suburban. zeitschrift für kritische stadtforschung
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Berlin in daily loves
Dieser Essay verfolgt und präsentiert eine intime Szenographie von Berlin. Die nicht linearen Fragmente, die nur teilweise miteinander verbunden sind und sich zwischen Schlafzimmern, Cafés, Moscheen, Bars, Straßenecken und Parks bewegen, bieten einen facettenreichen Blick auf die Intimitäten des postmigrantischen Urbanen. Die Szenen zeigen, wie die Politiken von Zeit, Sex, Religion und Migration in der Stadt auf queere Weise miteinander verwoben sind und kritisch zusammenfallen. In dieser Konstellation wird Berlin zu einer durchtriebenen Figur: immer formwandlerisch, nie eingefangen. Das Schreiben im Modus der Autotheorie führt die Idee weiter, dass die Stadt weder fixiert noch gänzlich außerhalb des Selbst liegt, sondern vielmehr eine affektive Geographie ist, die an der Schnittstelle von inneren und öffentlichen Modi entsteht. Intime Rhythmen, Ritornelle und Relationen des Urbanen lassen erkennen, auf welch vielfältige Weise die Stadt eine affektive Verflechtung sein kann, die nur subjektiv und bruchstückhaft empfunden wird.This essay traces and presents an intimate scenography of Berlin. The non-linear fragments, only partially connected and moving between bedrooms, cafes, mosques, bars, street corners, and parks, offer a multifaceted view of the intimacies of the post-migrant urban. The scenes show how the politics of time, sex, religion, and migration are queerly interwoven and critically intersect in the city. In this constellation, Berlin becomes a sly figure: always shapeshifting, never captured. Writing in the mode of auto-theory advances the idea that the city is neither fixed nor wholly outside the self, but rather an affective geography created at the intersection of internal and public modes. Intimate rhythms, ritornels, and relations of the urban suggest the many ways in which the city can be an affective entanglement that is felt only subjectively and fragmentarily
Precarious housing and housing struggles: Methodological and practical challenges of applied critical housing research
Der Beitrag skizziert die Perspektive einer angewandt-kritischen Wohnungsforschung, welche auf (1) die kooperative Entwicklung von Fragestellungen mit außeruniversitären Akteuren, (2) partizipative Forschungsprozesse mit zivilgesellschaftlichen Initiativen, (3) die Verbindung von wissenschaftlichem Erkenntnisstreben und politischer Praxis im Sinne einer Aktions- beziehungsweise Transformationsforschung sowie (4) breit aufgestellte Publikationsstrategien abzielt. Argumentiert wird dabei, dass ein solcher Zugriff eine gegenstandsangemessene Forschung insbesondere in Hinblick auf prekäre Wohnverhältnisse und wohnungspolitische Kämpfe erlaubt, die praxisorientierte und gesellschaftspolitisch relevante Ergebnisse zu liefern verspricht. Zudem kann ein solcher Ansatz spezifische forschungsethische Probleme vermeiden und in methodischer Hinsicht die Qualität der Datenerhebung verbessern. Die Überwindung der Distanz zwischen Theorie und Praxis sowie die transparente normativ-politische Positionierung ermöglichen es darüber hinaus, Forschungsprozesse stärker auf die Transformation bestehender Machtverhältnisse auszurichten.The article introduces the perspective of applied critical housing research. This research agenda aims at the cooperative development of research questions together with non-academic subjects, participatory research processes with civil society initiatives, action and transformative research to connect academic knowledge production with political practice, as well as more open forms of publication and dissemination. We argue that this perspective allows housing research to be more sensitive to its research topics, especially with regard to issues around precarious housing and housing struggles, and thus promises to deliver practice-oriented and politically relevant results. Additionally, such an approach can avoid particular ethical issues and improve the quality of empirical data. Overcoming the distance between theory and practice and making transparent the normative-political positioning help to orient housing research more strongly towards the transformation of existing power relations
Facettenreiche Einblicke in die Wirkmächtigkeit von Karten: Rezension zu Finn Dammann / Boris Michel (Hg.) (2022): Handbuch Kritisches Kartieren. Bielefeld: transcript.
Mit der Zusammenstellung einer großen Vielfalt an Beiträgen gelingt es den beiden Herausgebern des Handbuchs, unterschiedliche Facetten des Kritischen Kartierens an der Schnittstelle von Aktivismus und Wissenschaft sichtbar zu machen. Dem Anspruch, methodische und methodologische Impulse zu geben, wird das Handbuch damit in hohem Maße gerecht. Ausbaufähig bleibt jedoch die angestrebte Systematisierung der Beiträge
Renderings: Visual worlds for the legitimization of speculative urban development projects
Renderings tragen im Kontext des spekulativen Urbanismus wesentlich zur Legitimation von Stadtentwicklungsprojekten bei. Der Beitrag erläutert, wie mithilfe dieser Form der digitalen Architekturvisualisierung umfassende Bildwelten innerhalb der jeweiligen Planungsprozesse entstehen und wie sie wirkmächtig werden. Am Beispiel der beiden großmaßstäblichen Stadtentwicklungsprojekte Eko Atlantic in Lagos (Nigeria) und Hudson Yards in New York (USA) zeigt sich, wie durch den Einsatz von Renderings imaginäre Räume entstehen, die symbolischen Mehrwert für die geplanten Projekte schaffen: durch fotorealistische, aus digitalen Bildelementen zusammengestellte Renderings sowie eine stark homogenisierte Bildproduktion mit lokalen Anpassungen, die innerhalb der Planungsprozesse eine hohe Eigendynamik entwickelt. So wird die Vision einer bruchlosen und vorhersehbaren Zukunft erzeugt und potenzielle Konflikte werden visuell eingeebnet. Dies verdeckt den imaginären Charakter der Bildwelten – und damit auch ihre spekulative Funktion im Planungsprozess. Es wird diskutiert, wie diese Ambivalenz produktiv gemacht werden kann, um eine größere Vielfalt von Zukunftsvisionen in Planungsprozessen abzubilden.Renderings contribute significantly to the legitimization of speculative urban development projects. This article explains how this specific form of digital visualization is used to create comprehensive visual worlds within the respective planning processes and how these become effective. Based on the example of two megaprojects – Eko Atlantic in Lagos (Nigeria) and Hudson Yards in New York (USA) – I show how the use of renderings creates imaginary spaces, adding symbolic value to the planned urban environments: through photorealistic renderings composed of digital elements, as well as a through a highly homogenized image production with local adaptations that develops specific dynamics within the planning processes. A vision of a seamless and predictable future is thereby created and potential conflicts are visually flattened. This hides the imaginary character of the visual worlds – and obscures their speculative role in the planning process. It is discussed how this ambivalence can be made productive to take into account a greater diversity of visions of the future in planning processes
What made DWE the campaign it is? A evaluation of light and shadow of a broad campaign
Der Artikel gibt einen Einblick in die konzeptionellen Diskussionen und die Organizingpraktiken der Kampagne „Deutsche Wohnen&Co Enteignen“. Er zeigt, welche Möglichkeiten und Grenzen sich hierbei für eine möglichst breite Einbindung vieler gesellschaftlicher Gruppen im Rahmen einer solchen Kampagne bestehen.The Article gives an inside on the concptional debates ald the organizing-practice in the Campaign "Deutsche Wohnen&Co Enteignen". It shows the possibilitis and limitations of including broader groups of society in such a campaign
Kritische Stadtforschung jenseits von Großstädten und Wissenschaftsbetrieb: Beitrag zur Debatte „Was ist Stadt? Was ist Kritik?“
Die dynamische Entwicklung einer kritischen Stadtforschung, die sich auch im zehnjährigen Jubiläum dieser Zeitschrift zeigt, wirft zwangsläufig die Frage auf, wie denn Stadt und kritische Forschung abzugrenzen sind. Wenn städtische Entwicklungen prägend für nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche sind und ein kritischer Anspruch nahezu zu einer Selbstverständlichkeit in der Stadtforschung geworden ist – droht da nicht die Gefahr einer thematischen und analytischen Beliebigkeit? Statt einer präzisen Bestimmung von Stadt und Kritik möchte ich eine zweifache Öffnung der kritischen Stadtforschung vorschlagen, die zu deren künftiger Relevanz beitragen kann
Die Stadt lebt in ihrer Auflösung: Beitrag zur Debatte „Was ist Stadt? Was ist Kritik?“
Dieser kurze Debattenbeitrag beantwortet die Fragen der Redaktion nach der Natur der Stadt und der Rolle der Kritik. Der Artikel pladoyiert für eine Öffnung der Stadt zum Städtischen. Was das städtische Leben zur Findung eines Stadtbegriffs beiträgt – anstatt diesen aus der (politischen) Ökonomie des Kapitalismus herzuleiten – weist über die Stadt hinaus, wie wir von Lefebvre (1972) wissen. Verstädterung und verstädterte Gesellschaft deuten auf einen Stadtbegriff, der prozessual ist, über die Stadt als singuläres Ding und Objekt hinwegzeigt. In meiner eigenen Forschungspraxis habe ich den Stadtbegriff immer an dieser Auflösung des Objektes in den Prozess hinein festgemacht.
When the conditions get under the skin: Thinking urban health relationally
Insbesondere in Städten werden Gesundheitsungleichheiten individuell verkörpert. Gleichzeitig werden sie in Recht-auf-Stadt-Kämpfen kollektiv adressiert. Dennoch bleibt das Verhältnis zwischen Gesundheit und Ungleichheit in der Kritischen Stadtgeographie unterrepräsentiert. Wie genau werden Machtverhältnisse in Form von Gesundheit und Krankheit konkret und ortsspezifisch ungleich verkörpert und mit welcher Raumwirksamkeit? Mithilfe eines relationalen Gesundheitsverständnisses fragen wir, wie Machtverhältnisse – vermittelt über Gesellschaftsstrukturen und (politisch konstruierte) Umwelten – krank machen. Urbane Gesundheitsinitiativen verfolgen vielfältige räumliche Strategien zur Sichtbarmachung und Bearbeitung krank machender Verhältnisse. Mithilfe des Konzepts Worlding tragen wir das verstreut vorliegende Wissen dieser Initiativen bezogen auf Stadtteilgesundheit, Frauen- und migrantische Gesundheit zum Einfluss bioökosozialer Verhältnisse auf Gesundheit zusammen. Wir diskutieren die Raumrelevanz für die Hervorbringung von Krankheit und die kollektive Repolitisierung von Gesundheit auf Stadtteilebene. Damit tragen wir zu einer Kritischen Stadtgeographie verkörperter Ungleichheiten bei, die zeigt, wie Machtverhältnisse sich in Form von Krankheit und Gesundheit in Körper einschreiben.Cities are sites of the individual embodiment of health inequalities and their collective contestations in struggles for the right to the city. This remains underrepresented in Critical Urban Studies. How are power relations embodied unequally as health and sickness in concrete and place-specific terms? What are the spatial implications? With relational health concepts, we ask how power relations – mediated through social structures and (politically constructed) environments – make sick. Urban health initiatives pursue manifold spatial strategies to uncover the conditions that make people sick and to change them. By Worlding, we gather these dispersed knowledges from community, women’s and migrants’ health about the health impacts of bioecosocial relations. We discuss the relevance of space for the emergence of sickness and a collective re-politicization of health. This contributes to a Critical Urban Geography of embodied inequalities, which shows how power relations inscribe in bodies in forms of health and sickness
Stadt und postkoloniale Kritik: Beitrag zur Debatte „Was ist Stadt? Was ist Kritik?“
Stadt ist für mich der Raum der Akkumulation – von Besitz, Kontrolle und Gewalt – sowie von Geschichte, Widerstand und Selbstbestimmung. Diese Aspekte akkumulieren sich in der Stadt und verdichten mal mehr oder weniger gesellschaftliche (Ungleichheits)verhältnisse, die intersektional verschränkt und durch koloniale, eurozentristische, patriarchale und ableistische Normvorstellungen strukturiert sind, die sowohl reproduziert als auch gestört werden
Zur Rolle von Kritik in der Angewandten Kritischen Stadtgeographie: Beitrag zur Debatte „Was ist Stadt? Was ist Kritik?“
Die Kritische Stadtgeographie hat das Selbermachen für sich entdeckt. Ob in der Debatte um Recht auf Stadt, DIY-Urbanismus oder eine neue „Angewandte Kritische Geographie“ – überall werden Banden gebildet, wird Stadt von unten und selbst gemacht. Bei so viel kritischer Aktivität bleibt es gerade für eine emanzipatorisch orientierte Praxis sinnvoll und notwendig, die Voraussetzungen des eigenen Tuns mit zum Gegenstand von Kritik zu machen. Dazu gehören auch vermeintliche Wahrheiten und Selbstverständlichkeiten. Der Beitrag fragt nach der Rolle eines solch selbstreflexiven Moments in der gegenwärtigen Angewandten Kritischen Stadtgeographie