beschrieben werden. Auch wenn das Konzept des Anthropozäns sowohl hier als auch im Titel prominent vorkommt, behält Leyda einen kritischen Abstand zu jenem unmarkierten Begriff des Menschen, gerade indem sie Diskurse um Race, sei es american Blackness oder norwegian Whiteness, aufgreift und problematisiert.
Im zweiten Abschnitt stellt Leyda zwei Black screen productions einander gegenüber: Die Serie Queen Sugar (2016-2022), die von den drei Geschwistern der Borderlon-Familie handelt, die eine Zuckerrohrplantage von ihrem verstorbenen Vater erben, sowie dem Superheldenfilm Black Panther (2018). Für ihre Analyse von Queen Sugar greift sie den äußerst fruchtbaren Begriff des banalen Anthropozäns auf, um zu beschreiben, dass auch die alltäglichen, ländlichen und (vermeintlich) friedlichen Umgebungen, wie die Zuckerrohrfelder in Queen Sugar, Teil des Anthropozäns und damit das Resultat von Kolonialismus, Extraktivismus und globaler Expansion sind. Der Begriff stammt von der Anthropologin Heather Anne Swanson, die damit den Anblick der Kornfelder in Iowa und die damit verbundene Unsichtbarkeit der vergangen und andauernde Gewalt, die diese Landschaften hervorgebracht haben, beschreibt (vgl. Swanson 2017). Auch wenn die ruinierten Landschaften in Iowa noch beinahe unschuldig anmuten können, so erscheinen die Felder der Black-owned farm als ständige Erinnerung "of how his [Ralph Angel Bordelon T.Z.] ancestors performed similar labor, albeit without farm machinery or the mantle of freedom, much less proprietorship." (S. 17) Dabei scheint sich Leydas Strategie des "reading the climate unconscious" (S. 4) weniger auf die oberflächige Handlung als vielmehr auf das "affective and aesthetic world-making" (S. 19) der Filme und Serien zu beziehen, das im "hum of the air conditioning and the traces of sweat" (S. 18) zu finden ist und Louisiana als "inhospitable climate both literally and figuratively" (S. 18) zeigt, was von Leyda fruchtbar mit Christina Sharpes Überlegungen zum "climate of anti-Blackness" (Sharpe 2016, S. 111) in Verbindung gebracht wird (S.19).
Auch ihre Analyse von Black Panther konzentriert sich mehr auf die Utopie (dt. den Nichtort, das Nirgendland), die das versteckte high tech und afrofuturistische Land Wakanda darstellt. Dabei betont sie, dass Wakanda eine andere Beziehung zu seinem wertvollen Rohstoff Vibranium hat, als es im extraktivistischen Kapitalismus der Fall ist. Denn es kann erstens diesen selber verwerten, ohne Opfer westlicher Kolonisation zu werden (vgl. S. 24f) und zweitens diesen nicht nur materiell (Waffen, Rüstungen, Transport, Energiequelle und Medizin) sondern auch spirituell in "providing access to the ancestors and consecrating their leaders as Black Panthers" (S. 24) nutzen. Dennoch wäre es spannend gewesen, wenn Leyda dieses "affective scenario" (S. 21) noch auf die Handlung des Films bezogen hätte, da es dort genau um die Frage geht, wie mit dieser Utopie umgegangen werden soll und ob die Technologien Wakandas mit anderen geteilt werden sollen.
Im dritten Kapitel untersucht Leyda zwei neuere cli-fi Produktionen, die sich von älteren Konventionen der "White cis-men [who] occupy lead roles as heroic fathers" abgrenzen: Den amerikanischen Film Fast Color (2018) und die norwegische Serie Ragnarok (2020-2023). In beiden Werken spielen Kinder von alleinerziehenden Müttern die Hauptrolle, die mit ihren fantastischen Fähigkeiten das Wetter willentlich verändern können. Fast Color zeigt für Leyda die "[…] racialized and gendered revision of cli-fi clichés, thematizing and portraying that which often goes unseen or unrepresented in contemporary speculative fiction: a young Black woman embodying environmentalist agency." (S. 36) Dabei stellt der Film sowohl das (Über)Leben in "anti-Black atmospheres" (S. 39) als auch die Schäden der Klimakatastrophe in der Form einer andauernden Dürre im "arid scrubland of what is currently the southwestern United States" (S. 37) dar.
Die norwegische Serie Ragnrarok erzählt eine ähnliche Geschichte: "[T]urbulent personal emotions catalyze the young person’s weather-controlling powers, which they employ in defense of the collective good." (S. 41) Dabei adaptiert Ragnarok Teile der nordischen Mythologie, um den Kampf zwischen den Asen und Jötunn zu zeigen, hier in Form der reichen Jutul Familie gegen eine Reihe von Schulkindern, die jeweils die Reinkarnationen verschiedener nordischer Götter sind. Das climate unconscious liegt hier laut Leyda in den Verwicklungen von norwegian Whiteness, der nordischen Mythologie sowie der norwegischen Natur, die zusammenlaufen im Kampf der Hauptfigur "against [the] ecocrime" (S. 46) der Jutul Familie. Dabei setzt die Serie die nordische Mythologie ein als "a national \u27eco-exceptionalism\u27 ([Mrozewicz] 2020:85) that both exposes and represses environmental crimes and mobilizes the teenaged avatar of Thor to save Norwegian nature." (S. 45) Dabei ist lobend hervorzuheben, dass die Serie (wie auch die zwei Serien in Kapitel 4) in Hinblick sowohl auf climate als auch Whiteness untersucht werden, was nicht selbstverständlich ist. Denn wie Leyda selbst zu Beginn des Buches schreibt: "[S]creen Whiteness is often not racialized enough, particularly outside Anglophone contexts." (S. 9)
Im vierten Kapitel behandelt Leyda zwei Serien, State of Happiness (2018-2024) und Occupied (2015-2019), die eine bis dahin narrative Leerstelle im norwegischen Film- und Serienschaffen füllen: Öl. Mit Verweis auf Kari Norgaard spricht Leyda von "\u27normalizing narratives\u27 that help Norwegians maintain a positive national identity (Norgaard 2011:11)." (S. 52) Das affective reading konzentriert sich dabei auf petroguilt, obwohl beide Serien mit sehr unterschiedlichen Affektregistern arbeiten: "[A]n ambience of cozy familiarity and nostalgia suffuses State’s national mythmaking around the origin story of Norway’s oil encounter, while a prevailing sense of dread and suspense drives Occupied’s near-future, far-fetched parable about a Russian occupation of Norway’s oil industry. However, reading them together for the operation of the climate unconscious reveals the same affective engine powering both series: petroguilt and its intimate imbrications in Norwegian pasts." Während State of Happiness einen Mythos um die (Weiße) norwegische Nationalidentität kreiert, der mit einer Generationsunschuld der 1960er (S. 59) daher kommt, zeigt Occupied das tatsächliche und wachsende Gefühl einer Angst vor der Zukunft, in der die Klimakatastrophe jegliche Teile des Alltagslebens bedroht und in der Norwegens gewinnbringende Ölindustrie durch die Umstellung auf fossilfreie Energiegewinnung gefährdet wird (vgl. S. 62). Dabei liest Leyda die Hauptfigur Bente Norum aus Occupied allegorisch als Verkörperung der petroguilt. In ihrem apolitischen Egoismus lässt Bente sich mit den russischen Besetzern ein, die laut Leyda eine Allegorie auf das Öl sein sollen, und setzt ihr eigenes "well-being over any noble devotion to the environment, or the nation and its sovereignty." (S. 64)
Die Stärke von Leydas Analysen und Deutungen liegt darin, die unterschwelligen Stimmungen und Gefühle der Werke herauszuarbeiten und diese im Rahmen der Klimakatastrophe und Fragen von Blackness und Whiteness zu betrachten. Dabei ist vor allem die Auswahl der Beispiele anregend, da es sich um Werke handelt, die bislang kaum besprochen wurden. Dennoch wünscht man sich – vor allem bei den Serieninterpretationen –, dass diese ausführlicher ausfallen und noch mehr auf die Entfaltung der Geschichte und Affektverläufe eingehen würden. Dementsprechend wünschenswert bleibt die von Leyda in Aussicht gestellte Fortführung dieser Gedanken, sodass ein womöglich umfangreicheres Buch zu diesem Thema, seinen Gegenständen den verdienten Raum schenken kann.
Literatur:
Leikam, Susanne/Leyda, Julia: "Cli-fi in American studies: A research bibliography". American Studies Journal 62, 2017. www.asjournal.org/62-2017/cli-fi-american-studies-research-bibliography/ (abgerufen am: 29.04.2025).
Leyda, Julia: "Post-air-conditioning futures and the climate unconscious". In: Screen 62/1, 2021, S. 100–106. https://doi.org/10.1093/screen/hjab009.
Mrozewicz, Anna Estera: "The landscapes of eco-noir: Reimagining Norwegian eco-exceptionalism in Occupied". In: Nordicom Review 41/Special Issue 1, September 2020, S. 85-105. https://doi.org/10.2478/nor-2020-0018.
Norgaard, Kari Marie: Living in Denial: Climate Change, Emotions, and Everyday Life. Cambridge, MA: MIT Press 2011. https://doi.org/10.7551/mitpress/9780262015448.001.0001.
Sharpe, Christina: In the Wake: On Blackness and Being. Durham, NC: Duke University Press 2016. https://doi.org/10.1215/9780822373452.
Svoboda, Michael: "Cli-fi on the screen(s): patterns in the representations of climate change in fictional films". In: WIREs Climate Change 7/1, Dezember 2015, S. 43-64. https://doi.org/10.1002/wcc.381.
Swanson, Heather Anne: "The banality of the Anthropocene." In: Society for Cultural Anthropology, February 22 2017. https://culanth.org/fieldsights/the-banality-of-the-anthropocene (abgerufen am: 29.04.2025)
Árpád Kékesi Kun: Ambiguous Topicality. A Philther of State-socialist Hungarian Theater.: Budapest/Paris: L\u27Harmattan Publishing 2021. ISBN: 978-2-343-23031-3. 210 Seiten, 29,19 €.
Die großen Theaternationen schreiben die Theatergeschichte Europas und die kleineren Länder sind dankbar, wenn sie darin vorkommen. Sie können nationale Theatergeschichten kreieren und deren Autorinnen oder Autoren werden geadelt, indem sie zu europäischen Überblicks- oder Sammelwerken etwas beisteuern dürfen. Diese Sachlage ist nicht Gegenstand, aber Ausgangspunkt der Besprechung des Buches von Árpád Kékesi Kun, weil auch in kleineren Ländern Teams zuweilen Methoden entwickeln, die einen größeren Bekanntheitsgrad verdienen. Der Autor beschreibt an Beispielen eine diskutable historiographische Analysemethode für dramatisches Theater, die im Netz ihre Erfüllung findet (https://theatron.hu/ph/en/).
Am Anfang stand die Frage, wie sich Theater in den Jahrzehnten des ungarischen Sozialismus analysieren lässt, in einer Zeit, in der jede noch so kleine Begebenheit eines Dramas dramaturgisch zwei- oder mehrdeutig (ambiguous) eingesetzt oder aber vom Publikum gedeutet werden konnte, immer jedoch auf die Aktualität (topicality) hin befragt wurde. Hinzu kam die ideologisch beeinflusste Deutung der Presse, die wiederum durchschaut werden konnte, was eine Vielfalt von Aktualitäten hervorbrachte. Jedes einfache Narrativ scheitert an der Komplexität solcher Wirklichkeiten. Als Mindestanforderung erweist sich eine doppelte Geschichte, nämlich die offiziell dokumentarisch beglaubigte verbunden mit den Erinnerungen einer zweiten Öffentlichkeit, der Beteiligten und des Publikums.
Kékesi Kuns Monographie erklärt die Forschungsmethode Philther; das ist ein Akronym, gebildet aus den Wörtern Philologie und Theater (S. 7). Wenn in einigen Ländern die Theaterwissenschaft weniger stark institutionalisiert ist, hat das zur Folge, dass theateraffine Sprach- und Literaturwissenschaftlerinnen mit substanziellen theatertheoretischen Kenntnissen theaterwissenschaftliche Aufgaben übernehmen. 2010 riefen Magdolna Jákfalvi, Gabriella Kiss und Árpád Kékesi Kun Philther ins Leben. Man weitete das Forschungsgebiet vom ungarischen Theater auf das ungarischsprachige Schauspiel in Siebenbürgen (Universität der Künste in Târgu Mureş) und in Serbien (Universität Novi Sad) aus. Das Ziel der Forschenden bestand in der Analyse der herausragenden und historisch bedeutsamen Theateraufführungen der Jahrzehnte nach dem II. Weltkrieg und in der Erarbeitung einer Website (https://theatron.hu/ph/en/), auf der sich die Texte des Forschungsprojekts auch in englischer Sprache finden lassen. Jede ausgewählte Aufführung wird zunächst mit den Hauptangaben präsentiert, dann in ihrem theaterhistorischen Kontext beschrieben und nach Dramentext und Dramaturgie beurteilt. Regie und Spielweise, Bühnenbild/Sound sowie ein Abriss der Wirkungsgeschichte bilden weitere Kategorien. Gesucht werden kann nach dem Titel und dem Jahr der Aufführung oder nach der Regie, wobei man jeweils aus dem mit 152 Inszenierungen noch überschaubaren Gesamtangebot auswählt. Diese Forschung ist mikrohistorisch und konzentriert sich auf die einzelnen Aufführungen, geht aber über eine bloße Datenbank weit hinaus, indem sie nicht nur detailliertere Informationen bietet, sondern in und zwischen den Kategorien Zusammenhänge entstehen, ohne dass sich diese zur "großen Erzählung" verfestigen. Bis auf den eher knappen Zeitraum erinnert das Vorgehen ein wenig an eine von Robert L. Erenstein 1996 herausgegebene holländische Theatergeschichte (Een theatergeschiedenis der Nederlanden), die auf 873 Seiten 120 Beschreibungen von einzelnen Aufführungen zwischen 1130 und 1993 enthält. Bei Erenstein wie bei Philther füllen die Leser und Leserinnen die Lücken mit ihrem kulturhistorischen Wissen. Die zahlreichen Autoren und Autorinnen haben sich an mehrere Grundkriterien für die Beschreibung der Aufführungen gehalten. In der radikalen Beschränkung von Philther auf wichtige Dramen in maßgeblichen Inszenierungen wird der Platz für die schriftliche und bildliche Darstellung jeweils einheitlich begrenzt. Die immer gleiche Methodik schafft Vergleichbarkeit und Praktikabilität online im World Wide Web, zumal die Inszenierungen teilweise untereinander verlinkt sind.
Außer der Beschreibung der Methode widmet sich Kékesi Kun exemplarisch zwölf Inszenierungen, deren Zeithorizont sich von 1949 bis 1988 erstreckt, um einen Überblick zum ungarischen Theaterschaffen in der sozialistischen Ära zu geben. Der Autor belegt präzise die Entstehungsgeschichte der Produktionen. Bei den Operetten reichen die Quellen vom Soufflierbuch über Protokolle von Abend-Auswertungen bis zu den zeitgenössischen Kritiken sowie zu späteren Dokumentationen. Die ideologischen Veränderungen zeichnen sich besonders in der Kategorie des theaterhistorischen Kontexts ab, wobei in den 1950er Jahren die Doktrin der Parteiideologie noch offen zutage treten und sich eine Differenzierung hin zum Fokus auf ästhetische Werte bis in die 1980er Jahre hinein verfolgen lässt. Anfangs sollte die Wahrnehmung kanalisiert werden, um eine Wirklichkeit zu schaffen, später stellte die Wirklichkeit des Theaters jene außerhalb des Theaters in Frage. Von den sechs Kriterien erhalten bei Kékesi fünf annähernd denselben Umfang, die kürzesten Passagen erläutern die Wirkungsgeschichte, wofür hauptsächlich spätere Inszenierungen erwähnt werden. Leichte Gewichtsverschiebungen ergeben sich durch die Besonderheiten der Produktionen. So wurden zum Beispiel in den 1950er Jahren Libretti von Operetten aufwändig umgeschrieben und angepasst, um sie aufführen zu können. Unter Regie fasst der Autor das dramaturgisch-inszenatorische Konzept zusammen und vergleicht es mit ausländischen Inszenierungen. Beispielsweise gastierte 1964 drei Monate vor einer Premiere von König Lear am Nationaltheater die Royal Shakespeare Company mit Peter Brooks King Lear in Budapest (S. 96). Unterschiede der beiden Regiekonzepte werden aufgezeigt. Die Einschätzungen des Autors setzen sich hauptsächlich durch klug ausgewählte Zitate aus zeitgenössischen Kritiken zusammen. In Budapest herrschte ein ähnlicher Kult um Schauspielerinnen wie in Wien. Das Publikum besuchte die Vorstellungen oft wegen einer Lieblingsprimadonna (Hanna Honthy) oder wegen populärer Schauspieler und Komiker (Kamill Feleki, Kálmán Latabár). Dementsprechend fällt die Auswertung der schauspielerischen Leistung bei allen zwölf Inszenierungen detailreich aus. Die Bühnenbeschreibungen rekonstruieren die Spielräume, erörtert wird, ob das Bühnenbild notwendige Bedingungen des Dramas erfüllte. Bei der Rockoper Stefan, der König von 1985 wird zum Beispiel neben der Musik das aus horizontalen und vertikalen Brücken bestehende bühnentechnische System erwähnt, das hervorragend "mitspielte" (S. 173).
Durch die Auswahl und Analyse der Aufführungen zeichnen sich wesentliche Entwicklungslinien der ungarischen Theatergeschichte nach 1945 ab. Philther ist eine Variante von Theaterhistoriographie, hervorgebracht mittels punktueller historischer Aufführungsanalyse. Die Vorteile liegen in der Überschaubarkeit und Ideologieferne, in der Modularität und der Online-Praktikabilität. Das Buch von Kékesi Kun stellt die Methode anhand seiner eigenen Beiträge vor, die Website wird permanent durch verschiedene Autorinnen und Autoren bis in die Gegenwart hinein erweitert. Fehlende synchrone und diachrone Zusammenhänge können durch Verlinkung hergestellt oder aber extra beschrieben werden. Das reichhaltige Material kann unterschiedlich monographisch verwendet werden. In der Theaterhistoriographie ist bei Chroniken, mit denen man Daten sichert (Wolfgang Beck, Chronik des europäischen Theaters, 2008), Schmalhans Küchenmeister und die "großen Erzählungen" (Manfred Brauneck, Die Welt als Bühne, 1993–2008) sterben an Fettleibigkeit. Die Chronik lässt Haltung vermissen und die "große Erzählung" drängt sich als die Wahrheit auf. Deshalb braucht es dazwischen auch andere Versuche. Philther ist einer der begehbaren Mittelwege, offensichtliches Konstrukt von Monaden, auch wenn man darüber nachdenken kann, ob nur die bedeutsamsten Aufführungen ausgewählt werden sollten und wie man sich zu unterschiedlichen Theaterformen verhält. Dürfte theaterhistoriographisch geträumt werden, wäre die Vorstellung, Epochen, Städte und Länder nach dieser Methode erschlossen zu haben, eine schöne Vision
Denis Newiak: Die Einsamkeiten der Moderne. Eine Theorie der Modernisierung als Zeitalter der Vereinsamung. \\\\ Denis Newiak: Einsamkeit in Serie. Televisuelle Ausdrucksformen moderner Vereinsamung. : Wiesbaden: Springer 2022. ISBN: 978-3-658-35810-5. 250 Seiten, 59,99 € \\\\ Wiesbaden: Springer 2022. ISBN: 978-3-658-35808-2. 335 Seiten, 69,99 €
In einer zunehmend digitalisierten Welt, in der soziale Bindungen durch Plattformlogiken, mobile Interfaces und algorithmische Kommunikation geprägt sind, wird Einsamkeit zur unterschwelligen Grundmelodie des Alltags. Als eine der einflussreichsten medialen Ausdrucksformen unserer Gegenwart, greifen Serien dieses Gefühl auf – nicht nur als Thema, sondern auch als ästhetische Struktur. Sie erzählen von isolierten Figuren, zersplitterten Beziehungen und scheiternden Gemeinschaften. Mit den beiden komplementären Monografien Die Einsamkeiten der Moderne und Einsamkeit in Serie legt Denis Newiak ein kohärentes Theorie- und Analyseprojekt vor, das sich interdisziplinär mit dem Phänomen der Einsamkeit auseinandersetzt. Beide Werke beruhen auf Newiaks Dissertation "Televisuelle Ausdrucksformen moderner Einsamkeit. Diskurse und Analysen", die als zwei eigenständige Bände publiziert wurden. Während Die Einsamkeiten der Moderne eine soziologisch und kulturtheoretisch fundierte Theorie der Einsamkeit als Strukturmerkmal der Moderne entwirft, widmet sich Einsamkeit in Serie der konkreten Repräsentation dieses Gefühls in zeitgenössischen Fernsehserien. Gerade im Zusammenspiel beider Werke zeigt sich, wie theoretische Reflexion und medienanalytische Schärfe ineinandergreifen, um das serielle Erzählen als privilegierten Ort der Darstellung, Erfahrung und Reflexion moderner Einsamkeit zu erschließen.
In Die Einsamkeiten der Moderne arbeitet der Autor dem "Beschreibungsdefizit" (S. XV) der Einsamkeit(en) entgegen, welches er neben der "Untertheoretisierung" (S. XIII) als Desiderat der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Zeitalter der Moderne identifiziert. Newiak entwickelt zunächst ein mehrdimensionales Verständnis von Einsamkeit, das nicht als individuelles Defizit, sondern als systemische Begleiterscheinung moderner Vergesellschaftung interpretiert wird. "Die Moderne kommt mit erstrebenswerten Verheißungen, die sie attraktiv werden lassen, doch es gibt sie nicht kostenlos. Ihr Preis sind die modernen Einsamkeiten" (S. XI) konstatiert der Autor und benennt somit Einsamkeit zum Kernmerkmal der Moderne. Wohlstand, Sicherheit und Freiheit der Moderne sind demnach nur auf Kosten von Gemeinschaft erreichbar (vgl. S. V). Anhand historischer Entwicklungslinien wie der Säkularisierung (Kap. 2), der Urbanisierung (Kap. 3), der Industrialisierung (Kap. 4) und der Digitalisierung (Kap. 6) zeigt er, wie sich durch den Verlust traditioneller Gemeinschaften, Individualisierung und soziale wie digitale Fragmentierung unterschiedliche Formen von Einsamkeit – soziale, emotionale, psychologische, mediale – von der Vormoderne bis hin zur Netzwerkgesellschaft manifestieren. Dabei versteht Newiak Medien im Kontext moderner Einsamkeit als ambivalente Kräfte: Einerseits verstärken sie durch digitale Vernetzung, algorithmische Kommunikation und simulierte Nähe neue Formen der sozialen Isolation (vgl. Kap. 6). Andererseits bieten sie, insbesondere durch Kunstformen wie Film, Fernsehen und Fotografie, symbolische Räume, in denen Einsamkeit erfahrbar, reflektierbar und kollektiv verhandelbar wird (vgl. S. VI).
Newiak schließt seine umfassende historische wie theoretische Aufarbeitung mit der Erkenntnis, dass die Moderne ein irreversibler Prozess ist, der geprägt ist von stetigem Wandel, Fortschritt und der Abgrenzung vom Vormodernen. Eine Rückkehr zu früheren Gemeinschaftsformen erscheint weder realistisch noch wünschenswert, da sie mit dem Verlust moderner Errungenschaften einherginge. Stattdessen fordert das Werk einen reflektierteren Umgang mit den vielfältigen Einsamkeiten, die die Moderne hervorgebracht hat – gerade auch im Hinblick auf eine ungewisse Nachmoderne, die neue Herausforderungen bereithalten könnte (vgl. S. 231). Der Autor stützt seine Analyse auf eine breite Auswahl einschlägiger Fachliteratur und Fachvertreter*innen und tritt in einen produktiven Dialog mit zentralen theoretischen Positionen, um den Begriff der Einsamkeit neu zu konturieren. Am Ende steht eine vielschichtige Re-Theoretisierung der Moderne als einer Epoche, in der Einsamkeit nicht nur Ausdruck individueller Befindlichkeit, sondern auch Symptom gesellschaftlicher Grundbedingungen ist. Besonders einprägsam ist sein Vorschlag, von "Einsamkeiten" im Plural zu sprechen, um deren Vielgestaltigkeit und Kontextabhängigkeit zu betonen (S. XX).
In Einsamkeit in Serie greift Newiak diese theoretischen Überlegungen auf und überträgt sie auf die Analyse ausgewählter US-amerikanischer Serienformate. Fernsehserien werden hierbei als prädestinierte Ausdrucksformen von Einsamkeiten gelesen, da sie Vereinsamungstendenzen der Spätmoderne aufgreifen und diese durch visuelle Ästhetik (Kap. 1), narrative Strukturen (Kap. 2), Figurenkonstellationen (Kap. 3), Inszenierungsformen (Kap. 4) und Klangwelten (Kap. 5) darstellen und verhandeln (vgl. S. XVII). Exemplarisch skizziert der Autor diese Funktionsweise an den Drama-Serien 13 Reasons Why (2017-2020) und Bates Motel (2013-2017) sowie der Sitcom The Big Bang Theory (2007-2019). Serien agieren als ästhetische Aushandlungsräume moderner Einsamkeiten, sie "kommen genau dann zum Ende, wenn die Vereinsamung oder die Vergemeinschaftung der Hauptfiguren abgeschlossen ist" (S. 269). Damit fungieren Serien Newiak zufolge nicht nur als Ausdrucksformen gesellschaftlicher Entwicklungen, sondern als kulturelle Verfahren zur Bearbeitung und Deutung spätmoderner Entfremdungserfahrungen. Durch die gezielte Inszenierung von Isolation, sozialen Bruchstellen und vergemeinschaftenden Momenten verdichten Serien komplexe soziale Phänomene zu narrativen und audiovisuellen Erfahrungsräumen. Insbesondere durch ihre multimedialen Ausdrucksschichten, von der Bildkomposition bis zur Klangdramaturgie, ermöglichen sie eine sinnlich-affektive Reflexion über zentrale Krisenerfahrungen der Gegenwart.
Inhaltlich überzeugt das Werk durch seine strukturierte Analyse von fünf ästhetischen Schichten des Fernsehens, in denen sich moderne Einsamkeit artikuliert: visuell durch Un-Orte (Kap. 1.1. – motel, suburb, home) und symbolisch aufgeladene Requisiten (Kap. 1.4), narrativ durch Geschichten sozialer Überforderung (Kap. 2.3), figürlich durch Typen wie den überangepassten Nerd (Kap. 3.1) oder das traumatisierte Jugendlichensubjekt (Kap. 3.3), dramaturgisch durch das Spannungsfeld von Vergemeinschaftung (Kap. 4.1 – Komödie/ Sitcom) und Vereinsamung (Kap. 4.2 – Tragödie) sowie klanglich durch melancholische oder verstörende Soundscapes (Kap. 5). Newiak verdeutlicht, dass Serien Einsamkeit nicht nur darstellen, sondern diese durch ihre ästhetische Konfiguration auch reflektieren, intensivieren und kontextualisieren. Er verbindet Einsamkeit und gesellschaftliche Strukturen und zeigt damit eindrücklich, wie Serienfiguren als Symptom spätmoderner Vereinsamung lesbar werden: In 13 Reasons Why wird Hannah Baker als Opfer digitaler Überforderung und einer hyperindividualisierten Leistungskultur gezeigt. Ihre Tonbänder sind ein letzter Versuch, in einer emotional abgekoppelten Welt Gehör zu finden (vgl. Kap. 2.3). Bates Motel inszeniert das Motel als Un-Ort spätmoderner Isolation. Normans psychischer Zerfall spiegelt sich symbolisch im immer wieder auftauchenden Duschvorhang (vgl. Kap. 1.4). In The Big Bang Theory verkörpert Sheldon Cooper die soziale Dysfunktion des modernen Nerds, dessen intellektuelle Stärke echte Nähe verhindert (vgl. Kap. 3.1).
Besonders gelungen ist dabei die Verbindung kulturwissenschaftlicher Theorie mit medienanalytischer Praxis. Seine zentrale These, dass Fernsehserien durch ihre komplexe Ästhetik nicht nur Repräsentationen, sondern auch produktive Aushandlungsräume moderner Einsamkeit darstellen, wird durch die Fallanalysen schlüssig gestützt. Newiaks interdisziplinärer Ansatz eröffnet dabei neue Perspektiven auf das Verhältnis von Populärkultur, Medien und gesellschaftlicher Erfahrung in der Spätmoderne.
In seiner Analyse der Moderne gelingt es Newiak eindrucksvoll, die doppelte Natur gesellschaftlicher Krisen offenzulegen. Anhand zahlreicher theoretischer Linien und aktueller Beispiele zeigt er, dass Krisen keineswegs nur destruktive Zäsuren darstellen, sondern vielmehr als produktive Kraftquellen wirken können. Sie destabilisieren gewohnte soziale Ordnungen und verstärken die Vereinzelung, doch gerade dadurch machen sie die oft verborgene Struktur moderner Einsamkeit sichtbar. Newiak argumentiert überzeugend, dass Krisen Reflexionsräume eröffnen: Sie zwingen zum Innehalten, zur Selbstbeobachtung und zur kritischen Auseinandersetzung mit Fragen nach Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Sinn. Damit erscheinen sie als Auslöser gesellschaftlicher Selbstverständigungsprozesse – als Antrieb für Erkenntnisgewinn und soziale Neuorientierung. In dieser Perspektive wird die Krise selbst zum Brennglas für die vielgestaltigen, sonst oft unsichtbaren Einsamkeiten der Moderne.
Bemerkenswert ist auch die systematische Vorgehensweise und Bewertung von Einsamkeitsmotiven serieller Narrationen. Newiak entwickelt ein eigenes Analyseraster, das sowohl visuelle als auch narrative Parameter berücksichtigt. Damit bietet Einsamkeit in Serie inhaltlich wie methodisch einen Mehrwert für medienwissenschaftliche Arbeiten zur Fernsehserienanalyse.
Mit Die Einsamkeiten der Moderne und Einsamkeit in Serie legt Denis Newiak ein doppeltes Grundlagenwerk zur Analyse moderner Vereinsamung vor, welches theoretisch fundiert und medienanalytisch präzise ist. Der Autor leistet damit einen substanziellen Beitrag zur aktuellen Medien- und Kulturforschung und stellt zugleich ein vielseitig einsetzbares Instrumentarium zur Verfügung, das die Analyse von Fernsehserien im Kontext gesellschaftlicher Erfahrungen ermöglicht. Besonders hervorzuheben ist die produktive Verzahnung von Theorie und Praxis, die eine ebenso reflektierte wie anwendungsorientierte Auseinandersetzung mit dem Thema erlaubt
Language and De-/Escalation of Conflict in Aceh, Indonesia
This article examines the role of language in the de-/escalation of the Aceh conflict. Our analysis is situated at the crossroads of the literature on language and conflict and the literature on the micro-dynamics of violent conflict and everyday peacebuilding. We suggest that language, as a fundamental element of social engagement, although often overlooked in peace and conflict studies, plays a pivotal role in intensifying and alleviating conflicts. Through a case study of the conflict in Aceh, this article asks how power relations, discrimination, and violence are played out through language in the context of micro-level everyday realities. The analysis draws on interviews and focus group discussions conducted from 2014 to 2020 with a broad spectrum of stakeholders, including village heads, religious and cultural leaders, businesspeople, civilians, and former combatants. We employ vignettes to illustrate the various ways in which language has been used for conflict de-/escalation in the conflict in Aceh. Our analysis identifies several mechanisms through which language contributes to de-/escalate conflict
„Glasses of fashion and moulds of form“: Die (kinder-)literarisch inspirierten (Ver-)Kleidungen in Richmal Cromptons "Just William"-Serie
peer-reviewed
Der Beitrag setzt sich mit der britischen Just William-Serie auseinander, einem exponierten Beispiel einer mehrfachadressierten Narration, die über fünf Dekaden publiziert und von den Leitmedien der jeweiligen Epoche adaptiert wurde. Durch das Prisma eines naiven Schlingels werden die jeweils aktuellen gesellschaftlichen Phänomene dargestellt. Die Serie, die primär an ein erwachsenes Lesepublikum adressiert war, fungiert auch als ein kostümhistorisches Museum. Im Kontext der Intermedialität wird im Beitrag neben den (kinder-)literarisch inspirierten Verkleidungen auch die sich an den (Bilder-)Buchillustrationen orientierte (Kinder-)Mode beleuchtet und der Rückgriff auf den Kostümfundus ikonischer (historischer) Figuren analysiert. In einem weiteren Schritt rücken die Materialästhetik der Theaterkostüme und das Inszenierungspotential der Kleidung von Autorinnen und Autoren in den Fokus.
The article focuses on the British Just William series, a prominent example of a multi-addressed narrative published over five decades and adapted by the leading media of the time. The figure of the naïve rascal serves as a lens through which current social phenomena are negotiated. Aimed primarily at adult readers, the series also functions as a museum of costume history. From an intermedia perspective, Oxane Leingang explores how the text and its illustrations represent costumes inspired by fictional icons. The article also examines historical fashion for children, the material aesthetics of theatre costumes, and the clothing worn by the authors
Schöne Ausblicke: Zur Schürze als Gegenstand der Theorieverhandlung in Teresa Präauers "Kochen im falschen Jahrhundert"
Der Text untersucht die Bedeutung des Kleidungsstückes der Schürze für den Entwurf weiblicher Rollenbilder in Teresa Präauers Kochen im falschen Jahrhundert (2023). Mithilfe einer gendertheoretischen Primärtextanalyse zeigt der Beitrag, dass die Schürze in Präauers Roman nicht zuletzt dazu dient, die Differenzen von Theorie und Praxis in der Geschlechtergleichstellung sichtbar zu machen.
The text examines the significance of the apron as an item of clothing for the design of female role models in Teresa Präauer\u27s Kochen im falschen Jahrhundert (2023). With the help of a gender-theoretical primary text analysis, the article shows that the apron in Präauer\u27s novel serves not least to make the differences between theory and practice in gender equality visible
Two Lists of Personal Items from Oxyrhynchus
Edition of P.Birm. 46D (r-v), the front of which contains a fourth-century list of items jewelry and the reverse containing a list of medicinal herbs. Among the jewelry items is a necklace with pendants shaped like small animals, a small boat, and possibly figs. The reverse mentions a medicinal plant, γοργονίον, and possibly a plant (ἀμαζονικά) noted by Galen for use in producing lozenges. The items in the lists were prepared for clients, but there are no details clarifying the location or purpose of their manufacture.Edition of P.Birm. 46D (r-v), the front of which contains a fourth-century list of items jewelry and the reverse containing a list of medicinal herbs. Among the jewelry items is a necklace with pendants shaped like small animals, a small boat, and possibly figs. The reverse mentions a medicinal plant, γοργονίον, and possibly a plant (ἀμαζονικά) noted by Galen for use in producing lozenges. The items in the lists were prepared for clients, but there are no details clarifying the location or purpose of their manufacture