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Viele Wege führen nach Indien: Reorganisation von Arbeit im Zuge der Internationalisierung der IT-Industrie
Arbeit in den Bereichen Softwareentwicklung und IT-Dienstleistungen galt lange Zeit als weitgehend resistent gegen die internationale Verlagerung. Doch spätestens seit Mitte der 1990er Jahre hat sich das Bild grundsätzlich gewandelt und auch in diesem Bereich der Wirtschaft begannen Unternehmen, ihre Produktion zunehmend zu internationalisieren. Der Internationalisierung wird in der Folge zugeschrieben, die Formen der Arbeitsorganisation und -kontrolle in dieser Branche grundsätzlich zu verändern, da die globale Verlagerung von Arbeitsprozessen deren zunehmende Standardisierung und Formalisierung nach sich ziehe und damit die Arbeit der IT-Beschäftigten in wesentlich direkterer Form der Kontrolle durch das Management unterwerfe. Entgegen dieser Prognose zeigt die vorliegende Arbeit unter Rückgriff auf zwei Fallstudien in transnational operierenden IT-Unternehmen, dass sich in der IT-Industrie im Zuge der Internationalisierung weniger einheitliche Tendenzen der Arbeitsorganisation und -kontrolle durchsetzen. Vielmehr setzen sich unterschiedliche Reorganisationsmodi von Arbeit durch, die mit unterschiedlichen Folgen für die Arbeitssituation der Beschäftigten einhergehen und von dem dynamischen Wechselspiel zwischen variierenden Internationalisierungswegen innerhalb der IT-Industrie und den institutionellen Gegebenheiten der Offshore-Standorte geprägt sindRecent developments have caused important changes in the IT industry: while being considered comparatively resistant to international relocation of jobs for a long time, the IT industry's landscape has changed a lot in the course of the 1990s, when IT companies started to make use of low-wage destinations and integrated them in globally distributed workflows. According to many authors the internationalisation of the IT industry does not only put jobs in high-wage countries into jeopardy, but also formalizes and standardizes the working processes, thus significantly limiting the employees' task discretion. Drawing upon case studies in the Indian subsidiaries of two transnationally operating IT companies, the presented study critically questions this prognosis. The results clearly show that the forms of work organisation and control in the IT industry do not develop homogeneously or uniformly in the course of internationalization. Instead, it is possible to identify specific modes of reorganization that are shaped by varying patterns of internationalization, on the one hand, and the institutional settings of the offshore destinations, on the other hand
Varianten der Arbeits(re-)organisation im Zuge der Internationalisierung der IT-Industrie
Die globale Verlagerung von Arbeitsplätzen ist längst nicht mehr auf die industrielle Produktion beschränkt, sondern prägt in zunehmendem Maße auch den Dienstleistungsbereich. Relativ weit fortgeschritten ist dieser Prozess in der IT-Industrie. Spätestens seit den 1990er Jahren finden sich hier Anzeichen für eine Internationalisierung der Leistungserbringungsprozesse. ITUnternehmen lagern zunehmend Teile ihrer Prozesse entweder an spezialisierte Dienstleister aus Niedriglohnregionen oder an eigene Niederlassungen in diesen Regionen aus. Sie nutzen auf diese Weise Lohnkostenunterschiede und das zusätzliche Arbeitskräftepotenzial
Abstimmung mit den Füßen - Zur Rolle von Beschäftigtenhandeln in globalen Produktionsnetzwerken
Zum Spannungsverhältnis von Öffnung und Schließung in Open Source Projekten mit Unternehmensbeteiligung
IT-Arbeit geht Offshore: Regulierung und Management von Fluktuation in Bangalore
'How can high rates of attrition persist in a specific IT-hub for years, and how do transnationally operating companies with different institutional backgrounds cope with this challenge organisationally? The present paper addresses this question by presenting first results of a current SOFI-project on transnational (Indo-German) project-work in the field of softwareprogramming. Drawing upon literature, interviews with industry-experts and intensive casestudies in one Indian service-company and one German product-company with developmentcentres in the South-Indian city of Bangalore, it will be argued that high rates of attrition are resulting from a complex regulatory field of force. It is shaped by the strategies of companies and IT-professionals, but also by direct political intervention and an active policy implying a 'privatization of standard-setting', although this is denied by industry and staterepresentatives alike. With respect to the sample-companies' strategies of restricting attrition and of channelling attrition organisationally, a concurrence of integration (into the regional labour-market) and of differentiation (of management-approaches) is stated and the influence of the mother-company's affiliation to a specific institutional context discussed.''Warum halten sich in einer bestimmten IT-Metropole über Jahre hinweg relativ hohe Fluktuationsraten? Und wie gehen transnational operierende Unternehmen aus unterschiedlichen institutionellen Kontexten organisatorisch mit dieser Herausforderung um? Dieser Frage widmet sich das vorliegende Papier auf Grundlage erster Befunde eines laufenden SOFI-Projekts zu transnationaler (indisch-deutscher) Projektarbeit in der Softwareprogrammierung. Auf der Basis von Literatur, Expertengesprächen und Intensivfallstudien in einem indischen Service- Unternehmen sowie einem deutschen Produktunternehmen mit Entwicklungszentren in der südindischen Stadt Bangalore wird argumentiert, dass die anhaltend hohen Fluktuationsraten Ergebnis eines komplexen regulatorischen Kraftfeldes sind, in dem neben Strategien von Unternehmen und IT-Professionals gerade direkte politische Intervention sowie eine aktive Politik der 'Privatisierung von Standardsetzung' eine wesentliche (wenn auch von Staats- und Industrievertretern gleichermaßen geleugnete) Rolle spielen. Anhand der in beiden Untersuchungsunternehmen verfolgten Strategien zur Eindämmung und organisatorischen Kanalisierung von Personalfluktuation wird eine Gleichzeitigkeit von Integration (in den regionalen Arbeitsmarkt) und Differenzierung (in konkreten Managementstrategien) aufgezeigt. Es wird diskutiert, welche Rolle die Zugehörigkeit des Mutterunternehmens zu einem spezifischen institutionellen Kontext dabei spielt.' (Autorenreferat
Arbeit in Zeiten des ‚Offshoring’: Regulierung, Kooperation und Kontrolle in transnationalen Projektteams deutscher und indischer IT-Konzerne
Kommentar zum Artikel "Hochqualifizierte in einer globalen Arbeitswelt: Von der Erosion der 'Beitragsorientierung' zu neuen Arbeitnehmeridentitäten" von Andreas Boes und Tobias Kämpf
In Auseinandersetzung mit dem Artikel von Andreas Boes und Tobias Kämpf betont der Kommentar die örtliche Verankerung angeblich "virtueller" IT-Arbeit, die Ungleichmäßigkeit der Branchenentwicklung in verschiedenen Weltregionen und schließlich die Uneinheitlichkeit der Erfahrungen von Beschäftigten mit der Internationalisierung der IT-Branche. Basierend auf eigener Forschung zu IT-Arbeit zwischen Deutschland und Indien deuten die Autoren an, in welche Richtung weiterzudenken wäre, wenn der Fokus nicht nur auf IT-Beschäftigte in Deutschland gerichtet sein soll.While addressing the article from Andreas Boes and Tobias Kämpf, this commentary underlines the local rootedness of supposedly "virtual" IT-work, the heterogeneity of the sector's development in different world regions and, finally, the marked differences between employees' experiences with the sector's internationalisation. Drawing upon their own research on IT-work between Germany and India, the authors propose a future direction which may be followed in order to extend the focus of research beyond IT-professionals in Germany
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