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    Vienna Shorts 2025: vom 27. Mai bis 01. Juni 2025

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    Das internationale Kurzfilmfestival VIENNA SHORTS zelebriert seine 22. Ausgabe von 27. Mai bis 01. Juni 2025 an mehreren Spielorten in Wien, sowie bis zum 30. Juni online. Mehr als 300 Filme werden u. a. in Wettbewerben, Porträts, Late Nights, Open-Air-Screenings sowie Kinder- und Jugendprogrammen gezeigt. Schauen Sie sich das an!The international short film festival VIENNA SHORTS is celebrating its 22nd edition from May 27th to June 1st, 2025 at several venues in Vienna, as well as online until June 30th. More than 300 films will be shown, among other things. shown in competitions, portraits, late nights, open-air screenings and children\u27s and youth programs. Check this out

    Review: Arthur Westwell et al. (eds.), Rethinking the Carolingian Reform, Manchester 2023

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    Semantic document indexing with generative AI

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    Ziel dieses Beitrags ist es, neue Verfahren zur semantischen Indexierung von Referenzinformationen mithilfe generativer künstlicher Intelligenz vorzustellen. Ein GPT-Sprachmodell wurde verwendet, um Deskriptoren und Beziehungen zwischen diesen aus Dokumenten zum Thema Architekturgeschichte automatisch zu extrahieren. Aus den extrahierten Deskriptoren und Beziehungen wurde ein semantisches Netzwerk erstellt. Anschließend wurde ein Prototyp entwickelt, der es ermöglicht, mithilfe des semantischen Netzwerkes relevante Dokumente zu finden. Schließlich wird gezeigt, wie sich die Qualität semantischer Netzwerke mithilfe eines Schwarms virtueller Experten verbessern lässt. Der Einsatz generativer künstlicher Intelligenz kann den Arbeitsaufwand und die Kosten der semantischen Indexierung verringern. Die semantische Indexierung und das semantische Netzwerk können ihrerseits zu einer effektiveren Nutzung und Verbreitung wissenschaftlicher Informationen beitragen, indem sie eine semantische Suche, eine einfache Navigation und Benutzerfreundlichkeit ermöglichen.This paper presents new methods for semantic indexing of reference information using generative artificial intelligence. A GPT language model was used to automatically extract descriptors and relationships between them from architectural history documents. A semantic network was created from the extracted descriptors and relationships. A prototype was then developed that made it possible to find relevant documents using the semantic network. Finally, it is shown how the quality of semantic networks can be improved with the help of a swarm of virtual experts. The use of generative artificial intelligence can reduce the workload and costs of semantic indexing. Semantic indexing and the semantic network can contribute to more effective use and dissemination of scientific information by enabling semantic search, easy navigation, and user-friendliness

    Marie Aline Klinger: Wasserprotokolle. Diffraktionen entlang der Mediterranean Frontier – ein Essay \\\\ Alisa Kronberger: Diffraktionsereignisse der Gegenwart. Feministische Medienkunst trifft Neuen Materialismus.: Marburg: Büchner 2024. ISBN: 978-3-96317-374-5. 140 Seiten, 19,00 € \\\\ Bielefeld: Transcript 2024. ISBN: 978-3-8376-6131-6. 346 Seiten, 94,00 €.

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    In den Publikationen Diffraktionsereignisse der Gegenwart (2022) von Alisa Kronberger und Wasserprotokolle (2024) von Marie Aline Klinger dient der Begriff der Diffraktion als Grundlage für eine explorative Auseinandersetzung mit feministischen und migrationspolitischen Fragestellungen in Kunst und Aktivismus. In beiden Texten wird Diffraktion in Anlehnung an Donna Haraway und Karen Barad als Erkenntnismodell für Verschiebungen von Wahrnehmungen und Bedeutungszuschreibungen verwendet. Diese Verschiebungen wirken in den komplexen Dynamiken zwischen gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen und den damit verbundenen Perspektiven auf Natur und materiell-diskursive Grundlagen. In der Physik bezeichnet Beugung den Prozess, bei dem Wellen, z. B. Licht oder Wasser, an einem Hindernis oder durch einen Spalt gebeugt werden und sich dabei in verschiedene Richtungen ausbreiten und Interferenzen mit anderen Wellen erzeugen. Im Neuen Materialismus wird die Beugung als Denkfigur verwendet, um die komplexen und dynamischen Beziehungen zwischen Materie, Wahrnehmung und Bedeutung neu zu fassen. Die diffraktive Methode zeichnet sich durch eine Abkehr von traditionellen Herangehensweisen aus, die häufig nach festen Kategorien und stabilen Bedeutungen suchen. Stattdessen zielt sie darauf ab, die ständigen Verschiebungen und Verformungen von Wahrnehmung und Bedeutungszuschreibung darzustellen und zu untersuchen. Ein zentrales Merkmal der diffraktiven Methode ist die Ablehnung binärer und dualistischer Denkmuster. Klassische Dichotomien wie Körper/Geist, Natur/Kultur oder Subjekt/Objekt werden in der diffraktiven Analyse nicht als stabile, voneinander getrennte Kategorien verstanden, sondern als miteinander verwobene, fließende und sich ständig verändernde materiell-kulturelle Prozesse. Diffraktion wird als eine Form der Beugung und Streuung von Bedeutungen interpretiert, in der die Trennlinien zwischen verschiedenen Konzepten und Kategorien immer wieder aufgelöst und neu verhandelt werden. Die diffraktive Methode stellt die These auf, dass Wissen und Bedeutung nicht lediglich "reflektiert" werden können, sondern vielmehr durch die Wechselwirkungen von menschlichen und mehr-als-menschlichen Akteur*innen, beispielsweise Forscher*innen, Diskursen und materiellen Gegebenheiten, aktiv hervorgebracht werden. In diesem Zusammenhang wird das Konzept der "Intra-Aktion" von Barad relevant. Nach Barad sind es die Handlungen und Interaktionen dieser verschiedenen Akteur*innen, die die Welt konstituieren. Es gibt keine objektive Wahrheit oder ein stabil determiniertes "Wesen" der Dinge, sondern die Wirklichkeit und ihre Wahrnehmung werden durch die permanenten Wechselwirkungen unterschiedlicher Kräfte und Perspektiven erzeugt. Diffraktion wurde von Haraway und Barad als zentrales analytisches Konzept entwickelt, um modernistische Dichotomien in den Kulturtheorien zu überwinden. Diese Dichotomien gehen letztlich alle auf eine scharfe Trennung zwischen Natur und Kultur, Ontologie und Epistemologie zurück (vgl. Deuber-Mankowsky 2011, S. 85ff). Kronberger thematisiert die Wechselwirkungen zwischen feministischer Medienkunst und neuem Materialismus und fragt, wie sich daraus Impulse für eine Weiterentwicklung der diffraktiven Methode für das kunst- und kulturwissenschaftliche Fächerspektrum ergeben. Ihre Auseinandersetzung zeigt, wie sich die vielschichtigen Verschiebungen in der Wahrnehmung von Körpern, Geschlechtern und Materie in der zeitgenössischen feministischen Medienkunst seit den 1960er und 1970er Jahren unter anderen Vorzeichen (neu) fassen lassen. Klinger verwendet in ihrem Essay die Beugung als Denkfigur, um das auf Wasser basierende Grenzregime der Mittelmeerküste und der Fluchtrouten der Mediterranean Frontier zu untersuchen. Bilder und Imaginationen des Wassers und des Meeres werden zu Prismen für die Komplexität eines biopolitischen Regimes, das sich im Aufeinandertreffen politischer, sozialer, kultureller und ökologischer Dimensionen herausgebildet hat. Die Analyse umfasst sowohl die kulturhistorischen als auch die politischen Auswirkungen des Grenzregimes und beleuchtet die vielfältigen symbolischen Aspekte von Wasser und Meer in Bezug auf diese dynamischen und umkämpften Grenzräume – und damit in Bezug auf Leben und Tod. Beide Texte liefern durch ihre jeweils unterschiedliche Auseinandersetzung mit Diffraktion hochinteressante methodische Impulse. Diese können dazu beitragen, die noch junge, nicht unumstrittene und in jedem Fall anspruchsvolle Perspektive der Diffraktion noch tiefer im Methodenarsenal der Kulturwissenschaften zu verankern. Kronbergers Diffraktionsereignisse der Gegenwart. Feministische Medienkunst trifft Neuen Materialismus knüpft maßgeblich an neu-materialistische Konzepte von Haraway, Barad, Rosi Braidotti sowie Gilles Deleuze und Félix Guattari an, und entwickelt daraus einen interdisziplinären Ansatz, der die Wechselwirkungen von Feminismus und Materialität in der zeitgenössischen Medienkunst beleuchtet. Unter der Überschrift "matter and materiality matter" geht die Autorin der Frage nach, inwiefern materielle Prozesse und diskursive Praktiken die Wahrnehmung von Realität und Subjektivität prägen. Im theoretischen Kapitel "Materiell diskursive Verschränkungen zwischen Feminismus, Kunst und Medien" entfaltet Kronberger eine präzise Analyse der Schnittstellen zwischen feministischen Theorien und dem Neuen Materialismus (vgl. S. 35-97). Sie bezieht sich dabei auf Barads Konzept des "agentiellen Realismus", um die Beziehungen zwischen Materie und Bedeutung als dynamische Verschränkungen zu verstehen, die die Welt nicht nur abbilden, sondern auch aktiv hervorbringen. Gleichzeitig wird der Einfluss von Haraways Konzept der "naturecultures" deutlich, das die untrennbare Verbindung von Natur und Kultur sowie die Bedeutung situierten Wissens für feministische Debatten betont. Der Begriff der "Assemblage" von Deleuze und Guattari wird verwendet, um die prozessualen Beziehungsgefüge zwischen Subjekten, Objekten und Technologien zu fassen, während Braidottis "nomadisches Subjekt" als Referenz für die Analyse fragmentierter und multipler Subjektivierungen dient. Im ersten Analysekapitel, das den Titel "Privat/Öffentlich. Ist das Private noch politisch? – von implodierenden Dualismen" trägt, wird die zunehmende Auflösung klassischer Dichotomien im digitalen Zeitalter thematisiert (vgl. S. 99-153). Kronberger argumentiert in Anlehnung an Haraway und Braidotti, dass die Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit nicht (mehr) stabil sind, sondern sich in einem ständigen Aushandlungs- und Transformationsprozess befinden. Vor diesem Hintergrund wird die Frage nach dem Politischen des Privaten neu aufgeworfen. Im zweiten Analysekapitel "Körper/Geist, Natur/Kultur: Durch den Körper hindurchdenken. Von verkörperten und situierten Akteur*innen im Gefüge von naturecultures" werden Haraways und Barads Konzepte der "naturecultures" und materiell-diskursiven Praktiken aufgegriffen, um die Rolle des Körpers als aktiven, situierten Akteur im Gefüge von Natur und Kultur zu beleuchten (vgl. S. 155-203). Dabei setzt sich Kronberger kritisch mit dem Dualismus von Körper und Geist auseinander und schlägt vor, diese Kategorien als diffraktive Muster zu lesen, die durch ihre gegenseitige Beeinflussung immer wieder neue Bedeutungen hervorbringen. Das abschließende Kapitel "Repräsentation/Affekt, Subjekt/Objekt: Von affizierenden Maskeraden, gleißend tastenden Blicken sowie aufblitzenden und strömenden Bildern" verbindet Ansätze der Affekttheorie mit Überlegungen von Deleuze und Guattari zu Rhizomen (vgl. S. 205-297). Kronberger analysiert, wie mediale Repräsentationen durch affektive Dynamiken destabilisiert werden und neue Formen von Subjektivierung ermöglichen, die sich weder auf feste Identitäten noch auf stabile Bedeutungsstrukturen reduzieren lassen. Braidottis Figur des "nomadischen Subjekts" dient dabei als Bezugspunkt, um die fluide und prozesshafte Konstitution von Subjektivierung in einer von Medien und Technologien durchdrungenen Welt zu erfassen. Die drei Analysekapitel bestehen aus Besprechungen von fünf bis acht künstlerischen Arbeiten, die der jeweiligen Überschrift zugeordnet wurden und durch diese thematischen Linsen Theoreme und Wahrnehmungen zusammenführen. Die Arbeiten werden nicht als abgeschlossene Werke, sondern als lebendige und performative Prozesse betrachtet, die helfen können, die Theorien von Haraway, Barad und anderen (feministischen) Denker*innen weiterzudenken. Kronberger arbeitet intra-aktiv und analytisch mit den ausgewählten Kunstwerken, die sie als mehrdimensionalen Beitrag zum Verständnis feministischer Theorie und des Neuen Materialismus versteht. Ihr Ansatz zielt darauf ab, die Wechselwirkungen und Verschränkungen zwischen Materie, Diskurs und Repräsentation zu beleuchten und die künstlerischen Arbeiten als aktive Akteur*innen im Diskurs zu begreifen. Die verschiedenen Dimensionen von Materie, Körpern, Diskursen und Technologien in ihrer Beugung und Überlagerung sichtbar zu machen, ist als zentrale künstlerische Praxis der feministischen Medienkunst zu verstehen. Kronberger betrachtet die Arbeiten daher als Experimentierfelder, in denen materielle und diskursive Dynamiken in Wechselwirkung beobachtet werden können. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kronberger in ihrem Buch Diffraktionsereignisse der Gegenwart die diffraktive Methode umfangreich und sehr differenziert als einen hochproduktiven Ansatz nutzt, um die Verflechtungen von Feminismus, Medienkunst und Materialität zu untersuchen. Sie beleuchtet die fließenden und dynamischen Interaktionen zwischen diesen Bereichen und zeigt, wie durch die Verbindung von Theorie und Praxis neue Perspektiven auf die politischen und kulturellen Herausforderungen der Gegenwart gewonnen werden können. Es besteht jedoch die Gefahr, dass die Anwendung der diffraktiven Methode im Kontext der zeitgenössischen feministischen Medienkunst und des Neuen Materialismus, die in ihren Grundannahmen viele Parallelen aufweisen, bestehende Ähnlichkeiten bestätigt, anstatt produktive Differenzen zu erzeugen. Um eine tiefere diffraktive Wirkung zu erzielen, könnte es daher sinnvoll sein, weitere kontrastierende Perspektiven zu integrieren, die die theoretischen Überschneidungen zwischen den beiden Feldern herausfordern, um die Methode in ihrer vollen Komplexität und Kraft zu entfalten. Insgesamt stellt Kronbergers Arbeit einen herausragenden Beitrag dar, um die Zusammenhänge zwischen feministischer Medienkunst und Neuem Materialismus zu erfassen und die diffraktive Methode in ihrer möglichen Anwendung zu untersuchen. Klingers Wasserprotokolle ist ein politisch aufrüttelnder und radikaler Text, der den diffraktiven Ansatz zur Analyse politischer Gewalt nutzt. In einer Zeit, in der die europäische Migrationspolitik und brutale Grenzregime immer wieder Gegenstand globaler Debatten sind, gelingt es Klinger, das Thema Wasser/Meer in einer interdisziplinären, komplexen und zugleich nuancierten Auseinandersetzung neu zu definieren. Mit ihrem diffraktiven Ansatz stellt sie lineare Denkweisen infrage und setzt auf eine Perspektive, die die Multidimensionalität von Wasser/Meer als politische Kraft sichtbar macht. Klingers Herangehensweise basiert auf einer kritischen Durchdringung verschiedener Ansätze. Im Gegensatz zu einer linearen, kausalen Analyse – etwa "Migration führt zu Toten im Mittelmeer" – untersucht sie das Thema anhand eines Forschungsdesigns, das sich aus der Verschmelzung verschiedener Wissenssysteme speist: Kunst, Film, Journalismus und Theorie. Die diffraktive Methode verweist darauf, dass verschiedene Perspektiven nicht nebeneinander existieren, sondern sich gegenseitig brechen, reflektieren und verzerren. In Wasserprotokolle manifestiert sich diese Erkenntnis in Klingers Integration komplexer theoretischer Verflechtungen, politischer Diskurse und künstlerischer Darstellungen. Ein zentrales Element dafür ist der Umgang mit den Dokumentarfilmen Havarie (2016) von Philip Scheffner und Purple Sea (2020) von Amel Alzakout und Khaled Abdulwahed. Diese Filme stehen nicht für sich allein, sondern werden von Klinger als Katalysatoren genutzt, um eine breitere Reflexion über Wasser/Meer als materielle Grenze und gewaltförmiges Symbol anzustoßen. Wasser/Meer wird in diesem Zusammenhang nicht als Naturphänomen, sondern als fließendes, oft unsichtbares Element betrachtet. Durch seine Mehrdeutigkeit und seinen oft neutralen Status dient es dazu, die Gewalt an den Grenzen Europas zu verschleiern. Ein diffraktiver Ansatz impliziert hier, dass politische Gewalt nicht statisch ist. Klinger verwendet den Begriff der "fluiden Gewalt", um die politischen Strukturen rund um Migration und Grenzpolitik zu beschreiben. Die Gewalt, die vom Mittelmeer ausgeht, ist demnach keine feste Größe, sondern ein dynamisches, sich ständig wandelndes Phänomen, das immer wieder "wogt", sich verändert und in unterschiedliche politische Diskurse eingebettet ist. Diese Transformation manifestiert sich nicht nur in physischen Gewaltakten, sondern auch in der symbolischen "Neutralität" des "natürlichen" Meeres, das in Wirklichkeit das am stärksten überwachte und politisch durchdrungene Gewässer der Welt ist. Die These, die Klinger mit ihrer Analyse verfolgt, ist, dass die vorherrschende Wahrnehmung von Gewalt als "klar" und "offensichtlich" infrage gestellt werden muss. Die Auseinandersetzung mit dieser Fluidität wird auch auf der formalen Ebene des Textes sichtbar. Klinger verzichtet auf eine lineare Erzählweise und bewegt sich stattdessen in einem kontinuierlichen Fluss von Gedanken, Quellen und Perspektiven. So entsteht eine Art Kaleidoskop der europäischen Grenzpolitik, in dem nicht nur die "Toten im Wasser", sondern auch die unsichtbaren Praktiken und Machtstrukturen, die diese Gewalt hervorbringen, thematisiert werden. Trotz der tragischen Darstellung von Gewalt ist Wasserprotokolle kein resignativer Text. Vielmehr öffnet Klinger immer wieder den Raum für Widerstand – allerdings nicht als festen, klaren Begriff. Widerstand wird im diffraktiven Ansatz nicht als monolithische Bewegung verstanden, sondern als eine sich ständig verändernde Praxis, die durch die Verschiebung von Perspektiven und die Infragestellung bestehender Machtstrukturen entsteht. Klinger verweist auf zivilgesellschaftliche Akteur*innen und Rettungsinitiativen, die im Mittelmeer gegen staatliche Gewalt agieren. Es ist dieser Widerstand gegen die Verdinglichung von Menschen und Wasser als etwas "Neutrales", der den diffraktiven Charakter des Buches unterstreicht: Widerstand entsteht nicht aus einer festen Position heraus, sondern in der Bewegung und im ständigen Hinterfragen von Macht und Gewalt. Wasserprotokolle ist ein bemerkenswerter Beitrag zur politischen und theoretischen Debatte über Migration, Gewalt und deren Wahrnehmung. Durch ihren diffraktiven Ansatz gelingt es Klinger, die komplexen und oft unsichtbaren politischen Strukturen rund um die europäische Grenzpolitik zu entwirren und die fluiden Beziehungen zwischen Wasser, Macht und Widerstand zu beleuchten. Klinger bricht die traditionelle Analyse auf und zeigt, dass die Gewalt an den Grenzen nicht nur in den physischen Akten der Grenzüberwachung und ‑schließung liegt, sondern auch in den Symbolen und Wahrnehmungen, die unsichtbar gemacht werden. Wasserprotokolle ist ein durchdachtes, engagiertes und politisch relevantes Buch, das die Leser*innen dazu anregt, die europäischen Grenzregime aus einer diffraktiven Perspektive zu hinterfragen – als ein fließendes, widersprüchliches und sich ständig veränderndes gewaltvolles Gefüge.   Literatur Karen Barad: "Diffraktionen. Differenzen, Kontingenzen und Verschränkungen von Gewicht" [Orig.: "Diffractions. Differences, Contingencies, and Entanglements That Matter", 2007]. In: Geschlechter Interferenzen. Wissensformen – Subjektivierungsweisen – Materialisierungen. Hg. v. Corinna Bath/Hanna Meißner/Stephan Trinkaus/Susanne Völker, aus dem Englischen von Sophia Theodor, Berlin/Münster: Lit Verlag 2013, S. 27-68. Astrid Deuber-Mankowsky: "Diffraktion statt Reflexion. Zu Donna Haraways Konzept des situierten Wissens". In: Zeitschrift für Medienwissenschaft 4/1, 2011, S. 83-91. https://doi.org/10.25969/mediarep/2547. Donna Haraway: Modest_Witness@Second_Millennium.FemaleMan©_Meets_OncoMouse™ [Orig.: 1996]. New York/London: Routledge 2018 [2. Auflage]

    Julia Schade: Unzeit. Widerständige Zeitlichkeiten in Performance, Kunst, Theorie.: Berlin: Neofelis 2024. ISBN: 978-3-95808-448-3. 370 Seiten, 28,00 €.

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    Bei der im vergangenen Jahr im Berliner Neofelis-Verlag erschienenen Studie Unzeit. Widerständige Zeitlichkeiten in Performance, Kunst, Theorie handelt es sich um die bearbeitete Fassung der bereits 2020 abgeschlossenen, 2021 mit dem WISAG-Preis der Universität Frankfurt ausgezeichneten Dissertation der Medien- und Theaterwissenschaftlerin Julia Schade. Ihre tiefgehenden und weitreichenden Überlegungen zu einem "andere[n] Denken von Zeitlichkeit und ein[em] Denken anderer Zeitlichkeit" (S. 16, kursiv i. O.) kommen dabei mitnichten zur Unzeit, sondern wie gerufen. Ereignen sie sich doch in einer Zeit, in der das Bewusstsein für die Pluralität von Zeiterfahrungen und Zukunftsregimen beständig wächst; zumal diese Pluralität in Theorie und Kunst verstärkt ihre Bühnen der Be- und Verarbeitung findet. Das zentrale Erkenntnisinteresse Schades besteht in der Mammutaufgabe, das westlich geprägte Zeitdenken, das von der einen Zeit ausgeht, die sich linear – in der hegemonialen Logik sukzessiven Fortschritts – entfaltet, auf seine "blinden" Flecken zu untersuchen, indem sie es zuvorderst mithilfe poststrukturalistischer Theorie durcharbeitet, um so nicht zuletzt Prämissen der eigenen Theoriesozialisierung ein Stück weit zu verlernen. Für die Fundstücke von "Zeitlichkeiten in der Zeit, die sich als Widerständigkeit innerhalb der ordnenden, strukturierenden und Maß gebenden einen Zeit bemerkbar machen und gleichzeitig auf die Potenzialität möglicher anderer Zeitlichkeiten verweisen" (S. 17, kursiv i. O.), setzt die Autorin die titelgebende "Unzeit" zugleich als Sammelbegriff und Denkfigur für widerständige Zeitlichkeiten wie Zäsur, Nachleben, Verschleppung, Verschränkung, Unterbrechung. Diese unterlaufen die normative Zeitordnung und verweisen auf die potenzielle Vielgestaltigkeit von Zeit. Der primäre Gegenstand von Julia Schades Buch ist also Theorie, ja, Philosophie der Zeit. Dazu passt, dass sie als ihre Methode ein "Denken im Material" (S. 33) ausweist. Der Material-Begriff spielt hier auf die insgesamt fünf Inszenierungsbeispiele an, die sie in ihre Studie miteinbezogen hat. Arbeiten von William Kentridge, andpartnersincrime, Rabih Mroué, Frédérique Aït-Touati & Bruno Latour sowie Eva Meyer-Keller aus den Jahren 2012 bis 2018 stehen also für beispielgebende Materialisierungen widerständiger Zeitlichkeiten, insofern sie solche erfahrbar machen, indem sie sie aus der Abstraktion in die konkrete Anschauung überführen. Am Beispiel von Kentridges multimedialer Installation mit dem sprechenden Titel The Refusal of Time (2012) widmet sich das erste Kapitel der Kritik der einen Zeit aus einer post- und dekolonialen Perspektive. Ausgehend von inszenatorischen Elementen wie der sich im Zentrum der Installation befindlichen Atemmaschine sowie der Verwendung von Montagetechniken und anderen Formsprachen der Avantgarden arbeitet Schade heraus, wie Kentridge im Zusammenspiel mit der Materialität und Indexikalität seiner Referenzen z. B. rhythmische Abweichungen oder die Erfahrung einer komplexen "thick time" (S. 53) szenisch erfahrbar macht. Und zwar gerade dort, wo auf das Zeitalter der Industrialisierung mit seinen vielfältigen Prozessen der Synchronisierung – von Uhren wie auch Körpern – referenziert wird; als dasjenige Zeitalter, das im Westen mit der mechanischen Etablierung der einen Zeit auch die Voraussetzung einer imperialen, kolonialen Weltordnung erschuf. Mit Bezugnahmen auf die Theorien von Saidiya Hartmann und Christina Sharpe wird eine Revision des mit dem modernen Zeitregime der einen Zeit verbundenen europäischen Universalismus vorgenommen, um auf das Ausgeschlossene und Ungedachte des Kolonialismus, aber auch auf sein widerständig rumorendes, nachlebendes Erbe und seine potenzielle Erfahrbarkeit in Kentridges Installation hinzuweisen. Das zweite Kapitel geht nochmal einen Schritt zurück – und verdeutlicht, dass Julia Schade das anvisierte Durcharbeiten und Verlernen ernst meint. Anstatt bei der Position zeitgenössischer Kritik zu verharren, nimmt sie ihre Leser*innen mit zu historischen Szenen des Denkens einer westlichen Philosophie der Zeit, wie sie u. a. von Immanuel Kant oder später von Walter Benjamin und Gershom Scholem vollzogen wurde. Das sehr dichte, anspruchsvolle und voraussetzungsreiche Theoriekapitel historisiert mit der Vorstellung der Zeit als "Figur der Zykloide" (S. 115) in den Schriften von Benjamin und Scholem nicht nur die dem Zeitdenken inhärente Möglichkeit, Zeit/lichkeit anders zu denken. Es zeigt sich vor allem auch daran interessiert, nachzuspüren, wie das theoretische Verhältnis von Zeit und Form, Formgebung und Formveränderung war, ist und sein könnte. Hierfür ist es unter anderem Benjamins Begriff der Plastizität, der für die potenzielle (Ver-)Formbarkeit von Zeit in Stellung zu bringen wäre. In der Zäsur, dem Ereignis oder dem Zwischenfall betrete "Unzeit", die hier auch nochmal an Schriften des Frankfurter Komparatisten Werner Hamacher rückgebunden wird, zuvorderst im Bereich der Künste die Bühne. An diese Überlegung schließt Schade konsequenterweise die Erläuterung ihres Theaterverständnisses an, das wesentlich in der theaterwissenschaftlichen Denkschule von Ulrike Haß und Nikolaus Müller-Schöll sowie französischer, poststrukturalistischer Referenzdenker wie Jacques Derrida oder Jean-Luc Nancy verortet ist, und Theater "als Gegenentwurf zu einem Theater der Sichtbarkeit und der Präsenz" (S. 186) begreift. Neben den Inszenierungen – so wird hier deutlich –, ist es auch jenes Theorie-Material, mit dem sie denkt und arbeitet, und auf das sie in der Studie fortan immer wieder Bezug nehmen wird. Ohne es explizit zu machen, offenbart sich hier Schades methodische Form des Denkens-mit, die meines Erachtens auch als Versuch gedeutet werden kann, die eigene Positionalität über das schreibende In-Szene-Setzen ihrer relationalen Verwobenheit mit dieser spezifischen Denkschule herauszustellen und dadurch zu markieren. Im dritten Kapitel widmet sich Schade entlang der Lecture Performance Riding on a Cloud von Rabih Mroué der Kritik eines spezifischen Präsentismus im Zeitdenken von Gegenwart, demzufolge innerhalb der Ordnung von Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft immer nur ein davor und danach gedacht werde. Hier ist es insbesondere der der Inszenierung zugrunde liegende, thematische Aspekt des Traumas, welcher auf eine radikal andere Zeitlichkeit verweist. Schließlich zeige sich im Trauma eine unbegrenzt andauernde Nachträglichkeit, die die separierende Zeitachsenlogik komplex unterwandere. Mein persönliches Lieblingskapitel ist das vierte Buchkapitel, das sich entlang von drei Inszenierungsbeispielen und Theorien des Neuen Materialismus verschiedenen Konstellationen mehr-als-menschlicher Verschränkungen und ihren widerständigen Zeitlichkeiten widmet. Hier wechseln sich theoretische Differenzierungen zu vorgestellten Enden der Zeit (messianisch vs. eschatologisch), pointiert referierte kritische Positionen zum Anthropozän-Denken (z.B. bzgl. der inhärenten Wiederkehr universalistischer Denkmuster) und dichte Aufführungsbeschreibungen auf eine Weise ab, dass eine regelrechte Sogwirkung bei der Lektüre entsteht. Überhaupt ist die trotz aller Komplexität verblüffend klare Theorievermittlung ein großes Verdienst dieser Studie. Selten habe ich etwa eine so eingängige Erläuterung von Karen Barads Konzept der Diffraktion gelesen. Hier wird Theorie nicht einfach der Liebe zum Elfenbeinturm wegen betrieben. Vielmehr erhalten Leser*innen ein sprachlich gekonntes und zugleich spürbar an Nachvollziehbarkeit interessiertes Angebot, sich theoretischen Überlegungen zu widerständigen Zeitlichkeiten hinzugeben, die stets als gesellschaftspolitisch relevant erkennbar bleiben und daraus Momente der Dringlichkeit generieren. Während es zu Kentridge und auch Mroué schon einiges an theaterwissenschaftlicher Forschung gibt, würdigt Schades Buch mit Boundaries und Living Matters – längst überfällig – auch je eine Arbeit des Frankfurter Labels andpartnersincrime sowie der materialklugen Performancemacherin Eva Meyer-Keller. Als Leserin hätte ich mir einzig eine nähere und transparentere Begründung der Auswahl des Inszenierungskorpus gewünscht. So zeigt die Studie einen kaum kommentierten Hang zu dokumentarischen oder recherchebasierten Stoffen, die entweder installativ oder als Lecture Performances mit dem Publikum geteilt werden. Hier hätten mich Ausführungen zum Zusammenhang von Genre, Affekt und Zeitlichkeit, produktionsästhetische Fragen zur offensichtlichen Theorieaffinität der Künstler*innen selbst und rezeptionsästhetische Dimensionen, die auch plurale Zeitlichkeitsempfindungen während der Aufführung einbeziehen, interessiert – insbesondere vor dem formulierten Anspruch eines relationalen Ansatzes. Dieser führt dazu, dass es bei den theoretischen Positionen immer auch darum geht, kritisch anzumerken, wenn die Denker*innen in eine Logik der distanziert von außen blickenden "Schauordnung" (S. 265) zurückfallen. Mit dem Wissen und der Sensibilität, das einem selbst das auch immer wieder passieren kann, regt Julia Schades Buch nicht zuletzt an, in einem nächsten Schritt auch nochmal konsequenter darüber nachzudenken, wie auch bestimmte Aspekte der theaterwissenschaftlichen Aufführungs- und Inszenierungsanalyse dieser Logik immer wieder anheimfallen und also ebenfalls Prozessen des Verlernens unterzogen werden müssten

    Editorial: Sustainability, Governance, and Conflict

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    孫中山與“四萬萬中國人”: 20世紀初對中國人口停滯的憂慮

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    Through a concise biography of the number “400 million” (si wan wan) as used by Sun Yat-sen (1866–1925), the first provisional president of the Republic of China in 1912, this paper clarifies how and why Sun used the widespread image of a stagnating “400 million Chinese” despite the lack of evidence for this alleged population number. The article elucidates how the vagueness surrounding the image of “400 million Chinese” was attractive to Sun, as it allowed him to pragmatically adjust its (ethnic) definition along with his shifting aims. Ultimately, when systematising his philosophy in 1924, Sun used “400 million Chinese” to generate a sense of urgency for the implementation of his minzu (“Nationalism”) doctrine, the first of three doctrines constituting his chief political philosophy: the Three Principles of the People.   本文通過傳記分析,探討了孫中山(1866–1925)在缺乏確切人口數據的情況下,為何及如何廣泛使用“四萬萬中國人”這一概念。研究表明,這一模糊意象對孫中山具有吸引力,因其允許他根據政治目標的變化靈活調整他的民族定義。最終,在1924年系統化其政治哲學時,孫中山使用“四萬萬中國人”這一數字,為其“民族主義”學說的推行營造緊迫感,而該學說成為其核心政治哲學“三民主義”的重要組成部分。本文通過傳記分析,探討了孫中山(1866–1925)在缺乏確切人口數據的情況下,為何及如何廣泛使用“四萬萬中國人”這一概念。研究表明,這一模糊意象對孫中山具有吸引力,因其允許他根據政治目標的變化靈活調整他的民族定義。最終,在1924年系統化其政治哲學時,孫中山使用“四萬萬中國人”這一數字,為其“民族主義”學說的推行營造緊迫感,而該學說成為其核心政治哲學“三民主義”的重要組成部分

    Two Greek Tax-Receipts with Hijri Dates from the 730s

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    Edition of two Greek tax documents on papyrus dating from the 730ies.Edition of two Greek tax documents on papyrus dating from the 730ies

    Collective Effervescence as Self-Organization and Enaction

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    Collective effervescence is a group experience of intense collective affect. It includes feelings of being “swept away” and “becoming one with the crowd” and often a sensation of “awe” or being in touch with the sacred. Empirical research demonstrates that collective effervescence is connected to several short- and long-term psychological and physical benefits. The growing field of 4E cognition (enactive, embodied, embedded, and extended) takes cognition to be inherently social and affective. Yet surprisingly, despite the social, embodied, dynamic, and affective nature of collective effervescence, there is currently no 4E account of collective effervescence. I integrate the empirical literature on collective effervescence into 4E cognition. I argue, that whenever there are high degrees of self-organizing bodily activity in a human crowd under the proper boundary conditions, there is collective effervescence. Collective effervescence is the experience of undergoing high degrees of self-organization in a crowd. Taking a 4E dynamic systems approach to collective effervescence demystifies the phenomenon and opens it up for potential use in public policy and therapy.

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