suburban. zeitschrift für kritische stadtforschung
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    Todomat: A legacy configurator from the future

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    Der Todomat ist der erste physische Hinterlassenschafts-Konfigurator der Welt. Er ist ein fiktives Artefakt aus einer Zukunft, in der die Menschen ihren Tod selbstbestimmter und nachhaltiger gestalten als heutzutage, in der sie Wünsche und Entscheidungen rund um ihren Tod hinterlegen und jederzeit aktualisieren können. Der Todomat ist ein Vorbote dieser Zukunft in der Gegenwart. Als Self-Service-Angebot stellt er bis zu 20 Fragen zum Abschied, Gedenken und Umgang mit dem toten Körper, mit hinterlassenen Dingen, Daten und Geheimnissen. Er erstellt für die Nutzer*innen auf Basis ihrer gewählten Antworten eine To-do-Liste zur Vorbereitung der Zeit nach dem eigenen Ableben. Die Wahlmöglichkeiten enthalten gegenwärtig realisierbare – legale oder illegale – sowie zukünftige, bisher fiktive Optionen. Sie laden dazu ein, aktuelle gesellschaftliche Gepflogenheiten und gesetzliche Regelungen im Umgang mit Toten und ihrer Bestattung sowie mit Nachlass, digitalen Spuren und Besitztümern zu hinterfragen – auch aus einer Perspektive der Nachhaltigkeit. Einige Entscheidungsoptionen haben direkte Implikationen für die Gestaltung öffentlicher Räume oder für derzeitige und zukünftige urbane Lebensstile, etwa bei der Wahl der Bestattungsart und des Gedenkortes oder bei der Nachnutzung physischer Besitztümer und Räumlichkeiten. Manche fiktive Wahlmöglichkeiten sollen die Präsenz des Todes im städtischen Leben verstärken. Der Todomat steht als physischer Automat im Museum für Sepulkralkultur in Kassel zur Nutzung bereit. Sein digitaler Zwilling im Internet (todomat.org). Er eignet sich auch als Tool für transformative Lernprozesse in Gruppenkontexten.The Todomat is the world\u27s first physical legacy configurator. It is a fictional artefact from a future in which people are able to shape their death in a more self-determined and sustainable way than today, in which they can store wishes relating to their death and update them at any time. The Todomat is a harbinger of this future in the present. As a self-service offering, it asks up to 20 questions about farewell, remembrance and dealing with the dead body, things, data and secrets left behind. Based on their answers, it creates a personalized to-do list for users to prepare for their own post-mortem period. The options include currently realizable options – legal or illegal – as well as future, previously fictitious ones. They invite to question current social practices and legal regulations in dealing with the dead and their burial as well as with estates, digital traces and possessions – also from a sustainability perspective. Some choices have direct implications for the design of public spaces or for current and future urban lifestyles, such as the choice of burial and memorial location or the subsequent use of physical possessions and spaces. Some fictitious choices are intended to reinforce the presence of death in urban life. The Todomat is available for use as a physical machine in the Museum for Sepulchral Culture in Kassel. Its digital twin is on the internet (todomat.org). It is also suitable as a tool for transformative learning processes in group contexts

    World-wide death: Review of Danielle House / Mariske Westendorp / Avril Maddrell (2023): New perspectives on urban deathscapes. Continuity, change, and contestation. Cheltenham/Northampton: Edward Elgar.

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    Die Neuauflage des 2010 herausgegebenen Sammelbands Deathscapes: Spaces for death, dying, mourning and remembrance (Hg. Avril Maddrell/James Sidaway) beleuchtet neben dem Vor- und Nachwort der Herausgeber:innen Danielle House, Mariske Westendorp und Avril Maddrell in insgesamt neun Kapiteln Räume des Sterbens, des Todes und des Erinnerns in verschiedenen Städten. Forscher:innen aus Geographie und Anthropologie führen in bekannte und unbekannte Räume, die historisch gewachsen sind und sich alltäglich stetig zwischen Leben und Tod neu konstituieren. Schwerpunkt der Neuauflage liegt auf urbanen Prozessen, Konflikten und Traditionen, die sich durch die Vielfalt globalisierter urbaner Zentren in Auseinandersetzung mit Endlichkeit, Raum und Zeit ergeben.The new edition of the anthology Deathscapes: Spaces for death, dying, mourning and remembrance (ed. Avril Maddrell/James Sidaway), published in 2010, highlights spaces of dying, death and remembrance in various cities in a total of nine chapters, in addition to the foreword and afterword by the editors Danielle House, Mariske Westendorp and Avril Maddrell. Researchers from the fields of geography and anthropology lead us into familiar and unfamiliar spaces that have grown historically and are constantly reconstituting themselves between life and death. The focus of the new edition is on urban processes, conflicts and traditions that arise from the diversity of globalized urban centers in their confrontation with finiteness, space and time

    The other necropolis: Comment on Johanna Hoerning and Lucas Pohl „Zum Verhältnis von Stadt, Sterben und Tod“

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    Dieser Beitrag widmet sich Massengräbern, Orten des Verschwindenlassens und anonymen Begräbnisstätten. Wurden Deathscapes bisher als Orte der Verbindung zwischen Lebenden und Toten untersucht, handelt es sich hier vielfach um nekropolitische Deathscapes, die gesellschaftliche Ausschlüsse über den Tod hinaus markieren. An die Stelle von Gedenken und Trauer treten Entwürdigung und Terror. Zur Veranschaulichung rekurriert der Beitrag neben eigener Forschung des Autors in Rio de Janeiro auch auf Arbeiten zu Genozid, Kolonialismus, Grenzregimes und staatlichem Terror. Sein Ziel ist es, Fragestellungen für die Stadtforschung herauszuarbeiten, die sich ergeben, wenn wir uns den ruhelosen Gräbern der „anderen Nekropole“ widmen.This article is dedicated to mass graves, places of disappearance and anonymous burial sites. While deathscapes have previously been examined as places of connection between the living and the dead, these are often necropolitical deathscapes that mark social exclusions beyond death. Commemoration and mourning are being displaced by dehumanisation and terror. To illustrate this, the article draws not only on the author’s own research on violence in Rio de Janeiro, as well as on research on genocide, colonialism, border regimes and state terror. It aims to pinpoint questions for urban research that arise when we devote ourselves to the restless graves of the “other necropolis”

    Institutional normality or East German peripheralization? An ethnographic account of local administrations’ ways of dealing with racism

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    Anhand einer Ethnographie um die Behörden herum untersucht der Beitrag die sozialbehördliche Dethematisierung von Rassismus in einer ostdeutschen Mittelstadt. Der methodische Zugang ermöglicht eine raumsensible Analyse von institutionellem Rassismus. Lokale Austerität und Peripherisierung verstärken Ressourcenmangel und Arbeitsbelastung, rechte politische Machtverhältnisse beeinflussen behördliche Hierarchien und fördern die konfliktvermeidende Behördenkultur. Die insolvente Stadt hängt von einer rechten Unternehmer:innenschaft ab und versucht, ihr Image im neoliberalen Standortwettbewerb durch Wegschweigen von Rassismus – statt durch Diversity-Maßnahmen – zu wahren. Rassismus wird unsichtbar gemacht, entpolitisiert, normalisiert und institutionalisiert.Through an ethnography around local administrations the article analyzes how local social administrations de-thematize racism in an East German town. The method enables a spatially sensitive analysis of institutional racism: Administrative hierarchies are staffed in the context of a far-right hegemony; austerity and peripherization impair administrative working conditions; a conflict avoiding institutional culture is embedded in a right-wing local climate; the city is dependent on right-wing enterprises and the city’s image gets protected not through diversity measures, but through the concealment of racism. Therewith racism is made invisible, depoliticized, normalized, and institutionalized

    Forgotten structural critique: The feminist vision of architect Alice Constance Austin and the idealization of the nuclear family in the early 20th century USA

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    Alice Constance Austins (1862-1955) feministische Visionen von Architektur und Städtebau für ein egalitäres Zusammenleben umfassen fortschrittlich anmutende Gedanken zur Auslagerung reproduktiver Arbeit aus der häuslichen Sphäre und der Neugestaltung ebendieser. Die in ihrem Buch The Next Step (1935) erörterten Gedanken und Entwürfe gründeten in ihrer Arbeit (1915-1917) in der kalifornischen Siedlerkolonie Llano del Rio. Austin hegte in ihrer Arbeit eine Vorliebe für die patriarchale Institution der Kernfamilie, die ihre Visionen hinter der tatsächlichen emanzipierten Realität der Siedler_innen zurückbleiben ließ. Während Kolonist_innen binäre Rollenzuschreibungen überwinden konnten, fixierten Austins architektonische Visionen die gedachten Bewohnerinnen ihrer Entwürfe in ihrer häuslichen Rolle und Sphäre.   Austins Arbeit zeigt exemplarisch, inwiefern zahlreiche Feminist_innen und Architekt_innen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts eine zuvor existente feministische Strukturkritik an der patriarchalen Kernfamilie und ihrer binären Rollenzuschreibung vergaßen. In einer Gegenüberstellung der egalitären Errungenschaften der Siedler_innen von Llano del Rio mit Austins Gedanken in The Next Step arbeite ich heraus, wie das Hinterfragen der Kernfamilie in Architektur und Zusammenleben unabdingbare Notwendigkeit eines egalitären Miteinander waren und sind.Alice Constance Austin\u27s (1862-1955) feminist visions of architecture and urban planning for egalitarian cohabitation include seemingly progressive notions of the externalization of reproductive work from the domestic sphere and the redesign of the latter. In her book The next step (1935), she discussed ideas and designs based on her work (1915-1917) in the Californian settler colony Llano del Rio. Therein, Austin harbored a preference for the patriarchal nuclear family, causing her visions to lag behind the emancipated reality of the settlers. While colonists succeeded in overcoming binary role ascriptions, Austin\u27s architectural visions fixed the imagined female inhabitants in their domestic role and sphere. Austin\u27s work exemplifies how numerous feminists and architects of the late 19th and early 20th centuries forgot a previously existent feminist structural critique of the patriarchal nuclear family and its binary role ascription. In a juxtaposition of the egalitarian accomplishments of the settlers of Llano del Rio with Austin\u27s thoughts, I elaborate on how the questioning of the nuclear family in architecture and coexistence was and is an indispensable necessity for egalitarian coexistence

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    The margins of urban life: dying in the biopolis: A response and a call

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    Das Verhältnis von Stadt und Sterben ist ebenso alltäglich wie außeralltäglich. Betrachtet man die Stadtforschung, so könnte man allerdings zu dem Schluss gelangen, dass es sowohl in seiner Alltäglichkeit als auch in seiner Außeralltäglichkeit ein unsichtbares Phänomen ist, priorisiert die Forschung doch in aller Regel die Vitalität städtischen Lebens. Die Beiträge in unserer Debatte geben uns wertvolle Hinweise darauf, weshalb das Sterben heute räumlich, akademisch und gesellschaftlich derart marginalisiert ist, und verdeutlichen die Notwendigkeit einer umfassenden gesellschaftlichen Auseinandersetzung damit, wie der Tod in der Gesellschaft verhandelt und gestaltet wird. Diese Replik fasst zusammen, welche Fragen sich im Verhältnis von städtischem Leben und Sterben stellen, und lädt zu weiteren Beiträgen zu diesen Desiderata ein.The relationship between city and death is both ordinary and extraordinary. If we look at urban research, we might come to the conclusion that it is an invisible phenomenon, both in its ordinary and in its extraordinary nature, as research generally prioritises the vitality of urban life. The contributions to our debate give us valuable clues as to why dying is so marginalised today in spatial, academic and social terms and highlight the need for a comprehensive social discussion on how death is negotiated and shaped in society. This response summarises the questions that arise in the relationship between urban life and death and invites further contributions to these desiderata

    Mapping as method of decolonial memory culture in European cities

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    Kartieren ist eine Methode, die seit einigen Jahren in europäischen Städten – insbesondere in vielen deutschen Städten – Konjunktur hat als Medium der öffentlichen Wahrnehmung kolonial geprägter Orte und trägt damit zu einer Diskursverschiebung postkolonialer Erinnerung bei. Die produzierten Karten machen auf die Vielfalt verdrängter oder vergessener Spuren des Kolonialismus im öffentlichen Raum aufmerksam. Sie machen außerdem Orte des Erinnerns an koloniale Gewaltverhältnisse, rassistische Ausbeutung und antikolonialen Widerstand sichtbar. Die Methode des Kartierens bezeichnen viele Autor*innen dieser Karten explizit als Praxis der Gegenerzählung zur eurozentrischen Kolonialgeschichte sowie als eine kollektive und partizipative Praxis herrschaftskritischer Wissensproduktion. Der Beitrag zeigt, in welcher Weise Kartierungsprojekte einerseits Argumente Kritischen Kartierens und andererseits Ansätze dekolonialer Erinnerungspolitik berücksichtigen. Dafür haben wir alle auffindbaren analogen und digitalen postkolonialen Karten deutscher Städte sowie zehn Karten weiterer europäischer Städte vergleichend analysiert und nach der jeweils angewandten Kartierungspraxis typisiert. Für drei identifizierte Kartentypen – Karten mit punktuellen Informationen, Karten mit Informationen zu räumlichen Verflechtungen und Karten mit Visualisierungen multiperspektivischer Erfahrungen – stellen wir jeweils Beispielkarten vor. Wir untersuchen die Umsetzung von Perspektiven kritischer Kartographie sowie postkolonialer Geographie und diskutieren die dekolonialen Potenziale des Kartierens.Mapping is a method that has been booming for a number of years in many European cities – and especially in many German cities – as a medium of public perception of places characterized by colonialism, which contributes to a shift in the discourse of post-colonial memory. The maps produced draw attention to the variety of suppressed or forgotten traces of colonialism in public spaces. They also visualize places of remembrance of colonial violence, racist exploitation and anti-colonial resistance. Many authors of these maps explicitly describe the method of mapping as a practice of counter-narration to Eurocentric colonial history and as a collective as well as participatory practice of critical knowledge production. The article shows how mapping projects take into account arguments of critical mapping on the one hand and approaches of decolonial politics of memory on the other. To this end, we have comparatively analyzed all available analogue and digital postcolonial maps of German cities as well as ten maps of other European cities and typified them according to the mapping practices applied. For three identified map types – maps with punctual information, maps with information on spatial entanglements, maps with visualizations of multi-perspective experiences – we present exemplary maps. We examine the implementation of perspectives of critical cartography and postcolonial geography and discuss the decolonial potentials of mapping

    Eine Lücke in der Theorie? Die politische Erklärung für Gentrifizierung: Rezension zu Matthias Bernt (2022): The commodification gap. Gentrification and public policy in London, Berlin and St. Petersburg. Hoboken: Wiley.

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    Das Buch The commodification gap ist die Veröffentlichung von Matthias Bernts Habilitationsschrift. Anhand dreier Fallstudien aus Deutschland, Großbritannien und Russland entwickelt der Autor darin einen konzeptionellen Rahmen für eine Erklärung von Gentrifizierung, bei der er Public Policy in den Fokus rückt. In der Gesamtschau erweist sich Bernts Studie als ein bedeutsamer Beitrag für das Feld der international vergleichenden Gentrifizierungsforschung, obgleich sie für Deutschland empirisch wenig Neues bietet. Der Prenzlauer Berg ist (auch durch Bernt selbst) hinreichend erforscht und die für Deutschland beschriebenen Kommodifizierungslücken griffen bereits frühere Veröffentlichungen auf. Besonders hervorzuheben ist Bernts umfassende Aufarbeitung der Rent-Gap-Theorie und deren Einbettung in die Heuristik der Kommodifizierungslücke. Bernts Buch stellt eine wertvolle Ergänzung zur bestehenden Literatur dar. Es fordert seine Leser*innen auf, die Komplexität und Vielschichtigkeit von Gentrifizierungsprozessen aus der Perspektive der Public Policy zu denken und komplementäre Erklärungen zu angebots- und nachfrageseitigen Theorien zu entwickeln. Bernts Beitrag zum internationalen Diskurs ist unbestreitbar und verdient höchste Anerkennung

    Proximate Death: Comment on Johanna Hoerning and Lucas Pohl „Zum Verhältnis von Stadt, Sterben und Tod“

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    Anhand der Konzepte der Chronizität und des Extremspektakels geht dieser Beitrag der Frage nach, wie sich über den Tod als konstitutive Kraft urbanen Ganglebens nachdenken lässt. Er beleuchtet, wie der Tod distanzlos wird und was diese Proximität für unser Verständnis städtischer Ganggewalt und die dadurch hervorgebrachten sozialen und räumlichen Beziehungen mit der Stadt bedeutet.This essay uses the concepts of chronicity and extreme spectacle to ask how we might think about death as a constitutive force in urban gang life. It explains how death becomes proximate, what that proximity means regarding how we understand urban gang violence, and the social and spatial relationships with the city it produces

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