Beiträge zur mediävistischen Erzählforschung (BmE)
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    Erzählen in den Lücken der Vorlage. Albrechts ›Jüngerer Titurel‹, Wolframs ›Parzival‹ und das Problem der Plot-Zeit

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    Harald Haferland hat die These aufgestellt, dass Zeit in mittelalterlichen Texten nicht als eine von der Handlung unabhängige Zeitleiste erscheine, sondern sich primär in der Abfolge der Ereignisse ausdrücke (BmE [1] 2018, S. 145 und S. 151). Der vorliegende Beitrag diskutiert die These am Beispiel von Albrechts ›Jüngerem Titurel‹. Ansatzpunkt ist dabei, dass die bereits von Wolfram initiierte Parallelführung von ›Parzival‹- und ›Titurel‹-Handlung es Albrecht als Fortsetzer des ›Titurel‹ gestattet, die Handlung des ›Parzival‹ als Orientierungspunkt heranzuziehen und sie mit Ereignissen des ›Jüngeren Titurel‹ abzugleichen. Zeit wird damit zwar nicht als Zeitleiste, wohl aber als Netz von Relationen fassbar

    Figuren des Dritten im höfischen Roman. Einleitung

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    A World of Indirectness. Notes Toward a Study of Characterization in ‘The Tale of Genji’

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    Characters in the early eleventh-century ‘Tale of Genji’ are often represented indirectly, through others’ thoughts, speculations, and sensory impressions. Direct visual descriptions of a character’s physical appearance are relatively rare, but major plot developments result from scenes of kaimami (‘peeking through the crack’) when male characters catch a secret glimpse of women. Sensory impressions like sound, smell, and touch are sometimes as important as visual impressions in the courtly society of the Heian period when it was the custom for upper-class women to avoid showing themselves to men. This paper examines the importance of indirectness in the narrative’s representation of characters.Characters in the early eleventh-century ‘Tale of Genji’ are often represented indirectly, through others’ thoughts, speculations, and sensory impressions. Direct visual descriptions of a character’s physical appearance are relatively rare, but major plot developments result from scenes of kaimami (‘peeking through the crack’) when male characters catch a secret glimpse of women. Sensory impressions like sound, smell, and touch are sometimes as important as visual impressions in the courtly society of the Heian period when it was the custom for upper-class women to avoid showing themselves to men. This paper examines the importance of indirectness in the narrative’s representation of characters

    Dante e il poema allegorico medievale

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    Dante’s ›Commedia‹ played a very important role in the development of medieval allegorical poetry. On the one hand, Dante reworked his probable sources in a profound way, starting with the ›Roman de la Rose‹; on the other hand, he also exerted a strong influence on Boccaccio (›Amorosa Visione‹) and Petrarch (›Trionfi‹). In this essay, I propose to describe, first of all, the main innovations of the ›Commedia‹ and then to address the question of whether and to what extent these innovations were received by Boccaccio and Petrarch.Dante’s ›Commedia‹ played a very important role in the development of medieval allegorical poetry. On the one hand, Dante reworked his probable sources in a profound way, starting with the ›Roman de la Rose‹; on the other hand, he also exerted a strong influence on Boccaccio (›Amorosa Visione‹) and Petrarch (›Trionfi‹). In this essay, I propose to describe, first of all, the main innovations of the ›Commedia‹ and then to address the question of whether and to what extent these innovations were received by Boccaccio and Petrarch

    Remetaphorisierendes Wiedererzählen. Die Pfingstszene in der ›Erlösung‹ und in Heinrichs von Neustadt ›Von Gottes Zukunft‹

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    Es wird argumentiert, dass die Erzählpoetik deutscher Bibelepen des Mittelalters von einem spezifischen Typ des Wiedererzählens geprägt ist, den man als ›remetaphorisierendes Wiedererzählen‹ beschreiben kann. Bibelepisches Wiedererzählen bewegt sich in einem vierpoligen Spannungsfeld, das von den beiden eher stabilen Größen materia und (kognitiver Leit-)Metapher sowie den beiden eher variablen Größen artificium und Sinn konstituiert wird. Am Beispiel der Wiedererzählungen des lukanischen Pfingstereignisses in der ›Erlösung‹ und in Heinrichs von Neustadt ›Von Gottes Zukunft‹ wird gezeigt, wie intensiv sich die Dichter mit den biblischen Metaphern auseinandersetzen und welch erstaunliche semantische, ästhetische und performative Effekte sie remetaphorisierend hervorbringen

    Was (bisher) geschah … Inhaltsparaphrasen als ›intradiegetische Re-Texte‹ am Beispiel von ›König Rother‹ und ›Eckenlied‹ (E7)

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    Die Untersuchung wendet sich Inhaltsparaphrasen im ›König Rother‹ und im ›Eckenlied‹ (E7) zu, die aus Sicht der Narratologie als spezifische Form von repetitiven Analepsen definiert werden können und damit augenscheinlich kaum oder keine neuen Informationen bieten. Auf einer rein deskriptiven Ebene und unter vordergründiger Berücksichtigung des ›Was‹ des Erzählten eröffnen diese Passagen dafür aus der Perspektive des Wiedererzählens die bislang nicht erkannte Möglichkeit, sie als ›intradiegetische Re-Texte‹ zu begreifen. In ihrem reduktiven Modus des ›Was-bisher-Geschah‹ konzentrieren sich die Figurenberichte auf die ›Wiederholung‹ grundlegender, für den Verlauf der Basiserzählung unverzichtbarer Handlungen, Orte und Figuren. Anders als (meist später hinzugefügte) Paratexte mit ähnlicher Funktion liefern sie somit ganz unmittelbar ein Korrektiv für neuzeitliche Strukturanalysen mittelalterlicher Texte. Im Fall des ›König Rother‹ kann somit das ›doppelte Schema der gefährlichen Brautwerbung‹ (Schmid-Cadalbert) auf die Probe gestellt werden, beim ›Eckenlied‹ hingegen der in der Forschung unterschiedlich definierte Übergang vom ersten zum zweiten Teil der Erzählung. Jenseits eines in Anschlag gebrachten poetologischen oder rhetorischen Normsystems möchte die Pilotstudie das Potenzial aufzeigen, das in einer zukünftig noch zu leistenden systematischen Untersuchung solcher Passagen liegt, die nicht nur in der Brautwerbungsdichtung und Heldenepik zu finden sind, sondern auch im höfischen Roman und anderen mittelalterlichen Gattungen, deren Charakter als genuin eher schriftliterarisch zu fassen ist

    Paradiesische Gaben und der zuckersüß duftende Tod des Helden. Narrative Beziehungsgeflechte im ›Jüngeren Titurel‹

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    Der ›Jüngere Titurel‹ dürfte aufgrund seiner vielfältigen Rekurse vor allem auf Wolframs ›Parzival‹, auf den ›Willehalm‹ und die ›Titurel‹-Fragmente unbestritten als einer der umfassendsten und erfolgreichsten Fälle der Umsetzung verschiedener Retextualisierungsstrategien und ?verfahren in der deutschsprachigen Literatur des Mittelalters gelten. Der Beitrag untersucht in literaturwissenschaftlicher und epistemologischer Perspektive durch eine exemplarische Betrachtung der Paradiesmotivik die spezifische Narrativik des ›Jüngeren Titurel‹. Die Analyse vermag dabei insbesondere das dichte Netz von paradigmatischen Bezügen aufzuzeigen, das die gesamte Dichtung bestimmt und ihre Kompositionstechnik in charakteristischer Weise auszeichnet

    Einleitung: Was ist eine widersprüchliche Figur?

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    Widersprüchliche Figuren im ›Prosalancelot‹. Überlegungen zu Interferenzen von romanhaftem und chronikalischem Erzählen

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    Der Beitrag vergleicht unterschiedliche Arten von Widersprüchen in der Figurenzeichnung und geht dabei von der – mit Rückgriff auf David Lodge und James Phelan – begründeten Annahme aus, dass Widersprüche immer ein Erklärungs- und Aussagepotential haben, das genutzt werden muss und nicht vorschnell als mittelalterliche Eigenart kategorisiert werden sollte. Konkrete mittelalterliche Beispiele werden einer Wiener Prosachronik des späten 15. Jahrhunderts und dem ›Prosalancelot‹ entnommen und zur These geführt, dass Widersprüchlichkeit (auch) ein Zeichen für hochrangige Adlige sein kann, deren Verhalten sich einer Begründungsnotwendigkeit entzieht und die in fiktionalen Texten auch durch physische Besonderheiten gekennzeichnet werden

    »Et sic est finis?« Prägnanzspiele und Konstruktionen des Endes in mhd. Kleinepik am Beispiel von ›St. Petrus und der Holzhacker‹ und ›Der Müller im Himmel‹

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    Die Pointe ist nicht nur eine Strategie der Komikerzeugung, sondern auch eine Möglichkeit, am Ende eines Textes Sinn prägnant zum Ausdruck zu bringen. Andererseits kann ein Text die Sinnerwartung am Ende auch gezielt unterlaufen. Der vorliegende Beitrag möchte daher das Ende als strukturellen Ort der Pointenbildung und Sinnerzeugung näher in den Blick nehmen. Ausgehend vom Präganzbegriff Ernst Cassirers wird anhand der beiden strukturanalogen und motivgeschichtlich verwandten Texte ›St. Petrus und der Holzhacker‹ und ›Der Müller im Himmel‹ das jeweilige Ende auf seine Möglichkeiten hin befragt, einen prägnanten Textsinn hervorzubringen oder einen solchen bewusst zu verweigern. Dabei soll dem Aussagepotential sowohl der Pointe als auch der Antipointe hinsichtlich der narrativen Ausgestaltung der vorangehenden Erzählung und deren Ereignishaftigkeit besondere Aufmerksamkeit zuteilwerden

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