WE_OS Jahrbuch (Oberstufen-Kolleg, Universität Bielefeld)
Not a member yet
88 research outputs found
Sort by
Forschendes Lernen am Oberstufen-Kolleg Bielefeld: Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt FLidO ("Forschendes Lernen in der Oberstufe")
Wissenschaftspropädeutik gilt neben einer vertieften Allgemeinbildung und Studierfähigkeit als wesentliches Element der Bildung in der Oberstufe. Forschendes Lernen könnte für Schüler*innen eine Möglichkeit darstellen, um im Unterricht eine „Bildung durch Wissenschaft“ zu erfahren. Bisher gibt es nur wenige Untersuchungen, die systematisch die Gelingensbedingungen und das Potenzial von Forschendem Lernen untersuchen, insbesondere, wenn man diesen Befund auf Schüler*innenforschung bezieht oder sogar auf partizipative Schüler*innenforschung im Bereich der Schulentwicklung ausweitet. Im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprojektes (FEP) „Forschendes Lernen in der Oberstufe“ (FLidO) am Oberstufen-Kolleg erfolgt ein systematischer Ansatz zur Etablierung und Beforschung von Strukturen für Forschendes Lernen allgemein sowie insbesondere von partizipativen Forschungsstrukturen. Im Rahmen dieses Beitrages werden zunächst die Begriffe „Forschendes Lernen“ und „Partizipative Ak-tionsforschung“ theoretisch hergeleitet, der Forschungsstand dargestellt und die Grundkonzeption des Projektes beschrieben. Es werden die Arbeitsdefinition zum Forschenden Lernen im Projekt, die Leitideen für die konkrete Umsetzung des Forschenden Lernens in den verschiedenen Kontexten und exemplarisch zwei der fünf Kontexte, innerhalb derer Forschendes Lernen am Oberstufen-Kolleg Bielefeld implementiert wurde, vorgestellt.
In addition to advanced general education and the ability to study, science propaedeutics (‘Wissenschaftspropädeutik’) is an essential element of upper secondary education. Research-based learning could be a way to enable students to pursue their education within the scope of science. So far, there are only a few studies that systematically analyze the prerequisites for success and the potential of research-based learning, especially if one refers to students’ research or even extends it to participatory students’ research in the field of school development. The research and development project “Research-based Learning in Upper Secondary Education” at the Oberstufen-Kolleg follows a systematic approach to set up structures for research-based learning in general, as well as participatory research structures are pursued. In this paper, the terms “research-based learning” and “participatory action research” will be derived theoretically, the state of research on this topic will be presented, and the conceptual framework of the project will be described. The working definition of research-based learning in the project, the guiding ideas for the concrete implementation of research-based learning in the various contexts and two examples of research-based learning implemented at the Oberstufen-Kolleg Bielefeld are presented
Schüler*innen mit psychischen Erkrankungen in der Oberstufe – Wege zu einer verstärkten Kooperation zwischen Schulen und Institutionen der psychosozialen Versorgung
Etwa 20 Prozent aller Schüler*innen zeigen psychische Auffälligkeiten, ungefähr die Hälfte von ihnen sind psychisch erkrankt. Aufgrund dieser hohen Zahlen und der gravierenden Auswirkungen psychischer Erkrankungen auf das schulische Lernen müssen alle Schulen und auch die gymnasialen Oberstufen diese Gruppe der Schüler*innen stärker in den Blick nehmen. Am Oberstufen-Kolleg Bielefeld beschäftigt sich ein Teilprojekt des Forschungs- und Entwicklungsprojekts „Inklusion in der gymnasialen Oberstufe“ mit der Frage, wie Schulen den betroffenen Schüler*innen den Schulbesuch und -erfolg ermöglichen können. Da viele dieser Schüler*innen gleichzeitig im System der psychosozialen Versorgung sind, arbeitet die Teilgruppe aktuell daran, den Kontakt und die Kooperation zwischen der Schule und den relevanten Institutionen zu verstärken. Zu diesem Zweck wurden Interviews mit Fachleuten der psychosozialen Versorgung geführt sowie ein Fachtag für Personen aus beiden Bereichen veranstaltet, und es werden Besuche in psychosozialen Einrichtungen organisiert. Weitere Vorhaben werden sich unter anderem aus der Auswertung dieser Besuche ergeben. Die bislang positiven Erfahrungen könnten ein Impuls für andere Schulen und Institutionen sein, ebenfalls mehr Kontakt und Kooperation zu suchen.
Approximately 20 percent of school students show mental disorders and about half of them have a mental illness. In view of these high figures and the serious consequences of mental diseases for learning and education, all schools and also the upper secondary schools need to give more attention to this group of students. One part of the research and development project “Inclusion at the Upper Level of Secondary Schools” at the Oberstufen-Kolleg Bielefeld deals with the question how schools can support the students concerned to attend school successfully. As many of these students are also in the system of psychosocial care, the project group presently focuses on strengthening the contact and cooperation between the school and the respective institutions. For this purpose it carried out interviews with experts of psychosocial care, organized a symposium with participants from both areas, and is arranging visits in psychosocial institutions. The evaluation of these activities will lead to further steps. The positive experiences so far could be an impulse for other schools and institutions to seek more contact and cooperation, too
Individuelle Zugänge zum Werk Ludwig Hubers: Ein Nachruf und eine Spurensuche nach subjektiven Relevanzsetzungen
Entlang von Textpassagen aus Ludwig Hubers Werk, die an dem zu seinen Ehren veranstalteten Gedenksymposion am 7. Dezember 2019 im Oberstufen-Kolleg diskutiert wurden, dokumentiert und reflektiert dieser Beitrag das breite Spektrum seines Wirkens. Die Textauswahl folgt dabei nicht dem Anspruch einer Repräsentativität oder einer disziplinär legitimierten Fachsystematik, sondern in Anlehnung an Ludwig Hubers Bildungsprogramm zur Auseinandersetzung mit relevanten Kulturgegenständen, also dem Anspruch subjektiver Relevanzsetzungen. Kommentiert und diskutiert werden demnach Textpassagen Ludwig Hubers, die für das Denken der Autor*innen über gymnasiale Oberstufe, Hochschule und Forschung subjektiv bedeutsam geworden sind. Die ebenfalls dokumentierten Diskussionen aus den Lektüregruppen mit den Teilnehmer*innen des Gedenksymposions belegen die nachhaltige Aktualität der Gedanken und Argumente Ludwig Hubers.
Along the text passages from Ludwig Huber’s work, which were discussed at the commemorative symposium on December 7, 2019, in the Oberstufen-Kolleg, this contribution documents and reflects the broad spectrum of his work. The selection of texts does not follow the claim of representativeness or a disciplinarily legitimized system of subject matter, but rather, in accordance with Ludwig Huber’s educational program for the confrontation with relevant cultural objects, i.e., the claim of subjective relevance. Accordingly, Ludwig Huber’s text passages, which have become subjectively significant for the authors’ thinking about upper secondary school, university, and research, will be commented on and discussed. The discussions documented from the reading groups with the participants of the commemorative symposium prove the lasting topicality of Ludwig Huber’s thoughts and arguments
Zur Nutzung von Forschung durch Lehrpersonen: Einblicke in eine qualitative Interviewstudie aus dem Projekt NuBiL
Aufbauend auf Befunden, dass Lehrpersonen Forschung im Berufsalltag nur bedingt nutzen, bietet der Beitrag einen Einblick in das Forschungsprojekt „NuBiL“, in dem die Gründe dieses Nutzungsverhaltens untersucht werden. Dargelegt wird, dass es einen von der Bildungspolitik, aber auch von der Forschung selbst – genauer: von Vertreter*innen der empirischen Bildungsforschung – an Lehrpersonen herangetragenen Anspruch gibt, sich mit berufsbezogener Forschung zu beschäftigen. Demgegenüber verfolgt das vorgestellte Forschungsprojekt das Anliegen, die Logik des beruflichen Alltagshandeln von Lehrpersonen zu untersuchen und vor dem Hintergrund dessen das Nutzungsverhalten bezüglich Forschung zu erforschen. In Annäherung an dieses Anliegen werden in diesem Beitrag erste Ergebnisse einer Interviewstudie vorgestellt, in der mittels qualitativer Inhaltsanalyse zwei Hauptkategorien gebildet wurden: „Ziele/ Motivation, sich mit Forschung/Daten auseinanderzusetzen“ und „Genutzte Forschung/Daten“. Präsentiert wird, dass sich in den diesen Kategorien zugeordneten Aussagen ein relativ weites Verständnis von Forschung spiegelt, welches nicht vollends mit dem Verständnis übereinstimmt, das in der empirischen (Bildungs-) Forschung vertreten wird.
Based on findings showing that teachers use research in their everyday professional life just in a limited way, the contribution provides insight in the research project ‘NuBiL’ in which the reasons for this usage behavior are explored. The paper indicates that there is a demand on the part of the educational policy, but also of the research itself – especially of representatives of empirical educational research – made on teachers to deal with work-related research. In contrast to this demand, the presented research project aims at exploring the logic of the professional everyday actions of teachers and – against this background – at investigating the usage behavior regarding research. In approximation to this concern, first results of an interview study will be presented. By using qualitative content analysis, two main categories were created: ‘aims/motivation to deal with research/ data’ and ‘research/data used’. It will be shown that the statements associated with these categories reflect a relative broad understanding of research, which does not correspond completely with the understanding represented within empirical (educational) research
Professionalisierung in Spannungsfeldern von Inklusion durch Fortbildung: Transferaktivitäten zu einem Forschungsdesiderat
Die Entwicklung eines inklusiven Schulsystems hat nicht nur Auswirkungen auf die Ausbildung zukünftiger Lehrkräfte, sondern stellt in gleichem Maße ein Desiderat für die Fortbildung bereits berufstätiger Lehrer*innen dar. Diesem Desiderat widmen sich zwei u.a. in Bielefeld angesiedelte BMBF-geförderte Verbundforschungsprojekte. Ausgehend von empirischen Daten zu multiprofessioneller Teamarbeit (Projekt „ProFiS“) und dem Spannungsfeld von Leistung und Inklusion (Projekt „ReLInk“) werden in beiden Projekten Fortbildungen mit dem Ziel einer Professionsreflexion konzipiert. Dieser Artikel skizziert die den Fortbildungen zugrundeliegende Annahme, dass die Reflexion und das Infragestellen der eigenen Deutungsmuster nur in einem Setting geschehen können, das individuelles Anschlussdenken bzw. -lernen ermöglicht und sich auf wenige exemplarische Darstellungen mit Irritationspotenzial konzentriert. Dies wird möglich durch praxisreflexive Kasuistik – eine Herangehensweise, in der die Teilnehmer*innen der Fortbildung im Sinne einer „Reflexionspause“ wenige ausgewählte und didaktisch aufbereitete Fälle aus dem Projektkontext sequenziell erschließen und im Sinne eines Probehandelns über Handlungsalternativen nachdenken können. Ein solches Fortbildungssetting wird anhand des Projekts „ReLInk“ exemplarisch beschrieben.
The development of an inclusive education system not only influences the training of future teachers, but also has implications for the further training of teachers already in service. Two state-funded projects are currently addressing this issue. Emanating from empirical data on multiprofessional team work (project “ProFiS”) and the relationship of inclusion and achievement (project “ReLInk”), both projects are designing further trainings with the goal of the reflection on one’s own profession. The basis for the conceptualization of these trainings is the assumption that reflecting and challenging one’s own patterns of interpretation can only happen in a setting, which enables individual learning processes and which focuses on just a few depictions that have a high potential for irritation. With the approach of a ‘practice-reflecting casuistics’, the participants of the training sequentially work with few, selected and didactically edited cases from the projects and in this way can rehearse alternative ways of acting. Such a setting for a training will be exemplified by means of the project “ReLInk”
Schulentwicklung, Praxisforschung und interner Transfer: Das neue FEP-SE-Transfermodell am Oberstufen-Kolleg
Ausgehend von als noch nicht weitreichend genug empfundenen Transferaktivitäten am Oberstufen-Kolleg im Anschluss an Forschungs- und Entwicklungsprojekte (FEP) wird im vorliegenden Beitrag die Frage nach dem Zusammenhang von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten einerseits und deren systematischem Nexus zur organisationsbasierten Schulentwicklung (SE) andererseits gestellt. Vor dem Hintergrund einer Defizitdiagnose herkömmlicher Schulentwicklungsmodelle erfolgt ein Plädoyer für eine „professionssensible Schulentwicklung“ sowie anhand des daraus resultierenden Konzepts einer individualisierten Schulentwicklungsarbeit das Programm eines neuen FEP-SE-Transfermodells, das am Oberstufen-Kolleg nunmehr erprobt und evaluiert wird.
Based on transfer activities at the Oberstufen-Kolleg following research and development projects (FEP), which are perceived as not yet far-reaching enough concerning the school development, this article raises the question of the connection between research and development activities on the one hand and their systematic nexus to organization-based school development (SE) on the other. Against the background of a deficit diagnosis of conventional school development models, there is a plea for a “profession-sensitive school development” and, on the basis of the resulting concept of individualized school development work, the program of a new FEP-SE transfer model, which is now being tested and evaluated at the Oberstufen-Kolleg
Praxisforschung revisited – zum Potenzial rekonstruktiver Zugänge: Eine Bestandsaufnahme und eine Ideenskizze für ein Netzwerk „Qualitativ-rekonstruktive Schulforschung und Schulentwicklung“
Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung von zwei Versuchsschulen arbeiten die Autor*innen des Beitrags seit einigen Jahren mit qualitativ-rekonstruktiven Verfahren der Schul- und Unterrichtsforschung. Dabei stellt sich die Kooperation zwischen Schule und Wissenschaft jeweils unterschiedlich dar: Während im Oberstufen-Kolleg Wissenschaftler*innen und Lehrer*innen in partizipativen Forschungs- und Entwicklungsprojekten zusammenarbeiten, findet an der Helene-Lange-Schule eine evaluative Begleitung der Schulpraxis durch die Wissenschaftler*innen statt. Für beide Vorgehensweisen einer praxisnahen Schulforschung stellt sich, allerdings in unterschiedlicher Weise, das Verhältnis von Nähe und Distanz als zentrales Problem dar, das zugespitzt wie folgt beschrieben werden kann: Während im Oberstufen-Kolleg die Involviertheit der forschenden Lehrer*innen in die Schulpraxis bzw. die Erforschung der eigenen Praxis den für Forschung notwendigen distanzierten Blick verhindert, erschwert im Rahmen der Evaluationsforschung die Systemdifferenz von Wissenschaft und Schulpraxis die Anschlussfähigkeit von Forschungsbefunden. Für beide Zugänge stellt sich die Anonymisierung von Daten und Befunden als eine (weitere) Herausforderung dar. Im Ausblick wird die Etablierung eines Netzwerks von Schulen und Wissenschaftler*innen als potenzielle Problemlösung vorgeschlagen.
As part of the scientific monitoring of two laboratory schools, the authors of the article have been working for several years with qualitative-reconstructive methods of school and teaching research. The cooperation between school and research is different in each case: While researchers and teachers work together in participative research and development projects in the Oberstufen-Kolleg, the Helene Lange School provides evaluative support for school practice by the researchers. For both approaches to practice-oriented school research, the relationship between nearness and distance presents itself as a central problem, albeit in a different way: While in the Oberstufen-Kolleg the involvement of the researching teachers in school practice or the research of their own practice prevents the distanced view necessary for research, in the context of evaluation research the system difference between research and school practice makes it more difficult for research findings to be connected. For both approaches, the anonymization of data and findings presents a (further) challenge. In the outlook, we propose the establishment of a network of schools and researchers as a possible solution to the problem
Lehrerin und Forscherin? Erfahrungen aus der Praxisforschung des Oberstufen-Kollegs Bielefeld
Ausgehend von einem Forschungs- und Entwicklungsprojekt zum Praxissemester im Unterrichtsfach Pädagogik stellen die Autorinnen ihre Erfahrungen als Lehrer-Forscherinnen dar. Dieses Forschungs- und Entwicklungsprojekt ist hierfür in besonderer Weise geeignet, da es sowohl die schulpädago-gischen Bemühungen um die Förderung einer forschenden Grundhaltung bei Schüler*innen als auch in der Lehrerausbildung sowie in der berufsbegleitenden Professionalisierung von Lehrkräften thematisch werden lässt. Ihren Erfahrungsbericht systematisieren die Autorinnen entlang von drei aus der Literatur zu Forschendem Lernen und Lehrerprofessionalisierung extrahierten Dimensionen: der Professionalisierungsstrategie, der Entwicklungsstrategie und der Anregung zu kolle-gialer Lehrerfortbildung. Entlang des Abgleichs dieser Dimensionen mit ihren individuellen berufsbiografischen Erfahrungen zeigen sie auf, wie nachhaltig eine forschende Grundhaltung zur Professionalisierung beitragen und welche positiven Effekte für die kollegiale Fort- und Weiterbildung sowie die Unterrichts- und Schulentwicklung diese haben kann.
Based on a research and development project on a long-term practical training for students in teacher education for the subject “pedagogy”, the authors present their experiences as teacher researchers. This research and development project is particularly suitable for this purpose, as it focuses on the efforts of schoolteachers to promote a basic research attitude among pupils, on teacher training and on the professionalization of teachers. The authors systematize their experience report along three dimensions extracted from the literature on research-based learning and teacher professionalization: the strategy for professionalization, for development and for stimulating collegial teacher training. By comparing these dimensions with their individual professional biographical experiences, they show how a research-oriented attitude can contribute to professionalization in the long term and what positive effects this can have on collegial continuing training as well as on teaching and school development
„Die Beurteilung, die müsst ihr nachvollziehen, die kann ich euch nicht aufdrücken“: Beobachtungen und Einblicke in die Leistungsbewertungspraxis am Oberstufen-Kolleg Bielefeld
Das Oberstufen-Kolleg Bielefeld hat als Versuchsschule den Auftrag, innovative Konzepte des Unterrichtens und Lernens zu entwickeln und zu erforschen. Dies beinhaltet auch alternative Formen der Leistungserhebung, -bewertung und -rückmeldung. Ein sichtbarer Ausdruck dieser alternativen Praxis ist die Notenfreiheit in der elften Jahrgangsstufe (Eingangsphase) des Oberstufen-Kollegs, die u.a. eine größere Freiheit der Lehrkräfte bei der Auswahl und Gestaltung von Leistungsnachweisen ermöglichen soll. In diesem Artikel werden Daten eines Projekts beleuchtet, das sich in den knapp drei Jahren seiner Laufzeit mit Leistungsnachweisen in der Eingangsphase des Oberstufen-Kollegs befasst und hierbei neben der Praxis im Schulalltag insbesondere die ihnen zugeschriebenen Funktionen und angenommenen Funktionalitäten in den Fokus genommen hat. Es werden zunächst Problemstellungen aufgezeigt, die sich durch neue Akteure und neue Anforderungen im Zusammenhang mit der Bewertung von Leistung in Schulen in den letzten Jahrzehnten ergeben haben. Anschließend werden die pädagogische Praxis am Oberstufen-Kolleg, ihre historisch bedingten Besonderheiten sowie das Forschungs- und Entwicklungsprojekt Funktionen und Funktionalität von Leistungsnachweisen in der gymnasialen Oberstufe vorgestellt. Die Beiträge von Lehrkräften in einer Gruppendiskussion im Rahmen dieses Projekts werden schließlich mit Blick auf den Umgang mit dem Legitimationsdruck, insbesondere bei unüblichen Bewertungspraxen, das Vorhandensein schulformspezifischer Leistungskonzepte, die Nutzung von Freiheiten und Spielräumen sowie die Auseinandersetzung mit der Schulkultur betrachtet. Die Schlussfolgerungen greifen den spezifischen Umgang des Oberstufen-Kollegs mit Aspekten der Leistungsbewertung auf und verweisen auf das Potenzial der Beforschung der eigenen Schulpraxis, auch für andere Schulen
Flucht in eine ungewisse Zukunft? Ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt (FEP) zum Empowerment von Schüler*innen mit Fluchterfahrung
Vier junge Flüchtlinge aus Syrien, Schüler am Oberstufen-Kolleg (Bielefeld), haben sich auf die Suche nach einer Arbeitsmethode gemacht, um sich selbst, aber besonders anderen Schüler*innen mit Fluchterfahrung dabei zu helfen, ihren eigenen Platz in Deutschland zu finden und ihn aktiv zu gestalten. Dafür sind sie nach Barcelona gefahren, wo sie mit Soziolog*innen der Universität Oberta de Catalunya anhand des Textes „Exkurs über den Fremden“ von Georg Simmel (in: Soziologie, 1908) über ihre Situation in Deutschland eingehend reflektiert haben. Dabei sind ihnen die positiven Möglichkeiten, die ihre Rolle als Fremde bietet, aber auch die konkreten Schwierigkeiten, die sie damit haben können, bewusster geworden. Sie haben ihre Vorstellungen von der Zukunft analysiert und sich mit dem Begriff „Integration“ kritisch auseinandergesetzt. Mit den Ergebnissen dieser Arbeit haben sie dann Unterrichtsmaterialien entwickelt, die sie in den Kursen für Neuzugewanderte des Oberstufen-Kollegs testen werden. Der vorliegende Artikel beinhaltet eine Beschreibung des Konzepts, mit dem sie nach Barcelona gefahren sind, und einen Reisebericht, der die Diskussionen und Gespräche zusammenfasst