suburban. zeitschrift für kritische stadtforschung
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Die Instabilität queerer Raumpraxis: Fünf Oral Histories zu Orten in Berlin, die es nicht mehr gibt
In einer Spurensuche nach verlorenen und verdrängten Orten queerer Stadtkultur kommen Protagonist*innen zu Wort, die das Leben, die politische Situation von LGBTQIA+-Communities und (Stadt-)Räume gestaltet und die queere Geschichtsschreibung Berlins geprägt haben. Sie sprechen exemplarisch über die Diskothek Lipstick, die Deutsche Oper als schwuler Treffpunkt, den Frauenbuchladen Lilith, das feministische Archiv FFBIZ und die Klappe im Preußenpark.
Diese Oral Histories stellen die Orte den Stimmen der Protagonist*innen in collagenhaften Audio-Features gegenüber. Sie erzählen von vergessenen Möglichkeitsräumen und Sehnsuchtsorten, von Räumen queerer Identifikation und Fürsorge, von Protest, Widerstand und Gleichberechtigung. Dabei wird eines klar: Neben Idealismus und dem Drang nach Selbstermächtigung sind queere Raumpraktiken geprägt von Unsicherheiten und Instabilität.
Die Hörbilder werden von Vignetten begleitet, die Schlaglichter auf mögliche Ursachen von Prozessen der Instabilität werfen und die Erfahrungen von Protagonist*innen der 1970er- bis 1990er-Jahre mit aktuellen urbanen Transformationsprozessen in Zusammenhang stellen
Queere Nähe aus der Ferne: Kommentar zu Jan Hutta und Nina Schuster „Infrastrukturen städtischer Intimität“
Aus queer-historischer Perspektive verkompliziert dieser Debattenbeitrag die Figur des Intimen. Er spielt mit dem Gedanken des Öffentlichen. Und er wirft die Frage des Ländlichen auf, um die Infrastrukturen städtischer Intimität besser begreifen zu können
Bonding oder „Was hält die Stadt zusammen?“: Kommentar zu Jan Hutta und Nina Schuster „Infrastrukturen städtischer Intimität“
„Infrastrukturen städtischer Intimität“ – flüchtige, affektive Prozesse des Sich-Verbindens, vermittelt durch konkrete, mit Versprechen, Wünschen und Begehren behaftete Objekte – halten die Stadt zusammen. Gleichzeitig werden Prozesse der Fragmentierung, De-Mobilisierung, Ent-Politisierung häufig auf ebendiese intimen Verbindungsweisen zurückgeführt. In meinem Beitrag gehe ich dem Spannungsverhältnis zwischen Zusammenhalt und Auseinanderbrechen, zwischen neuen Verbindungen und regressiven, beharrenden Dynamiken urbaner Kollektive nach. Erstens zeige ich am Beispiel „öffentlicher Verkehr“, wie Intimität, Verletzlichkeit und exposure als raumproduzierende Taktiken eingesetzt werden, die heteronormative Allianzen und Ordnungen aufbrechen. Zweitens argumentiere ich mit einer Anekdote zu den kreativen Baugruben-Protesten im prä-olympischen Rio de Janeiro, dass gerade das Spiel mit der Intensität „loser Verbindungen“ es ermöglicht, die fragile Balance kollektiven Lebens in urbanen Gesellschaften zusammenzuhalten
Ambiguity as an opportunity: How planning time is lived in creative neighbourhood developments
Die Planungszeit nicht nur als Zwischenzeit zu begreifen, sondern sie zu gestalten, ist eine wichtige Voraussetzung, um lebensnahe und anpassungsfähige Stadträume zu entwickeln, so die Annahme in diesem Artikel. Das bedeutet, Prozessen eine gewisse Offenheit zuzugestehen und damit verbunden, diverse Eigenzeiten und zeitliche Aspekte (unter anderem Be- und Entschleunigung, Takt und Rhythmus) als prozessuale und sozialräumlich prägende und verändernde Faktoren zu akzeptieren und in Entwicklungsprozesse zu integrieren. In zwei prozessorientierten Kreativquartieren in München und Hamburg wird dargestellt, wie Planende und Kreative seit Jahren kämpfen, kommunizieren, koordinieren – sich synchronisieren –, um Räume und Nutzungen zu bewahren, die sich immerzu verändern.If more importance is given to planning time, i.e. if it is not only understood as an in-between time, then suburban spaces are designed to be more life-like and adaptable, according to the assumption in this article. This means allowing developments a certain openness and, connected to this, accepting diverse proper times and temporal aspects (among others, acceleration and deceleration, beat and rhythm) as processual and socio-spatially shaping and changing factors and integrating them into development processes. Two process-oriented, decelerated creative quarters in Munich and Hamburg show how planners and creatives have been fighting, communicating, coordinating - synchronising - for years to maintain spaces and uses that are (supposed to be) constantly changing at the same time
Aber das sind doch die Guten – oder? Wohnungsgenossenschaften in Hamburg: Rezension zu Joscha Metzger (2021): Genossenschaften und die Wohnungsfrage. Konflikte im Feld der Sozialen Wohnungswirtschaft. Münster: Westfälisches Dampfboot.
Warum werden in aktuellen Diskussionen Wohnungsgenossenschaften immer wieder als zentrale Akteure einer gemeinwohlorientierten Wohnraumversorgung benannt – obwohl sie kaum zur Schaffung neuen bezahlbaren Wohnraums beitragen? Warum wehrt sich die Mehrzahl der Wohnungsgenossenschaften mit Händen und Füßen gegen die Wiedereinführung eines Gesetzes zur Wohnungsgemeinnützigkeit, obwohl es doch gerade dieses Gesetz war, dass sie im 20. Jahrhundert zu im internationalen Vergleich großen Unternehmen wachsen ließ? Sind Wohnungsgenossenschaften nun klientilistische, wenig demokratische und nur halb dekommodifizierte Marktteilnehmer oder wichtiger Teil der Wohnungsversorgung der unteren Mittelschicht? Wer Antworten auf diese und andere Fragen sucht und Differenziertheit in ihrer Beantwortung aushält, lese Joscha Metzers Dissertation „Genossenschaften und die Wohnungsfrage
sub\urban in Zahlen und Bildern
Mit diesem graphisch reich illustrierten Statistikbeitrag, der zum einen auf von der Redaktion erhobenen Daten beruht und zum anderen auf einer großen Leser_innenumfrage, die wir im Frühjahr 2022 durchgeführt haben, eröffnen wir unsere Jubiläumsausgabe. In diesem Beitrag könnt ihr mehr über das Redaktionskollektiv von sub\urban erfahren, über die Beiträge dieser Zeitschrift, aber auch über unsere Leser_innenschaft. Endlich wird sichtbar, wie hoch der Frauenanteil unserer Autor_innen ist, welches unsere beliebteste Rubrik und – ganz wichtig – welches das längste je bei uns erschienene Wort ist. Graphisch gestaltet hat den Beitrag Clara Berlinski, der wir herzlich für die gute Zusammenarbeit danken
Infrastrukturen städtischer Intimität: Einladung zu einem Gedankenspiel
Wie sähe eine kritische Stadtforschung aus, die von Anbeginn nicht Anonymität, sondern Intimität zum Dreh- und Angelpunkt ihres Stadtverständnisses gemacht hätte? Wie sprächen wir dann über das Recht auf Stadt und über Differenz, wie über städtische Infrastrukturen? Auch wenn Fragen rund um die Privatsphäre und um Intimität die Stadtforschung immer schon begleitet haben, wurde insbesondere Öffentlichkeit als charakteristisch für das Städtische betrachtet, also all das, was als Gegenteil des Privaten konstruiert worden ist. Dieser sub\urban-Debattenaufschlag eröffnet ein vielstimmiges Gedankenspiel, das die kritische Stadtforschung gegen den Strich bürstet. Dabei geht es um das, was Ayona Datta bereits 2015 in ihrem programmatischen Vortrag zur „intimen Stadt“ gefordert hat: die Trennung des Öffentlichen und Privaten in der Geographie neu zu denken. Dafür wählen wir hier einen doppelten Fokus auf Intimität und Infrastruktur. Ziel ist es, den Blick für intime Praktiken und Raumbezüge sowie deren materielle Bedingungen zu schärfen und so Aspekte zu rezentrieren, die in bisherigen Diskussionen ausgeblendet werden, lediglich als negative Kontrastfolie dienen oder nur fragmentarisch auftauchen. Dabei nimmt diese Debatte speziell minoritäre Erfahrungen und Praktiken städtischer Intimität in den Blick. Dadurch sollen „sub-urbane“ Fragmente des Intimen verdichtet und spekulativ zu einer Rekonzeptualisierung des Städtischen genutzt werden
Was für ein Phänomen ist das Urbane und wie können wir es kritisieren? Beitrag zur Debatte „Was ist Stadt? Was ist Kritik?“
Das wachsende Interesse an neuen Urbanisierungsmustern, die den herkömmlichen Konzeptionen von Stadt zu widersprechen scheinen, hat in den vergangenen Jahren verstärkt die Frage „Was ist urban?“ in den Vordergrund gerückt. Der neolefebvrianische Fokus auf „vollständige Urbanisierung“ lenkte den Blick zusehends auf ein breiteres Spektrum von Räumen, wie zum Beispiel „operational landscapes“ und andere Arten von „extractive frontiers“, die eng mit dem globalen Urbanismus verbunden sind. Gleichzeitig bleibt die Idee „der Stadt“ als einer charakteristischen Form der dichten urbanen Agglomeration trotz allem ein wichtiger kultureller und materieller Marker. In recent years, the growing interest in new patterns of urbanization that seem to contradict conventional conceptions of the city has increasingly brought the question “What is urban?” to the surface. The neolefebvrian focus on “complete urbanization” visibly directed attention to a broader range of spaces, such as “operational landscapes” and other kinds of “extractive frontiers” that are closely linked to global urbanism. At the same time, the idea of “the city” as a characteristic form of dense urban agglomeration remains, despite everything, an important cultural and material marker.