Austrian Law Journal (Universität Graz)
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    Die Durchführung von Unionsrecht durch die Verwaltung eines föderal organisierten Mitgliedstaats

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    Eine föderale Struktur erleichtert die Durchführung von Unionsrecht nicht. In Österreich hat sich jedoch nach 20 Jahren EU-Mitgliedschaft eine zweckmäßige Struktur etabliert, um mit den Herausforderungen in der Umsetzung und Anwendung von Unionsrecht im Bundesstaat umgehen zu können. Der Beitrag bespricht anhand aktueller Themen und Beispiele typische Fragen im Verhältnis EU-Mitgliedstaat-Bundesland wie die Umsetzungszuständigkeit von Richtlinien, den Umgang mit Vertragsverletzungsverfahren und Bußgeldverfahren oder die Frage unionsrechtlich begründeter subjektiver Rechte. A federal structure does not facilitate the implementation of EU law. After 20 years of EU-membership, Austria has, nevertheless, established a practical structure which ensures the transposition and implementation of EU law. The paper discusses typical questions of the relationship of the EU – member states – regions, through current issues and examples, such as responsibilities for the transposition of EU law, management of infringement procedures and financial sanctions or individual rights

    Ausgleich von Personenschäden – Rechtsvergleichende Anregungen für das Zusammenspiel von Schadenersatz- und Versicherungsrecht

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    Im Bereich der Personenschäden weisen die europäischen Rechtsordnungen recht unterschiedliche Ausgleichssysteme auf: Überwiegend verändern die Sozialleistungen nicht die schadenersatzrechtliche Zurech­nung, da den Sozialversicherungsträgern gegen den Haftenden Rückgriffsansprü­che zustehen. Insbesondere in Skandinavien wird jedoch das Schadenersatzrecht durch das Sozialversicherungsrecht verdrängt, so dass es zu einer weitgehenden Befreiung der verantwortlichen Schädiger kommt. Diese Unterschiede scheinen einer Harmonisierung der Ausgleichssysteme in Europa entgegenzustehen, doch scheint eine Überbrückung der Differenzen möglich.  Regarding personal injuries, the various compensation schemes in Europe display quite some differences: Under most legal systems, the social security systems do not change imputation under the law of damages as the social insurer can take recourse against the tortfeasor. But particularly in Scandinavia the social security system displaces tort law by excluding the possibility of recourse and thus providing far-reaching release from liability for the offender. These differences give the impression of hindering harmonization of European compensation systems, but it seems that they are bridgeable

    Eigentumsvorbehalt und Publizität - Zwischen wirtschaftlichem Bedürfnis und dogmatischer Wertungskohärenz

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    Im Gegensatz zu anderen dinglichen Sicherungsrechten verlangt der Eigentumsvorbehalt nach hA zum österreichischen Recht keinerlei Publizität. Der vorliegende Beitrag unterzieht die zur Rechtfertigung dieses Ergebnisses vorgetragenen dogmatischen Erklärungsversuche einer kritischen Würdigung und kommt zum Schluss, dass diese weder im Einzelnen noch in Summe wirklich überzeugen. Dem wirtschaftlichen Bedürfnis nach einer praktikablen Kaufpreissicherung wird gegenwärtig größeres Gewicht beigemessen als dem Streben nach dogmatischer Widerspruchsfreiheit. Solange man an Publizitätsmitteln ausschließlich den Besitz oder allenfalls die Anbringung von Zeichen vor Augen hat, ist diesbezüglich auch keine Änderung zu erwarten. Bei Einführung eines allgemeinen Mobiliarsicherheitenregisters könnte sich dies allerdings ändern. Ein zweiter, sich allerdings teilweise stärker auf Grundzüge beschränkender Schwerpunkt des Beitrags wendet sich daher Regelungsmodellen zu, die den gegenwärtigen Konflikt zwischen dogmatischem Wertungsgleichklang und Praktikabilitätsbedürfnissen auf Grundlage von Registerlösungen einem besseren Ausgleich zuzuführen versuchen. According to the predominant view in Austrian law, the retention of ownership as security for the seller’s claim for the purchase price does not require any publicity, whereas publicity is an indispensable prerequisite for the validity of other proprietary security rights in movable assets. This article reviews the arguments traditionally put forward by the prevailing opinion to justify this result on a dogmatic level, and comes to the conclusion that these arguments are not sufficiently convincing. Evidently, the economic need for a practical and efficient acquisition-finance security device is given preference over the pursuit of dogmatic coherence. This will not change as long as the only means of publicity available are a transfer of possession to the secured creditor, or in some limited situations the affixing of signs to the assets, as is presently the case under Austrian law. However, introducing a general register for proprietary security rights in movables may bring these two goals better in line. A second part of this article will therefore focus on registration systems for proprietary security rights which strive for a better balance between economic needs and dogmatic coherence

    The Recent Shift from the Passive to the Active Consumer

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    Die Diskussion um das Internationale Verbraucherschutzrecht flammt seit der Schaffung des Verbrauchergerichtsstandes im Internationalen Zivilverfahrensrecht und den Verbraucherschutzregeln der Rom I-VO immer wieder auf. Nachdem der EuGH in der Vergangenheit zunächst den Verbraucherschutz hintanhielt, indem er auf eine äußert enge Auslegung pochte und den Anwendungsbereich damit schmal hielt, in der Folge einen Mittelweg zwischen den Interessen der Unternehmer und Verbraucher suchte, scheint das Pendel nunmehr in die andere Richtung auszuschlagen. Ausweislich des jüngsten EuGH-Urteils in C-218/12 Emrek/Sabranovic ist nämlich derjenige Unternehmer, der einen Vertrag mit einem ausländischen Verbraucher abschließt, selbst dann am Wohnsitz des Verbrauchers gerichtspflichtig, wenn der Vertrag nicht auf seine dortige Marketingtätigkeit zurückzuführen ist. On the causal link between ‘directing activities (at the consumer’s State)’ and the consumer’s conclusion of the contract with respect to Article 17.1 (c) Brussels I Regulation The debate on the protection of consumers in cross-border settings has flared up repeatedly since the introduction of the consumer protection rules of the Brussels I and Rome I Regulations. Whilst in the past consumer protection had not often been prioritised and the CJEU had insisted on strict interpretations to the consumers’ detriment,1 and though since then a middle road between the interests of the entrepreneur and the consumer has been sought,2 it seems that the pendulum has now swung back the other way again. According to the CJEU’s latest judgment in C-218/12 Emrek/Sabranovic, in all cases where an entrepreneur concludes a contract with a foreign consumer, this falls under the adjudicatory jurisdiction of the consumer’s domicile, even if the entrepreneur’s marketing activity in the consumer’s state was not causally relevant for the eventual conclusion of the contract.

    Enduring Power of Attorney (EPoA) – comparison between Austrian and German Law

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    Mit der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention findet ein Paradigmenwechsel und Umdenken im Umgang mit Personen mit Behinderungen statt. Der Primat der Fürsorge weicht einem liberalen, auf Menschenrechten basierenden Ansatz. In diesem Kontext ist die Vorsorgevollmacht ein effektives Mittel, das die Implementation der UN-Behindertenrechtskonvention in nationales Recht vorantreibt und die Selbstbestimmung und Eigenständigkeit altersbedingt eingeschränkter Menschen und von Menschen mit Behinderungen gewährleistet. Dieser Artikel beschäftigt sich einleitend mit allgemeinen Rechtsinstrumenten der (unterstützten) Entscheidungsfindung bei nicht selbst entscheidungsfähigen Personen und analysiert in weiterer Folge Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie Vor- und Nachteile der Vorsorgevollmacht nach österreichischem und deutschem Recht.With the establishment of the United Nations Convention on the Rights of Persons with Disabilities (CRPD) the treatment of people with disabilities is changing from a protective perspective to a rights-based approach. The Enduring Power of Attorney (EPoA) is an important instrument, which helps with the implementation of the CRPD into national law. As an instrument of self-determined substituted decision-making it is recognised as the best practice model to safeguard the autonomy of people suffering the deprivations of age and other disabilities. This article touches briefly on general supported and substituted decision-making instruments and then goes on to examine the differences and similarities, advantages and disadvantages be- tween Austrian and German laws concerning EPoAs.

    20 Jahre Österreich in der Europäischen Union

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    Ein stark geraffter Rückblick auf die Geschichte der Vertragsänderungen und die Darstellung der Ausgangssituation vor der Wahl zum Europäischen Parlament 2014, bei der die Auswirkungen des Inkrafttretens des Vertrags von Lissabon auf die Zusammenarbeit der EU-Institutionen ebenso berücksichtigt werden wie jene der Finanz- und Wirtschaftskrise bieten eine gute Basis für das eigentliche Thema. Die Diskussion aktueller Initiativen setzt mit den Spitzenkandidaturen für das Amt des Kommissionspräsidenten ein und fokussiert auf die neuen Strukturen in der Kommission und die Entwicklung der Prioritäten für die neue fünfjährige Funktionsperiode ebenso wie auf die Arbeiten an einer besseren Funktionsweise der EU, die unter italienischem Ratsvorsitz im zweiten Halbjahr 2014 begonnen wurden und unter lettischem Vorsitz weitergeführt werden. Es wird versucht, dabei auch Hintergründe und aktuelle Trends sowie die österreichische Haltung zu den Vorschlägen aufzuzeigen. A very short retrospective look at the history of amendments of the EU Treaties and a closer look at the situation before the European Parliament elections 2014 that focuses on the effects of the Treaty of Lisbon on interinstitutional cooperation between EU institutions as well as on the effects of the economic and financial crisis serve as a good starting point for the discussion of the topic. The presentation of recent initiatives for the improvement of the functioning of the European Union starts with the initiative of European political parties, which presented top candidates for Commission President, and focuses both on the new structures in the Commission and the development of priorities for the current five-year term of the Commission as well as on the work for a better functioning of the EU started under the Italian Council Presidency in the second half of 2014 and continued under the Latvian Presidency. The author tries to give background information and show latest trends and the Austrian position with respect to the ongoing discussion

    Klauselbegriff und „blue pencil test“ in der AGB-Rechtsprechung

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    Ein kurzer Streifzug durch die Rsp österreichischer und deutscher Gerichte belegt die Unsicherheit, die im Hinblick auf den Klauselbegriff herrscht. Klare Konturen sind aber wegen des Verbots der geltungserhaltenden Reduktion mehr denn je erforderlich; sie fehlen sowohl in der Klausel-RL als auch bislang in der Rsp des EuGH. Die blue pencil rule, die ausschließlich das Durchstreichen von zur Unwirksamkeit führendem Vertragstext erlaubt und jede darüber hinausgehende Umformulierung durch den Richter untersagt, taugt letztlich nicht zur Abgrenzung einzelner Klausel voneinander. Es kann sich dabei nur ein Hilfsinstrumentarium mit Indizcharakter handeln.Austrian and German civil courts frequently refer to the so called „blue pencil rule“ in order to separate unfair terms from the valid parts of the contract. This paper offers an analysis of case law of the supreme courts in Austria and Germany

    Editorial

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    Diversity: Beyond Recognition in Bosnia and Refusal in France

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    Soweit sie als Bereicherung angesehen wird, stellt Vielfalt eine notwendige Bedingung für das Schaffen einer pluralistischen demokratischen Gesellschaft dar. Wenn sie jedoch nur partiell anerkannt wird und einige Gruppen von der Teilnahme an den öffentlichen Angelegenheiten ausgeschlossen sind, erscheint Vielfalt eher als Bedrohung. Die recht gegensätzlichen Beispiele von Bosnien-Herzegowina einerseits, Frankreich andererseits sollen hier als Beispiel dienen. In Bosnien-Herzegowina ist die verfassungsrechtliche Anerkennung der konstituierenden Völker auf die drei ethnischen Gruppen von Serben, Kroaten und Bosniaken beschränkt. Die sogenannten „Anderen“ sind insbesondere im Haus der Völker und in der Präsidentschaft nicht vertreten. In Frankreich stehen die traditionelle Irrelevanz von Vielfältigkeit und das Konzept der universalistischen Staatsbürgerlichkeit für die Ablehnung, Minderheitenrechte, regionale oder Minderheitssprachen anzuerkennen. Die so beschränkte Vielfalt macht es beiden Ländern schwer, Vielfalt als Bereicherung zu konzipieren und die Gesellschaft wirklich pluralistisch zu gestalten. Dies wird illustriert durch das von Bosnien-Herzegowina noch immer nicht ausgeführte Urteil des EGMR im Fall Sejdic und Finci sowie die in Frankreich kontinuierlichen Kontroversen über religiöse Zeichen und die schwierige Durchsetzung einer effektiven Gleichheit von Mann und Frau.Diversity is a condition necessary for the building of a pluralist democratic society if it is perceived as a source of enrichment. But when its recognition proves to be partial and therefore excluding some categories of individuals from the participation in public life, diversity appears to be rather a threat than enrichment. The very opposite examples of Bosnia and Herzegovina on the one side and of France on the other side are chosen as illustration. In Bosnia and Herzegovina the constitutional recognition of the constituent peoples is limited to the three ethnic groups of Serbs, Croats and Bosniacs excluding the so-called “Others” namely from the House of Peoples and the Presidency. In France, the traditional ignorance of diversity and the concept of universal citizenship have prevented the acknowledgment of minorities and regional or minority languages. The admitted diversity being limited, it is difficult for both countries to conceive diversity as enrichment and to accede to a true pluralist society. Bosnia’s non implementation of the ECtHR’s judgment Sejdic and Finci as well as the continuous controversies about religious signs in France and the difficulty to enforce a real equality between men and women exemplify this statement

    Geschworenengerichte - unbegründete Sorge?

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    Das Fehlen der Begründung des Wahrspruches der Geschworenen ist zunehmender Kritik ausgesetzt und Hauptargument für die Forderung nach der Abschaffung der Geschworenengerichte. Die Abhandlung beschäftigt sich mit dem gegenwärtigen Diskussionsstand und der Suche nach Möglichkeiten, diesen systembedingten und daher nicht sanierbaren rechtsstaatlichen Mangel wenigstens zu mildern.   The lack of reasoning of the jury`s verdict is facing increasing criticism and is the main argument for the abolition of trial by jury. The essay deals with the current state of discussion and the search for ways to mitigate this systemic and therefore not repairable defect

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