Austrian Law Journal (Universität Graz)
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    "Negative interest": Bestandsaufnahme und weitere offene Fragen

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    Die Frage, ob ein Kreditgeber bei Eintritt gewisser Voraussetzungen dazu verpflichtet sein könnte, dem Kreditnehmer „Negativzinsen“ zu zahlen, wurde in jüngster Zeit in der Literatur kontrovers diskutiert und mittlerweile mehrfach durch den OGH entschieden. Der folgende Beitrag bietet zunächst einen allgemeinen Überblick über die Thematik, geht auf einige in der jüngeren literarischen Diskussion angebrachte Bedenken ein und versucht, offen gebliebene Fragen zu klären.The question whether a credit institution could be obligated, under certain circumstances, to pay (negative) interest to the debtor has been controversially discussed in the Austrian doctrine. As of today, the Austrian Supreme Court on Civil and Criminal Matters (OGH) has issued several rulings. The following contribution offers a general overview, discusses some of the objections raised against the recent judgements of the OGH and will try to clarify open questions

    The Digitized Taxpayer

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    Die nach dem österreichischen Vorbild beschlossene Modernisierung des Besteuerungsverfahrens in Deutschland verletzt solange das Grundgesetz, bis ein Ertragsteuerrecht in Kraft tritt, das gesetzeskonform und gleichheitsgerecht digital angewandt werden kann. Auch die steuerlichen Erhebungslasten fordern eine Vereinfachung des materiellen Rechts: Selbst wenn die Mitwirkungspflichten, die Lenkungswirkungen, auch die steuerstrafrechtlichen Vorgaben und datenrechtlichen Lasten isoliert betrachtet noch zumutbar wären, verletzt jedenfalls deren Kumulation das verfassungsrechtliche Maß. Schließlich wird der Kampf gegen „aggressive Steuerplanungen“ internationaler Unternehmen nur erfolgreich sein, wenn das anzuwendende Steuerrecht grundlegend vereinfacht wird. Diese Reformforderungen werden durch die historischen Motive der Soll-Ertragsbesteuerung bestätigt: Steuerhinterziehungen sollten vermieden, die Privatsphäre der Steuerpflichtigen sollte geschont und jeder gleichheitsgerecht zur Steuer herangezogen werden. Das geltende Steuerrecht belastet zu Recht den tatsächlichen, den Ist-Ertrag. Die geltende unübersichtliche Konkretisierung dieses Ausgangspunktes durch Elemente der Soll-Ertragsbesteuerung ist aber in einer grundlegenden Vereinfachung des Steuerrechts zu rationalisieren und zum System zu machen.The modernisation of the German taxation procedure, adopted according to the Austrian model, violates the German Basic Law (Grundgesetz), as long as there is no law on income tax that can be applied digitally in accordance to the principles of lawfulness and equality. A simplification of the substantive tax law is required. Even if the obligations to cooperate, the steering effects, as well as the provisions of criminal fiscal law and the obligations under data protection law were acceptable when seen in isolation, taken together they certainly violate the constitutional standard. Ultimately, the fight against “aggressive fiscal planning” of international corporations will only succeed if the applicable fiscal law is fundamentally simplified. These calls for a reform reflect the historical motives for the assumed taxation of earnings, that was in force in Germany until the late 19th century: Avoidance of tax evasion, respect for the taxpayers’ privacy, and a taxation, that burdens all taxpayers, not missing a single one. However, the numerous elements of imputed taxation in the current tax law, that claims not to impute the tax burden, bring confusion into the system. The current mixture of assumed and accurately calculated taxations needs to be rationalised and systematized. That might be the best way to a fundamental simplification of tax law

    Provisional Account Preservation Measures in European Civil Procedure Law: A comparison between Brussels Ia and the Regulation on the European Account Preservation Order from an Austrian and a Slovenian perspective

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    Mit der Europäischen Kontenpfändungsverordnung einerseits und der revidierten EuGVVO andererseits baute der Europäische Verordnungsgeber jüngst die Instrumente des grenzüberschreitenden einstweiligen Rechtsschutzes deutlich aus: Während die neue EuGVVO Anerkennung und Vollstreckung für nationale Maßnahmen des einstweiligen Rechtsschutzes in anderen Mitgliedstaaten vereinfacht, schafft die Kontenpfändungsverordnung eine genuin europäische Sicherungsmaßnahme (den Europäischen Kontenpfändungsbeschluss), die verhindern soll, dass der Schuldner Gelder von seinem Bankkonto abhebt oder überweist. Der Beitrag vergleicht diese beiden Schienen des einstweiligen Rechtsschutzes auf Europäischer Ebene in Bezug auf ihre jeweiligen Anwendungsvoraussetzungen, die dem Schuldner zur Verfügung stehenden Rechtsbehelfe und ihre erheblich divergierenden Wirkungsweisen.With the Regulations 1215/2012 (Brussels Ia Regulation) and 655/2014 (EAPO Regulation), the European legislature has created two new and distinct instruments to facilitate cross-border debt recovery in civil and commercial matters. While the Brussels Ia Regulation provides an easier recognition and enforcement of national interim measures in other EU Member States, the EAPO Regulation creates a single provisional and protective measure enabling creditors to prevent the transfer or withdrawal of the debtors\u27 assets from any bank account located in the EU. This paper provides a comparative analysis of these European creditor-friendly legal instruments by evaluating the rules on preconditions, legal remedies and the different effects of national interim measures that shall be recognised and enforced within the Brussels Ia regime and the new EAPO

    Digitization and Self-Determination

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    Der Beitrag beleuchtet das Verhältnis von Digitalisierung und Recht. Am Beispiel der Blockchain-Technologie wird aufgezeigt, wie neue Formen und Räume der Selbstbestimmung geschaffen werden können. In distribuierten Systemen ist die Tendenz erkennbar, dass sich die rechtliche hin zu einer technischen Steuerung verlagert. Wenn Funktionen, die für gewöhnlich der demokratisch legitimierte Gesetzgeber wahrnimmt, auf andere Systeme übergehen, führt dies zu Herausforderungen für rechtsstaatliche Demokratien. Fundamentale Fragen von Kontrolle und Machtbeschränkung iZm Digitalisierung stehen im Fokus. Der Beitrag plädiert schließlich für „legal foresight“-Forschung im Bereich neuer Technologien.This paper outlines the interplay of digitization and law. The Blockchain-technology illustrates that digitization deploys new forms and spaces of self-determination. However, in distributed systems the power tends to no more derive from laws but to be managed by technology itself. The shifting of functions which are traditionally performed by the democratically legitimated legislator to other institutions brings along challenges for democratic legal systems. This puts the focus on questions of control and the restriction of power linked to digitization. The paper therefore, calls for ‘legal foresight’-research in the field of emerging technologies

    Cyber Crime - The Digitized Criminal

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    „Smart Home: Hacker übernehmen Kontrolle über Thermostat“, „Medjacking – Attacke auf Herzschrittmacher“, „Inside the Cunning, Unprecedented Hack of Ukraine’s Power Grid“, „Ransomware: Erpressung per Lösegeld-Trojaner“, „Tesla’s Self-Driving System Cleared in Deadly Crash.“ Schlagzeilen wie diese beschreiben den digitalisierten Täter der heutigen Zeit. Die Liste der Beispiele an modernen Straftaten lässt sich zwanglos erweitern durch Phänomene wie Online-Pornographie, Online-Glückspiel und Geldwäsche, digitale Erpressung, Cybermobbing und überhaupt Hate speech im Internet oder durch Eingriffe in die Privatsphäre über das Internet. Wie stets, wenn der technische Fortschritt für den Einzelnen und die Gesellschaft Vorteile bringt, zeigt sich auch bei der fortschreitenden Digitalisierung die Kehrseite der Medaille, nämlich der Kriminelle, der die neu eröffneten Möglichkeiten zu verpönten Zwecken nutzt. Was der solcherart digitalisierte Täter für das gerichtliche Strafrecht bedeutet, möchte ich im Folgenden exemplarisch beleuchten.„Smart Home: Hacker übernehmen Kontrolle über Thermostat“, „Medjacking – Attacke auf Herzschrittmacher“, “Inside the Cunning, Unprecedented Hack of Ukraine’s Power Grid”, “Ransomware: Erpressung per Lösegeld-Trojaner”, “Tesla’s Self-Driving System Cleared in Deadly Crash” Headlines like these describe today’s digitalized perpetrator. The list of examples of modern offences can easily be expanded by phenomena such as online pornography, online gambling and money laundering, digital extortion, cyberbullying and, generally speaking, hate speech on the internet or by interferences with privacy via the internet. As ever, when technical progress yields benefits for individuals as well as society, the other side of the coin in advancing digitalization appears to be the criminal using newly available opportunities for illegal purposes. In the following, I aim to illustrate a digitalized perpetrator’s significance for the area of criminal law

    The European Convention on Human Rights‘s \u27Additional Protocols\u27 versus \u27Amendment Protocols\u27: Shedding Light on Two Often-Confused Terms

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    Des Öfteren werden die beiden Typen von Protokollen, die der EMRK angefügt bzw. dieser hinzugefügt werden, miteinander verwechselt, obwohl „Zusatzprotokolle“ strikt von „Änderungsprotokollen“  zu trennen sind. Durch „Zusatzprotokolle“ werden der EMRK – zusätzlich zu den in der EMRK bereits verankerten Schutznormen – weitere Menschenrechte hinzugefügt, die aber nicht in die EMRK selbst eingefügt, sondern in eigenen zusätzlichen Protokollen verankert werden, deren Ratifikation den EMRK-Vertragsstaaten freisteht. Im Gegensatz dazu ändern verfahrensrechtliche Protokolle das bestehende Prozedere der EMRK ab, sodass sie als „Änderungsprotokolle“ von allen 47 EMRK-Mitgliedstaaten ratifiziert werden müssen. Diese Unterschiede werden anhand der Protokolle Nr. 15 und Nr. 16 zur EMRK exemplifiziert.Many a time, the ECHR’s two types of protocols, which respectively add to the Convention or change existing text, are confused. This is the case despite the fact that `\u27Additional Protocols\u27 and \u27Amendment Protocols\u27 require strict separation. \u27Additional Protocols\u27 add further human rights to the ECHR – i.e. over and above the ECHR’s already enshrined protective norms. However, the added rights are not embedded in the ECHR itself; rather they are anchored to it via separate additional protocols whose ratification is at Member States’ discretion. In contrast, \u27Amendment Protocols\u27 are procedural protocols which change existing procedure, this in turn requires that they be ratified by all 47 ECHR Member States. The differences between the two types of protocols shall be exemplified using the ECHR’s Protocols No. 15 and No. 16

    Women and Civic Identity in Roman Antiquity

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    Obwohl freie Frauen im alten Rom Bürger waren, ist der Begriff der bürgerlichen Identität für die Untersuchung der römischen Frauen besser geeignet als jener der Staatsbürgerschaft. Ihre Position in der römischen Gesellschaft unterscheidet sich von jener der griechischen Frau: Sie nimmt eine wichtigere Position in der Religion und im Recht ein und ist präsenter in sozialen, bürgerlichen und gerichtlichen Räumen. Sie hat eine wichtige Stellung, aber dennoch immer jener des Mannes untergeordnet; die Geburt und die Durchsetzung des Christentums wird die Beziehung zwischen Frau und Mann nicht verändern.In ancient Rome, free women were citizens, but the notion of civic identity is more suitable than that of citizenship for the study of the Roman woman. Her position in the society differs from the position of the Greek woman: more relevant in religion and law and more present in social, civic and judicial spaces. It was an important position but always subordinate to that of the man. The birth and establishment of Christianity will not change the relationship between a man and a woman

    The Digitized Researcher

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    Der vorliegende Kommentar bezieht sich auf den Beitrag "Der digitalisierte Forscher" von Thomas Kröll (ALJ 2/2017, 71). Ausgehend von der Beschreibung der gegenwärtigen Gesellschaft als Wissensgesellschaft werden drei Aspekte angeführt, die die Wissenschaft als Systemheute kennzeichnen und künftig weitere Bedeutung haben werden: die Gewinnung und Weitergabe von Forschungsdaten, die Bewertung von wissenschaftlichen Leistungen und die Funktion von Universitäten. Der Kommentar schließt mit der Aufforderung, das Grundrecht der Wissenschaftsfreiheit als institutionelle Garantie fortzuentwickeln.Beginning with the description of society as a knowledge-based society, three aspects are presented which characterize today\u27s science as a system and which will be of further importance in the future: the acquisition and dissemination of research data, the evaluation of scientific output and the role of universities. The comment concludes with a call to develop the fundamental right of the freedom of science as an institutional guarantee

    Customary Law In Nigeria: A "Treasure Trove" Or "Pandora\u27s Box"?

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    In Nigeria herrscht ein dreiteiliges Rechtssystem vor, bestehend aus Gewohnheitsrecht, Scharia-Recht und dem englischen Common Law. Während die früheren nicht-staatlichen Rechtssysteme bereits vor britischen Einflüssen in Afrika existierten, ist die Einführung der englischen Common Law-Tradition eine Folge der Kolonialisierung. Infolgedessen wurde das Nigerianische Rechtssystem durch rechtliche Mehrdeutigkeiten unterwandert, was bei kritischen Rechtsexperten zu geteilten Meinungen geführt hat. Dieser Artikel betrachtet die Theorie und Praxis des etablierten dreiteiligen Rechtssystems im Kontext der thematischen Herausforderungen, die sich aus dem Versuch ergeben, bei bestimmten ethnischen Gruppen wieder das Vertrauen in das Konzept der „Selbstbestimmung“ (in Form von Freiheit von Religion und Kultur) zu stärken, sowie dies mit den dazu entgegenstehenden Vorschriften der Nigerianischen Verfassung sowie den internationalen Verträgen und Abkommen zu vereinbaren.Nigeria operates a tripartite legal system comprising customary law, Sharia law and the English common law regime. While the former two non-state legal systems predated the coming of the British to that region of Africa, the introduction of English common law tradition was by a process of colonisation. Consequently, the Nigerian legal system has become submersed with legal pluralism which tends to put critical legal thinkers in two minds. This paper revisits the theories and practices of the established three-tier system within the context of the topical challenges that trickle down from attempting to reconcile the reliance by certain ethnic groups on the concept of "self-determination" (under the guise of freedom of religion and culture) and the opposing provisions of the Nigerian constitution and international treaties and conventions

    Data Protection in Social Media in the Context of Private Law

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    Der Datenschutz in den sozialen Medien wirft eine Reihe von Problemen auf. Zum einen geht es um das Verhältnis des Datenschutzgesetzes zum Persönlichkeitsrecht; hier wird sich eine Kombinationslehre wie bei sonstigen besonderen Persönlichkeitsrechten – etwa dem Bildnisschutz – als überlegen erweisen. Die §§ 7 ff dTMG privilegieren die Provider in mehrfacher Hinsicht. Freilich bleibt deren Haftung oft unberührt. So kann der Content-Provider zur Verantwortung gezogen werden auch wenn er sich fremde Nachrichten nur zu eigen macht. Der Host-Provider haftet ab Kenntnis des rechtswidrigen Inhalts; auch treffen ihn eine Reihe von Prüfungspflichten. Entgegen der Auffassung des BGH ist er auch verpflichtet, den Namen des Content-Providers zu nennen. Schließlich kommt eine Haftung des Access-Providers in Betracht, wenn er die rechtswidrigen Inhalte wissentlich weiterleitet. Entgegen der Auffassung des EuGH besteht ein Gerichtsstand überall dort, wo sich die unerlaubte Handlung – die Verletzung des Persönlichkeitsrechts – verwirklicht; sie ist nicht auf den Tatort und den Ort beschränkt, an dem sich das Opfer befindet.Data protection in social media raises numerous problems. One of them is the relationship between data protection law and the right of personality. Like in the other special fields of the right of personality (for example the protection of the image), the theory to combine special regulations on the question whether there is a violation and general regulations on the consequences of a given violation will prevail. The providers are privileged pursuant to §§ 7 dTMG ff. in several ways. In many cases of course, the liability of the provider remains unaffected. Yet, the Content-Provider is liable, even for a third-party content if he makes it his own. The Host-Provider is liable for an illegal content from the moment he gains knowledge of it; furthermore, he has duties to care. Contrary to the opinion of the BGH, the Host-Provider is also obligated to name the Content-Provider. Lastly, the Access-Provider can be liable, if he knowingly transfers illegal content. Contrary to the view of the ECJ, the place of jurisdiction is not limited to the place of the tort and the place of residence of the victim but can be in any place where the violation of the right of personality materializes itself

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