Beiträge zur mediävistischen Erzählforschung (BmE)
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Ein Fuchs ist ein Fuchs. Ein vorläufiges Resümee zur Varianz (in) der Tierdichtung
 
C. Remetaphorisierungen in volkssprachlichen Heilig-Geist-Dichtungen. I. Narrative Texte: Kapitel aus: Remetaphorisierungen. Der Heilige Geist in der deutschen Literatur des Mittelalters
 
Familiengeschichte(n). Genealogische Modelle im ›Reynke de Vos‹ (1498)
Im Tierepos werden die Tierfiguren nicht nur durch die Konstellation einer monarchisch organisierten Gesellschaftsordnung in einen interspezifischen Zusammenhang gebracht; sie gründen auch Familien und leben so in Verbünden mehrerer VertreterInnen einer Art zusammen. Im ›Reynke de Vos‹ sticht hier die Familie des Protagonisten Reynke besonders heraus. Die Ausgestaltung dieses Familienverbands beziehungsweise die Präsentation der Familienmitglieder und ihrer Familiengeschichte zieht nämlich zwei weitere historische Linien in den Text ein. Gebunden an das Fuchsgeschlecht wird zum einen die literaturgeschichtliche Entwicklung der Fuchsfigur der Fabel zu der des Tierepos thematisiert; zum anderen wird der sich vollziehende Wandel im politischen Diskurs greifbar, in dem die politische Klugheitslehre immer mehr an Bedeutung gewinnt. Mit der Erzählung von Reynke und seiner Familie liefert das Tierepos ein genealogisches Modell, das listiges Sprechen und manipulativen Gebrauch rhetorischer Techniken als Mittel politischer Machtausübung ausweist
Die Tierepik und der Ort des Politikrealismus im Mittelalter. Machiavelli begegnet dem Fuchs
Die Studie stellt das politische Denken von Niccolò Machiavelli (1469–1527) mit den mittelalterlichen Fuchserzählungen in einen Zusammenhang und diskutiert die ideengeschichtliche Implikation der Parallele. Im Vordergrund steht die sichtbare Affinität zwischen dem politikrealistischen Argument Machiavellis in ›Il principe‹ und dem Pragmatismus, der in den Fuchserzählungen seit dem 13. Jahrhundert zum Ausdruck kommt. Methodologisch greift die Untersuchung dabei auf kommunikationstheoretische Überlegungen zurück. Es wird gezeigt, dass der Politikrealismus Machiavellis von älteren Diskurstraditionen vorbereitet wird und insofern – anders als gemeinhin angenommen – keinen radikalen diskursiven Bruch darstellt. Zugleich wird die Bedeutung der erzählenden Literatur als einer wichtigen Quelle für die Rekonstruktion des Politikdiskurses in Spätmittelalter und Renaissance bekräftigt
Varianzen des Möglichkeitssinns. Spott und Manipulation im Zeichen der Hyäne und des Bären (›Reinhart Fuchs‹, ›Die Rache des Ehemannes‹)
Das Handlungs- und Erzählmodell eines ›manipulativen Spottes‹ basiert im mittelalterlichen Tierepos und in der Novellistik nicht nur auf ironischen Sprechakten, sondern auch auf indirekten Handlungen, Interaktionen über Dritte oder der Deutungsmacht Dritter: Der ›Möglichkeitssinn‹ eröffnet alternative Vorstellungsräume. Der Beitrag pointiert ein episodisch variierendes Handlungsmodell, das auf den Spannungen zwischen rationaler Argumentation, Willensfreiheit und triebgesteuerter Natur des menschlichen/tierischen Manipulators beziehungsweise des Manipulierten aufbaut. Über intertextuelle und interdiskursive Konstellationen zeichnet sich ein topischer Wissensbestand über den manipulativen Spott ab
Narrative Structures in Medieval Animal Epic
Der Beitrag stellt dar, welche mittelalterlichen Texte als Tierepen gelten könnten, und charakterisiert dann bei einigen von ihnen die Erzähltechnik, die episodische Strukturen aufweist, aber auch durch Kausalität bestimmte übergreifende Handlungszusammenhänge. Episodisches Erzählen findet sich in der gesamten Tradition; der Grad der Kohärenz sowie die Art und Weise, wie die Episoden miteinander verbunden sind, variieren jedoch. Dass sich übergreifende plots weitgehend durchsetzen, scheint eine spätere Entwicklung zu sein, die mit einer anderen Vorstellung von der Figur des Fuchses und einer pessimistischeren Sicht auf das Leben an Höfen zusammenhängt
Vereindeutigungen der Helena-Figur in der anonymen Fortsetzung von Konrads von Würzburg ‚Trojanerkrieg‘
Durch die vielschichtige Darstellung in der antiken Literatur ist Helena als eine höchst ambivalente Figur in das kulturelle Gedächtnis der Vormoderne eingegangen. Die wohl umfassendste Auseinandersetzung mit der Figur Helenas in der deutschsprachigen Literatur des Mittelalters gestaltet der ›Trojanerkrieg‹ Konrads von Würzburg. Konrad steigert die der Figur inhärente Ambivalenz, indem er sie zum Inbegriff vollkommener Schönheit macht, sie verkörpert die überwältigende Macht der Minne, aber auch die ihr immanente Fatalität und Destruktionskraft, ohne dass dies mit einer Negativ-Semantisierung einhergeht. Ganz anders der anonyme Fortsetzer, der Konrads unvollendetes opus magnum zu Ende erzählt. Hier erfährt Helena eine Umsemantisierung, indem ihr mit Paris’ erster Frau Oenônê eine kontrastierende Frauenfigur gegenübergestellt wird, die als Verkörperung eines an Gottfried von Straßburg orientieren Minneideals gestaltet ist. Die Paris-Helena-Liebe dagegen wird zu einem malum exemplum für unmäßige und treulose Liebe umgeformt und damit erheblich in ihrem Geltungsanspruch reduziert
Handschriftencensus (HSC). Von der Handschrift zu den Metadaten
Das Akademieprojekt Handschriftencensus (HSC) erfasst die gesamte deutschsprachige Handschriftenüberlieferung des Mittelalters (~750-1520) in einer Online-Datenbank. In dieser Eigenschaft fungieren der HSC bzw. das HSC-Team zugleich als Kompetenzzentrum zur deutschsprachigen Textüberlieferung inklusive der Handschriften-, Werk- und Autoridentifikation. Zudem werden im HSC die entsprechenden Digitalisate, Editionen und Kataloge erfasst und, wo möglich, verlinkt. Mit der neu ins Leben gerufenen Online-Zeitschrift ›Maniculae‹ besteht ergänzend die Möglichkeit, neue Funde und/oder Informationen zu Handschriften und Fragmenten schnell und unbürokratisch zu publizieren