Beiträge zur mediävistischen Erzählforschung (BmE)
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Titel und Vorworte: Kapitel aus: Remetaphorisierungen. Der Heilige Geist in der deutschen Literatur des Mittelalters
 
Die Spitze einer Feenerzählung. Überlegungen zur ›Königin vom Brennenden See‹
Der Beitrag nimmt ›Die Königin vom Brennenden See‹ in den Blick, die seit 45 Jahren, seit Paul Sapplers Edition 1977, zumeist als bloßes Aufzählungsglied erscheint, wenn man Beispiele für mittelhochdeutsche Feenerzählungen aufsagt. Ziel ist es, nicht nur zur interpretatorischen Erschließung eines hauptsächlich rein nominell präsenten Einzeltextes beizutragen, sondern auf dieser Grundlage auch einige übergreifende Fragehorizonte zu eröffnen, die für andere Texte nach demselben Erzählmuster ebenfalls von Relevanz sein könnten. Einleitend wird eine Poetik der Deeskalation vorgestellt, um einen Einblick in die Machart dieser anonymen Feenerzählung zu gewähren. Sodann gilt es, das ungewöhnliche Berührungs- bzw. Verwundungstabu zu diskutieren: Der Mann darf die ›Fee‹ nicht blutig machen. Die Analyse kreist um die glufe, die Schmucknadel als Requisit des Tabubruchs, die die Frage nach der Rolle von Dingen in der Dramaturgie des Übertritts aufwirft sowie poetologische, wortgeschichtliche und datierungstechnische Überlegungen zusammenschließt.
Renart als ›Demiourgos‹. Tierfabel und Weltordnung im ›Renart le Contrefait‹
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts schreibt ein Épicier de Troyes in der Champagne ›Renart le Contrefait‹, der in zwei abrupt abbrechenden Redaktionen überliefert ist. Es ist dies eine der letzten genuin mittelalterlichen Bearbeitungen des Renart-Stoffes in französischer Sprache und stellt auch ein unicum in der Gattungsgeschichte des Renart-Romans dar: Renart tritt hier in außergewöhnlichem Maß auch als Erzähler hervor: Bibelepisoden, Fabliaux, Lais, aber auch historische Ereignisse, die den Universalchroniken entnommen sind, werden von Renart nacherzählt und in gewissem Sinne neu ausgelegt. Auch das tragische Schicksal von Perce Haie, Renarts Sohn, wird im Munde des Vaters Anlass für eine Lektion in Pragmatismus, die das eigene Handeln legitimiert
Themenheft 12: Digitale Mediävistik. Perspektiven der Digital Humanities für die Altgermanistik: hrsg. von Elisabeth Lienert, Joachim Hamm, Albrecht Hausmann und Gabriel Viehhauser
Das Themenheft enthält das Gros der Beiträge der Internationalen digitalen Tagung ›Digitale Mediävistik. Perspektiven der Digital Humanities für die Altgermanistik‹ (9.?11. Februar 2022), teilweise erweitert und um Diskussionsberichte ergänzt. In sechs Sektionen zu Digitalisierung von Handschriften und frühen Drucken, OCR; Digitaler Edition; Digitaler Infrastruktur und Forschungsdatenmanagement; Repositorien und Datenbanken; Online publizieren und digitale Wissenschaftskommunikation; Stilometrie und Textanalyse wird die Leitfrage nach Anwendungsperspektiven der Digital Humanities in der germanistischen Mediävistik behandelt. Der Band dokumentiert exemplarisch das im Fach durch die Digital Humanities Erreichte ? mächtige Textverarbeitungstools, Modellprojekte für digitale Editionen, nützliche Forschungsinfrastrukturen, vielfach nutzbare und zunehmend vernetzte Repositorien und Datenbanken, neue Methoden quantitiver Textanalyse – und benennt Desiderata und Zukunftsperspektiven.
Zum Themenheft: https://doi.org/10.25619/BmE_H2022
A. Einleitung: Der Heilige Geist in der deutschen Literatur des Mittelalters: Kapitel aus: Remetaphorisierungen. Der Heilige Geist in der deutschen Literatur des Mittelalters
 
Online publizieren und digitale Wissenschaftskommunikation (Bericht über die Podiumsdiskussion, Sektion 5)
 
Wiederholung als Differenz. Paradoxien der Entzeitlichung im ›Reynke de Vos‹ (1498)
Der Beitrag untersucht die problematische Zeitstruktur von Wiederholungen im ›Reynke de Vos‹ anhand der Binnenerzählung ›Gebundene Schlange‹. In dieser Fabel zeigt sich – so die These – exemplarisch ein den Gesamttext prägendes Prinzip der Wiederholung, das einerseits gewisse Formen der gleichsetzenden Entzeitlichung aufweist, andererseits aber auch differenzbildende Verschiebungen aufdeckt. Wiederholungen erscheinen nämlich temporaler Progression enthoben, insofern der chronologische Zusammenhang aus Anfang, Mitte und Ende suspendiert wird, doch wird über axiologische oder epistemische Unterscheidungen in den Wiederholungen dennoch eine Differenz markiert und werden Formen der Verzeitlichung angespielt
heiEDITIONS – eine Heidelberger Infrastruktur für Editionen (nicht nur) mittelalterlicher Texte
Die seit 2018 an der Universitätsbibliothek Heidelberg unter dem Namen heiEDITIONS entwickelte Infrastruktur für digitale Editionen baut auf Erfahrungen in der Digitalisierung, in der virtuellen Rekonstruktion von Sammlungen und in der Handschriftenerschließung auf und fügt sich als Teil der Heidelberg Research Infrastructure (heiRIS) zu den in Heidelberg strategisch vorangetriebenen Maßnahmen zur Förderung wissenschaftlichen Publikationswesens im Open Access. Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass die Datenmodellierung und Visualisierung den vielfältigen Dimensionen der edierten Gegenstände gerecht werden. Gerade den Bedarfen der Altgermanistik kommt dabei eine wichtige Rolle zu
ediarum.MEDIAEVUM. Eine Arbeitsumgebung zur Edition mittelalterlicher (Prosa)Texte
Das Interakademische Langzeitprojekt ›Der Österreichische Bibelübersetzer. Gottes Wort deutsch‹ widmet sich der kritischen editorischen Erschließung und Kommentierung der Schriften des sogenannten ›Österreichischen Bibelübersetzers‹. In den Arbeitstellen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften an der Universität Augsburg und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin wird das Gesamtwerk ediert und für die geplante Hybridedition vorbereitet. Die Fülle des überlieferten Materials und die Komplexität der Texte lassen sich nur mit digitalen Methoden bewältigen. Die in den letzten Jahren an den beiden Arbeitstellen entwickelte Arbeitsumgebung ediarum.MEDIAVUM soll den Ansprüchen einer Edition der breit überlieferten Prosatexte ebenso gerecht werden wie den beiden geplanten Ausgabeformaten als Print- und Webedition
50 Jahre Mittelhochdeutsche Begriffsdatenbank (MHDBDB). Eine Jubiläums-Zeitreise zwischen Lochkarten, Pixel-Drachen, relationaler Datenbank und Graphdaten
Die seit 1972 betriebene Mittelhochdeutsche Begriffsdatenbank (MHDBDB) der Universität Salzburg ist ein umfassendes Recherchetool für das Mittelhochdeutsche. Kernelemente sind eine komplexe Suchmaschine und ein Wörterbuch, in dem mittels eines Begriffssystems Bedeutungen von korpusbasierten Wortartikeln erschlossen werden. Die einzelnen Vorkommensformen im Korpus werden auf diese Wortartikel und die im Kontext gültige Bedeutung sowie auf weitere Annotationsebenen wie beispielsweise grammatikalische Daten oder Metadaten bezogen. User können somit nicht nur nach Wörtern, Zeichenketten und Begriffen suchen, sondern auch wesentlich komplexere Fragestellungen auswerten. Dieser Beitrag liefert eine Rückschau über die letzten 50 Jahre sowie einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen