suburban. zeitschrift für kritische stadtforschung
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    The co-production of social infrastructures in arrival neighborhoods: Borderscapes in East German large housing estates

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    Ostdeutsche Großwohnsiedlungen wurden in der Folge von Strukturwandel, Bevölkerungswegzug und Leerstand bis 2015 vielerorts zu sogenannten Rückbauquartieren. Insbesondere seit der Einwanderung von Menschen, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien flohen, ist eine Anpassung der kommunalen Perspektive auf diese Stadtteile notwendig. Adressiert werden müssen dabei der neue Bedarf nach Wohnraum sowie die Entwicklung von Infrastrukturen, die Inklusion und Beteiligung erleichtern. Der Beitrag analysiert am Beispiel zweier sozialer Infrastrukturen in der Schweriner Großwohnsiedlung Mueßer Holz – eines Stadtteilparks und eines Bildungsangebots – die zentrale Rolle zivilgesellschaftlicher Akteur*innen bei der Infrastrukturversorgung in diesem Ankunftsquartier. In einer Verschränkung aus Infrastrukturanalyse und dem Borderscape-Konzept richten wir den Fokus auf zentrale Aspekte der Aushandlung von Widersprüchen zwischen zivilgesellschaftlichen und kommunalen Akteur*innen. Diese artikulieren sich in der Überschneidung von Integrations- und Quartierspolitiken sowie deren unterschiedlichen Verständnissen und Förderprogrammen im Prozess der Koproduktion der Infrastrukturen und erweisen sich als Barrieren für eine Inklusion von Migrant*innen.As a result of structural change, population exodus and vacancies until 2015, many large housing estates in Eastern Germany turned into so-called “demolition neighborhoods”. Especially since the immigration of people fleeing the civil war in Syria, it has become necessary to adapt the municipal perspective on these neighborhoods. The new demand for housing and the development of infrastructure that facilitates arrival, inclusion, and participation must be addressed. Using the example of two social infrastructures in Schwerin’s large housing estate Mueßer Holz – a neighborhood park and an educational facility – the article analyses the central role of civil society actors in providing infrastructure in this arrival neighborhood. By interweaving infrastructural analysis and the concept of borderscape, we focus on key aspects of the negotiation of contradictions between civil society and municipal actors. These are articulated in the overlapping of integration and neighborhood policies as well as in their different understandings and funding programs in the process of co-producing infrastructures and prove to be barriers to the inclusion of migrants

    A critique of everyday urban life: Review of Rezension zu Julia von Mende (2022): Zwischen Küche und Stadt. Zur Verräumlichung gegenwärtiger Essenspraktiken. Bielefeld: transcript.

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    Das Buch von Julia von Mende Zwischen Küche und Stadt. Zur Verräumlichung gegenwärtiger Essenspraktiken (2022) stellt sich der Aufgabe, Essen als Praktik in Städten zu analysieren. Dabei zielt die qualitative Studie sowohl auf die Frage, inwiefern die alltägliche Nahrungszubereitung und -zufuhr gebaute Umgebungen wie Küchen und Straßen verändern, als auch auf die kritische Würdigung von Essen als eine zentrale Weise der Zeitdiagnose und Charakterisierung von Stadt. Die Rezension bespricht den Fokus auf Essen als alltägliche Praktik und sieht in der theoriebegrifflichen Arbeit mit Verräumlichung einen Gewinn für die Perspektive kritischer Stadtforschung.Julia von Mende’s book Zwischen Küche und Stadt. Zur Verräumlichung gegenwärtiger Essenspraktiken (2022) attempts to analyze food as a daily practice in cities. In doing so, the qualitative study aims at the spatial effects of everyday food preparation and supply as well as the critical appreciation of eating as central for the characterization of the present urban space and urban way of life. The review discusses the focus on food as an everyday practice and sees the theoretical-conceptual work with spatialization (instead of space) as an advantage for the perspective of critical urban research

    New cycles of resistance? : A self-reflection on the Worker Center Berlin

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    Der Artikel ist ein kollektiv verfasster Beitrag über die Initiative „Worker Center Berlin“. Sie wurde 2022 von einer Gruppe von Aktivist*innen, Arbeiter*innen und Wissenschaftler*innen ins Leben gerufen, die auf unterschiedliche Weise in Kämpfe um die Gig-Economy in Berlin involviert sind. Die Initiative zielt hauptsächlich auf Gorillas und andere Lieferplattformen ab. Seitdem ist es der Gruppe gelungen, das Büro des Gorillas-Betriebsrats zu nutzen, um prekären migrantischen Arbeiter*innen Beratung, Organisierungswerkzeuge und einen Raum für Austausch anzubieten. Der Artikel beschreibt den Gründungsprozess und die aktuelle Situation des Worker Center Berlin und geht sowohl auf die Stärken als auch auf die Herausforderungen der Initiative ein.The article is a collectively written piece about the rise and development of the Worker Center Berlin. The center was founded in 2022 by a group of activists, workers and researchers, involved in various ways in the struggles around the gig economy in Berlin, mainly targeting Gorillas and other delivery platforms. Since then, the group has managed to use the office of Gorillas’ work council to offer counseling, organizing tools and a space for socializing to precarious migrant workers. The article describes the founding process and the current situation of the Worker Center Berlin. It addresses both the strengths and the challenges of the initiative

    Radically caring city (canteen): A careful ethnographic study at the ada_kantine in Frankfurt am Main

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    Die Krisenhaftigkeit sozialer Reproduktion macht Formen städtischen Sorgens erforderlich, die derzeit als „shadow care infrastructures“ (Power et al. 2022) diskutiert werden und jenseits dezidiert staatlicher und kleinfamiliärer Sorgekontexte stattfinden. In diesem Artikel arbeite ich heraus, wie im konkreten Alltag einer solidarischen Stadtteilkantine Sorge geleistet und empfangen wird, welche Herausforderungen damit einhergehen und inwiefern dabei hegemoniale urbane Sorgeverhältnisse herausfordert werden. Konzeptionell greift der Beitrag die wissenschaftlich-aktivistische Debatte um Sorgende Städte auf und verbindet diese mit radical care als analytischer Perspektive. Die empirischen Ergebnisse sind Teil einer sorgend-ethnographischen Fallstudie in der ada_kantine in Frankfurt am Main von 2022. Ausblickend umreiße ich, welche transgressiven Potenziale für eine „sorgende Urbanisierung“ (Strüver 2021) sich in diesen Sorgepraktiken andeuten.The crisis-like nature of social reproduction makes forms of urban care necessary, which are currently being discussed as “shadow care infrastructures” (Power et al. 2022) and take place beyond decidedly state and small-family care contexts. In this article, I work out how care is provided and received in the concrete everyday life of a solidary neighborhood canteen, what challenges this entails and to what extent hegemonic urban care relationships are challenged in the process. Conceptually, the article takes up the academic-activist debate on caring cities and combines it with radical care as an analytical perspective. The empirical results are part of a caring-ethnographic case study in the ada_kantine in Frankfurt am Main from 2022. Looking ahead, I outline which transgressive potentials for a “caring urbanization” (Strüver 2021) are hinted at in these caring practices

    Urbaner Aktivismus zur Wendezeit: Rezension zu Jana Breßler / Harald Engler / Constanze Kummer / Detlef Kurth / Jannik Noeske / Wiebke Reinert / Max Welch Guerra (Hg.) (2022): Stadtwende. Bürgerengagement und Altstadterneuerung in der DDR und Ostdeutschland. Berlin: Ch. Links.

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    Der komplexe Band Stadtwende. Bürgerengagement und Altstadterneuerung in der DDR und Ostdeutschland eröffnet neue Perspektiven bezüglich der Erforschung der deutschen Vereinigung von 1990. Herausgegeben von Jana Breßler, Harald Engler, Constanze Kummer, Detlef Kurth, Jannik Noeske, Wiebke Reinert und Max Welch Guerra, bieten die verschiedensten Beiträge eine gelungene Einsicht in die aktivistischen Praktiken und Netzwerke in ostdeutschen Städten während der sogenannten Wendezeit und darüber hinaus. Die Politisierung der Stadt trug wesentlich zum Umbruch und zu dessen Gestaltung bei. Dieser innovative Ansatz bedient nicht nur die etablierte deutsche Wendeliteratur, sondern sollte auch international Anerkennung und weitere Anwendung finden. Die Stadt ist nicht nur eine Kulisse sozialer und revolutionärer Bewegungen. Vielmehr sollten wir die Stadt in künftigen Erforschungen von politischen Umbrüchen auch als zentrales Objekt von Protesten begreifen

    Paradigma des Pluralen? Rezension zu Ignacio Farías / Martina Löw / Thomas Schmidt-Lux / Silke Steets (2023): Kultursoziologische Stadtforschung. Grundlagen, Analysen, Perspektiven. Frankfurt am Main/New York: Campus.

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    Der erste Band der neuen Buchreihe Kultursoziologische Stadtforschung plädiert für einen integrativen Forschungsansatz und für die Einbeziehung möglichst vielfältigster Perspektiven und Methoden. Die Rezension diskutiert, welche Chancen und Begrenzungen diese Programmatik auszeichnet und ob sie es durch eine dezidiert kultursoziologische Fokussierung vermag, städtische Phänomene auf neue Weise in den Blick zu nehmen

    The palace, and the sovereignty of the prime minister in Ethiopia

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    Kurz nach seiner Ernennung zum Premierminister Äthiopiens im April 2018 veranlasste Abiy Ahmed die Renovierung des Kaiserpalastes in der Hauptstadt Addis Abeba. Die Renovierung steht im Kontext einer Reihe von Infrastrukturprojekten im städtischen Raum, die nationale Einheit und staatliche Souveränität repräsentierten. Der Beitrag diskutiert Reinszenierung des in Unity Park umbenannten Palastes als politisches Projekt zur Schaffung einer äthiopischen Staatsgeschichte, einer Staatsmythologie und eines Staatsnationalismus. Spezielles Augenmerk liegt dabei auf dem Bau von Statuen zweier äthiopischer Kaiser: Menelik II und Haile Selassie I sowie ihrer strategischen Bedeutung für Abiy Ahmeds Vorhaben, seinen Herrschaftsanspruch in und über Äthiopien zu legitimieren. Die Statuen ermöglichen es ihm, sich als souveräner äthiopischer Führer zu inszenieren, als König, dessen souveräne Macht sich aus seiner Beziehung zu seinen Vorgängern an der Macht ergibt. Der Beitrag liefert Einblicke in die ideologische Dimension autoritärer Herrschaft und deren Konsolidierung im städtischen Raum.Shortly after his appointment as prime minister of Ethiopia in April 2018, Abiy Ahmed launched the renovation of the Imperial Palace in the capital Addis Ababa. The paper examines the restaging of the palace, now called Unity Park, as a political project to create an Ethiopian state history, state mythology, and state nationalism. The focus is on the construction of statues of two former Ethiopian emperors: Menelik II and Haile Selassie I, and their strategic importance for Abiy Ahmed’s endeavor to legitimize his claim to rule in and over Ethiopia: The statues enable him to stage himself as a sovereign Ethiopian leader, a king whose sovereign power derives from his relationship with his predecessors in power. The article provides insights into the ideological dimension of authoritarian rule and its consolidation in urban space

    Conservative turn, milícias, and elections: Reflections on the case of Brazil

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    Brasilien erlebt derzeit eine konservative Wende, die ihren Ausdruck nicht nur in der Präsidentschaft Jair Bolsonaros (2019-2022) fand, sondern sich auch in der Ausweitung des Phänomens sogenannter milícias (Parapolizeigruppen) in einkommensschwachen Vierteln manifestiert sowie im Aufkommen antisozialer Bewegungen, die sich selbst als rechtsgerichtet und konservativ verstehen. In diesem Kontext diskutiert der Beitrag am Beispiel der Metropolregion Rio de Janeiro das Wechselverhältnis zwischen (a) der Entstehung konservativer und rechtsextremer Gruppen, (b) der Ausbreitung von milícias im Stadtgebiet Rio de Janeiros und (c) deren Einfluss auf das Wahlverhalten in von ihnen dominierten einkommensschwachen Vierteln bei Wahlen zwischen 2018 und 2022. Die von den milícias praktizierten Formen der Gebietskontrolle – unter anderem Informationsnetzwerke, disziplinarische soziale Kontrolle, die Vermittlung zwischen individuellen und kollektiven Interessen sowie die Kontrolle von Wahlen – finden bislang weder bei Behörden noch in der Sozialanalyse und -forschung hinreichend Beachtung. Eine Reihe politischer Organisationen und alternativer Medien sind verantwortlich für die Verbreitung antidemokratischer Werte und Praktiken. Damit verfolgen sie das Ziel, die unterschwellige konservative Wende im Land zu legitimieren und die Beziehungen zwischen Stadterfahrung und Demokratie zu schwächen.Brazil is currently experiencing a conservative turn, which has found expression not only in Jair Bolsonaro’s presidency (2019–2022) but also in the phenomenon of so-called milícias expanding in low-income neighborhoods as well as in the emergence of anti-social movements that identify themselves as right-wing and conservative. In this context, the paper uses the example of the Rio de Janeiro Metropolitan Region to discuss the relationship between (i) the emergence of conservative and far-right groups; (ii) the expansion of milícias in the city of Rio de Janeiro; and (iii) their influence on voting behavior in low-income, milícia-dominated neighborhoods in elections between 2018 and 2022. The forms of territorial control practiced by milícias, including information networks, disciplinary social control, mediation between individual and collective interests, and electoral control, have not yet received sufficient attention from authorities or in social analysis and research. A number of political organizations and alternative media are responsible for spreading antidemocratic values and practices. In doing so, they seek to legitimize the undercurrent conservative turn in the country and to weaken the links between urban experience and democracy

    Landschaften der Regression: Rezension zu Daniel Mullis / Judith Miggelbrink (Hg.) (2022): Lokal extrem Rechts. Analysen alltäglicher Vergesellschaftungen. Bielefeld: transcript.

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    Bereits 2016 wies die Mitte-Studie auf eine Radikalisierung rechtspopulistischer Gruppierungen hin. Die „Radikalisierung antidemokratischer Milieus“ wird allerdings – wie die neuere Stadtforschung kritisch hervorhebt – oft noch immer so verortet, dass kleinräumliche Betrachtungen rechter Strukturen ausgeklammert bleiben, was für analytische Fehlschlüsse sorge. Der hier rezensierte Sammelband „Lokal, extrem Rechts“, hearusgegeben von Daniel Mullis und Judith Miggelbrink, macht diese Forschungslücke deutlich und füllt sie facettenreich mit den Ergebnissen aktueller Stadt- und Raumforschung

    Was heißt hier – und dort – Widerstand? Kommentar zu Daniela Zupan, Matthias Naumann, Gala Nettelbladt und Kristine Beurskens „Was heißt hier Widerstand? Widerständige Praktiken im Kontext von autoritärem Urbanismus“

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    Der Beitrag illustriert, wie der lokale Kontext darüber entscheidet, was unter Widerstand gegen autoritären Urbanismus zu verstehen ist. Anhand von Beispielen aus den Städten Gera und Leipzig diskutiert er insbesondere die affektiven Aspekte von Widerstand sowie dessen Verschränkung mit Anpassung, die so weit gehen kann, dass Widerstand gegen autoritären Urbanismus selbst Autoritarismus reproduziert

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