suburban. zeitschrift für kritische stadtforschung
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Die Verteilung des Bodens mitbestimmen: Rezension zu Brigitta Gerber / Ulrich Kriese (Hg.) (2019): Boden behalten – Stadt gestalten. Zürich: rüffler & rub.
Die Vergesellschaftung von Grund und die Eigentumsfrage in der Wohnungspolitik ist sowohl eine seit Jahren wiederkehrende als auch eine hochaktuelle Debatte. Im Sammelband Boden behalten – Stadt gestalten, herausgegeben von Brigitta Gerber und Ulrich Kriese, wird gezeigt, wie städtische Wohnungspolitik nicht renditeorientiert gedacht, eingefordert und umgesetzt werden kann. Dies geschieht zum einen anhand der Diskussion des Rechtsinstruments (Erb-)Baurecht, zum anderen werden zivilgesellschaftliche Initiativen wie die Bodeninitiativen in der Schweiz beleuchtet
Affected by Gentrification: An Exemplary Contribution to the Discussion of Conceptual and Methodical-Methodological Questions of Qualitative Displacement Research
Verdrängung als Teil von Gentrifizierungsprozessen stellt einen wichtigen und noch stärker zu erforschenden Aspekt einer kritischen Stadt- und Wohnforschung dar. Zur Erforschung der subjektiven Deutungen von Verdrängung bietet sich ein qualitativer Zugang an. Neben konzeptionellen und methodisch-methodologischen Fragen und Diskussionen gilt es, dieses Phänomen auch differenziert empirisch zu beleuchten, nicht zuletzt unter Berücksichtigung der Perspektiven, des Erlebens und auch des Umgangs der von Verdrängung bedrohten oder betroffenen Menschen. Im Beitrag verfolgen wir vor diesem Hintergrund die Frage, welche konzeptionellen und methodisch-methodologischen Herausforderungen und welche möglichen Lösungswege sich für einen qualitativen Zugang zu Verdrängung ergeben. Mit der Diskussion dieser Fragen möchten wir ausgehend von einem jüngst abgeschlossenen Forschungsprojekt einen exemplarischen Beitrag zur Auseinandersetzung mit Methoden und Erkenntniswegen qualitativer Verdrängungsforschung im Kontext von Gentrifizierung leisten.Displacement as part of gentrification processes represents an important aspect of critical urban and housing studies that needs to be researched more intensively. A qualitative research approach provides an appropriate way to study the experiences and subjective interpretations of loss of home and displacement. In addition to conceptual and methodical-methodological questions and discussions, this phenomenon must also be examined empirically in a differentiated way, not least by taking into account how people threatened or affected by displacement look at, experience and deal with it. In this light, this article examines the question of which conceptual and methodical-methodological challenges and which possible solutions arise for a qualitative approach to displacement. Discussing this question based on a recently completed research project, we aim on contributing to the discussion of methods and ways of understanding qualitative displacement research in the context of gentrification
Die Stadt am Ende? Am Ende die Stadt. Chancen für eine gerechtere Stadt mit und nach COVID-19: Kommentar zu Stefan Höhne und Boris Michel „Das Ende des Städtischen? Pandemie, Digitalisierung und planetarische Enturbanisierung“
Die großen Pandemien der Menschheitsgeschichte und die aktuelle Situation haben eines gemein: Nicht alle Menschen sind im gleichen Ausmaß davon betroffen. Die Pandemie verstärkt und manifestiert Ungleichheiten insbesondere im Städtischen. Diese Ungleichheiten durchdringen alle räumlichen Maßstabsebenen – vom Privat- und Wohnraum bis zur Nachbarschaft, von der Stadt bis hin zu inter-urbanen Geografien. Gleichzeitig wird durch zu beobachtende Dynamiken wie Stadtflucht und das Zusammenbrechen urbaner Kulturen gepaart mit einer epidemiologischen Kritik an der dichten Stadt dem Urbanen ein Ende attestiert. Dieser Beitrag plädiert dafür, sich weniger auf die Enturbanisierung zu konzentrieren, sondern die Pandemie als Multiplikator bestehender Schieflagen und damit als Ansporn zu sehen, um mehr denn je für eine gerechtere Stadt mit und nach Covid-19 einzustehen und für sie zu kämpfen
Towards rural studies in which we studied from and with the countryside: Review of Lisa Maschke / Micheal Meißner / Matthias Naumann (2021): Kritische Landforschung. Konzeptionelle Zugänge, empirische Problemlagen und politische Perspektiven. Bielefeld: transcript Verlag.
Die Verfasser*innen des Bands „Kritische Landforschung“, Lisa Maschke, Michael Mießner und Matthias Naumann, stellen Ansätze aus der anglo-amerikanischen Landforschung vor, anhand deren aktuelle Transformationen ländlicher Räume in der Bundesrepublik erklärt und Orientierungspunkte für eine emanzipatorische Politik erarbeitet werden könnten
Das Kind in der Stadt (2021 [1978]): (Auszüge)
Colin Ward gilt als einer der einflussreichsten anarchistischen Denker und Schriftsteller der letzten Jahrzehnte. Seine Studie „The Child in the City“ ist eine Hommage an alle Kinder in der Stadt; sie besticht durch ihre äußerst vielschichtige und sensible Beschreibung der Beziehung zwischen jungen Menschen und ihrer städtischen Umwelt. Die Originalausgabe seines Buches erschien 1977 bei Architectural Press, London; die deutsche Ausgabe bereits ein Jahr später im Fischer Verlag, Frankfurt am Main. Da das Buch seit langem vergriffen und nur in wenigen Bibliotheken verfügbar ist, möchten wir durch den nachfolgenden Abdruck zumindest Teile dieser wertvollen Studie (wieder) einem größeren Publikum zugänglich machen. Sowohl die Originalausgabe als auch die deutsche Übersetzung sind mit eindrucksvollen Fotographien reich bebildert. Diese können hier bedauerlicherweise nicht mit abgedruckt werden, machen die Suche nach einem Druckexemplar aber umso lohnender. Wir laden alle Leser*innen ein, Wards Beobachtungen und Betrachtungsweisen zu folgen, um städtische Räume und Orte auch als solche der Kindheit in den Blick zu nehmen
The End of the Urban? Pandemic, Digitalization and Planetary De-Urbanization
Der Einfluss der Coronapandemie wie auch die durch sie rasant beschleunigten Digitalisierungsprozesse haben zu tiefgreifenden Transformationen nahezu jeden Aspekts des urbanen Lebens geführt: von Wirtschaft und Sozialem bis zu Kultur und Alltag. Zugleich formieren sich in Politik, Medien und sozialen Netzwerken düstere Prognosen über die Zukunft der Städte. Wir möchten diese Phänomene und Debatten zum Anlass nehmen, anhand einer Reihe von Symptomen urbaner Krisen einige Fragen zur Zukunft des Städtischen zu formulieren und zur Diskussion zu stellen. Sie betreffen sowohl das Verhältnis von pandemischem Regieren, Digitalisierung und dem Urbanen als auch die Formen von Zukunftserzählungen und -planbarkeiten über das Städtische. Kurz gesagt, sie zielen auf nichts weniger als auf das Zentrum dessen, was wir unter Stadt und dem Urbanen verstehen
Platform urbanism in Europe: Digital divide and gendered Smart Mobility
Smart Cities sind mit großen Versprechen hinsichtlich einer verbesserten urbanen Lebensqualität durch digitale Technologien verbunden. Diese technologieoptimistische Stadtentwicklung schließt an Modernisierungsversprechen der „unternehmerischen Stadt“ an. Vielfältige Versorgungsaufgaben in Städten werden mittlerweile über Onlineplattformen vermittelt, die von internationalen IT-Konzernen betrieben und durch digitale Infrastrukturen im öffentlichen Raum unterstützt werden. Dieser Prozess wird in der Stadtforschung als Plattformurbanismus bezeichnet.
Der Beitrag geht von der These aus, dass Smart-City-Infrastrukturen und -Dienstleistungen räumlich exklusiv realisiert werden. Er stellt am Beispiel von Smart Mobility in europäischen Städten die vielfältigen plattformvermittelten Mobilitätsangebote vor und diskutiert, welche Nachfrage sie ansprechen und ob damit urbane Mobilitätsdefizite und sozialräumliche Segregation behoben werden können oder aber durch einen ungleichen Digitalisierungszugang Mobilitätsungerechtigkeit verstärkt wird. Diese Frage wird mit Referenz auf Studien zu Geschlechterverhältnissen im Mobilitätsalltag diskutiert und dient als Grundlage für unsere Abschlussthesen, die die Folgen von Standardisierung, Normierung und Universalisierung als Merkmale des Plattformurbanismus in Europa kritisch beleuchten.Smart Cities are associated with great promises of improved urban quality of life through digital technologies. This technology-optimistic urban development follows on from the modernization promises of the Entrepreneurial City. A wide variety of supply tasks in cities are now being provided via online platforms operated by international IT companies and supported by digital infrastructures in public spaces. In urban studies, this process is termed platform urbanism.
This article is founded on the thesis that Smart City infrastructures and services are realised spatially exclusive. Using the example of Smart Mobility in European cities, it shows the manifold platform-mediated offers and discusses which demand these address and whether urban mobility problems and socio-spatial segregation can be reduced or mobility injustice is reinforced by a digital divide. This question is examined with data on gendered mobility and from the result forms of standardization, norms and universalization as characteristics of platform urbanism are concluded
In die Gänge gekommen: Kooperation von Zivilgesellschaft und Stadtpolitik: Rezension zu Michael Ziehl (2020): Koproduktion urbaner Resilienz. Das Gängeviertel in Hamburg als Reallabor für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung mittels Kooperation von Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung. Hamburg: jovis.
Schlagworte wir Kooperation, Koproduktion und Kollaboration sind in Planungswissenschaften und Architektur schwer in Mode. Selten wird allerdings dargelegt, was diese Art(en) der Zusammenarbeit zwischen zivilgesellschaftlichen Akteuren auf der einen Seite und staatlichen Akteuren aus Politik und Verwaltung auf der anderen Seite von gewöhnlichen Formen der Partizipation und Bürger_innenbeteiligung unterscheidet. Anders im Buch von Michael Ziehl: Ihm gelingt es, anhand eines Fallbeispiels die intensive Zusammenarbeit zwischen Aktivist_innen rund ums Hamburger Gängeviertel und verschiedenen städtischen Institutionen detailliert nachzuzeichnen und damit den qualitativen Unterschied zwischen Kooperation und Beteiligung nachvollziehbar zu machen
Common good and public housing: Comparing direct democratic initiatives for the realignment of public housing companies in Frankfurt am Main and Berlin
Mietsteigerungen, Verdrängung und Verteilungskonflikte führen zu einer Repolitisierung der Wohnungspolitik, die auch öffentliche Wohnungsunternehmen betrifft. Soziale Bewegungen kritisieren vermehrt die Ausrichtung kommunaler und landeseigener Wohnungsgesellschaften und stellen den derzeitigen staatlichen Umgang mit öffentlichem Eigentum infrage. Wir verorten den Umgang mit öffentlichen Wohnungsunternehmen als Teil der Diskussion um eine gemeinwohlorientierte Wohnungspolitik und diskutieren Möglichkeiten der Neuausrichtung staatlicher Wohnungsgesellschaften. Anhand eines explorativen Fallvergleichs von Bürgerbegehren in Frankfurt am Main und Berlin untersucht dieser Artikel unterschiedliche Herangehensweisen und Forderungen direktdemokratischer Initiativen. Beide Initiativen waren erfolgreich darin, die Wirtschaftspraxis kommunaler Wohnungsunternehmen zum Gegenstand der öffentlichen Debatte zu machen, stießen allerdings auch auf Widerstände. Wir zeigen die Spielräume der Initiativen sowie die Grenzen direktdemokratischer Verfahren und diskutieren drei Dimensionen der Neuausrichtung öffentlicher Unternehmen: Bewirtschaftung, Mitbestimmung und Rechtsformänderung.Rent increases, gentrification and social conflicts are leading to a re-politicization of housing policy, drawing attention to publicly owned housing companies. Social movements increasingly criticize the orientation of municipal and state-owned housing companies questioning the dominant neoliberal orientation of public ownership. In this paper, we position the reform of public housing companies as part of the broader discussion on the common good in housing policy and focus on the challenges of reorganizing publicly owned housing companies. Based on a comparative case study we investigate democratic initiatives in Frankfurt am Main and Berlin that aim to reform public housing companies. In both cities, economic practices of such companies are becoming the object of political movements aiming to profoundly alter these organizations. We document the merits and limits of direct-democratic initiatives and discuss three analytical dimensions of the reorganization of public housing companies: Management practices, tenant consultation rights and changes to the legal form of public housing companies
Die Zukunft war jetzt: Rezension zu Christina Schwenkel (2020): Building socialism. The afterlife of East German architecture in urban Vietnam. Durham: Duke University Press.
Die US-amerikanische Kulturanthropologin Christina Schwenkel legt mit Building socialism eine quellengesättigte ethnografische Studie über Zerstörung, Wiederaufbau und Nutzungsperspektiven der vietnamesischen Stadt Vinh vor. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den agencies der Beteiligten. Im Zentrum der Untersuchung steht ein Quartier, dessen Wohnblocks mit materieller und ideeller Unterstützung der DDR errichtet wurden. Nicht nur sind die methodischen Zugänge der Untersuchung vielversprechend und gewinnbringend – angesichts des drohenden Stadtumbaus, der für die Bewohner:innen des Quartiers Quang Trung Abriss und Verdrängung bedeuten würde, gewinnt ihre städtebauhistorische Ethnografie auch an politischer Relevanz