suburban. zeitschrift für kritische stadtforschung
Not a member yet
632 research outputs found
Sort by
Remembrance of far-right violence in eastern Germany as form of resistance : Comment on Daniela Zupan, Matthias Naumann, Gala Nettelbladt and Kristine Beurskens „Was heißt hier Widerstand? Widerständige Praktiken im Kontext von autoritärem Urbanismus“
Der Kommentar nimmt die Überlegungen der Autor:innen über „leise“ und individuelle Formen des Widerstandes zum Anlass, Erinnern als eine Form des Widerstandes einzuführen und diese Konzeption anhand der Erinnerung an rechte Gewalt in Ostdeutschland beispielhaft zu erörtern. The commentary takes the authors\u27 reflections on “quiet” and individual forms of resistance as an opportunity to introduce remembering as a form of resistance. It then moves on to discuss this argument by drawing on the remembrance of right-wing violence in East Germany.
Widerstand mit Architektur? Beispiele aus der DDR : Kommentar zu Daniela Zupan, Matthias Naumann, Gala Nettelbladt und Kristine Beurskens „Was heißt hier Widerstand? Widerständige Praktiken im Kontext von autoritärem Urbanismus“
Aus der Perspektive der Architektur- und Städtebaugeschichte der DDR lässt sich über widerständige Praktiken am besten anhand konkreter Beispiele nachdenken. Im Folgenden stelle ich daher zunächst drei Fallbeispiele aus der Städtebau- und Architekturdiskussion der späten DDR vor und analysiere diese im Anschluss mit dem im Aufschlag vorgeschlagenen Dreischritt hinsichtlich ihrer Formen, Intentionen und Wirkungen. Im Weiteren ergänze ich dies um Definitionen aus der Oppositionsforschung zu Ostdeutschland sowie aus der Architekturtheorie, um der Frage nachzugehen, in welcher Form Widerstand in der DDR mit und durch Architektur ausgedrückt werden konnte
Autoritärer Urbanismus enttarnt: Istanbul und Berlin im Dialog: Kommentar zu Daniela Zupan, Matthias Naumann, Gala Nettelbladt und Kristine Beurskens „Was heißt hier Widerstand? Widerständige Praktiken im Kontext von autoritärem Urbanismus“
In Form eines Dialoges zwischen Berlin und Istanbul nähern wir uns über Fragen dem urbanen Autoritarismus ebenso wie den Formen des Widerstandes dagegen an. Dabei untersuchen wir unterschiedliche Ebenen von Partizipation in beiden Städten, die die Fiktion der städtischen Homogenität aufdecken und damit infrage stellen. Überdies gehen wir auf gegenwärtige Kämpfe gegen Gentrifizierung und „Bulldozer“-Methoden in der Stadtentwicklung ein. Wir widmen uns der Frage nach der Zentralisierung von Macht sowie der Notwendigkeit von veritablen Zukunftsvisionen
Buenos Aires in Zeiten der Cholera und des Gelbfiebers: Rezension zu Antonio Carbone (2022): Park, tenement, slaughterhouse. Elite imaginaries of Buenos Aires, 1852-1880. Frankfurt am Main: Campus.
Zu Beginn der Arbeit an einem mehrjährigen Buchprojekt ist manchmal nicht zu erahnen, welche Aktualität das Thema zum Erscheinungszeitpunkt erlangen wird. Die hier besprochene Monografie von Antonio Carbone erschien im Jahr 2022 und damit noch mitten in der von der Coronapandemie geprägten Gegenwart. Zu diesem Zeitpunkt diskutierten Historiker_innen auch außerhalb fachwissenschaftlicher Kreise schon seit zwei Jahren, ob historische Parallelen oder gar Lehren aus der Geschichte für den Umgang mit der pandemischen Krise angebracht und hilfreich seien. In der hier besprochenen Dissertation sind die Cholera- und Gelbfieberepidemien, die Buenos Aires in den späten 1860er- und frühen 1870er-Jahren heimsuchten, Kristallisationspunkte, an denen sich Debatten um urbane Veränderungen zuspitzten, verdichteten und an Wirkmächtigkeit gewannen
Struggles for autonomy and commons of arrival: Urban infrastructures and infrapolitics of labour brokerage
Der Artikel beschäftigt sich mit Veränderungen in der Vermittlung und Verhandlung von Arbeit seit dem Sommer der Migration 2015. Am Beispiel von Berlin und Potsdam werden die zunehmende Vielfalt und Verknüpftheit von Vermittlungsakteur*innen wie Arbeitsagenturen, Job Center, Bildungs- und Beratungsträgern und Leiharbeitsfirmen aufgezeigt. Diese Akteur*innen werden in Form von Infrastrukturen dargestellt, die zwischen staatlichen, privatwirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Interessen vernetzen und vermitteln. In ihren Funktionen der Extraktion von Informationen, der Aktivierung und Disziplinierung von Arbeitssuchenden, der (Im-)Mobilisierung von Arbeitskräften und der Bewertung oder Abwertung von Fähigkeiten hat ihre Intervention Auswirkungen auf die Konkretisierung von lokalen Arbeitsteilungen und Arbeitsbedingungen. Auf diese Transformationen reagieren Geflüchtete mit Infrapolitiken, durch die sie versuchen, sich in den Infrastrukturen des Ankommens und der Arbeitsmarktteilhabe im städtischen Raum Autonomie zu erstreiten. Insofern werden Infrastrukturen der Arbeitsvermittlung auf viele unscheinbare Weisen von Arbeitenden und Arbeitsuchenden verweigert oder angeeignet, wodurch Verhandlungs- und Mobilitätsmacht auf dem Arbeitsmarkt gestärkt werden kann. So argumentiere ich, dass vermittelnde Infrastrukturen von Arbeit räumlich sowie politisch zu wichtigen Orten der Begegnung, des Austauschs und der Aushandlung werden und somit als Commons des Ankommens dienen können.The article deals with changes in the mediation and negotiation of work since the summer of migration 2015. Based on the examples of Berlin and Potsdam, the increasing diversity and connections of labor market intermediaries such as employment agencies, job centers, education and counseling institutions, and temporary employment agencies are shown. These actors are presented in the form of infrastructures that network and mediate between state, private-sector and civil-society interests. In their functions of extracting information, activating and disciplining job seekers, (im-)mobilizing labor forces, and valuing or devaluing capacities, their intervention has implications for the concretization of local divisions of labor and working conditions. Refugees respond to these transformations with infrapolitics through which they attempt to gain autonomy in the infrastructures of arrival and labor mediation in urban spaces. In this respect, infrastructures of labor market participation are refused or appropriated in many imperceptible ways by workers and job seekers, which can enhance bargaining and mobility power in the labor market. Thus, I argue that mediating infrastructures of work spatially as well as politically become important sites of encounter, exchange, and negotiation, and thus can serve as commons of arrival
The postcolonial Other in technocapitalism: Insights into the affective negotiation of positionalities in Nairobi\u27s tech scene
Die Jahre 2007/2008 markieren einen Wendepunkt in der kenianischen Technikentwicklung: Eine Open-Source-Technologie zur Kartierung zivilgesellschaftlicher Missstände erlangte damals globale Aufmerksamkeit. Seitdem fungiert Nairobi als internationales Vorbild für Innovationen made in Africa und zieht als Silicon Savannah die zweithöchsten Investitionen in Afrika an. Auf Grundlage (auto-)ethnographischer Forschung von Affekten und Positionalitäten in innovativen Arbeitsplätzen in Nairobi argumentiere ich, dass Technikentwicklung in Kenia neben dem Codieren, Modellieren und 3-D-Drucken vor allem daraus besteht, Nairobi als einen Ort zu inszenieren, der mit den Normen des globalen Technokapitalismus mithalten kann. Empirische Einblicke in geführte Rundgänge durch Co-Working-Spaces zeigen, welcher affektiven Arbeit der Aushandlung es bedarf, um in einer technokapitalistischen Ökonomie der Versprechen und Performanzen den ersehnten Zukünften des wirtschaftlichen Fortschritts und der dekolonialen Emanzipation näherzukommen. Das Unterfangen, Nairobis Positionalität als postkoloniales Anderes neu zu skripten, ist ambivalent: Emanzipatorische Momente ergeben sich, während globale Machtasymmetrien stetig reproduziert werden.The years 2007/2008 mark a turning point in Kenyan technology development. An open-source technology for mapping societal grievances gains global attention. Since then, Nairobi has served as an international role model for innovation made in Africa, with Silicon Savannah attracting the second highest investment in Africa. Drawing on (auto-)ethnographic research of affects and positionalities at innovative workplaces in Nairobi, I argue that technology development in Kenya, besides coding, modeling, and 3D printing, consists of enacting Nairobi as a place that can keep up with global technocapitalism. Empirical insights into guided tours at coworking spaces reveal the affective work which is needed in a technocapitalist economy of promises and performances to approach the desired futures of economic progress and decolonial emancipation. The endeavor of re-scripting Nairobi\u27s positionality as a postcolonial other is ambivalent; emancipatory moments emerge, while global asymmetries of power are continually reproduced
Platform urbanism: thinking through reproductive contradictions using body scales
Im vorliegenden Beitrag greifen wir die These einer Plattformisierung städtischer Infrastrukturen auf und erweitern sie um einen feministisch-geographischen Blick auf Körper. Ausgehend von einem Infrastrukturverständnis, das Plattformen als technische, materielle und sozial eingebettete Assemblagen begreift, arbeiten wir zunächst die Relevanz lokal verfügbarer und ortsgebundener Arbeitskraft als zentrales Element des Plattform-Urbanismus heraus. Anhand der scale der Körper als Maßstabsebene lassen sich die damit einhergehenden sozial-reproduktiven Widersprüche innerhalb des Plattform-Urbanismus nachverfolgen. Mittels zahlreicher Beispiele zeigen wir, dass sich diese Widersprüche auf verschiedenen scales artikulieren. Wir legen dar, dass die Plattformisierung städtischer Infrastrukturen mit einer Differenzierung von Körpern durch staatliche Migrationspolitik und die soziotechnischen Funktionslogiken der Plattformen einhergeht. Wir kommen zu dem Schluss, dass der scheinbar reibungslose und effiziente Plattform-Urbanismus von der aufrechterhaltenen Strukturierung und Hierarchisierung von Arbeit durch staatliche Regulation und soziale Differenzierung – von sichtbarer und unsichtbarer Arbeit – profitiert. Mit unserem Beitrag bieten wir durch feministische Perspektiven eine analytische Brille an, mit der sich die Differenzierungen von Körpern in der Plattform-Ökonomie entlang reproduktiver Widersprüche des Plattform-Urbanismus analysieren lassen.In this paper, we suggest the debate on a „platformisation“ of urban infrastructures may be expanded on by feminist geographies using the body scale as an analytical framework. Understanding infrastructures as technical, material, and socially embedded assemblages, we focus on the relevance of locally available and place-based labour as a central element of platform urbanism. The scale of the body enables us to trace the social-reproductive contradictions emerging from this crucial part of the infrastructure. With a variety of examples, we then illustrate how these contradictions articulate themselves at different scales. We argue that the efficiency of platform urbanism hinges on both the socio-technical functional logics of platforms as well as a differentiation of bodies through state migration policies. We conclude that the seemingly smooth and efficient operation of platform urbanism benefits from the perpetuated structuring and hierarchisation of visible and invisible labour through state regulation and social differentiation. Our contribution is to employ feminist geographic theories to develop an analytical framework that may be used in future research to explore the differentiation of bodies in the platform economy
Revolutionary antifascism as a city map: Violent spaces, free spaces, and dream spaces
In diesem Aufsatz befasse ich mich mit dem Konzept eines „Revolutionären Antifaschismus“, um räumliche Prozesse zu untersuchen, die sich einer autoritären Stadt verweigern. In Broschüren und Flugblättern aus den 1990er-Jahren treffe ich auf einen Antifaschismus, der sich nicht auf den Kampf gegen Nazis reduzieren lässt und einen Revolutionsbegriff entwickelt, der die Systemüberwindung als einen kontinuierlichen und pragmatischen Prozess versteht und dennoch nicht auf Maximalforderungen verzichtet. Ich konzeptualisiere diesen Prozess als einen Raumbildungsprozess, der sich grundsätzlich von einer faschistischen Raumorganisation unterscheidet, und ich stelle einem modernen Stadtplan einen radikalen gegenüber. Revolutionärer Antifaschismus als Stadtplan ist eine von einer konkreten Situation angestoßene Konstruktion linker Geschichte, von der aus sich eine Position bestimmen und eine alternative Stadt bilden lässt. Diese befreiende Raumpraxis beschreibend bespreche ich drei ihrer Eigenschaften – Kollektivität, Selbstbestimmung und Systemüberwindung – und beziehe sie auf drei unterschiedliche Räume: Gewalträume, Freiräume und Traumräume.In this essay I engage with the concept of “Revolutionary Antifascism” in order to examine spatial processes which refuse an authoritarian city. In brochures and leaflets from the 1990s, I encounter an antifascism that cannot be reduced to the fight against Nazis, but develops an understanding of revolution according to which the overcoming of the system requires a continuous and pragmatic process that nevertheless does not renounce maximum demands. I conceptualize this as a process of creating spaces that is fundamentally different from a fascist spatial organization and contrast a modern city map with a radical one. Revolutionary Antifascism as a city map is a construction of a left history initiated by a concrete situation, from which a position in the city and an alternative city can be built. Describing this liberatory spatial practice, I discuss three of its characteristics – collectivity, self-determination, and overcoming the system – in the context of three different spaces: violent spaces, free spaces, and dream spaces
Hegemoniekrise und autoritäre Wende: Rezension zu Ian Bruff / Cemal B. Tansel (2020): Authoritarian neoliberalism. Philosophies, practices, contestations. Abingdon/New York: Routledge.
Angesichts des Erstarkens nichtdemokratischer Regierungsformen und politischer Kräfte mit explizit antiegalitären, autoritären Agenden in einer posthegemonialen Phase des Neoliberalismus formulieren einige Autor*innen das Konzept des „autoritären Neoliberalismus“. Der Sammelband Authoritarian neoliberalism. Philosophies, practices, contestations, 2020 herausgegeben von Ian Bruff und Cemal B. Tansel, verfolgt diesen Ansatz in verschiedenen Geographien und gesellschaftlichen Sphären. Dabei zeigen sich seine Stärken, aber auch blinde Flecke, insbesondere hinsichtlich des Verständnisses des autoritären Populismus
So wichtig wie immer und überall: Kommentar zu Yannick Ecker, Tatiana López und Nicolas Schlitz „Wichtiger denn je! Ein Plädoyer für eine intensivere Auseinandersetzung mit Arbeit in der kritischen Stadtforschung“
In diesem Kommentar zum Debattenaufschlag von Yannick Ecker, Tatiana López und Nicolas Schlitz möchte ich Skepsis an der von den Autor:innen diagnostizierten „zunehmenden Verbindung von betrieblichen und städtischen Konflikten“ äußern und daran anschließend den Vorschlag machen, in der geforderten „Auseinandersetzung mit Arbeit in der kritischen Stadtforschung“ (auch) eine globale Perspektive einzunehmen