Beiträge zur mediävistischen Erzählforschung (BmE)
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    Plot und komplexe Zeitstrukturen. Eine exemplarische Untersuchung der ›Alexius‹-Legende aus ›Der Heiligen Leben‹

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    Christliche mittelalterliche Legenden sind in der Regel final motiviert, da sie die Heiligkeit ihrer Protagonisten nicht kausallogisch herleiten, sondern voraussetzen. Damit einhergehend setzen sie weiter neben einem linearen Zeitkonzept, in dem sich die Weltgeschichte vollzieht und in das das biographisch-geschichtliche Beispiel des Heiligenlebens wie die Lebenszeit der Rezipierenden eingebunden sind, ein Konzept ewiger, göttlicher Heilszeit voraus. Der vorliegende Beitrag untersucht exemplarisch am Beispiel der ›Alexius‹-Legende aus ›Der Heiligen Leben‹, wie sich Plot und Zeitstrukturen in der Legende zueinander verhalten und wie beide zur narrativen Stabilisierung von Heilsgewissheit und Darstellbarkeit von Heiligkeit beitragen. In die Analyse aus einer gattungsspezifischen Perspektive werden Überlegungen zu den von Harald Haferland entwickelten Thesen zum modularen Erzählen einbezogen

    Differing Demands of ‘High’ and ‘Low’ Narratives from the Heian Period for the Translator

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    This essay addresses the different demands of translating texts of high art and works of a lower literary register from Japan’s mid-Heian period (10th to 11th century). The author has shifted from translating highly literary texts such as the ‘Kagero nikki’ (‘The Kagero Diary’) and ‘Sarashina nikki’ (‘The Sarashina Diary’) to translating the ‘Ochikubo monogatari’ (‘Tale of the Lady of the Low Chamber’), which may be considered representative of Heian popular fiction and is itself a parody of a Cinderella type romance. A comparison of passages from the diaries and the ‘Ochikubo monogatari’ shows how stylistic differences between the two types of narrative have required the author to adjust and often reverse previous translation principles and strategies.This essay addresses the different demands of translating texts of high art and works of a lower literary register from Japan’s mid-Heian period (10th to 11th century). The author has shifted from translating highly literary texts such as the ‘Kager? nikki’ (‘The Kager? Diary’) and ‘Sarashina nikki’ (‘The Sarashina Diary’) to translating the ‘Ochikubo monogatari’ (‘Tale of the Lady of the Low Chamber’), which may be considered representative of Heian popular fiction and is itself a parody of a Cinderella type romance. A comparison of passages from the diaries and the ‘Ochikubo monogatari’ shows how stylistic differences between the two types of narrative have required the author to adjust and often reverse previous translation principles and strategies

    ‘Genji monogatari emaki’ as Trans- and Intermedial Storytelling. Previous Knowledge and Time as Factors of Narrativity

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    The ‘Illustrated Handscrolls of the Tale of Genji’ (‘Genji monogatari emaki’) are based on ‘Genji monogatari,’ a literary work written at the beginning of the eleventh century by Murasaki Shikibu. The handscrolls were manufactured between approximately 1120 and 1140. This paper scrutinizes certain relationships between the literary work and the excerpts contained in the handscrolls as well as the relationships between the textual excerpts and the pictures of the handscrolls. The leading question of the examination is the extent to which the description of time is included in the excerpts and pictures, and how this sheds light on the problem of ‘potentially narrative paintings.’ These issues will be discussed by taking the hypotheses of two Japanese scholars into account. While Sano Midori claims that an adequate reception of the handscrolls requires the knowledge of the original text, Shimizu Fukuko takes the opposite standpoint. For her, previous knowledge is not necessary. However, as seen from a cognitive narratology perspective, the analyses will show how previous knowledge can evoke images of passing time, even in a single picture.The ‘Illustrated Handscrolls of the Tale of Genji’ (‘Genji monogatari emaki’) are based on ‘Genji monogatari,’ a literary work written at the beginning of the eleventh century by Murasaki Shikibu. The handscrolls were manufactured between approximately 1120 and 1140. This paper scrutinizes certain relationships between the literary work and the excerpts contained in the handscrolls as well as the relationships between the textual excerpts and the pictures of the handscrolls. The leading question of the examination is the extent to which the description of time is included in the excerpts and pictures, and how this sheds light on the problem of ‘potentially narrative paintings.’ These issues will be discussed by taking the hypotheses of two Japanese scholars into account. While Sano Midori claims that an adequate reception of the handscrolls requires the knowledge of the original text, Shimizu Fukuko takes the opposite standpoint. For her, previous knowledge is not necessary. However, as seen from a cognitive narratology perspective, the analyses will show how previous knowledge can evoke images of passing time, even in a single picture

    Runde Figuren im epischen Erzählen? Zu einigen widersprüchlichen Gesten bei Vergil (mit einem Seitenblick auf den mittelalterlichen Eneasroman)

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    Gegenstand des Beitrags sind widersprüchliche Figuren in Vergils ›Aeneis‹. Diese Widersprüche, die vorrangig über Gesten der Figuren gleichsam sichtbar werden, sind, zum einen und aus mediävistischer Warte, aufschlussreich, weil sie durchaus – und anders als im mittelalterlichen, ›vormodernen‹ Erzählen – komplexe Charaktere formen bzw. ein entsprechendes Rezeptionsangebot machen. Zum anderen und aus generischer Perspektive provozieren sie Überlegungen zu den Möglichkeiten und Grenzen epischen Erzählens. Literarhistorisch signifikant ist die sehr effektive Tilgung dieser Art Widersprüche im mittelalterlichen Eneasroman

    Textkohärenz und Figurenkonsistenz. Zur Versöhnungsszene zwischen Kaiser Otto und Herzog Ernst in der mittelalterlich-frühneuzeitlichen ›Herzog Ernst‹-Überlieferung

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    Die Schlussszene des ›Herzog Ernst B‹ mit ihrem Widerspruch zwischen Versöhnungsangebot und bereuter Versöhnung ist unterschiedlich gedeutet worden. Die jüngere Forschung sieht in ihr eine kohärente Umsetzung mittelalterlicher ›Spielregeln der Politik‹. Die Überlieferung des 13. bis 16. Jahrhunderts legt allerdings nahe, dass die Szene schon zeitnah als inkohärent motiviert empfunden wurde. Ihre Widersprüchlichkeit erklärt sich aus der Spannung zwischen script-orientierter, mikrostruktureller Szenengestaltung und der szenenübergreifenden, makrostrukturellen Gestaltung des Verhältnisses zwischen Fürsten und Kaiser in der B-Fassung. Die Kategorie der Figur lässt sich demgemäß als Knotenpunkt unterschiedlicher narrativer und semantischer Dynamiken eines Textes konzipieren

    Abenteuer und Ewigkeit. Zur Konkurrenz der Zeitmodelle in Heinrichs von Neustadt ›Apollonius von Tyrland‹

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    Der Aufsatz fasst, ausgehend von Harald Haferlands Überlegungen zu modularem Erzählen, die Zeitkonzeptionen vormodernen Erzählens als nicht lediglich sekundäre Ausformungen des Plots, sondern vielmehr als grundlegenden Teil narrativer Modulbildungen. Am Beispiel des ›Apollonius von Tyrland‹ Heinrichs von Neustadt wird herausgearbeitet, wie verschiedene Zeitkonzeptionen das Erzählen unterschiedlicher Romanpassagen prägen und konzeptuell überschreiben. Diese Zeitkonzeptionen sind, wie von Haferland beschrieben, dem Erzählen kulturell vorgängig und greifen auf temporale Modelle wie âventiure, Genealogie oder Heilszeit zurück

    Eine (widersprüchliche) Figur? Die Trinität im Gespräch mit sich selbst im ›Anegenge‹ und in der ›Erlösung‹

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    Analysiert werden im Beitrag die innertrinitarischen Beratungen über die Erschaffung und Erlösung des Menschen im ›Anegenge‹ und in der ›Erlösung‹ als Szenen des Widerspruchs im kommunikativen Sinne. Wenn die Personen der Trinität mit sich selbst debattieren, besteht die Gefahr, dass Leser bzw. Hörer sie analog zu ganz ›gewöhnlichen‹ Figuren konzeptualisieren. Unter Rückgriff auf Theoriean­ge­bote der kognitiven Figurenforschung wird gezeigt, dass die beiden Werke auf ver­schie­dene narrative Verfahren setzen, um das Entstehen solcher allzu menschen­ana­loger Konzepte bei ihren Rezipienten zu unterbinden. Während das ›Anegenge‹ Sprecher­stimmen und Erzähltraditionen überblendet, setzt die ›Erlösung‹ auf me­diale und metaphorische Markierung des Sonderstatus der göttlichen Kommuni­kation

    Figurenkonstellation, Erzählschema und Action. Formen der Figurentypik im ›Wolfdietrich A‹ und seinen Vorgängern und Nachfolgern

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    Der Aufsatz untersucht Widersprüche in der Figurendarstellung des ›Wolfdietrich A‹. Sie sind in der mittelhochdeutschen Heldendichtung öfter anzutreffen und hängen von der Starrheit der eingebrachten narrativen Schemata und Figurenkonstellationen ab. Solche Schemata werden mit der zugehörigen Figurendarstellung in die Lieddichtung der Völkerwanderungszeit zurückverfolgt. Zwei zentrale Forschungspositionen zur Vorgeschichte des ›Wolfdietrich‹-Stoffs werden rekapituliert und zu einer einheitlichen Erklärung zusammengeführt. In den hochmittelalterlichen ›Wolfdietrichen‹ ist ein besonders weitgehender Zuwachs an Erzählzügen und -motiven aus der Erzählfolklore zu beobachten, der schließlich einen neuen Heldentypus entstehen lässt: An ihm lassen sich im Verbund mit der Plotkonstruktion entscheidende Merkmale des modernen Actionhelden ausmachen.The paper analyzes contradictions in characters in ›Wolfdietrich A‹. These contradictions are explained as resulting from the characters’ relation to narrative schemata and their position in typical character constellation. The prehistory of such character modelling is sought in old Germanic heroic poetry. Scholarship on the history of the fable of ›Wolfdietrich A‹ has established two different views which are reconciled in a new explanation. The paper proposes that the textual tradition of later ›Wolfdietrich‹ epics is formed by an import of motifs from narrative folklore. As a result of this process a new type of hero emerges, a forerunner of the modern action hero

    Trotziger König, treuer Wilder, guter Krimineller. Überlegungen zur paradoxen Figuration im Prosaroman ›Königin Sibille‹

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    Der Prosaroman ›Königin Sibille‹ nimmt nicht nur aufgrund seines Umfangs und der so ganz anderen narrativen Struktur im Textzyklus der Saarbrücker Prosaepen der Elisabeth von Nassau-Saarbrücken eine Sonderstellung ein, sondern auch aufgrund der widersprüchlichen Haupt- und Nebenfiguren. Diese sind zwar stets motivisch mit der Erzählwelt der Chanson de geste verbunden, unterlaufen diese aber vor allem durch eine fast systematisch zu beschreibende Gegenläufigkeit zur Tradition. Inwiefern diese Widersprüche der Figuren, durch die stets diskrepante und geradezu aberwitzige Figuren(verbünde) entstehen, die gesamte Erzählung strukturieren, nimmt der vorliegende Beitrag ebenso in den Blick wie die Frage, was das mit einer Erzählung macht, in der das Auflösen von Figurenwidersprüchen eben gerade nicht zum guten Ausgang der Geschichte gehört

    ›si forhte, daz ein ander wîp in schiede von ir minne‹. Trianguläres Begehren und Eifersucht in der Ovidrezeption Konrads von Würzburg

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    In Konrads von Würzburg ›Trojanerkrieg‹-Fragment repräsentieren die Episoden um verschiedene Minnepaare (Paris/Oenone, Achill/Deidamia, Jason/Medea, Hercules/Deianira) das Grundmuster eines Erzählens von triangulären Begehrenskonstellationen. In auffallender Weise ist dabei Eifersucht konstitutives Element der scheiternden Minnebündnisse. Der Beitrag versucht aufzuzeigen, inwiefern diesen Erzählepisoden eine spezifische poetische Produktivität innewohnt, die im Generieren narrativer Möglichkeiten gerade durch die Eifersuchtsthematik motiviert ist. Darüber hinaus soll gezeigt werden, dass die über die Eifersuchtsthematik geregelten Begehrenskonstellationen vielfältiger sind als die, die René Girard in seinem Konzept des mimetischen Begehrens entworfen hat

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