457 research outputs found
Formale Schul- und Kurspraktiken durch MALP zugänglich machen: Dissonanz zwischen Lernvoraussetzungen und -erwartungen bei Lernenden mit unterbrochener Bildungskarriere
Biliteracy im Italienischen und im Deutschen
Diese empirische Studie zur Mehrsprachigkeit im Übergang von der bilingualen Grundschule in die monolinguale weiterführende Schule untersucht die Entwicklung von Biliteracy-Kompetenzen bei Kindern, die mit den Sprachen Italienisch und Deutsch aufwachsen. Es wird der Frage nachgegangen, wie sich die Sprachkompetenzen in der Minderheitensprache Italienisch entwickeln, wenn diese in der Sekundarstufe nicht mehr institutionell anerkannt und adäquat gefördert wird. Die Ergebnisse der Mixed-Methods-Analyse zeigen dabei deutliche Diskrepanzen in der Sprachkompetenzentwicklung zwischen Deutsch und Italienisch. Dies deutet darauf hin, dass der monolinguale Habitus der sprachlichen Bildung in deutschen Schulen zu einer Vereinheitlichung der Kompetenzen in der nationalstaatlichen Mehrheitssprache führt, während die Kompetenzen in den Minderheitensprachen vernachlässigt werden. Aus der Studie geht zudem hervor, dass der Erhalt und die Entwicklung von Literacy-Kompetenzen im Italienischen nach dem Übergang in die Sekundarstufe vorwiegend von außerschulischen Faktoren abhängen
Iagupova, Larysa/Kaliuščenko, Vladimir/Kątny, Andrzej/Roll, Heike (Hrsg.) Semantik und Pragmatik im Spannungsfeld der germanistischen und kontrastiven Linguistik
Iagupova, Larysa/Kaliuščenko, Vladimir/Kątny, Andrzej/Roll, Heike (Hrsg.) Semantik und Pragmatik im Spannungsfeld der germanistischen und kontrastiven Linguisti
Tutorielle Textfeedbackgespräche zwischen studentischen Schreibtutor/innen und fremdsprachigen Studienbewerber/innen – eine handlungstheoretische Analyse
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Einsatz der aus der US-amerikanischen Hochschulschreibdidaktik entlehnten Methode des Peer Tutoring im Rahmen der institutionalisierten Vorbereitung internationaler Studierender auf die DSH. Es wird ein Korpus von 33 Textfeedbackgesprächen zwischen fremdsprachigen Studierenden und deutschsprachigen Schreibtutoren untersucht. Die Phasierung der Textfeedbackgespräche soll rekonstruiert werden, wobei die Phase der Anliegenbearbeitung fokussiert wird. Zwar liegen zahlreiche Empfehlungen für die Gestaltung sogenannter Schreibberatungsgespräche im universitären Kontext vor, die Untersuchung konkreter authentischer Gespräche ist jedoch ein Forschungsdesi-derat. Auch fehlt ein Peer Tutoring Konzept, das auf die spezielle Zielgruppe internationaler Studierender ausgerichtet ist.
Zentrale Forschungsfragen sind:
1. Was ist kennzeichnend für die Phasierung der vorliegenden Textfeedbackgespräche?
2. Welche Anliegen lassen sich aus den von den DaF-Schreibern verfassten Texten ableiten? Und welche Anliegen werden in den Textfeedbackgesprächen tatsächlich thematisiert?
3. Wie wird die Anliegenbearbeitung gestaltet, d.h. wer thematisiert die Anliegen, wie lange dauert die Bearbeitung und wird eine Lösung gefunden?
4. Welche Gesprächsstrategien setzen die Schreibtutoren in der Anliegenbearbeitung ein? Welche Fragestrategien werden verwendet?
5. Lassen sich Unterschiede zwischen Textfeedbackgesprächen verschiedener Schreibtutorengruppen und verschiedener Schreibergruppen feststellen?
6. Inwiefern ent- oder widersprechen die Ergebnisse der Untersuchung den Empfehlungen für Peer Tutoring in den gängigen Handbüchern?
7. Welche didaktischen Konsequenzen lassen sich für das Peer Tutoring in der Studienpropädeutik mit DaF-Schreibern ableiten
Foreign language anxiety of international students in German as a foreign language
Diese empirisch angelegte Studie befasst sich mit der Sprechangst internationaler Studierender in der Fremdsprache Deutsch. Im ersten, theoretischen Teil der Studie wird ein Modell des Konzeptes Fremdsprachenverwendungsangst (FSVA) aufgestellt. Hier wird dem Faktor „Selbstwirksamkeit“ die zentrale Rolle zugewiesen. Für die Analyse des Modells wurde eine Skala für die Erhebung des Faktors FSVA entwickelt, die den außerunterrichtlichen Kontext und die Zielgruppe der Studie berücksichtigt. Die primäre Stichprobe der Befragungen stellten internationale Studierende dar, die einen Hochschulzugang in Deutschland anstreben (N=222). Das aufgestellte Modell wurde anhand einer konfirmatorischen Faktorenanalyse und einer qualitativen Analyse validiert. Hierbei wurde u. a. auf den Zusammenhang von FSVA mit den Konzepten Foreign Language Enjoyment, trait anxiety und tolerance of ambiguity eingegangen. Die Analyse des Konzeptes „FSVA“ hat ergeben, dass der Faktor höherer Ordnung „FSVA“ mit dem Faktor „Selbstwirksamkeit“ gleichzusetzen ist. Im zweiten Teil der Studie wird die Frage analysiert, wie FSVA die sprachlichen Leistungen der Studierenden beeinflusst. Für dieses Ziel wurden individuelle Sprechprobenanalysen bei hochängstlichen und niedrigängstlichen Studierenden in zwei unterschiedlichen Situationen durchgeführt – im mündlichen Teil der DSH-Prüfung und in einem stresslosen, alltäglichen Gespräch mit der Forscherin. Die Ergebnisse der Analyse haben, abhängig von der analysierten sprachlichen Ebene, Belege für die beeinträchtigende sowie förderliche Wirkungsweise der FSVA geliefert. Die Analyse der Interviews und einer Gruppendiskussion rekonstruiert mögliche Entstehungsgründe der FSVA und zeigt ihre konkrete Wirkungsweise aus der Sicht der Befragten auf.This study investigates foreign language speaking anxiety of international students in Germany and its influence on their performance in the target language. The first part of the study presents the conceptualization of foreign language speaking anxiety as well as the relationship between foreign language speaking anxiety and trait anxiety, foreign language enjoyment and tolerance of ambiguity. The participants of this study were advanced German for academic purposes students prior to entering German universities or completing an exchange program (N=222). A foreign language speaking scale was developed for this study, which takes into account the target group and the non-classroom context of the study. The scale was validated using confirmatory factor analysis and qualitative data analysis. The analyses showed that self-efficacy of foreign language students is the major determinant of their foreign language anxiety. The second part of the study analyses the effect of foreign language speaking anxiety on the students’ oral performance in the target language. For this purpose, individual speech analysis of highly and lowly anxious students in two situations with different imposed levels of anxiety was conducted – one during the oral part of the German Language Proficiency Test for the Admission to Higher Education (DSH) and the second one in a comparatively stress-free discussion with the researcher. Depending on the level of language at question, the analysis showed both the debilitating and facilitating effect of foreign language speaking anxiety on the students’ output. Reported causes and influences of anxiety were investigated through interviews and group discussion
Interaction between characters in Heike monogatari dialogues: language forms and functions
This thesis examines language aspects of interaction in dialogue passages of Heike monogatari (The Tale of the Heike, 1371) focusing on the role of language forms in characterization. The main goal of the present study is to assess the role of language variation and analyze how it participates in construction of asymmetries in social status and power between characters. Selected dialogue data is divided into two groups according to the participants and the dominant context: political interaction at court and interaction involving religious matters. Analysis of language forms in each dialogue draws on research by Japanese scholars and covers a wide range of linguistic phenomena such as sound changes, lexical choices, and markers of politeness. Linguistic findings are intended to supplement recent studies of the literary, socio-political, and religious contexts for early medieval narratives. By selecting a specific language style for each interacting character, the author(s) constructed particular images that have shaped audience’s perceptions of the characters. This study brings attention to language variation and clarifies how the socio-political status of characters, their interpersonal relations, and attitudes toward each other are encoded in the language of Heike monogatari dialogues. As such, this study is perhaps the first attempt in English to adopt a sociolinguistic approach to a Japanese pre-modern text, focusing on language properties and shifts in style in Heike monogatari.Arts, Faculty ofAsian Studies, Department ofGraduat
Diskursive Konstruktionen beruflicher Identität - Gespräche mit zugewanderten Akademiker/-innen in Deutschland
Germany is a country of immigration. This has de facto been the case since the beginning of ‘guest worker’ recruitments in the 1950s, but Germany only legally acknowledged that it was incorrect to maintain that ‘Germany is not a country of immigration’ (‘Deutschland ist kein Einwanderungsland’) only 16 years ago, with a shift in migration policy that affected both the political and the social discourse on immigration and integration. Since 2000, a new Citizenship Act has granted citizenship based on place of birth (‘Ius Soli’) rather than on descent only (‘Ius Sanguini’). In 2005, a new Immigration Act took effect and ad-dressed matters of integration at the federal level (Castro Varela & Mecheril 2010: 25).
Debates on successful integration became prevalent in the political discourse, and a national action plan on integration (‘Nationaler Integrationsplan’ 2006, 2007; ‘Nationaler Aktionsplan Integration’ 2012) declared measures to improve the situation of migrants in Germany. Among other issues, the plan aims to ease the entrance of highly skilled migrants to the German labour market (National Action Plan on Integration 2012: 20).
Through the 2005 Immigration Act, Germany started to foster immigration of highly skilled migrants for the first time since the end of ‘guest worker’ recruitments in 1973, a series of contracts that encouraged migration to post-war Germany. ‘Guest workers’ helped to rebuild the German economy and formed the first big migration wave to Germany in the 20th century (Castro Varela & Mecheril 2010), but they were expected to leave after a short period of work and their integration did not form part of the ‘guest worker’ recruitment. Besides, few of them worked in the highly skilled sector. With the implementation of the new Immigration Act, Germany now invests in the acquisition of knowledge via immigration (Act on the Residence, Economic Activity and Integration of Foreigners in the Federal Territory, Sections 19, 19a & 21), and thereby tries to address the skills shortage (The Federal Government 2014).
However, many highly skilled migrants living in Germany did not immigrate as part of the initiative to reduce the skills shortage, but came as refugees, ethnic German repatriates or for family reunification. Although there have been recent initiatives to improve the acknowledgement of their degrees and certificates, various studies prove that their professional potential is not tapped, and that they too often face deskilling (Henkelmann 2012; Nohl, Ofner & Thomsen 2010). This is contrary to research that finds professional integration a relevant criterion for satisfactory integration into society (Peirce 1995; Nohl, Schit-tenhelm & Schmidtke 2014; Pätzold 2010; Brizić 2013).
Despite increasing skills shortages in fields such as engineering (e.g. The Association of German Engineers VDI 2016), the knowledge and qualifications of highly skilled migrants seem to have lost significance on the German labour market (Flam 2007: 118). This situation frames the qualitative study at hand. To reveal perspectives on professional skills and career paths after migration to Germany, 17 semi-structured interviews were conducted with immigrant graduates who participated in a requalification project. As part of the project, all participants had enrolled at the University of Duisburg-Essen to obtain a German university degree with a view to enhancing their chances on the labour market. Since they had migrated to Germany 2–20 years before, none of the participants had been able to work in the fields they obtained their degrees in.
Experiences of immigrant graduates in the context of their ‘insufficient incorporation’ (Nohl, Schittenhelm & Schmidtke 2014: 4) into the German labour market have been subject to recent studies (e.g. Nohl, Ofner & Thomsen 2007; Ofner 2011; Henkelmann 2012; Nohl, Schittenhelm, Schmidtke & Weiß 2014; Jacoby 2011), but more research is required on how participation in professional communities is assessed by migrant graduates in the context of their deskilling. Through examining how ideas on professional participation and agency are verbalised in interviews, the study at hand addresses this desideratum.
‘Agency’ and ‘participation’ are main factors in the analysis of the data presented in this thesis, and their definition builds on the assumption that ‘“doing” is at the heart of identity formation’, linking action to processes of identity formation (Pratt 2012: 26). The present study suggests that expressions of agency and participation reveal how professional identities are discursively constructed in interviews. This leads to two research questions:
1. What kind of strategies did the interviewees use to support the discursive con-struction of their professional identities?
2. How did the respondents demonstrate agency in discursive constructions of professional identities?
To analyse the data for strategies of identity construction, a qualitative content analysis (Mayring 2010, 2014; Kuckartz 2014, 2014; Schreier 2012) was carried out. Thus, the data was structured according to the aforementioned research questions (Mayring 2010). This was achieved by assigning text units to categories that were formed deductively from research about the notion of professional identity and its construction (Turner 1991; Pratt 2012; Ashforth, Kreiner, Clark & Fugate 2007; Caza & Creary 2016), as well as inductively from interview data. Hence, the result of the coding procedure was a number of text units that were filtered with the help of categories and that showed different types of strategies for the construction of professional identities. The filtered text units were then examined according to how agency was demonstrated within them. The analysis showed that various types of discursive strategies were located. These strategies helped to construct, deconstruct or maintain professional identities. The strategies involved agency to different ex-tents. Whereas resigning and adapting strategies showed only little or no agency on the part of the interviewees, regaining and disclosing strategies involved more agency in the construction of professional identities.
These findings are discussed with regards to two aspects. The first aspect is how the typol-ogy of discursive strategies relates to the theoretical framework of the study. It can be shown that participation in professional communities increases agency and supports the construction of professional identities, while unsatisfactory participation is reflected in a lack of identification as a professional. The construction of professional identities is clearly linked to participation in actual or imagined professional communities. The validation of these actions contributes to the construction of confident professional identities (Pratt 2012: 26). Moreover, comparing and contrasting (Kelle & Kluge 2010) discursive strategy types shows how metaphorical references to power (Lakoff & Johnson 1980) support the processes of constructions of professional identities. The second aspect is the validity of the findings. It will be demonstrated that although the qualitative approach of this research project includes the subjective perspective of the researcher, there are certain quality criteria such as the transparency of the analysis process and a second analysis procedure at a different point of time that ensure a satisfactory level of internal validity (Malterud 2001: 484).
The transferability of the findings to other contexts is outlined in the conclusion. More specifically, the findings can be transferred and applied to further research in two different ways. Firstly, a similar analysis should be conducted with the same participants at a different point of time. The hypothesis that professional participation enhances the construction of professional identities could then be re-evaluated after a longer period of employment in the field of graduation. Secondly, this hypothesis could be transferred to a different migration setting, for instance to Australia, to test whether the construction of professional iden-tities changes according to the context of another immigration country.Deutschland ist ein Einwanderungsland. Faktisch ist es das seit Beginn der Anwerbung von sogenannten „Gastarbeitern“ in den 50er Jahren. Juristisch gesehen ist die Aussage, Deutschland sei kein Einwanderungsland, erst vor 16 Jahren durch eine Veränderung der Migrationspolitik wiederlegt worden. Die Auswirkungen dieser Veränderung betrafen sowohl den politischen als auch den gesellschaftlichen Diskurs um Migration und Integration. Nach dem neuen Einbürgerungsgesetz aus dem Jahr 2000 wird die deutsche Staatsbürgerschaft nun unabhängig von der Staatsangehörigkeit der Eltern an Kinder vor allem aufgrund des Geburtsorts verliehen („Ius Soli“), und nicht mehr ausschließlich basierend auf Abstammung („Ius Sanguini“). Die Verabschiedung eines neuen Einwanderungsgesetzes im Jahr 2005 bedeutet gleichzeitig die erstmalige Verwendung des Begriffs Integration auf Gesetzesebene und die Einführung des Diskurses darum auf Bundesebene (Castro Varela & Mecheril 2010: 25).
Damit wurde im politischen Diskurs die Debatte um erfolgreiche Integration vorrangig, und in der Folge wurden in einem Nationalen Aktionsplan Integration (2012) bzw. dem Nationalen Integrationsplan (2006) Vereinbarungen zur Verbesserung der Situation der Migranten in Deutschland erklärt (Nationaler Aktionsplan Integration: 2012).
Durch das neue Einwanderungsgesetz begann Deutschland zum ersten Mal seit dem Ende des Anwerbungsstopps der „Gastarbeiter“ 1973, gezielt Fachkräfte anzuwerben. Die Anwerbung der „Gastarbeiter“ war durch eine Reihe von Anwerbeverträgen erfolgt, die zur Migration in das Nachkriegsdeutschland motivierten. Die „Gastarbeiter“ trugen dort maßgeblich zum Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft bei und formten damit die erste große Einwanderungswelle, die Deutschland im 20. Jahrhundert erreichte (Castro Varela & Me-cheril 2010). Nichtsdestotrotz wurde erwartet, dass sie nach einer kurzen Arbeitsphase das Land wieder verließen, weshalb nur wenig zu ihrer Integration beigetragen wurde. Außerdem arbeiteten sie zumeist nicht im Hochqualifiziertensektor. Mit der Verabschiedung des neuen Einwanderungsgesetzes investiert Deutschland nun erstmalig gezielt in die Anwerbung von Wissen durch Einwanderung (Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration von Ausländern im Bundesgebiet, §§ 19, 19a & 21), und begegnet damit dem Fachkräftemangel (Die Bundesregierung 2014).
Viele hochqualifizierte Migrantinnen und Migranten, die in Deutschland leben, sind jedoch nicht im Rahmen der Initiative zur Reduzierung des Fachkräftemangels, sondern als Flüchtlinge, Spätaussiedler oder aufgrund einer Familienzusammenführung eingewandert. Obwohl es seit einiger Zeit Bemühungen zur verbesserten Anerkennung ihrer Abschlüsse und Zertifikate gibt, belegen zahlreiche Studien, dass die beruflichen Potenziale von Mig-rantinnen und Migranten nicht ausgeschöpft werden, und dass sie sich oft der Dequalifizierung ausgesetzt sehen (Henkelmann 2012; Nohl, Ofner & Thomsen 2007). Dies konterkariert Erkenntnisse, die darlegen, dass berufliche Integration maßgeblich zu einer erfolgreichen Integration in die Gesellschaft beiträgt.
Trotz des steigenden Fachkräftemangels beispielsweise in den ingenieurwissenschaftlichen Bereichen (vgl. Verband deutscher Ingenieure VDI 2016) scheinen das Wissen und die Fertigkeiten von hochqualifizierten Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt an Bedeutung zu verlieren (Flam 2007: 118). Dies bildet den situativen Rahmen der vorliegenden Arbeit. Zur Darlegung verschiedener Perspektiven wurden 17 Interviews mit eingewanderten Akademikerinnen und Akademikern über deren wahrgenommene berufliche Fertigke-ten und Karrierewege nach ihrer Migration nach Deutschland geführt. Alle Interviewteilnehmenden waren gleichzeitig Stipendiaten eines Nachqualifizierungsprojektes. Im Rahmen dieses Projektes hatten sich alle Teilnehmenden an der Universität Duisburg-Essen eingeschrieben, um einen deutschen Universitätsabschluss zu erwerben und damit einen besseren Einstieg auf dem Arbeitsmarkt zu erwirken. Seit ihrer Einwanderung, die zwischen zwei und zwanzig Jahren zurücklag, war es keinem der Teilnehmenden möglich ge-wesen, in ihrem Fachbereich eine entsprechende Anstellung zu finden.
„Handlungsfähigkeit“ und „Teilhabe“ werden deshalb in der Analyse der vorliegenden Arbeit als Hauptfaktoren betrachtet, die auf Basis der Annahme „doing is at the heart of identity formation“ (Pratt 2006: 26) definiert sind, und somit den Prozess der Identitätsbildung mit konkreten Handlungsmöglichkeiten verbinden. Die vorliegende Forschungsarbeit geht davon aus, dass Äußerungen zu Handlungsfähigkeit und Teilhabe darlegen, wie professionelle Identitäten diskursiv in Interviews gestaltet werden. Das führt zu zwei Forschungsfragen:
1. Welche Strategien wurden von den Interviewteilnehmenden eingesetzt, um die diskursive Konstruktion ihrer professionellen Identitäten zu unterstützen?
2. Wie haben die Interviewteilnehmenden ihre Handlungsfähigkeit innerhalb ihrer diskursiven Konstruktion beruflicher Identitäten dargestellt?
Um die Interviewdaten mit Blick auf Strategien von Identitätskonstruktionen angemessen auswerten zu können, wurde eine Qualitative Inhaltsanalyse (Mayring 2010, 2014; Kuckartz 2014, 2014; Schreier 2012) durchgeführt. Somit konnten die Daten mit Bezug auf die genannten Forschungsfragen strukturiert werden. Bei diesem Schritt wurden Textbestandteile Kategorien zugeordnet (Mayring 2010), die sowohl deduktiv von Forschungen zu beruflicher Identität und ihrer Konstruktion (vgl. Turner 1991 Pratt 2000; Ashforth, Kreiner, Clark & Fugate 200; Caza & Creary 2016), als auch induktiv aus dem Interviewmaterial heraus entwickelt wurden. Aus der Kodierung ergaben sich eine Reihe von Textstellen, die durch die Anwendung der Kategorien aus den Interviews herausgefiltert worden waren und die verschiedene Strategietypen zur Konstruktion von professionellen Identitäten aufwiesen. Diese herausgefilterten Textstellen wurden dann in Bezug auf die Darstellung von „agency“ untersucht. Es konnten verschiedene Strategietypen lokalisiert werden, die zur Konstruktion, dem Verwerfen und dem Aufrechterhalten von professionellen Identitäten dienten. „Agency“ wurde hierbei in unterschiedlicher Ausprägung gezeigt. So war „agency“ in resignierenden und anpassenden Strategietypen gar nicht oder nur in sehr geringem Maße repräsentiert, während die aufdeckenden und aufholenden Strategietypen einen deutlich höheren Anteil von „agency“ an der Konstruktion professioneller Identitäten seitens der Interviewteilnehmenden aufwiesen.
Diese Ergebnisse werden mit Blick auf zwei Aspekte diskutiert. Der erste Aspekt betrifft den theoretischen Rahmen der Arbeit und die Frage, wie dieser sich in deren empirischen Ergebnissen wiederfindet. Es wird deutlich, dass die Teilhabe in professionellen communities den Faktor „agency“ erhöht damit die Konstruktion professioneller Identitäten unter-stützt, während sich unzureichende Teilhabe in einem Mangel an professioneller Identität wiederspiegelt. Damit ist die Konstruktion professioneller Identitäten klar an Teilhabe in tatsächlichen oder imaginären professionellen communities gebunden. Die Bestätigung solcher Teilhabe trägt ebenfalls eindeutig zur Konstruktion selbstbewusster professioneller Identitäten bei (Pratt 2012: 26). Darüber hinaus zeigt der Vergleich und die Gegenüberstel-lung der diskursiven Strategietypen (Kelle & Kluge 2010), wie metaphorische Verweise Machtverhältnisse (Lakoff & Johnson 1980) die Konstruktionsprozesse professioneller Identitäten unterstützen. Der zweite Aspekt ist die Validität der Forschungsergebnisse. Es wird gezeigt werden, dass obwohl die qualitative Ausrichtung des Forschungsvorhabens die Subjektivität der Forscherin in den Forschungsprozess mit einbezieht, ein zufriedenstellendes Maß an Validität innerhalb der Arbeit (Malterud 2001: 484). Durch die Anwendung verschiedener Qualitätskriterien wie der Offenlegung des Analyseprozesses und einem zweiten, zeitlich verschobenen Kodiervorgang erreicht werden konnte.
Die Übertragbarkeit der Ergebnisse der vorliegenden Studie in einen anderen Kontext wird im Schlussteil der Arbeit aufgezeigt werden. Die Ergebnisse können mit Blick auf zukünftige Forschungsvorhaben vor allem in zweierlei Hinsicht übertragen werden: Zunächst kann eine Analyse mit einem ähnlichen Kodierrahmen von Strategietypen anhand von Interviews mit den gleichen Teilnehmenden zeigen, ob die Hypothese der professionellen Teilhabe als konstituierender Teil der professionellen Identitätsbildung bestätigt werden kann, wenn bereits eine längere Beschäftigung auf Niveau des Hochschulabschlusses besteht. Des Weiteren kann diese Hypothese auf andere Migrationssettings übertragen werden. Ein Vergleich beispielsweise mit Australien könnte darlegen, ob die Konstruktion professioneller Identitäten in anderen Einwanderungsländern divergiert
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