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Erfassungsdefizite bei der Müttersterblichkeit in Deutschland: Eine Analyse statistischer Herausforderungen
Hintergrund: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Müttersterblichkeit als den Tod einer Frau während der Schwangerschaft oder bis 42 Tage danach. Die maternale Mortalitätsrate (MMR) dient als Indikator für die Qualität der Gesundheitsversorgung. In Deutschland basiert die Erfassung auf dem Leichenschauschein (ICD-10-Code), wobei Variationen in der Dokumentation zu Untererfassung führen. Studien deuten auf unzureichende Angaben in Berlin und Abfragen in Deutschland hin.
Methode: Es wurden 2.316 Leichenschauscheine von Frauen (15 – 50 Jahre) aus dem Berliner Zentralarchiv (2019 – 2022) zur Identifikation mütterlicher Todesfälle analysiert und die Ausfüllqualität bewertet. Zudem wurde bundesweit die Erfassung des Schwangerschaftsstatus auf den Leichenschauscheinen untersucht.
Ergebnisse: 14 maternale Todesfälle (ohne späte Fälle laut WHO) wurden identifiziert. Nur vier Fälle waren allein durch ICD-10-Codes als mütterliche Todesfälle erkennbar. Die für die Identifikation wichtige Zusatzangabe „Ist oder war die Frau schwanger?“ war bei etwa einem Viertel der gesichteten Leichenschauscheine verfügbar. In 73,2 % der Fälle blieb die Frage „Ist oder war die Frau schwanger?“ unbeantwortet. Der bundesweite Vergleich der Leichenschauscheine zeigte erhebliche Unterschiede: Nur Bayern und Bremen folgten der WHO-Definition. Sachsen-
Anhalt erfasst den Schwangerschaftsstatus gar nicht.
Schlussfolgerung: Die Erfassung der Müttersterblichkeit in Deutschland ist lückenhaft. Leichenschauscheine sind häufig unvollständig ausgefüllt. Viele Bundesländer erfassen Zeiträume außerhalb der WHO-Definition (3 –12 Monate nach Geburt). Ein standardisiertes nationales System zur Registrierung von mütterlichen Todesfällen ist nötig, um die Datenerhebung zu verbessern und eine bessere Prävention zu ermöglichen.Peer Reviewe
Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität KW 29
Hitzeperioden führen in Deutschland regelmäßig zu einem Anstieg der Mortalität. Um über die aktuelle Lage in Deutschland zu informieren, wird dieser Bericht während des Sommers 2025 (Juni-September) wöchentlich aktualisiert. Der aktuelle Bericht umfasst Schätzungen der hitzebedingten Sterbefälle im Zeitraum der Kalenderwochen (KW) 15 bis 29/2025
Vibrionen in Gewässern Deutschlands
Bakterien der Gattung Vibrio (Vibrionen) sind weltweit natürlicher Bestandteil mikrobieller Meer- und Süßwassergemeinschaften. Sie kommen freischwimmend in der Wassersäule vor oder sind an biotische oder abiotische Oberflächen gebunden. Verschiedene Vibrionen treten auch als Kommensalen oder Pathogene im Verdauungstrakt von Fischen, Krustentieren, Muscheln und Quallen auf. Sie besitzen die Fähigkeit, unter aeroben oder fakultativ anaeroben Bedingungen zu wachsen, wobei sie neben hohen Salzkonzentrationen auch hohe pH-Werte tolerieren können. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über Übertragungswege, Krankheitssymptome und die Situation in Deutschland, insbesondere auch vor dem Hintergrund des Klimawandels.Bacteria of the genus Vibrio are a natural component of marine and freshwater microbial communities worldwide. They occur freely swimming in the water column or are attached to biotic or abiotic surfaces. Various Vibrio species also occur as commensals or pathogens in the digestive tract of fish, crustaceans, mussels, and jellyfish. They have the ability to grow under aerobic or facultatively anaerobic conditions and can tolerate high salt concentrations and high pH values. This article provides an overview of transmission routes, disease symptoms, and the situation in Germany, particularly in light of climate change.Peer Reviewe
Hitzebedingte Mortalität in Deutschland 2023 und 2024
In den Sommermonaten führen hohe Außentemperaturen regelmäßig zu deutlich erhöhten Sterberaten. Die Sommer 2023 und 2024 lagen in Deutschland mit durchschnittlich 18,6 °C und 18,5 °C um 2,3 °C und 2,2 °C über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990 (16,3 °C für Deutschland). Eine Analyse des Mortalitätsverlaufs ergab eine hitzebedingte Übersterblichkeit von jeweils etwa 3.000 Sterbefällen in beiden Jahren. Die vorliegende Analyse folgt in der Methodik bestehenden Arbeiten, erweitert aber den methodischen Ansatz um eine Adjustierung des Mortalitätstrends für die Verschiebungen in Folge der COVID-19-Pandemie und danach.Heat-Related Mortality in Germany 2023 and 2024
During the summer months, high outdoor temperatures regularly lead to significantly increased mortality rates. The summers of 2023 and 2024 in Germany averaged 18.6°C and 18.5°C, respectively, and thus, 2.3°C and 2.2°C above the internationally valid reference period from 1961 to 1990 (16.3°C for Germany). An analysis of the mortality trend in 2023 and 2024 showed a heat-related excess mortality of approximately 3,000 deaths, respectively. The present analysis follows existing work in terms of methodology but expands the methodological approach by adjusting the mortality trend for shifts resulting from and following the COVID-19 pandemic.Peer Reviewe
Wastewater-based Surveillance on SARS-CoV-2
In the AMELAG project, SARS-CoV-2, influenza viruses and respiratory syncytial virus (RSV) are monitored in wastewater. Nationwide, 168 wastewater treatment plants were participating by the end of 2024; around 70 sites participate in 2025. The data collected will be integrated into this report in the coming weeks. For the calendar week 20 data from 71 WWTPs for SARS-CoV-2, from 73 WWTPs for influenza A virus and influenza B, from 40 WWTPs for RSV A and B and from 33 WWTPs of RSV A/B (joint measurements of RSV A and B) were available. Data from other WWTP are provided continuously.
The aggregated SARS-CoV-2 viral load is currently on a low level. The values of the aggregated influenza A and B viruses have been declining for a couple of weeks and are currently on a low level. The RSV load values in wastewater are on a low level for RSV A and further declining for RSV B. The aggregated viral load of the combined measurements of RSV A and B is also declining. The development observed over the last few weeks may still change due to late notifications
Kalenderwoche 19 (5.5. – 11.5.2025), Datenstand: 13.5.2025
Die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen (ARE-Inzidenz) in der Bevölkerung zeigt nach dem Rückgang zu
den Osterferien und den bundesweiten Feiertagen nun seit zwei Wochen wieder einen Anstieg und lag in der
19. KW bei rund 4.700 ARE pro 100.000 Einw. (Vorwoche: 3.900). Dabei sind die Werte bei den Kindern und
jungen Erwachsenen bis 34 Jahre deutlich gestiegen. Die aktuelle ARE-Inzidenz entspricht rund 4,0 Millionen
Personen mit einer neu aufgetretenen ARE und liegt damit im oberen Wertebereich zu dieser Zeit. Die Inzidenz
der grippeähnlichen Erkrankungen (ILI) ist dagegen in den letzten zwei Wochen stabil auf niedrigem Niveau
geblieben und liegt für die Jahreszeit im unteren Wertebereich. In der 19. KW lag der Wert bei rund 800 ILI pro
100.000 Einw. (Vorwoche: 700).
Die für die Bevölkerung in Deutschland geschätzten Inzidenzen beruhen auf den Selbstauskünften von
Personen, die sich bei GrippeWeb registriert haben. Für die 19. KW 2025 haben bisher 8.984 GrippeWeb-
Teilnehmende eine Meldung abgegeben, von diesen hatten 386 eine ARE und 64 eine ILI (Datenstand:
13.5.2025, 0:00 Uhr). Durch Nachmeldungen, die bis zu vier Wochen lang möglich sind, können sich noch
Änderungen ergeben. Aktuell können durch die Nachmeldungen rund 13.000 Meldungen pro Woche für die
Auswertungen berücksichtigt werden. Neue Teilnehmende sind herzlich willkommen. Mehr Informationen zu
GrippeWeb finden Sie hier. Eine Registrierung ist jederzeit und in wenigen Schritten möglich
GrippeWeb-Wochenbericht KW 16
Die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen (ARE-Inzidenz) in der Bevölkerung ist in der 16. KW 2025 im
Vergleich zur Vorwoche in allen Altersgruppen zurückgegangen und lag insgesamt bei rund 4.600 ARE pro
100.000 Einw. (Vorwoche: 6.200 pro 100.000 Einw.). Dabei sind die Werte bei den Schulkindern sowie bei den
ab 60-Jährigen am deutlichsten gesunken. Die aktuelle ARE-Inzidenz entspricht einer Gesamtzahl von etwa 3,9
Millionen akuten Atemwegserkrankungen. Die Inzidenz der grippeähnlichen Erkrankungen (ILI) ist in den
letzten Wochen zurückgegangen und lag in der 16. KW bei rund 800 ILI pro 100.000 Einw. (Vorwoche: 1.100
pro 100.000 Einw.). Der stärkste Rückgang war bei den Schulkindern sowie bei den 35- bis 59-Jährigen zu
verzeichnen.
Die für die Bevölkerung in Deutschland geschätzten Inzidenzen beruhen auf den Selbstauskünften von
Personen, die sich bei GrippeWeb registriert haben. Für die 16. KW 2025 haben bisher 7.918 GrippeWeb-
Teilnehmende eine Meldung abgegeben, von diesen hatten 342 eine ARE und 60 eine ILI (Datenstand:
22.4.2025, 0:00 Uhr). Durch Nachmeldungen, die bis zu vier Wochen lang möglich sind, können sich noch
Änderungen ergeben. Aktuell können durch die Nachmeldungen rund 13.000 Meldungen pro Woche für die Auswertungen berücksichtigt werden. Neue Teilnehmende sind herzlich willkommen
Inzidenz von Schilddrüsenkrebs bei Erwachsenen in Kreisen mit und ohne Kernkraftwerken
Ziel unserer Studie ist die Analyse der Inzidenz von Schilddrüsenkrebs bei Erwachsenen mit Wohnsitz in Landkreisen mit einem KKW im Vergleich zu Wohnregionen (Landkreise) ohne KKW.
Wir werden auch direkte altersstandardisierte Inzidenzraten (ASR) berechnen, um zeitliche Trends der Inzidenzraten zu analysieren. Für diese Berechnung werden wir die Segi Standard-Weltbevölkerung verwenden (Segi, 1960).
Alle Auswertungen werden nach Geschlecht stratifiziert. Außerdem werden Auswertungen separat für die folgenden KKW-Subgruppen untersucht: Kernkraftwerken in Stilllegung (n=14), KKW im Nachbetrieb (n=5); KKW, die im Jahr 2011 abgeschaltet wurden (n=7)
[Auszug aus dem Studienexposé
Wastewater-based Surveillance
In the AMELAG project, SARS-CoV-2, influenza viruses and respiratory syncytial virus (RSV) are monitored in wastewater. Nationwide, 168 wastewater treatment plants were participating by the end of 2024; up to 70 sites are expected to participate in 2025. The data collected will be integrated into this report in the coming weeks. For the calendar week 15 data from 67 WWTPs for SARS-CoV-2, from 66 WWTPs for influenza A virus and influenza B, from 31 WWTPs for RSV A and B and from 31 WWTPs of RSV A/B (joint measurements of RSV A and B) were available. Data from other WWTP are provided continuously.
After a continuous decrease within the last months, the aggregated SARS-CoV-2 viral load is currently on a low level. The values of the aggregated influenza A and B viruses have been declining for a couple of weeks. The RSV load values in wastewater are declining for RSV A and RSV B. The aggregated viral load of the combined measurements of RSV A and B are declining. The development observed over the last few weeks may still change due to late notifications
DART 2030 und die sektorübergreifende Umsetzung – ein Anwendungsfall für lokale ABS-Netzwerke?
Die Bekämpfung der gesundheitlichen Bedro¬hung durch Antibiotikaresistenzen beruht vor allem auf zwei Säulen: hygienisch-präventive Maßnahmen mit Surveillance und Eindämmung von resistenten Erregern sowie Maßnahmen zum rationalen und ver¬antwortungsvollen Antibiotikaeinsatz, meist unter dem Begriff „Antibiotic Stewardship“ (ABS) zusammengefasst. Im Jahr 2008 entstand unter Federführung des BMG die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART), die ein umfassendes Konzept zum Umgang mit dem ökologischen Problem der bakteriellen Multi¬resistenz beinhaltete. Das BMG hat dieses Strategie¬papier zuletzt im Jahr 2023 als „DART 2030“ weiterentwickelt. Ein zentraler An¬satz besteht darin, verschiedene Akteurinnen und Akteure zusammenzubringen, um einen Wissensaustausch zu fördern und Synergien zu nutzen. Wie das Epidemiologische Bulletin 8/2025 ausführt, waren diese Aspekte eine wichtige Triebfeder für die Gründung des ABS-Netzwerks Westfalen-Lippe im Jahr 2022