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Erklären im sprachsensiblen Unterricht
Der vorliegende Beitrag bezieht sich auf die Analyse einer exemplarischen Unterrichtseinheit, die im Rahmen eines Sprachförderangebots zum naturwissenschaftlichen Fachunterricht für DaZ-Schülerinnen und Schüler an einem bayerischen Gymnasium stattgefunden hat. Der Fokus liegt auf dem Vorkommen explanativer Handlungen in der Unterrichtsinteraktion. Die Analyse zeigt, dass den Schülerinnen und Schülern dort nur bedingt Raum und Hilfsmittel für Redebeiträge in Form des Erklärens zur Verfügung gestellt werden. Zusammenhängend wird so die Relevanz von hinreichender Diskurskompetenz von Lehrkräften deutlich, da sich das Vorhandensein dieser sprachlichen Teilkompetenz nachweislich auf den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler auswirkt. The present article refers to the analysis of an exemplary teaching unit that took place in the context of a language program offer for the subject of science for ‘German as a second language’ students at a Bavarian Gymnasium. The focus is laid on the occurrence of explanatory actions in teaching interaction. The analysis shows that only limited space and tools for speeches in form of explanations are provided for the students. Since the availability of this partial linguistic competence has a noticeable effect on the learning success of the students, the relevance of having a high discursive competence as a teacher is demonstrated
Raum für Grammatik
Dieser Beitrag möchte aufzeigen, wie Menschen den Raum um sie herum mithilfe grammatikalischer Konstruktionen strukturieren, welche Funktion dabei lokale (räumliche) Präpositionen erfüllen und wie man auf dieser Grundlage effizienten Grammatikunterricht gestalten kann.Grammatik wird dabei als ein konzeptuell motiviertes System symbolischer Strukturen verstanden, das allgemeine Wahrnehmungsprinzipien widerspiegelt und sich nach menschlichen körperlichen Erfahrungen orientiert. Grammatikalische Strukturen bringen zum Ausdruck, wie Menschen den Raum verstehen, strukturieren und zur Sprache bringen (beispielsweise Russisch Я стою на солнце (wortwörtlich Ich stehe auf der Sonne); Deutsch Ich stehe in der Sonne). Diese Prozesse erfolgen auf der Grundlage der konzeptuellen Metaphorisierung (Übertragung von Eigenschaften konkreter Konzepte auf abstrakte Konzepte) und Konzeptualisierung (mentales „Konstruieren“ einer Situation). Das Ergebnis spiegelt sich unter anderem in der Auswahl der lokalen Präpositionen wieder. Dieser Prozess wird im vorliegenden Beitrag genauer betrachtet, unter Berücksichtigung der kognitiven Organisationsprozesse (Aufteilung einer Szene in Figur und Hintergrund) und der räumlichen Dimensionen (Konzeptualisierung des Hintergrunds als eine null-, ein-, zwei- oder dreidimensionale Entität). Anschließend wird aufgezeigt, wie diese komplexen Prinzipien für einen effizienten Fremdsprachenunterricht angepasst werden können, und zwar anhand transparenter Grammatikanimationen und einfacher Erklärungstexte. Der Beitrag wird durch einige konkrete Unterrichtsvorschläge und einen kurzen Ausblick abgerundet.Die Animationen zu allen Themen der deutschen Grammatik (Niveaus A1 bis B2) sind unter www.granima.de zu finden. This article aims to show how people structure the space around them using grammatical constructions, which functions local (spatial) prepositions fulfill in this process and how to design efficient grammar lessons on this basis.Grammar is understood as a conceptually motivated system of symbolic structures reflecting general principles of perception and based on human physical experiences. Grammatical structures express how people understand, structure and verbalize space (for example, Russian Я стою на солнце (literally, I'm standing on the sun); German Ich stehe in der Sonne (I'm standing in the sun)). These processes take place based on conceptual metaphorization (transfer of characteristics of concrete concepts to abstract concepts) and conceptualization (mental "constructing" of a situation). The result is reflected, among other things, in the selection of local prepositions. This article considers this process in detail taking into account the cognitive organization processes (structuring a scene into figure and background) and the spatial dimensions (conceptualization of the background as a zero, one, two or three dimensional entity). It will then show how these complex principles can be adapted for efficient language teaching through transparent grammatical animations and simple explanatory texts. The article is rounded off by some concrete teaching suggestions and a brief outlook.You can find animations on all topics of German grammar (levels A1 to B2) at www.granima.de
„Estamos más cerca de lo que creemos“ — Methodische Vorschläge für Proxemik und transkulturelles Lernen im Spanischunterricht
Der vorliegende Beitrag behandelt das Thema Proxemik als Teil des transkulturellen Lernens im Spanischunterricht. Proxemik hängt mit Körpernähe und -distanz zusammen, die je nach Kommunikationssituation und -teilnehmenden unterschiedlich wahrgenommen, bewertet und realisiert wird. Dabei variiert proxemisches Verhalten je nach Individuum und Gruppe und lässt sich nicht verallgemeinernd einem Kollektiv wie zum Beispiel einem Nationalstaat unterschiedslos zuschreiben. Dementsprechend sollen anhand konkreter Beispiele (u.a. Werbevideos, die auf Spanien bzw. Argentinien bezogen sind) methodische Möglichkeiten der Fokussierung auf transkulturelles Lernen im Unterricht herausgearbeitet werden.This contribution focuses on proxemics as a part of transcultural learning in Spanish classroom. Proxemics deals with the physical distance maintained by individuals in communication with each other. This behaviour varies according to individual but also collective contexts and can not be reduced to nationality for example. Correspondingly this article proposes methodical ways to deal with proxemics focusing on transcultural learning processes. Promo videos with reference to proxemic behaviour in Spain and Argentina and other methodical proposals serve as examples to develop cultural awareness in Spanish classroom
Zwei Akzente im Classroom Management: Professionalität und Raum. Perspektiven für den Fremdsprachenunterricht
In der Fremdsprachendidaktik stößt man selten auf das Thema Raum und das Konzept Classroom Management. Seit dem Jahr 2015 ist hier zwar ein gewisses Interesse an Raum (Badstübner-Kizik 2015, Cerri & Jentgens 2015, Hallet 2015, Rozenberg 2015b) zu beobachten, von großer Zahl der systematisch veröffentlichten Publikationen und Beiträge zu diesem Thema kann in der fremdsprachendidaktischen Forschung jedoch nicht die Rede sein. Die geringe Forschungsposition nimmt in der Fremdsprachendidaktik ebenfalls das pädagogische Konzept Classroom Management ein, mit dem – so der professionelle Akzent – das Thema Professionalität ins Zentrum der lebhaften Diskussionen und der intensiven Forschung zum Lehrerberuf und Lehrerausbildung gerückt wurde. Zudem wird Classroom Management aus einer räumlichen Perspektive betrachtet. In dieser Perspektive – so der räumliche Akzent – hat die Dialektik von gestaltetem und zu gestaltendem Raum (room und space) für einen pädagogischen Raum (classroom) Kontur. Vor diesem Hintergrund ist die grundsätzliche Idee des vorliegenden Beitrags, auf das Verhältnis von Professionalität und Raum einzugehen und dabei zu fragen, welche Perspektiven sich aus ihm für den Fremdsprachenunterricht ergeben.In didactics of foreign languages one can rarely encounter the subject of space and the concept of classroom management. In fact, since 2015 it has been possible to notice some interest in space (Badstübner-Kizik 2015, Cerri & Jentgens 2015, Hallet 2015, Rozenberg 2015b), yet the number of publications and articles connected with systematic research in foreign language teaching and learning has not been considerable. Pedagocial concept of classroom management takes a weak position, which places still professional stress – the topic of professionalism – in the centre of vivid discussion and extensive research on the job of a teacher. Moreover, classroom management will be looked at from spatial perspective. In this perspective – still spatial stress – spatial dialectic formed and possible to be formed (room und space) gives pedagogical space (classroom) some outlines. In this background the leading thought of this article is examining relations between professionalism and space and posing the question how these relations influence the foreign language lesson
Deutschsprachiger Fachunterricht an einer öffentlichen Grundschule in Victoria, Australien – Ein Beispiel für erfolgreiches integriertes Fach- und Sprachlernen (CLIL)
Content and Language Integrated Learning (CLIL) verbindet die Vermittlung einer fremden Sprache mit der Vermittlung fachlichen Wissens. Um Schülerinnen und Schüler innerhalb eines bilingualen Grundschulprogramms zum einen fachlich auf den gleichen Stand zu bringen wie Kinder, die eine Regelgrundschule besuchen, und ihnen zum anderen ausreichende Kompetenzen in einer Fremdsprache zu vermitteln – in und mit der sie fachliche Inhalte erlernen –, müssen bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sein. Am Beispiel einer deutsch-englischen Grundschule in Victoria, Australien, beleuchtet dieser Beitrag institutionelle, personelle sowie fachlich-inhaltliche Voraussetzungen. Dabei zeigt er methodische Vorgehensweisenauf, die eine gezielte integrierte Förderung sprachlicher und fachlicher Kompetenzen ermöglichen. Content and Language Integrated Learning (CLIL) refers to the instruction of subject content through the medium of a foreign language. This poses a challenge to both students and teachers alike. Learning and teaching in bilingual primary schools have to take place in such a way that levels are achieved which are similar to the levels achieved in monolingual schools regarding both subject (content) and foreign language knowledge and competence. The foreign language is the medium in and through which subject contents are taught and learned. Thus, some crucial conditions have to be met in order to achieve both language and subject related competences. In this article, an Australian primary school in Victoria serves as an example to show how CLIL can be successfully integrated in a governmental primary school curriculum. The focus lies on institutional, personal and content-based prerequisites as well as on hands-on activities guiding this concept
Die Entwicklung von produktiven lexikalischen Kompetenzen bei Schüler(innen) mit portugiesischem Migrationshintergrund in der Schweiz
In diesem Aufsatz diskutieren wir Resultate einer Längsschnittstudie zu literalen Kompetenzen von 8- bis 10-jährigen Grundschulschüler(innen) mit portugiesischem Migrationshintergrund. Der Fokus liegt auf der Entwicklung der Vielfalt des produzierten Wortschatzes sowie der durchschnittlichen Korpusfrequenz der Wörter in der Schulsprache (Deutsch oder Französisch). Die Ergebnisse zeigen ausschliesslich eine allgemeine Zunahme der lexikalischen Vielfalt. Zudem zeigen sich Unterschiede zwischen den portugiesischstämmigen Schüler(innen) und anderen in der Schweiz eingeschulten Kindern, was die Wortschatzvielfalt angeht, jedoch nicht die Frequenz.Lexical diversity and sophistication (in term of average corpus frequency) development in the school language (German or French) is investigated longitudinally in a population of Portuguese heritage speakers aged 8 to 10. Results show an improvement in lexical diversity scores but not in lexical sophistication. Differences were found between Portuguese heritage speakers and age matched children from comparison groups regarding lexical diversity scores, but not regarding lexical sophistication.
Deutsche Grammatik sportlich und animiert
Dieser Beitrag soll zeigen, dass Grammatik spannend, transparent und interaktiv erklärt werden und durch sportliche Aktivitäten einen nachhaltigen Lernmehrwert schaffen kann.Die hier vorgestellte Methode hat ihren Ursprung im Forschungsfeld der kognitiven Linguistik und der kognitiven Grammatik (vgl. Langacker 2008a, 2008b; Talmy 2000). In diesem Kontext werden grammatische Strukturen als bedeutungsvoll und bildhaft erklärt und mit alltäglichen Erfahrungen in Verbindung gebracht. Auf dieser Grundlage hat sich in jüngster Zeit die kognitive Sprachdidaktik entwickelt (vgl. Roche & Suñer 2014, 2017; (geb.) Kanaplianik (EL-Bouz) 2016). Im folgenden Beitrag wird ein Unterrichtskonzept mit Grammatikanimationen zum Thema „Die Satzklammer im deutschen Satz“ vorgestellt, das am Beispiel eines Fußballspiels erklärt wird. Die Animationen zu allen Themen der deutschen Grammatik (Niveaus A1 bis B2) sind unter www.granima.de[i]zu finden. The article aims to show that grammar can be exciting, transparent and interactive and that the teaching of grammar can easily be combined with sports activities and, as a consequence, can generate a sustainable added value.The method applied in the present study is grounded in the research field of cognitive linguistics and cognitive grammar (cf. Langacker 2008a, 2008b; Talmy 2000). In this context, grammatical structures are explained as meaningful, imagery-based and related to our everyday experiences. On this basis, cognitive language didactics has recently emerged (cf. Roche & Suñer 2014, 2017; (née) Kanaplianik (EL-Bouz) 2016).The article presents a new teaching concept using grammar animations on syntax. The “grammatical metaphor” of choice to illustrate German frame structures is based on soccer rules. You can find animations on all topics of German grammar (levels A1 to B2) at www.granima.de.[i]Informationen zu anderen Projekten und Weiterbildungsmöglichkeiten finden Sie auf unseren Webseiten: www.granima.dewww.multilingua-akademie.d
„Je parle pas l'allemand. Mais je compare en français“: LehrerInnenperspektiven auf Sprachvergleiche
Dieser Beitrag befasst sich mit der Methode der Sprachvergleiche im Tertiärsprachenunterricht aus der subjektiven Perspektive von Fremdsprachenlehrpersonen. Anhand von Interviews mit Lehrkräften, die in der französischen Schweiz Englisch nach Deutsch als zweite Fremdsprache unterrichten, werden ihre Erfahrungen mit der Methode, ihre Haltung hinsichtlich deren Sinnhaftigkeit sowie mögliche Hindernisse für deren Umsetzung herausgearbeitet. Entgegen der häufig in der Literatur zu findenden Aussage, dass es sich (nur) um eine Haltungsfrage handelt, ob Lehrkräfte mehrsprachigkeitsdidaktische Prinzipien umsetzen, konnten wir feststellen, dass es auch eine Frage der individuellen sprachlichen Ressourcen ist.This article focuses on the method of interlinguistic comparisons in the third language acquisition from the subjective perspective of language teachers. On the basis of interviews with teachers, who teach English as a second foreign language after German in the French-speaking part of Switzerland, we analyse their experience with this method, their estimation of its effects on learning, as well as potential obstacles that may prevent teachers from making interlinguistic comparisons in the EFL-classroom. In contrast to what has been claimed in (scientific) publications on the topic, we could observe that it does not (only) depend on attitudes if teachers use multilingual pedagogical approaches, but also on their individual linguistic resources.