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Editorial
In der Rubrik interdisziplinäre schreibwissenschaft gibt es in dieser Ausgabe viel zu lesen. Zum einen haben uns zwei Einreichungen erreicht, zum anderen gibt Karin Wetschanow den Themenschwerpunkt “Autoethnographien von Studierenden” heraus.
Die Rubrik junge Schreibwissenschaft zeigt wie in jeder Ausgabe die Breite der Interessen der Schreibmentor*innen im Erweiterungscurriculum „Akademische Schreibkompetenz entwickeln, vermitteln und beforschen“
Was bedeutet Schreiben für mich?
In meinem Zimmer fand ich einen Notizblock der Firma, bei der mein Vater immer Farbe bestellte. Ich schrieb eine Geschichte. Als ich fertig war, setzte ich mich zu meinem Vater und kündigte an: „Ich möchte dir was vorlesen.“ Er schaltete den Fernseher stumm, und ich begann zögerlich zu lesen. Er hörte mir zu. Er lachte nur, wenn es die Geschichte verlangte, und ansonsten blieb der Raum still. Kein Fernseher, kein Kommentar. Bloß meine Stimme und seine Augen, die auf mir hafteten. Als ich fertig war, fragte er: „Bist du elf oder zwölf?“ Ich sagte: „Elf.“Er zog die Augenbrauen nach oben, während er sich eine Zigarette anzündete, und sagte zu mir: „Dasist wirklich gut, Giorgia. Mach das weiter.
Transmedia Storytelling im Universum von League of Legends: Zur Rolle der Figur Jinx
Dieser Artikel untersucht das Phänomen des Transmedia Storytelling im Universum von League of Legends mit einem besonderen Fokus auf die Rolle der Figur Jinx. Im Gegensatz zu einer Vielzahl transmedialer Erzählungen, die ihren Ursprung in literarischen Werken haben, beginnt die Narration in diesem Fall mit einem Videospiel. Dieses liefert narrative Fragmente, die in weiterenMedien aufgegriffen, vertieft oder erweitert werden. Die Forschungsfrage dieses Beitrags lautet daher: Welche Rolle nimmt die Figur Jinx im Transmedia Storytelling des Universums von League of Legends ein? Zur Beantwortung wird eine Kombination aus theoretischer und analytischer Perspektive gewählt, um sowohl die transmediale Entwicklung des Erzähluniversums als auch die Bedeutung der Figur Jinx zu erfassen. Die Untersuchung zeigt, dass sich League of Legends ein kohärentes und vielschichtiges Narrativ aufgebaut hat, das durch transmediale Mechanismen verbreitet wird. Die Figur Jinx fungiert als narrativer Anker, der nicht nur das Erzähluniversum erweitert, sondern auch zusätzliche Erzählräume und ‐möglichkeiten eröffnet
Re‐making the Monster: Das Re‐writing des frankensteinischen Doppelgängers in Alasdair Gray’s Poor Things
Poor Things (1992) von Alasdair Gray ist ein Re‐writing von Mary Shelleys Frankenstein, in dem der Wissenschaftler Godwin Baxter einer toten Frau das Gehirn ihrer ungeborenen Tochter einpflanzt, um sich so die perfekte Gefährtin zu schaffen. Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Poor Things das Doppelgängermotiv aus Frankenstein neu interpretiert. Psychoanalytisch gedeutet lässt sich Bella als Doppelgängerin von Godwin sehen, als seine unterdrückte Sexualität und sein Todesengel. Als Doppelgängerin ihrer toten Mutter ist sie deren unheimliche Wiederkehr aus dem Verdrängten. Innerhalb der Diegese ist Bella ein diskursives Konstrukt ihres Ehemanns Archibald McCandless, der die Geschichte ihrer fantastischen Entstehung und Bildungsreise durch Europa in Romanform festhält. In der Rahmenhandlung ist sie wiederum ein Konstrukt des fiktionalisierten Autors Alasdair Gray, der wiederum Archibald McCandless’ Werk kommentiert und veröffentlicht. Schließlich ist Bella auch noch die Doppelgängerin von Archibalds Ehefrau Victoria, die möglicherweise die Vorlage für Bella war und die Geschehnisse des Romans abstreitet. Die Frage nach Bellas/Victorias wahrer Identität wird zu einer Kritik an der patriarchalen Konstruktion der monströsen weiblichen Doppelgängerin.Letztendlich bleibt die Frage nach der Wahrheit unaufgeklärt, aber die Doppelgängerbeziehung zwischen Kreatur und Schöpfer wird über die Diegesen hinaus meta‐ und transfiktional ausgeweitet. Das Re‐writing wird zu einem Doppelgänger seiner Vorlage
Eine qualitative Videoanalyse der Darstellung von Violet Sorrengail (Fourth Wing) auf TikTok
Die Frage der Wiedererkennbarkeit von literarischen Figuren wird in der Interfiguralitätsforschung häufig gestellt. Bei dieser Frage geht es zumeist um Charaktere, die sich bereits von ihrem Ursprungswerk losgelöst haben und anhand weniger Eigenschaften identifiziert werden können, wie zum Beispiel Sherlock Holmes, Dracula und viele weitere. Im Gegensatz zu diesen bekannten Figuren handelt es sich bei Violet Sorrengail aus Fourth Wing um eine Figur, die erst am Anfang ihres Lebens steht. Im April 2023 wurde der erste Teil der geplanten fünfteiligen und noch nicht abgeschlossenen Fantasy‐Romanreihe veröffentlicht. In dieser Analyse soll die Frage beantwortet werden, welche Merkmale Violet Sorrengails in der Darstellung auf TikTok aufgegriffen werden, um sie erkennbar zu machen. Basierend auf einer qualitativen Videoanalyse wurden zwanzig Videos analysiert, um die „core features“ der Figur zu definieren. Als zentrale Elemente wurden dabei die silbernen Haarspitzen, eine Flechtfrisur, schwarze Kleidung bestehend aus einem Langarmshirt und darüber ein Korsett sowie Dolche als Requisiten festgemacht. Inhaltlich sind dabei besonders Nachstellungen einzelner Romanszenen, mit Fokus auf Mimik und Gestik, beliebt. 
Vicki Baum: Website for the Annotated Edition of Selected Works
Im Rahmen des vom FWF und der DFG geförderten Projekts Vicki Baum: Kommentierte Edition ausgewählter Werke wurde die Webseite Vicki Baum Digital erstellt, die eine Auswahl an digitalisierten Materialien sowohl zum Leben der Schriftstellerin Vicki Baum (1888–1960) als auch zu den sechs edierten Bänden zeigt. Vicki Baum, die ursprünglich aus einer Wiener jüdischen Familie kam, gelangte in der Zwischenkriegszeit in Berlin zu großer Bekanntheit und emigrierte 1932 in die USA. Lange als ‚Unterhaltungsautorin‘ abgewertet, stießen ihre Werke in den letzten Jahren v.a. im Zuge von Diskussionen rund um Kanonisierungsprozesse vermehrt auf Interesse – Edition und Webseite tragen diesen Entwicklungen Rechnung.The website Vicki Baum Digital was created as part of the FWF- and DFG-funded project Vicki Baum: Annotated Edition of Selected Works. It features a selection of digitised documents on both the life of the writer Vicki Baum (1888–1960) and the six edited volumes. Vicki Baum, originally from a Jewish family in Vienna, got famous in Berlin during the interwar period and emigrated to the US in 1932. For a long time dismissed as an “entertainment writer”, her works have attracted increasing interest in recent years, particularly in the context of discussions surrounding canonisation processes – the edition and website reflect these developments
Latin and Latin-Greek Papyri from Late Antique Egypt (ChLA XLIV 1262, 1285, 1286, ChLA XLIV 1304 verso, 1307, XLV 1336, 1350 recto; P.Vindob. L 64)
The paper presents the edition of eight fragmentary documentary papyri, entirely or partially in Latin, further documenting the use of that language in Late Antique Egypt: ChLA XLIV 1304 verso and 1307, fully Latin official documents; ChLA XLIV 1262, 1286, XLV 1336, Greek texts with Latin dating formulae; ChLA XLIV 1285, XLV 1350 recto, Greek documents with Latin tags; P.Vindob. L 64, a tabellionic document with di-emu subscription.The paper presents the edition of eight fragmentary documentary papyri, entirely or partially in Latin, further documenting the use of that language in Late Antique Egypt: ChLA XLIV 1304 verso and 1307, fully Latin official documents; ChLA XLIV 1262, 1286, XLV 1336, Greek texts with Latin dating formulae; ChLA XLIV 1285, XLV 1350 recto, Greek documents with Latin tags; P.Vindob. L 64, a tabellionic document with di-emu subscription
In eigenen Worten: Einleitung zum Themenschwerpunkt: Autoethnografische Versuche
Im Rahmen des Themenschwerpunktes hat Karin Wetschanow ihre Studierenden der Lehrveranstaltung “Theorien und Methoden der Schreibwissenschaft” im Erweiterungsstudium “Schreibwissenschaft” des SchreibCenters der Universität Klagenfurt dazu angeregt, sich autoethnografisch mit der Frage zu beschäftigen, “how has writing changed a life you’re close to - your own life, lives you have observed, lives you’ve studied?
Review: Anton Stingl jun., Derselbe Text – andere Melodie. Propriumstexte in unterschiedlichen Vertonungen, St. Ottilien 2025
Vielfalt fördern, Sprachwissenschaft gestalten
Das Editorial zu den Proceedings der ersten spraWIEN reflektiert die Vielfalt sprachwissenschaftlicher Forschung und die Notwendigkeit, transdisziplinäre sowie studentisch getragene Perspektiven stärker sichtbar zu machen. Wir gehen von einer Sicht auf die Sprachwissenschaft als ein heterogenes, vielfach vernetztes Feld aus, das institutionell jedoch häufig fragmentiert erscheint. Die spraWIEN, die im Juni 2024 am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien zum ersten Mal stattfand, setzte sich zum Ziel, Austausch über disziplinäre und institutionelle Grenzen hinweg zu ermöglichen und besonders dem wissenschaftlichen Nachwuchs Raum zur Präsentation eigener Forschung zu geben. Das daraus entstandene Themenheft dokumentiert diese Bestrebung und versteht sich als Beitrag zur Sichtbarmachung studentischer Forschung und zur Förderung einer offenen, plurilogischen Wissenschaftskultur