suburban. zeitschrift für kritische stadtforschung
Not a member yet
632 research outputs found
Sort by
Private gains, public losses: Review of Brett Christophers (2023): Our lives in their portfolios. Why asset managers own the world. London: Verso.
Brett Christophers’ neues Buch Our lives in their portfolios, das die „Asset-Management-Gesellschaft“ analysiert, zählt zweifellos zu den wichtigsten aktuellen Büchern über die gesellschaftlichen Veränderungen durch den Finanzkapitalismus. Es beleuchtet die Kurzsichtigkeit und wiederholte Leichtgläubigkeit (städtischer) Entscheidungsträger gegenüber neoliberalen Versprechungen privater „Investitionen“, insbesondere des Private-Equity-Sektors, die in Wahrheit einen fortlaufenden Transfer von Reichtum und Kontrolle von der öffentlichen in die private Sphäre darstellen. Christophers’ klarer und prägnanter Stil macht die gravierenden Auswirkungen und weitreichenden Konsequenzen für unser Leben und die Gesellschaft – besonders das schleichende Untergraben der gesellschaftlichen Grundlagen und ihrer langfristigen Kohäsion – auch für Laien greifbar.Brett Christophers’ new book, Our lives in their portfolios, in which he dissects the „asset manager society“, is certainly a strong contender to top the list of current books about changes in society caused by financial capitalism. This is not only due to his clear and punchy writing style, which effectively conveys the key mechanics of the private equity (PE) sector even to the lay reader. Rather, it is the weighty impacts and long-term implications for our lives and society at large – the steady undermining of society’s foundations and long-term cohesiveness – that are concerning. This comprises the short-sightedness and repeated gullibility of (urban) policymakers towards neoliberal claims about private capital, which in truth represent a constant transfer of wealth and control from the public to the private arena
Diversität in der Planungsprofession: Analyse der Sozialstruktur der Studierenden des Bachelors Urbanistik an der Bauhaus-Universität Weimar
Städte waren schon immer Orte der Diversität. In einer postmigrantischen Gesellschaft sowie angesichts zunehmender sozioökonomischer Ungleichheiten stellt sich zunehmend dringlich die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Diversität und Stadt beziehungsweise zwischen Diversität und Stadtplanung. Entsprechend häufig sind Rufe nach einer diversitätssensiblen Planung und Stadtentwicklung. Angesicht einer zunehmenden Diversität der Bewohner:innen von Städten stellt sich aber auch die Frage, wie es um die Diversität in der Planungsprofession in Deutschland bestellt ist. Diversität in der Planungsprofession ist in der deutschen Planungswissenschaft bisher kaum ein Thema. Deshalb widmet sich dieser Beitrag dieser Frage in drei Schritten. Zunächst zeichnet er die weitgehend englischsprachige Debatte in den Planungswissenschaften um Diversität in der Planungsprofession nach. Angesichts der mangelnden Debatte und fehlender Daten in Deutschland stellt er anschließend die Ergebnisse einer Analyse der Sozialstruktur eines Planungsstudiengangs vor – des Bachelors Urbanistik an der Bauhaus-Universität Weimar – und interpretiert diese Befunde
Räume für kollektivere und freiere Beziehungsweisen: Rezension zu Kitchen Politics (Hg.) (2023): Die Neuordnung der Küchen. Materialistisch-feministische Entwürfe eines besseren Zusammenlebens. Münster: edition assemblage.
Der neue Band des Herausgeber*innenkollektivs Kitchen Politics beschäftigt sich mit konkreten materialistisch-feministischen Entwürfen eines kollektiveren und freieren Zusammenlebens: Von Alexandra Kollontais Plänen für die Abschaffung des Privathaushalts in der Sowjetunion, über die sozialistische Kibbuzim-Bewegung in Israel bis hin zu Einküchenhäusern im Roten Wien, Landkommunen in Nordhessen oder feministischem Städtebau in Berlin, beleuchten die Beiträge sowohl Hoffnungsschimmer als auch Scheitern dieser Entwürfe. Die vorliegende Rezension gibt Einblicke in die vielfältigen Inhalte und Anliegen des Buchs und diskutiert mögliche Anknüpfungspunkte für eine materialistisch-feministische Stadtforschung
Addressed and yet excluded: children’s role(s) in sustainable urban development
Das Thema Nachhaltigkeit ist aus Städten nicht mehr wegzudenken. Mittlerweile verfolgen zahlreiche Städte eine nachhaltige Stadtentwicklungsagenda und streben damit an, einen Beitrag zum Erreichen der 17 globalen Nachhaltigkeitsziele der UN zu leisten. Hierbei lässt sich beobachten, dass insbesondere Kinder angesprochen werden, Verantwortung für eine lebenswerte städtische Zukunft zu übernehmen. Dem politischen Konzept „Bildung für nachhaltig Entwicklung“ kommt in diesem Prozess eine entscheidende Rolle zu, wird es doch gezielt dafür eingesetzt, Kinder an formalen wie auch non-formalen Bildungsorten zu nachhaltigem Verhalten zu erziehen. Unter Rückgriff auf empirische Daten einer Feldstudie im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick gehen wir in diesem Beitrag zum einen der Frage nach, welche Rolle Kindern in Prozessen der nachhaltigen Stadtentwicklung zugeschrieben wird und welche Möglichkeiten sie haben, sich an diesen Prozessen zu beteiligen. Zum anderen setzen wir diese Zuschreibung in Kontrast zu den alltäglichen Erfahrungen von Kindern und ihren Ideen für eine lebenswerte Stadt der Zukunft. Der Beitrag schließt mit einer Diskussion, wie Kinder ernsthaft und selbstbestimmt an städtischen Transformationsprozessen teilhaben und kritisch, kreativ und kollektiv an einer nachhaltigen Zukunft mitwirken können.Cities and sustainability seem to be inseparably intertwined nowadays. Countless cities are pursuing sustainable urban development agendas and are thus aiming at contributing to achieving the UN’s 17 Sustainable Development Goals. In this context, it can be observed that oftentimes children are addressed and asked to take responsibility for a liveable urban future. The concept of „Education for Sustainable Development“ plays a key role in this process. Its implementation in various formal and non-formal educational settings is used to instruct specifically children to adopt sustainable ways of behaving. Drawing on empirical data from a field study in Berlin’s district of Treptow-Köpenick, in this article we examine on the one hand the role ascribed to children in processes of sustainable urban development and what opportunities they have to participate in these processes. On the other hand, we contrast this attribution with children’s everyday experiences and their ideas for a liveable city of the future. The article concludes with a discussion of how children can genuinely and self-determinedly participate in urban transformation processes and critically, creatively and collectively contribute to a sustainable future
Counter-public problematization of police necropolitics: Forensic Architecture\u27s investigation of the police operation in Hanau
Während wir in Städten derzeit die Aufrüstung der Polizei erleben, problematisieren zivilgesellschaftliche Akteur_innen die Polizei als ausführende Institution rassistischer Nekropolitik. Forensic Architecture, eine interdisziplinäre Forschungsagentur, hat sich darauf spezialisiert, marginalisiertes Wissen über Gewaltereignisse durch die Analyse visueller und audiovisueller Artefakte zu validieren und alternative Deutungen als Evidenz zu produzieren. Dieser Aufsatz untersucht mittels des Fallbeispiels Hanau, wie der Akteur eine gegenöffentliche Perspektive auf die polizeiliche Handhabung des Anschlags in Hanau herstellt. Ich werde zeigen, dass Forensic Architecture in der Untersuchung zwischen politischer Positionierung und positivistischer Beweisführung vermittelt. Während die Betroffenenperspektive den politischen Rahmen der Untersuchung bildet, wird Evidenz hochgradig positivistisch hergestellt. Zentral ist bei der Herstellung von Evidenz eine neue Form von Objektivität durch Raum, die ich als spatial objectivity bezeichne. Das Fallbeispiel ist damit ein paradigmatisches Beispiel für die Art und Weise, wie in der Spätmoderne durch technisierte und mediatisierte Prozesse politische Kritik an urbaner Nekropolitik geübt wird.While we are currently experiencing the militarization of police forces in cities, the civil society is problematizing the police as a necropolitical racist institution. Forensic Architecture is an interdisciplinary research agency that specializes in validating marginalized knowledge about violent events through the analysis of visual and audiovisual artefacts and producing alternative interpretations as evidence. Using the case of Hanau, this essay examines how the actor creates a counter-public perspective of the police treatment of the attack in Hanau. Analyzing video artefacts from Forensic Architecture, I will show that they negotiate between political positioning and positivist evidence creation. While the victim’s perspective forms the political framework of the investigation, evidence is produced in a highly positivist manner. Central to the production of evidence is a new form of objectivity through space, which I call spatial objectivity. The case study is thus a paradigmatic example of the way in which political criticism of urban necropolitics is exercised in late modernity through technisized and mediatized processes
Editorial
In Städten lebt ein Großteil der Menschheit. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass auch vorrangig dort gestorben wird. Als symbolisch aufgeladener und zugleich selbstverständlicher Teil von Gesellschaft schreibt sich das Sterben unweigerlich in das städtische Gefüge ein. Während der Tod in den meisten Kosmologien einen unumgänglichen Endpunkt des Lebens markiert, unterliegt das Sterben als Übergangsprozess vom Leben in den Tod vielfältigen gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen, die aus dem zunächst biologisch-natürlich anmutenden Phänomen durchaus auch ein soziales und gesellschaftlich strukturiertes Phänomen werden lassen. Denn über das Alter hinaus ist das Sterben durch eine Reihe sozialer, ökonomischer und politischer Faktoren bedingt, die in Städten auf besondere Weise zum Ausdruck kommen. So ist Sterblichkeit mit vielfältigen Umweltbedingungen verbunden und es stellt sich in Städten immer auch die Frage, wo in einem hochgradig kapitalisierten Boden- und Immobilienmarkt Orte errichtet und aufrechterhalten werden können, die den (noch) nicht umfassend kommodifizierten Praktiken des Sterbens, der Seelsorge, des Gedenkens und Erinnerns Raum geben
Ein Streifzug durch die gemeine stadt: Rezension zur digitalen Publikations- und Veranstaltungsreihe von Sabrina Dittus / Stephan Lanz / Kathrin Wildner (2021): gemeine stadt: berlin gemeinsam gestalten. www.gemeinestadt.net.
Zentrale Frage der digitalen Publikations- und Veranstaltungsreihe gemeine stadt: berlin gemeinsam gestalten ist, wie Stadt und ihre öffentlichen Güter gemeinsam im Kontext von zunehmenden Verteilungskämpfen um Daseinsvorsorge – wie Wohnraum, Mobilität, Gesundheit und die Notwendigkeit einer klimagerechten Transformation von Gesellschaft – gestaltet werden können. Die gemeine stadt wurde von Sabrina Dittus, Stephan Lanz und Kathrin Wildner im Auftrag der Berliner Landeszentrale für politische Bildung entwickelt. In aktuell acht Kapiteln wird sich „umkämpften“ sowie „banalen“ Themen wie straße, versammlung, eigentum, umweltgerechtigkeit, kollektive, daseinsfürsorge, „home“ / zuhause und unruhe/n gewidmet. Die Kapitel offenbaren eine große Bandbreite an künstlerischen, aktivistischen, journalistischen und wissenschaftlichen Beiträgen
Thanatostadtforschung: Aufruf zu einer Debatte des Verhältnisses von Stadt, Sterben und Tod
Die Beziehung zwischen Stadt, Sterben und Tod ist international in verschiedenen Kontexten untersucht worden. Dabei wurden sowohl alltägliche Aspekte des Sterbens als auch krisenhafte Dimensionen untersucht, die die komplexen Wechselwirkungen zwischen dem Sterben in und von Städten betreffen. Nichtsdestotrotz bleibt die Thematisierung des Todes in der Stadtforschung eine Randerscheinung und ist unserer Wahrnehmung nach gerade im deutschsprachigen Raum stark begrenzt. Als Startschuss für eine umfassendere Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Stadt, Sterben und Tod leiten wir hier die Debatte zur „Thanatostadtforschung“ ein und verstehen diese auch als Einladung für zukünftige Beiträge