Beiträge zur mediävistischen Erzählforschung (BmE)
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    Beiträge zur mediävistischen Erzählforschung. Eine neue Online-Zeitschrift für die Mediävistik

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    Axiologische Dissonanzen. Widersprüchliche Aspekte der evaluativen Struktur in ›Der feige Ehemann‹ und ›Die drei Mönche zu Kolmar‹

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    Im ‚Feigen Ehemann‘ wird die narratio durch das Epimythion unterlaufen. Entgegen der Darstellung auf der discours-Ebene stimmt die Erzählerstimme hier der Marginalisierung der Vergewaltigung als schädlein zu. In den ‚Drei Mönchen von Kolmar‘ wird dem Epimythion zufolge nur der vierte Mönch zu Unrecht ermordet, während der Mord an den drei Mönchen aus der axiologischen Diskussion herausgehalten wird. Wenn sich Epimythien zumindest axiologisch ambivalent zur evaluativen Struktur der narratio verhalten, werden gegen zuvor etablierte axiologische Konzepte nun Äußerungen einer hierarchisch privilegierten Instanz in Widerspruch gebracht – ein perfides Erzählen, das ein didaktisch-exemplarisches Deuten limitiert.In ‘Der feige Ehemann’ the narratio is undermined by the epimythion. Contrary to the representation on the discours level, the narrator\u27s voice here agrees with the marginalisation of rape as schädlein (small damage). In ‘Drei Mönche von Kolmar’, according to the epimythion, only the fourth monk is murdered unjustly, and the murder of the three monks is omitted from the axiological discussion. If epimythia relate at least axiologically ambivalently to the evaluative structure of the narratio, against previously established axiological concepts, utterances of a hierarchically privileged instance are now contradicted – a perfidious narrative that limits didactic-exemplary explanation

    Literarisches Er-Zählen. Ein theoretisches Experiment zum mittelalterlichen Erzählen im Spannungsfeld von Quantität und Qualität

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    ‚Zählen‘ und ‚Erzählen‘ stehen in einem engen kulturgeschichtlichen Zusammenhang, der sich auch für das Mittelalter belegen lässt. Hieran ansetzend unternimmt der Beitrag einen neuen historisch-narratologischen Versuch. Im Sinne eines theoretischen Experiments werden für das mittelalterliche literarische Erzählen und dessen Erschließung im Rahmen mediävistischer Erzählforschung verschiedene Spannungsfelder von Quantität und Qualität exploriert, die nicht nur ein anderes Verständnis mittelalterlichen Erzählens erlauben. Sie eröffnen im Blick auf die Konturen historisch-narratologischen Arbeitens auch weitere Differenzierungen, die traditionelle wissenschaftstheoretische Dichotomien nachdrücklich hinterfragbar machen.‘Counting’ and ‘recounting’ are closely connected in terms of cultural history, and this can also be proven for the Middle Ages. This contribution makes a new historical-narratological attempt. For the purpose of theoretical experiment, various fields of tension between quantity and quality are explored for Medieval literary narrative and its examination within the framework of Medieval narrative research, which not only allow for a different understanding of Medieval narrative. With a view to the contours of historical-narratological work, they also expose further differentiations which make traditional epistemological dichotomies emphatically questionable

    Relativierte Referentialität: Überlegungen zu einer Kulturgeschichte der Interaktion von Erzählen und Rechnen

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    Im Rahmen der Öffnung des narratologischen Interesses auch für das Erzählen außerhalb von poetisch-literarischen Gattungen sollen mathematische Textaufgaben aus vormodernen Rechenbüchern auf das in ihnen enthaltene (proto-),narratologische‘ Bewusstsein hin befragt werden. Nach einer Skizze zur Ausbildung der Kulturtechnik des Rechnens in den Jahrhunderten der Vormoderne werden anhand ausgewählter Beispiele Aspekte eines Prozesses des Herauserzählens von Mathematik aus Praxiszusammenhängen bis hin zur bewussten Gegenüberstellung von Erzählen und Rechnen nachgezeichnet und mit einem Ausblick auf die Moderne versehen. So soll verdeutlicht werden, dass es sich lohnt, den Zusammenhang von Erzählen und Rechnen als konstitutiven Bestandteil historischer Narratologie zu entdecken und auch für mediävistische Erzählforschung fruchtbar zu machen.With a view to opening up narratological interest in narrative beyond poetic and literary genres, problem phrasing from premodern arithmetic books should be examined in terms of the proto-narratological consciousness they contain. Following a sketch of pre-modern arithmetic training cultures, selected examples are used to trace aspects of a process of mathematical narration from practical contexts leading to the deliberate comparison of narration (recounting) and arithmetic and providing an outlook on modernity. The aim is to show that it is worthwhile to discover the connection between narration and arithmetic as constituent components of historical narratology so that this can be of benefit to Medieval narrative research

    Trojanisches Erzählen. Narrationseffekte an den Grenzen der Diegese und einige Überlegungen zu den Regeln der Erzählkultur des Mittelalters

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    Der Beitrag widmet sich ›Erzähltrojanern‹ – kurzen, zunächst unauf­fälligen ›Gastauftritten‹ extradiegetischer Stimmen innerhalb der Diegese, die jedoch bei genauerer Betrachtung vielfältige interpretatorische Möglichkeiten eröffnen. Exem­plarisch hierfür werden knappe Erzählerkommentare im Kontext des Wieder­erzählens (an Beispielen aus dem ›Erec(k)‹), zwischen Figuren- und Erzählerrede changierende Inschriften (an Szenen aus ›Wigalois‹ und ›Parzival‹) sowie Dialoge mit narrativen Instanzen (am Beispiel der Frau Minne in ›Iwein‹ und ›Meleranz‹) untersucht. Ziel des Beitrags ist dabei, zugleich eine Perspektive zur Annäherung an latente Regularitäten mittelalterlichen Erzählens anzubieten.This contribution is devoted to ‘narrative trojans’ – short, initially unremarkable ‘cameo appearances’ of extradiegetic voices within the diegesis, which however open up various interpretational possibilities upon closer examination. Concise narrator commentaries in the context of retelling (using examples from Erec[k]), are explored, as well as epigraphs oscillating between character discourse and narrator’s monologue (using scenes from ‘Wigalois’ and ‘Parzival’) and dialogues with narrative instances (using the figure of Frau Minne in ‘Iwein’ and ‘Meleranz’). At the same time, the contribution aims to provide a perspective for approaching latent regularities in Medieval narrative

    Einleitung: Er-Zählen und Rechnen als Paradigma historischer Narratologie?

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