1,720,997 research outputs found

    Geteilte Repräsentationen bei der Sprachverarbeitung und beim verbalen Kurzzeitgedächtnis am Beispiel von grammatischem Geschlecht

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    The present study investigates short-term memory for syntactically structured verbal information. Five experiments have demonstrated that grammatical gender contributes substantially to short-term recall of sentences and short texts. This study is based on models that assume that comprehension, production, and retention of verbal materials share the same representations (language-based models of working memory, e.g., Martin & Saffran, 1997). Findings that lexical features (such as phonological similarity and word frequency) influence recall of word lists are regarded as evidence for language-based models. Yet other models that do not assume such a strong relationship between language processing and verbal short-term memory can also account for these findings. Moreover, several linguistic features (such as syntactic or propositional aspects) are relevant only when processing sentences. Hence, their contribution to short-term memory tasks should be addressed best when using sentences instead of word lists. The main basis of this thesis is an elaborated version of a language-based model of verbal retention that particular addresses short-term memory for sentences (Rummer, 2003). Its basic assumption is that those types of information are retained that are potentially required for language comprehension or production. They are assumed to be retained as long as they are potentially required. The present study investigates the model';s assumption by means of a type of representation that has not been investigated in a short-term memory context so far: grammatical gender. However, based on its role in language processing, grammatical gender should also play a role in verbal retention and in particular in retention of syntactically structured materials. For instance, grammatical gender information is used for determining the right antecedent for a pronoun. As nouns and pronouns are often separated by several words or even sentences, access to gender information is required for a rather long period of time, similar to conceptual information. In order to test for an influence of grammatical gender information on verbal retention, I have used a modified version of Potter and Lombardi';s (1990) intrusion paradigm. The intrusion paradigm combines sentence recall and word list retention. In half of the cases, the word lists include a "lure word';, which is semantically related to a target word in the sentence and which is a better fit than the target word. One investigates whether and how often the target word is substituted by the lure word and whether the intrusion rate increases due to presentation of the lure word on the distractor list (e.g., sentence: "Der Chauffeur passte auf das Fahrzeug auf, während er auf seinen Chef wartete." /English gloss: "The driver watched over the automobile while he was waiting for his boss.';; lure word: "Auto"/';car';). As a modification, one can construct the sentences so that two lure words exist that are a better fit than the target word, one of them being gender congruent and the other one being gender incongruent. In the above example "Auto';/';car'; (gender congruent) and "Wagen';/';vehicle'; (gender incongruent) are potential lure words. If gender information has an influence on sentence retention, there should be more intrusions by the gender congruent than by the gender incongruent lure word. Such an error pattern (termed a gender congruency effect) could indeed be observed in the five experiments of the present study. The gender congruency effect occurred independently of the modality of sentence and list presentation (Exp. 1 & 5: auditory presentation, Exp. 2, 3 & 4: visual presentation) and independently of whether sentence recall immediately followed sentence presentation (Exp. 1, 2 & 4) or was briefly delayed (Exp. 3). In addition, the gender congruency effect was not influenced by the morphophonological form of the target word';s determiner. In other words, the effect could even be observed when there was no discrepancy between the target determiner and the gender incongruent lure word. As a further result, the effect also occurred under conditions in which the critical sentence was followed by one more sentence (Exp. 5). This finding suggests that gender information has an influence on retention for a longer period of time. This is what was predicted on the basis of the model described above. Yet this finding contrasts with the widespread assumption that surface information is forgotten beyond sentence boundaries (e.g., Jarvella, 1971). In sum, the findings support the assumption that features relevant in language processing are also relevant in verbal short-term memory.Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem kurzfristigen Behalten syntaktisch strukturierter verbaler Information. In fünf Experimenten konnte gezeigt werden, dass grammatisches Geschlecht das kurzfristige Behalten von Sätzen und kurzen Texten maßgeblich beeinflusst. Die Arbeit geht von Modellen des verbalen Arbeitsgedächtnisses aus, in denen angenommen wird, dass das Verstehen, das Produzieren und das Behalten von sprachlicher Information weitgehend die gleichen Repräsentationen nutzen (sprachbasierte Modelle des Arbeitsgedächtnisses, z.B. Martin & Saffran, 1997). Als Evidenzen für sprachbasierte Modelle gelten bisher Befunde, die zeigen, dass lexikalisch-sprachliche Faktoren wie phonologische Ähnlichkeit und Worthäufigkeit das kurzfristige Behalten von Wortlisten beeinflussen. Diesen Befunden können allerdings auch andere als sprachbasierte Modelle des Arbeitsgedächtnisses Rechnung tragen. Viele sprachliche Merkmale werden allerdings erst auf der Satzebene relevant (z.B. syntaktische und propositionale Aspekte). Die Bedeutung dieser Aspekte lässt sich deshalb nur sinnvoll untersuchen, wenn man Sätze anstellen von Wortlisten verwendet. Im Zentrum dieser Arbeit steht die Erweiterung eines sprachbasierten Modells des verbalen Behaltens, das besonders das kurzfristige Behalten von Sätzen adressiert (Rummer, 2003). Die Grundthese ist dabei, dass genau die Informationen kurzfristig gespeichert werden, die für das weitere Verstehen und/oder Produzieren von Sprache potentiell benötigt werden, und zwar so lange, wie sie potentiell benötigt werden. Die vorliegende Studie untersucht die Modellannahmen anhand einer Informationsart, die bislang nicht als behaltenswirksam angesehen wurde, und zwar anhand von grammatischem Geschlecht (oder auch Genus). Aufgrund der Rolle, die Genus in der Sprachverarbeitung spielt, sollte sich ein Einfluss von Genusinformation auch beim verbalen Behalten zeigen. Genusinformation wird etwa genutzt, um zu erkennen, auf welches vorher genannte Nomen sich ein Pronomen bezieht. Da Nomen und Pronomen oft durch mehrere Wörter oder sogar Sätze voneinander getrennt sind, handelt es sich bei Genusinformation, ähnlich wie bei Bedeutungsinformation, um einen Informationstyp, der über einen längeren Zeitraum benötigt wird. Um den möglichen Behaltenseinfluss von Genusinformation zu untersuchen, wurde das Intrusionsparadigma von Potter und Lombardi (1990) modifiziert. Dieses Paradigma kombiniert die Wiedergabe von Sätzen mit einer Distraktoraufgabe, die sich auf das Behalten einer Wortliste bezieht. Die Listen sind so konstruiert, dass sie in der Hälfte der Fälle ein "Lurewort" enthalten, das besser in den Satz passt als ein im Satz enthaltenes Zielwort. Untersucht wird, ob und wie häufig solche Lurewörter fälschlicherweise bei der Satzwiedergabe eingesetzt werden und ob die Intrusionshäufigkeit durch die Präsentation des Lureworts in der Liste ansteigt (z.B. Satz: "Der Chauffeur passte auf das Fahrzeug auf, während er auf seinen Chef wartete."; Lurewort: "Auto"). Die zu behaltenden Sätze lassen sich nun so konstruieren, dass je zwei Lurewörter besser in den Satz passen als das Zielwort: Eines davon hat das gleiche grammatische Geschlecht wie das Zielwort (genuskongruent) und eines ein anderes grammatisches Geschlecht (genusinkongruent). Bei "Der Chauffeur passte auf das Fahrzeug auf …" lassen sich Auto (genuskongruent) und Wagen (genusinkongruent) als Lurewörter einsetzen. Wenn Genusinformation tatsächlich das Behalten beeinflusst, sollte die Präsentation eines genuskongruenten Lureworts in der Liste häufiger zu Intrusionen führen als die Präsentation eines genusinkongruenten Lureworts. Ein solches Fehlermuster (genannt Genuskongruenzeffekt) fand sich tatsächlich in allen fünf Experimenten dieser Arbeit. Der Genuskongruenzeffekt trat unabhängig davon auf, in welcher Modalität Satz und Liste präsentiert wurden (Exp. 1 & 5: auditiv, Exp. 2, 3 & 4: visuell), ob die Satzwiedergabe unmittelbar nach der Präsentation (Exp. 1, 2 & 4) oder mit kurzer Verzögerung erfolgte (Exp. 3) oder ob die Genus(in)kongruenz eindeutig an der Form des Artikels erkennbar war oder nicht (manipuliert in Exp. 4). Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass genuskongruente Intrusionen selbst dann häufiger auftreten als genusinkongruente, wenn dem kritischen Satz ein weiterer Satz folgt (Exp. 5). Dieser letzte Befund weist darauf hin, dass Genusinformation über einen längeren Zeitraum das Behalten beeinflusst. Dies entspricht den Annahmen des zugrunde gelegten Modells, steht aber im Gegensatz zu der weit verbreiteten Annahme, dass Oberflächeninformation nicht über Satzgrenzen hinaus behaltensrelevant ist (s. z.B. Jarvella, 1971). Insgesamt sprechen die Ergebnisse für die Auffassung, dass für die Sprachverarbeitung relevante Merkmale auch für das kurzfristige verbale Behalten relevant sind

    Experimentelle Studien zum Einzelwortabruf bei Aphasie und bei der Alzheimerdemenz

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    Aphasiker und Alzheimerkranke zeigen oberflächlich ähnliche sprachliche Auffälligkeiten, was dazu führt, dass diese Patienten in der klinischen Praxis häufig schwer zu unterscheiden sind. Bisherige Studien lieferten bezüglich des Differenzierungsproblems kaum praxisrelevante Lösungsansätze, weshalb im Rahmen dieses Dissertationsprojektes drei experimentelle Studien - konzipiert auf der Basis theoriegeleiteter Hypothesen über die Ursache aphasischer und alzheimerbedingter Sprachstörungen - durchgeführt wurden. 19 Aphasiker und 16 Alzheimerpatienten mit leicht- bis mittelgradigen Sprachstörungen absolvierten einen Benenn-, zwei Assoziations- und einen Wortflüssigkeitstest. Anhand dieser Tests sollten Anhaltspunkte identifiziert werden, die auf eine Aphasie bzw. auf eine Alzheimerdemenz hinweisen und auf Grundlage derer eine statistisch abgesicherte Differenzierung dieser beiden Störungsbilder in Aussicht steht. Während die Auswertung der Benenn- und der Assoziationsleistungen insgesamt nur wenige signifikante Unterschiede erbrachte, ist der Wortflüssigkeitstest für eine Differenzierung von Aphasikern und Alzheimerpatienten offenbar gut geeignet. Die beiden Patientengruppen zeigten ähnliche semantische Wortflüssigkeitsleistungen, unterschieden sich aber in der phonologischen Testbedingung signifikant voneinander. Anhand ihrer Wortflüssigkeitsleistungen konnten in der vorliegenden Studie 89,5% der Aphasiker (17/19) und 75% der Alzheimerpatienten (12/16) korrekt klassifiziert werden. Die eingangs formulierten Hypothesen zur Ursache der Sprachstörung erhalten durch die Ergebnisse der experimentellen Studien klar Unterstützung. Die Testperformanz der Alzheimerpatienten spricht für eine semantische Beeinträchtigung, die der Sprachstörung zugrunde liegt, während die Leistungen der Aphasiker mit der Hypothese eines Zugriffsdefizits vereinbar sind.Aphasics and patients with Alzheimer´s disease show superficially similar linguistic features, which means that the differentiation of these patients in clinical practice is often difficult. Previous studies have provided no clear differentiation-related solutions. That is why three experimental studies – designed on theoretical hypotheses about the cause of aphasic and dementia-related speech disorders – have been conducted within the framework of this doctoral thesis. 19 aphasics and 16 Alzheimer´s patients with mild to moderate speech problems completed a naming test, two association tests as well as a semantic and a phonological word fluency test. Evidence should be identified which indicates aphasia or Alzheimer’s disease and by which a statistically significant differentiation of these two disorders is possible. Whereas the evaluation of the naming performance and the association results lacked con-vincing differences, the verbal fluency test is obviously suitable to differentiate between the two patient groups. Both groups showed similar semantic fluency performance, but differed significantly in the phonological test condition. Based on their verbal fluency performance, 89.5% of the aphasic patients (17/19) and 75% of the Alzheimer patients (12/16) could be classified correctly.The hypotheses about the cause of speech impairment are clearly con-firmed by the results of the experimental studies. The test performance of the Alzheimer patients suggests a semantic impairment that underlies their speech disorder, while the results of the aphasic patients are compatible with the hypothesis of an access deficit

    Geteilte Repräsentationen bei der Sprachverarbeitung und beim verbalen Kurzzeitgedächtnis am Beispiel von grammatischem Geschlecht

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    The present study investigates short-term memory for syntactically structured verbal information. Five experiments have demonstrated that grammatical gender contributes substantially to short-term recall of sentences and short texts. This study is based on models that assume that comprehension, production, and retention of verbal materials share the same representations (language-based models of working memory, e.g., Martin & Saffran, 1997). Findings that lexical features (such as phonological similarity and word frequency) influence recall of word lists are regarded as evidence for language-based models. Yet other models that do not assume such a strong relationship between language processing and verbal short-term memory can also account for these findings. Moreover, several linguistic features (such as syntactic or propositional aspects) are relevant only when processing sentences. Hence, their contribution to short-term memory tasks should be addressed best when using sentences instead of word lists. The main basis of this thesis is an elaborated version of a language-based model of verbal retention that particular addresses short-term memory for sentences (Rummer, 2003). Its basic assumption is that those types of information are retained that are potentially required for language comprehension or production. They are assumed to be retained as long as they are potentially required. The present study investigates the model's assumption by means of a type of representation that has not been investigated in a short-term memory context so far: grammatical gender. However, based on its role in language processing, grammatical gender should also play a role in verbal retention and in particular in retention of syntactically structured materials. For instance, grammatical gender information is used for determining the right antecedent for a pronoun. As nouns and pronouns are often separated by several words or even sentences, access to gender information is required for a rather long period of time, similar to conceptual information. In order to test for an influence of grammatical gender information on verbal retention, I have used a modified version of Potter and Lombardi's (1990) intrusion paradigm. The intrusion paradigm combines sentence recall and word list retention. In half of the cases, the word lists include a "lure word', which is semantically related to a target word in the sentence and which is a better fit than the target word. One investigates whether and how often the target word is substituted by the lure word and whether the intrusion rate increases due to presentation of the lure word on the distractor list (e.g., sentence: "Der Chauffeur passte auf das Fahrzeug auf, während er auf seinen Chef wartete." /English gloss: "The driver watched over the automobile while he was waiting for his boss.'; lure word: "Auto"/'car'). As a modification, one can construct the sentences so that two lure words exist that are a better fit than the target word, one of them being gender congruent and the other one being gender incongruent. In the above example "Auto'/'car' (gender congruent) and "Wagen'/'vehicle' (gender incongruent) are potential lure words. If gender information has an influence on sentence retention, there should be more intrusions by the gender congruent than by the gender incongruent lure word. Such an error pattern (termed a gender congruency effect) could indeed be observed in the five experiments of the present study. The gender congruency effect occurred independently of the modality of sentence and list presentation (Exp. 1 & 5: auditory presentation, Exp. 2, 3 & 4: visual presentation) and independently of whether sentence recall immediately followed sentence presentation (Exp. 1, 2 & 4) or was briefly delayed (Exp. 3). In addition, the gender congruency effect was not influenced by the morphophonological form of the target word's determiner. In other words, the effect could even be observed when there was no discrepancy between the target determiner and the gender incongruent lure word. As a further result, the effect also occurred under conditions in which the critical sentence was followed by one more sentence (Exp. 5). This finding suggests that gender information has an influence on retention for a longer period of time. This is what was predicted on the basis of the model described above. Yet this finding contrasts with the widespread assumption that surface information is forgotten beyond sentence boundaries (e.g., Jarvella, 1971). In sum, the findings support the assumption that features relevant in language processing are also relevant in verbal short-term memory.Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem kurzfristigen Behalten syntaktisch strukturierter verbaler Information. In fünf Experimenten konnte gezeigt werden, dass grammatisches Geschlecht das kurzfristige Behalten von Sätzen und kurzen Texten maßgeblich beeinflusst. Die Arbeit geht von Modellen des verbalen Arbeitsgedächtnisses aus, in denen angenommen wird, dass das Verstehen, das Produzieren und das Behalten von sprachlicher Information weitgehend die gleichen Repräsentationen nutzen (sprachbasierte Modelle des Arbeitsgedächtnisses, z.B. Martin & Saffran, 1997). Als Evidenzen für sprachbasierte Modelle gelten bisher Befunde, die zeigen, dass lexikalisch-sprachliche Faktoren wie phonologische Ähnlichkeit und Worthäufigkeit das kurzfristige Behalten von Wortlisten beeinflussen. Diesen Befunden können allerdings auch andere als sprachbasierte Modelle des Arbeitsgedächtnisses Rechnung tragen. Viele sprachliche Merkmale werden allerdings erst auf der Satzebene relevant (z.B. syntaktische und propositionale Aspekte). Die Bedeutung dieser Aspekte lässt sich deshalb nur sinnvoll untersuchen, wenn man Sätze anstellen von Wortlisten verwendet. Im Zentrum dieser Arbeit steht die Erweiterung eines sprachbasierten Modells des verbalen Behaltens, das besonders das kurzfristige Behalten von Sätzen adressiert (Rummer, 2003). Die Grundthese ist dabei, dass genau die Informationen kurzfristig gespeichert werden, die für das weitere Verstehen und/oder Produzieren von Sprache potentiell benötigt werden, und zwar so lange, wie sie potentiell benötigt werden. Die vorliegende Studie untersucht die Modellannahmen anhand einer Informationsart, die bislang nicht als behaltenswirksam angesehen wurde, und zwar anhand von grammatischem Geschlecht (oder auch Genus). Aufgrund der Rolle, die Genus in der Sprachverarbeitung spielt, sollte sich ein Einfluss von Genusinformation auch beim verbalen Behalten zeigen. Genusinformation wird etwa genutzt, um zu erkennen, auf welches vorher genannte Nomen sich ein Pronomen bezieht. Da Nomen und Pronomen oft durch mehrere Wörter oder sogar Sätze voneinander getrennt sind, handelt es sich bei Genusinformation, ähnlich wie bei Bedeutungsinformation, um einen Informationstyp, der über einen längeren Zeitraum benötigt wird. Um den möglichen Behaltenseinfluss von Genusinformation zu untersuchen, wurde das Intrusionsparadigma von Potter und Lombardi (1990) modifiziert. Dieses Paradigma kombiniert die Wiedergabe von Sätzen mit einer Distraktoraufgabe, die sich auf das Behalten einer Wortliste bezieht. Die Listen sind so konstruiert, dass sie in der Hälfte der Fälle ein "Lurewort" enthalten, das besser in den Satz passt als ein im Satz enthaltenes Zielwort. Untersucht wird, ob und wie häufig solche Lurewörter fälschlicherweise bei der Satzwiedergabe eingesetzt werden und ob die Intrusionshäufigkeit durch die Präsentation des Lureworts in der Liste ansteigt (z.B. Satz: "Der Chauffeur passte auf das Fahrzeug auf, während er auf seinen Chef wartete."; Lurewort: "Auto"). Die zu behaltenden Sätze lassen sich nun so konstruieren, dass je zwei Lurewörter besser in den Satz passen als das Zielwort: Eines davon hat das gleiche grammatische Geschlecht wie das Zielwort (genuskongruent) und eines ein anderes grammatisches Geschlecht (genusinkongruent). Bei "Der Chauffeur passte auf das Fahrzeug auf ?" lassen sich Auto (genuskongruent) und Wagen (genusinkongruent) als Lurewörter einsetzen. Wenn Genusinformation tatsächlich das Behalten beeinflusst, sollte die Präsentation eines genuskongruenten Lureworts in der Liste häufiger zu Intrusionen führen als die Präsentation eines genusinkongruenten Lureworts. Ein solches Fehlermuster (genannt Genuskongruenzeffekt) fand sich tatsächlich in allen fünf Experimenten dieser Arbeit. Der Genuskongruenzeffekt trat unabhängig davon auf, in welcher Modalität Satz und Liste präsentiert wurden (Exp. 1 & 5: auditiv, Exp. 2, 3 & 4: visuell), ob die Satzwiedergabe unmittelbar nach der Präsentation (Exp. 1, 2 & 4) oder mit kurzer Verzögerung erfolgte (Exp. 3) oder ob die Genus(in)kongruenz eindeutig an der Form des Artikels erkennbar war oder nicht (manipuliert in Exp. 4). Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass genuskongruente Intrusionen selbst dann häufiger auftreten als genusinkongruente, wenn dem kritischen Satz ein weiterer Satz folgt (Exp. 5). Dieser letzte Befund weist darauf hin, dass Genusinformation über einen längeren Zeitraum das Behalten beeinflusst. Dies entspricht den Annahmen des zugrunde gelegten Modells, steht aber im Gegensatz zu der weit verbreiteten Annahme, dass Oberflächeninformation nicht über Satzgrenzen hinaus behaltensrelevant ist (s. z.B. Jarvella, 1971). Insgesamt sprechen die Ergebnisse für die Auffassung, dass für die Sprachverarbeitung relevante Merkmale auch für das kurzfristige verbale Behalten relevant sind

    Die neurolinguistische Untersuchung fehlerfreien Lernens. Eine multiple Einzelfallstudie bei aphasischen Wortabrufstörungen.

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    Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Erforschung der Behandlung aphasischer Wortabrufstörungen. Im Fokus steht dabei die Untersuchung der Wirksamkeit fehlerfreier und fehlerbehafteter Lernmethoden vor dem Hintergrund individueller Störungscharakteristika. Das fehlerfreie Lernen ist ein relativ neuer Behandlungsansatz in der sprachtherapeutischen Intervention, der im Kontrast zur herkömmlichen fehlerbehafteten Methodenauswahl steht. Beide Lernmethoden sind als Konzepte zu verstehen und stellen keine konkreten Methoden dar. Die fehlerfreien und fehlerbehafteten Lernmethoden unterscheiden sich dahingehend, wie viele Fehlreaktionen des Patienten durch die Aufbereitung des Materials und die Konzeption der Therapie zugelassen werden. Während beim fehlerbehafteten Lernen ein Lernerfolg aus der Verarbeitung eigener Fehler gezogen werden soll, ermöglicht das fehlerfreie Lernen eine korrekte Assoziation, beispielsweise zwischen einem Wort und einem Bild, ohne dabei aktiv eine Korrektur vornehmen zu müssen. Es wurden bereits Studien veröffentlicht, die sich mit der Wirksamkeit fehlerfreier und fehlerbehafteter Lernmethoden bei aphasischen Wortabrufstörungen auseinandersetzten, jedoch zu widersprüchlichen Ergebnissen bezüglich der Effektivität der Methoden kommen. Dies könnte auf verschiedenen Störfaktoren basieren. Ziel der vorliegenden Forschungsarbeit war es, diese Konfundierungen zu vermeiden und somit fehlerfreie und fehlerbehaftete Lernmethoden unabhängig voneinander vor dem Hintergrund individueller Störungscharakteristika zu betrachten. Es wird in der vorliegenden Arbeit eine multiple Einzelfallstudie mit zehn aphasischen Probanden beschrieben, die unter Wortabrufstörungen als Hauptsymptom ihrer Beeinträchtigung litten. Mit allen Studienteilnehmern wurde eine linguistische und kognitive Einzelfalldiagnostik durchgeführt, die es ermöglichte, den zugrunde liegenden funktionalen Störungsort der Wortabrufproblematik zu lokalisieren sowie andere sprachliche und kognitive Leistungen einschätzen zu können. Für die Analyse werden verschiedene psycholinguistische Sprachverarbeitungsmodelle herangezogen. Beide Lernmethoden konnten den Wortabruf bei aphasischen Beeinträchtigungen verbessern. Es kann gezeigt werden, dass die verwendeten Lernmethoden nicht zwingend die gleiche funktionale Ursache behandeln. Die Wirksamkeit fehlerfreier und fehlerbehafteter Methoden wird auf verschiedenen Ebenen beschrieben. Es können Vorhersagen bezüglich der Therapieeffekte auf der Grundlage der individuellen Einzelfalldiagnostik getroffen werden. Zusätzlich nahmen an der Studie zwei Probanden teil, die unter der sehr seltenen Moyamoya-Erkrankung litten. Da bislang keine sprachtherapeutischen Interventionsstudien bei diesem Störungsbild veröffentlicht wurden, eröffnet die Beschreibung zweier Einzelfälle mit einer Analyse der strukturierten sprachtherapeutischen Behandlung ein neues Forschungsfeld

    One unit or two parts? Studies on the processing of compound words in linguistically unimpaired subjects, aphasics, and synaesthetes.

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    Die Komposition ist eine in vielen Sprachen und gerade auch im Deutschen sehr produktive Form der Wortbildung, durch die zwei oder mehr sprachliche Einheiten mit lexematischer Bedeutung zu einem komplexen Wort zusammengefügt werden (Eichinger 2000, S. 115), für das dann eigene grammatische und semantische Regeln gelten. Eine in der Wortbildungsforschung lange diskutierte Frage ist, inwieweit eher der Wort-Charakter oder eher die morphologische Komplexität von Komposita hervorzuheben ist, und inwieweit ihnen insofern eher ein lexikon- oder ein syntax-orientierter Zugang gerecht wird (z.B. Motsch 1970; Downing 1977; Olsen 1986; Angele 1992; Elsner & Huber 1998). Diese Diskussion spiegelt sich auch in psycholinguistischen Theorien zur mentalen Repräsentation und Verarbeitung von morphologisch komplexen Wörtern wider und hier insbesondere in der Frage, ob sie als Ganzheiten (z.B. Butterworth 1983: Full-Listing-Hypothese; Lukatela et al. 1980; 1987: Satellite-Entries-Modell; Bybee 1985; 1988; 1995: Morphology-as-Connections-Modell) oder in Form ihrer Teile (z.B. Taft & Forster 1975; 1976; Taft 1979b; 1988: Affix-Stripping-Modell; Marslen-Wilson et al. 1994; 1996: Single-Direct-Access-Modell) repräsentiert sind und verarbeitet werden oder ob ein Neben- bzw. Miteinander von ganz- und einzelheitlichen Repräsentationen und Prozessen anzunehmen ist (z.B. Caramazza et al. 1985; 1988: Augmented Addressed Morphology Modell; Schreuder & Baayen 1995; Baayen et al. 1997; 2000: Morphologisches Meta-Modell). Die Zahl der Arbeiten, die diese Modellannahmen für die Verarbeitung – und hier insbesondere für die Produktion – von Komposita empirisch überprüft hat, ist bisher begrenzt, und so vielfältig und widersprüchlich wie die Modelle sind auch die dabei gefundenen Ergebnisse, die teils auf eine ganzheitliche und teils auf eine einzelheitliche Verarbeitung hindeuten, was sich als Hinweis darauf werten läßt, daß die Kompositumsverarbeitung kein einheitlicher, stets gleich ablaufender Prozeß ist, sondern in Abhängigkeit von bestimmten semantisch-lexikalischen und situativen Gegebenheiten variieren kann. In der vorliegenden Arbeit wurden Aspekte der genannten Diskussion und einzelne Ergebnisse aufgegriffen, um sie mittels Untersuchungen zur Verarbeitung von Komposita durch Sprachgesunde, durch Aphasiker und durch Synästhetiker zu überprüfen und wo möglich auszuweiten. Folgende Ergebnisse sind festzuhalten: Beim Benennen vergleichbarer Komposita und Simplizia durch Sprachgesunde wie auch durch Aphasiker zeigten sich zwischen beiden Worttypen Unterschiede hinsichtlich der Reaktionszeiten sowie der Quantität und der Qualität der auftretenden Fehler. Die Benennung der Simplizia, nicht aber der Komposita war frequenzsensitiv. Im Rahmen einer Einzelfallstudie mit dem Aphasiker MO war zudem der Benennerfolg bei den Simplizia, nicht aber bei den Komposita abhängig von der Wortlänge. Diese Befunde zusammen genommen sprechen für eine unterschiedliche Verarbeitung der beiden Worttypen, die sich im Sinne einer einzelheitlichen Verarbeitung der Komposita interpretieren läßt. Allerdings war in keiner der Untersuchungen ein Einfluß der Komponentenfrequenzen nachweisbar, MOs Benennerfolg war durchaus durch die Kompositumsfrequenzen beeinflußt, und über die Aphasiker-Gruppe hinweg zeigte sich ein ganzwortbezogener Einfluß des Erwerbsalters. Diese Befunde sprechen gegen eine völlig einzelheitliche Verarbeitung von Komposita. Insofern wird zugunsten eines Sowohl-als-Auch argumentiert mit entweder einzelheitlichen vs. ganzheitlichen Repräsentationen und Prozessen auf verschiedenen Ebenen des Sprachsystems oder parallelen einzelheitlichen und ganzheitlichen Prozessen auf minde¬stens einer Ebene des Sprachsystems. In diesem Sinne lassen sich die Ergebnisse im Rahmen des Diskreten Zweistufen-Modells von Levelt und Mitarbeitern (z.B. Levelt 1989; 2001; Levelt et al. 1999) interpretieren, wonach lexikalisierte Komposita auf der semantisch-konzeptuellen Ebene wie auch auf der Lemma-Ebene ganzheitlich repräsentiert sind und verarbeitet werden, während auf der Wortform-Ebene einerseits ein ganzheitlicher Wortform-Rahmen und andererseits die einzelnen Komponenten abgerufen und miteinander kombiniert werden. Auf diese Weise lassen sich die gefundenen Unterschiede zwischen Simplizia und Komposita und der Nachweis komponentenbezogener Effekte bei letzteren erklären. Alternative Modellierungen und hier insbesondere die Annahme dualer Repräsentationen und Prozesse auf einer oder mehreren Ebenen des Sprachverarbeitungssystems können allerdings aufgrund der vorliegenden Ergebnisse nicht ausgeschlossen werden. Eine Art Exkurs in den rezeptiven Bereich bildete die Untersuchung der Wahrnehmung von Komposita durch Sprach-Farb-Synästhetiker. Im Rahmen einer multiplen Einzelfallstudie sowie einer explorativen Gruppenstudie zeigte ein Großteil der teilnehmenden Synästhetiker keine Unterschiede hinsichtlich der farblichen Wahrnehmung vergleichbarer Simplizia und Komposita. In Einzelfällen ergaben sich allerdings doch Hinweise auf eine morphembasierte Verarbeitung. Eine der Synästhetikerinnen – AF – stand für weitere Untersuchungen zur Verfügung, in denen sich zeigte, daß sie tatsächlich Simplizia überwiegend einfarbig wahrnahm, während bei Komposita in Abhängigkeit von der Zahl ihrer Komponenten zwei oder mehr Farben dominierten. Bedeutungsgebundene Farbwahrnehmungen bezogen sich auf die einzelnen Komponenten und nicht auf die Komposita als ganzes. Bei opaken, nicht aber bei transparenten Komposita zeigte sich zudem ein Frequenzeffekt mit mehr Einfarbigkeit der höherfrequenten und mehr Zweifarbigkeit der niedrigfrequenten Wörter. Zusammenfassend ist aufgrund der vorliegenden Ergebnisse für die Wahrnehmung von Komposita bei Synästhesie festzuhalten, daß sie i.d.R. nicht durch die morphologische Komplexität der Stimuli beeinflußt wird. Bei einzelnen Synästhetikern bzw. Synästhesieformen findet aber doch eine nicht ausschließlich ganzwort-, sondern zusätzlich oder alternativ auch komponentenbasierte Verarbeitung statt, was auf duale Prozesse auf mindestens einer Ebene der Rezeption von Komposita hinweist

    Going Beyond Counting First Authors in Author Co-citation Analysis

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    The present study examines one of the fundamental aspects of author co-citation analysis (ACA) - the way co-citation counts are defined. Co-citation counting provides the data on which all subsequent statistical analyses and mappings are based, and we compare ACA results based on two different types of co-citation counting - the traditional type that only counts the first one among a cited work's authors on the one hand and a non-traditional type that takes into account the first 5 authors of a cited work on the other hand. Results indicate that the picture produced through this non-traditional author co-citation counting contains more coherent author groups and is therefore considerably clearer. However, this picture represents fewer specialties in the research field being studied than that produced through the traditional first-author co-citation counting when the same number of top-ranked authors is selected and analyzed. Reasons for these effects are discussed

    Experimentelle Studien zur Verarbeitung von Nomen und Verben bei aphasischen Patienten

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    Nomen und Verben werden im Deutschen als Wortarten u.a. hinsichtlich semantischer, morphologischer und syntaktischer Eigenschaften unterschieden. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit diesen Unterschieden, aber auch mit den Gemeinsamkeiten von Nomen und Verben und deren Ein- uss auf die Prozesse der Sprachverarbeitung. Ziel ist es, kontroverse modelltheoretische Hypothesen über die Repräsentation und die sprachlich-kognitive Verarbeitung wortartspezischer Information mittels neurolinguistischer Daten empirisch zu überprüfen und zu erweitern (Caramazza & Coltheart, 2006). Hierfür wurden die Leistungen aphasischer Patienten bei der Verarbeitung von Nomen und Verben im Rahmen des Paradigmas der Kognitiven Neurolinguistik (Nickels, Howard & Best, 2011) experimentell untersucht. Neurolinguistische Studien zeigen, dass der Wortabruf von Nomen und von Verben bei Menschen mit Aphasie selektiv gestört sein kann und dass sogenannte Nomen-Verb- Dissoziationen vorliegen können (z.B. Caramazza & Hillis, 1991; Luzzatti, Raggi, Zonca, Pistarini, Contardi & Pinna, 2002; Thompson, Lukic, King, Mesulam & Weintraub, 2012; Kambanaros, 2016), mit einem häugeren Vorkommen von Nomen- im Vergleich zu Verbüberlegenheiten (z.B. Vigliocco, Vinson, Druks, Barber & Cappa, 2011). Diese Befundlage sowie weitere Aspekte der Nomen-Verb- Verarbeitung wurden in der vorliegenden Arbeit in zwei Gruppenstudien (Studie 1 und 3) und in einer multiplen Einzelfallstudie (Studie 2) mit Aphasikern untersucht. Da bisher für das Deutsche keine geeigneten Diagnostikverfahren für wortartspezische Wortabrufstörungen bei Aphasie existieren, wurden vorab Vorstudien zur Erhebung psycholinguistischer Variablen von Nomen und Verben sowie verschiedene experimentelle multimodale Stimulimaterialien erstellt. Im Rahmen der ersten Gruppenstudie mit 18 Aphasikern (Studie I) wurde die Verteilung von Nomen-Verb-Dissoziationen mit Nomen- und mit Verbüberlegenheit beim konfrontativen Benennen und beim Sprachverstehen experimentell erhoben. Weiterhin wurden die aphasischen Leistungen beim Nomen- und beim Verbabruf miteinander verglichen. Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung lassen den Schluss zu, dass das in bisherigen Studien nachgewiesene Ungleichgewicht von Nomen- und Verbüberlegenheiten aufgrund der fehlenden Kontrolle der psycholinguistischen Variable 'Vorstellbarkeit' erklärt werden kann und dass Verben insgesamt nicht schlechter benannt werden als Nomen. Die Daten belegen auÿerdem das Vorkommen von sowohl modalitätsspezischen als auch -übergreifenden Nomen-Verb-Dissoziationen. Diese wurden in einer multiplen Einzelfallstudie näher untersucht. Die multiple Einzelfallstudie (Studie II) beschäftigt sich mit der Untersuchung einer wortartspezi- schenWortabrufstörung mit Verbüberlegenheit zweier Aphasiker, d.h. einer besseren Verfügbarkeit von Nomen im Vergleich zu Verben beim lexikalischen Zugri. Beide Aphasiker elen im Rahmen der Gruppenstudie (Studie I) auf, da eine Verbüberlegenheit beim Benennen vergleichsweise selten auftritt und damit ein interessanter empirischer Beleg für die selektive Störanfälligkeit der Wortart Nomen ist (z.B. Shapiro, Shelton & Caramazza, 2000; Bi, Han, Shu & Caramazza, 2007). Auf Basis einer umfangreichen neurolinguistisch-experimentellen Untersuchung zur Verarbeitung von Nomen und Verben konnte für beide Patienten eine Dissoziation der zugrundeliegenden Störungsursache nachgewiesen werden: eine modalitätsübergreifende semantisch-bedingte Verbüberlegenheit aufgrund einer Störung sensorischer Merkmalsrepräsentationen (Patientin MB) und eine modalit ätsspezische lexikalisch-phonologische Verbüberlegenheit aufgrund einer funktionalen Läsion auf lexikalischen Ebenen beim Zugri auf nominale Wortformeinträge (Patient RL). Innerhalb der zweiten Gruppenstudie mit 18 Aphasikern (Studie III) wurde eine umfangreiche Fehleranalyse zum Auftreten typischer Fehlermuster beim Nomen- im Vergleich zum Verbabruf im Rahmen des neurolinguistischen Fehleransatzes (z.B. Whitworth, Webster & Howard, 2014) durchgef ührt. Es zeigten sich sowohl beim Nomen- als auch beim Verbabruf kohyponyme und hyperonyme Fehler. Beim Nomenabruf kamen v.a. Meronymie-Fehler hinzu. Beim Verbabruf wurden zusätzlich v.a. semantisch-assoziative Fehler und semantische Fehler mit Wortartwechsel produziert, wobei die produzierten Nomen typische Mitspieler der Zielhandlung (Agens, Patiens, Instrument) darstellten. Nullreaktionen und Umschreibungen kamen im Vergleich des Nomen- und des Verbabbrufs in vergleichbarer Anzahl vor. Auf der Grundlage der erhobenen Daten wird die semantische Hypothese über Nomen-Verb- Dissoziationen (Bird, Howard & Franklin, 2000b; Elman, 2009), d.h. dass Nomen- bzw. Verbdezite aus einer Störung semantischer Kategorien resultieren, als alleinige Erklärung abgelehnt. Vielmehr liegen in Bezug auf die Diskussion über die funktionale Ursache von wortartspezischen Wortabrufst örungen Evidenzen dafür vor, dass aphasische Patienten mit Nomen-Verb-Dissoziationen keine homogene Gruppe bilden. Stattdessen ist von unterschiedlichen zugrundeliegenden Störungslokalisationen auszugehen. Hieraus lässt sich ableiten, dass die Repräsentation und der lexikalische Zugri auf die Wortartinformation auf semantischen und lexikalischen Ebenen des mentalen Sprachsystems stattndet (Levelt, Roelofs & Meyer, 1999; Dell, Schwartz, Martin, Saran & Gagnon, 1997; Caramazza, 1997). Darüber hinaus sprechen die Daten in Bezug auf die Frage nach der Repräsentation der Wortarten für eine hierarchische Bedeutungsstruktur von sowohl Nomen als auch von Verben sowie der zusätzlichen Relevanz von assoziativ-relationalen Verbindungen innerhalb der Verbrepr äsentationen, die insbesondere zwischen Verben und ihren nominalen Mitspielern angenommen werden

    Are positive and negative affect bipolar opposites, or independent of each other?

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    Abstract In the literature there is a longstanding discussion as to whether positive and negative feelings vary oppositionally or independently as well as whether a bipolar or unipolar model of the structure of affect fits better. Empirical evidence exists for both positions. Recent theoretical developments attempt to integrate the competing models. Such integrative approaches no longer address the question of whether the structure of affect is bipolar or unipolar, but rather under what conditions positive and negative affect tend to a bipolar or to a unipolar structure, respectively. It is assumed that the structure of affect converges to a bipolar continuum dependent on the affect scales used and / or the characteristics of the emotions measured. Specifically, it is assumed that under the condition that semantically correlated (vs. uncorrelated) scales are used and / or global, conscious or intense affects are captured, a bipolar structure of emotions can be found. These assumptions provide a partial explanation of the contradictory empirical findings. However, there are still questions to be answered. In this work, an alternative integrative approach is proposed. This approach relates the structure of affect to the origins of emotions and attributes the affect structure to the characteristics of the affect causes. It claims that the structure of affect depends on whether a situation or environment speaks to both positive and negative affects or only one affect. Specifically, it is expected that the number and dimensionality of affect causes should increase the probability that both affect types are changed and a compensatory variation is observed (bipolarity). While a single affect cause dimension only affects one of the two affect qualities and, accordingly, produces a non-compensatory variation of affect (unipolarity), the literature suggests that the key causes of affect are personal value and personal controllability of the stimulus. It is assumed that the value of a stimulus is a two-dimensional affect cause that varies on the dimensions of positivity and negativity. Personal controllability, on the other hand, only ranges between the endpoints "no control" and "total control" and is thus characterized by only one dimension. If the proposed approach is correct, a change in both affect causes or at least in the stimulus valence (multi dimensions) should provoke a variation in both affects (hypothesis 1). A mere change of the personal stimulus controllability (one dimension) should lead exclusively to a change in one of the two affects, while the other remains unaffected (hypothesis 2). In order to test this approach, eight experiments were conducted. The subjects were to work on several computerized contingency learning tasks in which they caused a light to flash on the screen by pressing or not pressing a key. As independent variables, the monetary value of light onset and light offset (stimulus valence: gain vs. loss vs. neutral), and / or the contingency and frequency of light onset (stimulus controllability: low vs. high vs. not manipulated) were varied. As dependent variables, positive affect and negative affect were assessed on separate scales using the PANAS. Experiment 1 demonstrated that positive and negative affect vary as a function of stimulus valence and personal stimulus controllability. Furthermore, this experiment showed that the affects vary compensatory as well as non-compensatory. In Experiment 2 and 3, the effect of the factor stimulus valence was examined and a compensatory variation (bipolar structure) of the affects was found. Experiments 4 through 7 served to investigate the effect of personal stimulus controllability and consistently showed a non-compensatory, independent variation of affects (unipolar structure). Finally, experiment 8 demonstrated the effects, that is the compensatory and the non-compensatory variation of the affects, within the same individuals and showed that the structure of emotions does vary and that this variation can be traced back to the number and dimensionality of the present affect causes. This approach opens a theoretical framework for future studies on the structure of affect and offers an experimental paradigm by which affects can be induced in the lab (contingency learning paradigm).In der Literatur wird diskutiert, ob positive und negative Gefühle gegensätzlich oder unabhängig voneinander variieren und ob ein bipolares Modell oder ein unipolares Modell die Struktur der Affekte besser beschreibt. Empirische Evidenz besteht für beide Positionen. Neuere theoretische Entwicklungen versuchen die konkurrierenden Modellvorstellungen zu integrieren. Diese integrativen Ansätze stellen nicht länger die Frage, ob die Struktur der Affekte bipolar oder unipolar ist, sondern unter welchen Bedingungen positiver und negativer Affekte zu einer bipolaren bzw. zu einer unipolaren Struktur tendieren. Es wird angenommen, dass die Affekte in Abhängigkeit der eingesetzten Affekt-Skalen und/oder in Abhängigkeit der Merkmale der gemessenen Affekte zu einem bipolaren Kontinuum konvergieren. Konkret wird angenommen, dass sich unter der Bedingung, dass semantisch korrelierte (vs. unkorrelierte) Skalen eingesetzt werden und/oder globale, bewusste oder intensive Affekte erfasst werden, eine bipolare Struktur der Affekte finden lässt. Diese Annahmen können die widersprüchliche Befundlage allerdings nicht vollständig aufklären. In dieser Arbeit wird ein alternativer integrativer Ansatz vorgeschlagen. Dieser Ansatz setzt die Struktur der Affekte zur Entstehung der Affekte in Beziehung und versucht, die Affektstruktur anhand der Merkmale der Affektursachen aufzuklären. Es wird behauptet, dass die Struktur der Affekte davon abhängt, ob eine Situation oder Umweltveränderung beide Affekte oder nur einen der beiden Affekte anspricht. Konkret wird erwartet, dass mit der Anzahl und Dimensionalität der Affektursachen die Wahrscheinlichkeit steigt, dass beide Affekte angesprochen werden und sich eine gegensätzliche Variation der Affekte (Bipolarität) einstellt, während eine einzelne Affektursachedimension immer nur einen der beiden Affekte anspricht und entsprechend eine nicht-gegensätzliche Variation der Affekte (Unipolarität) hervorbringen sollte. Aus der Literatur lässt sich ableiten, dass die zentralen Ursachen der Affekte die persönlichen Wertigkeit und die persönliche Kontrollierbarkeit eines Stimulus sind. Dabei wird angenommen, dass die Wertigkeit eines Stimulus eine zwei-dimensionale Affektursache darstellt, deren Ausprägung auf den Dimensionen Positivität und Negativität variieren kann, wohingegen die persönliche Kontrollierbarkeit nur zwischen den Endpunkten „keine Kontrolle“ und „totale Kontrolle“ rangieren kann und sich entsprechend nur durch eine Dimension auszeichnet. Ist der vorliegenden Ansatz korrekt, dann sollte eine Veränderung beider Affektursachen oder zumindest der Stimuluswertigkeit (Mehrdimensionalität) eine Variation beider Affekte provozieren (Hypothese 1). Während die bloße Veränderung der Stimuluskontrollierbarkeit (Eindimensionalität) ausschließlich zu einer Variation einer der beiden Affekte führen sollte, wohingegen der andere Affekt unbeeinflusst bleibt (Hypothese 2). Um den Ansatz zu prüfen, wurden acht Experimente durchgeführt. Die Probanden erhielten mehrere computergesteuerte Kontingenzlernaufgaben, in denen sie jeweils durch das Drücken oder Nichtdrücken einer Taste ein Licht am Bildschirm zum Aufleuchten bringen sollten. Als unabhängige Variablen wurde der Geldwert, der mit dem Aufleuchten und Nichtaufleuchten assoziiert war (Stimuluswertigkeit: Gewinn vs. Verlust vs. neutral) und/oder die Kontingenz und Häufigkeit des Aufleuchtens (Stimuluskontrollierbarkeit: gering vs. hoch vs. konstant) variiert. Als abhängige Variablen wurden positiver Affekt und negativer Affekt mittels der separaten Skalen des PANAS gemessen. Experiment 1 demonstriert, dass positiver und negativer Affekt in Abhängigkeit der persönlichen Stimuluswertigkeit und Stimuluskontrollierbarkeit variieren. Weiterhin zeigte dieses Experiment, dass die Affekte dabei sowohl gegensätzlich als auch nicht gegensätzlich variieren können. In Experiment 2 und 3 wurde der Effekt des Faktors Stimuluswertigkeit geprüft und eine gegensätzliche Variation der Affekte (Bipolarität) gefunden. Die Experimente 4 bis 7 dienten dazu, den Effekt der persönlichen Stimuluskontrollierbarkeit zu untersuchen und ergaben konsistent eine nicht-gegensätzliche, unabhängige Variation der Affekte (Unipolarität). Experiment 8 demonstrierte die Effekte, dass heißt die gegensätzliche und nicht-gegensätzliche Variation der Affekte, innerhalb der gleichen Personen und zeigte damit, dass die Struktur der Affekte veränderlich ist und auf die Anzahl und Dimensionalität der präsenten Affektursachen zurückgeführt werden kann. Der vorliegende Ansatz eröffnet einen theoretischen Rahmen für die Untersuchung der Struktur der Affekte und zeigt ein methodisches Verfahren auf, mit welchem Affekte im Labor induziert werden können (Kontingenzlernaufgaben)

    Variations on the Author

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    “Variations on the Author” discusses two of Eduardo Coutinho’s recent films (Um Dia na Vida, from 2010, and Últimas Conversas, posthumously released in 2015) and their contribution to the general question of documentary authorship. The director’s filmography is characterized by a consistent yet self-effacing form of authorial self-inscription: Coutinho often features as an interviewer that rather than express opinions propels discourses; an interviewer that is good at listening. This mode of self-inscription characterizes him as an author who is not expressive but who is nonetheless markedly present on the screen. In Um Dia na Vida, however, Coutinho is completely absent form the image, while Últimas Conversas, on the contrary, includes a confessional prologue that moves the director from the margins to the center of his films. This article examines the ways in which these works stand out in the filmography of a director who offers new insights into the notion of cinematic authorship
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