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From spoken language data to TEI-based ISO standard
This chapter provides an overview of widely used formats for the transcription and annotation of spoken language data across various linguistic subfields, with a focus on their conversion to the TEI-based Standard ISO 24624, “Language Resource Management–Transcription of Spoken Language”. After a brief introduction to the topic, the chapter examines prominent transcription and annotation formats, highlighting their core features and applications. It then introduces the TEI-based ISO standard and explores methods for converting diverse formats to align with its specifications. The last but one section presents practical use cases demonstrating the standard’s applicability in linguistic research. The chapter concludes with a discussion of the challenges and benefits associated with format conversion, emphasizing the importance of interoperability and standardisation in spoken language data analysis
News from EuReCo: Annotations, Applications, and LLM Assistance
The field of contrastive corpus linguistics is inherently more resource-intensive than single-language studies due to the necessity of at least two corpora that are not only sufficiently representative with respect to the research question and intended language domain but also sufficiently similar. While parallel or translation corpora exist for many languages and domains (cf., Čermák/Rosen 2012) and meet the similarity requirement, their linguistic utility is often affected by translation effects, such as shining-through, over-normalization, and simplification (e.g., Teich, 2003; Granger et al., 2003). Comparable corpora present a more effective alternative for capturing authentic cross-linguistic patterns; however, locating or creating such corpora for specific language constellations and domains can be highly costly and labor-intensive
Entwickelt sich das Suffix -mäßig zu einem freien Lexem? (Aus der Rubrik „Wörter und Wörterbücher“)
Das Adjektiv mäßig charakterisiert laut Duden online ein Bezugswort oder eine Phrase als ‚in einem rechten, geringen oder mittleren Maß vorhanden‘; die Verwandtschaft zum Substantiv Maß ist dabei klar erkennbar. Das Suffix -mäßig hingegen kann in adjektivischen Zusammensetzungen verschiedene Formen des Bezugs zwischen etwas Beschriebenem und dem Erstglied des Kompositums ausdrücken, wie sie beispielsweise auf Duden online verzeichnet sind: Das Beschriebene ist vergleichbar mit bzw. in der Art von jemandem / etwas (fabrikmäßig) oder es basiert / beruht auf etwas (gewohnheitsmäßig), eine Handlung verläuft einer Sache gemäß (verfassungsmäßig), das Erstglied ist Mittel oder Ursache für etwas (zwangsmäßig), oder es wird, meist umgangssprachlich, eine Zugehörigkeit zum Erstglied ausgedrückt (arbeitsplatzmäßig)
Die Darstellung von Politikerinnen in deutschen Printmedien. Genderspezifische Stereotype und ihre sprachliche Realisierung
Motiviert von dem als „mangelhaft einzustufen[den]“ (Gnädiger 2007, S. 12) Forschungsstand deutschsprachiger Untersuchungen und auf Grundlage des herrschenden Forschungskonsenses, Politikerinnen seien in ihrer printmedialen Darstellung zum einen marginalisierenden, zum anderen trivialisierenden Tendenzen ausgesetzt (vgl. Holtz-Bacha 2007, S. 10), versucht der vorliegende Beitrag die Wirkmacht von Weiblichkeitsstereotypen in diesem Kontext zu beleuchten.
Dabei soll eine korpuslinguistische Untersuchung genutzt werden, um weniger die Frage zu beantworten, ob Politikerinnen im ausgewählten Korpus sprachlich benachteiligt werden, sondern vielmehr, wie dies im Rückgriff auf geschlechtsspezifische Stereotype geschieht
Suzana Vezjak: Essensdiskurse online. Eine diskurslinguistische Analyse aus fremdsprachendidaktischer Perspektive [Rezension]
Der vorliegende Band stellt eine überarbeitete Fassung von Suzana Vezjaks Dissertation dar, mit der sie am Leipziger Herder-Institut promoviert wurde. Die Autorin widmet sich auf 408 Seiten, ergänzt durch einen Online-Anhang zu Korpus und Analyse, dem Online-Diskurs zu fleischalternativer Ernährung, wie er in Foren, sozialen Netzwerken und Kommentarspalten geführt wird. Mit dem ausdrücklich diskurslinguistischen Zugang wird dabei erfreulicherweise ein bislang in Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaF / DaZ) wenig beforschtes Feld beschritten
Positionieren
Positionieren ist Grundbestandteil menschlicher Kommunikation. Wann immer wir miteinander interagieren und kommunizieren, bringen wir uns selbst, andere und die Objekte, über die wir sprechen, in bestimmte Relationen zueinander. Wir bringen also immer auch unsere Haltungen zu bestimmten Themen zum Ausdruck und gestalten unsere Beziehungen zu anderen Menschen beim Kommunizieren. Anders gesagt: Wir können uns nicht nicht positionieren. Demzufolge ist Positionieren als Metapraktik zu verstehen, die beständig in menschlicher Kommunikation mitläuft. Die sprachlichen und sozialen Aspekte unseres Handelns sind also im Positionieren eng miteinander verwoben: Indem wir sprachlich agieren, etablieren wir soziale Verhältnisse.
Das Positionierungsspektrum reicht von expliziten Praktiken wie dem Verfassen eines Positionspapiers oder dem Buhrufen eines Publikums, über implizitere Praktiken wie Bewertungsphrasen in Arbeitszeugnissen (z. B. ‚entsprach unseren Erwartungen‘ als Ausdruck für Durchschnittlichkeit) bis hin zu beiläufig mitlaufenden, angedeuteten oder sogar getarnten Praktiken wie Dialektgebrauch (z. B. in bestimmten Alltagssituationen Dialekt sprechen, um Zugehörigkeit her- und darzustellen) oder rechtsextreme Codierungen (z. B. die Verwendung der Zahlenkürzel 18 für Adolf Hitler oder 88 für Heil Hitler gemäß der Reihung der Anfangsbuchstaben im Alphabet). Der Blick auf Sprachgebrauch unter der Perspektive von Positionierungen ist deshalb so interessant, weil er unterschiedliche Aspekte berücksichtigt:
Wir beziehen beim Positionieren zu bestimmten Themen oder Aspekten wertend Stellung (,evaluation‘).
Wir reklamieren Identitäten für uns oder weisen sie anderen zu (,self and other positioning‘).
Wir stellen dabei soziale Beziehungen her bzw. bearbeiten diese (,alignment‘; siehe Abbildung 1 unten).
Abzugrenzen ist der hier dargelegte analytische Positionierungsbegriff von einem alltagssprachlichen Verständnis. Letzteres bezieht sich in der Regel auf Äußerungen, in denen explizit Stellung genommen wird, während ersterer weiter gefasst ist und Positionieren als grundlegende kommunikative (Meta-)Praktik versteht
Zum Ausdruck von Aspektualität mittels nominaler Klassenkomposita im fachsprachlichen Bereich
Eines Tages ist es so weit gewesen: Ich habe in meinen Lehrveranstaltungen über deutsche Sprachgeschichte, in denen ich ein variationistisches Konzept vertreten habe, nur noch von Varietätengerüsten, Kommunikationsräumen, Kontaktsituationen, von Sprachformen und Erscheinungsformen der Sprache gesprochen. Die Bestimmungswörter in den obigen Komposita, d.h. die Wörter Sprache, Varietät, Kontakt, habe ich in selbstständiger Verwendung bald nicht mehr über die Lippen gebracht. Obwohl ich als Dozentin samt meiner Sekundärliteratur bei einer solchen Konzeptualisierungspräferenz ziemlich allein dagestanden bin, habe ich mir im Stillen doch gewünscht, – in den Klausuren hätte ich es fast von ihnen verlangt! –, dass meine Studenten auch so reden und schreiben. Und so ist der vorliegende Beitrag aus der Überzeugung entstanden, dass das Verständnis von solchen und ähnlichen Nominalkomposita, welche der Definition von Klassenkomposita in der Literatur entsprechen, sowie ihr Einsatz im fachsprachlichen Bereich der diachronen Varietätenlinguistik bei studentischen Textrezipienten und gelegentlichen Kurztext-Produzenten zu fördern ist
Wortbildung und Idiomatik: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Die Vielfalt der Formen und Strukturen sowohl der Wortbildungs(WB)-Einheiten (im engeren Sinn) als auch der idiomatischen Ausdrücke ist bekanntlich derart groß, dass Zweifel aufkommen können, ob das Thema des Vortrags sinnvoll oder doch in Form eines Vortrags sinnvoll zu behandeln ist. Ich muss mich daher auf die mir wesentlich erscheinenden Gesichtspunkte beschränken, Ausnahmen weglassen oder nur kurz ansprechen und manches etwas vereinfachend präsentieren.
Eine erste Beobachtung vorneweg, die Aufmerksamkeit verdient und vielleicht auch etwas nachdenklich stimmt. Schlägt man in den zahlreichen „Lexikologien“, Einführungen zur und Übersichten über die Wortbildung die Sachgebiete nach, die darin behandelt werden, sieht man sehr rasch, dass die Berücksichtigung der Idiomatik äußerst uneinheitlich ist. Nicht wenige belassen es bei kurzen Hinweisen, andere bei einem mehr oder weniger knappen Kapitel. Insgesamt ist die Idiomatik in der WB-Forschung ein Stiefkind.
Macht man dieselbe Stichprobe in der Idiomatikforschung, ist das Ergebnis dasselbe: nur sehr selten wird systematisch danach gefragt, inwieweit das Gegenstandsgebiet der Idiomatik seiner Natur nach in das der WB hineinreicht.
Unser Thema fragt nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den WB-Einheiten und den idiomatischen Ausdrücken
Grammatik der Negation im Gegenwartsdeutschen. Syntax, Satzsemantik und Informationsstruktur – mit Ausblicken auf die Pragmatik. Horst Lohnstein gewidmet
Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über die Implementierung der Negation in der deutschen Gegenwartssprache aus der Sicht der deskriptiven Grammatik. Berührt werden drei hauptsächliche Beschreibungsgebiete: die Rolle der Negation in syntaktischen Strukturen, die Negation an der Schnittstelle zwischen Syntax und kompositioneller Semantik sowie die Rolle der Negation in der Fokus-Hintergrund-Gliederung. An etlichen Stellen werden Ausblicke auf pragmatische Gesichtspunkte gegeben. Negation wird verstanden als die Abwahl eines Informationsbestandteils für eine Äußerung in einem Interaktionskontext. Eine Betrachtungsweise, die den Sinn der Negation in realen Handlungszusammenhängen erfassen möchte, muss Anforderungen an pragmatische Relevanz stellen. Im einzelnen müssen im Bezugskontext relevant sein: der Informationsbestandteil, der durch Negation abgewählt wird, die Abwahl dieses Bestandteils und seine mögliche Ersetzung durch alternative Informationsbestandteile. Der vorgestellte Ansatz bietet sich für empirische Anwendungen in der einsprachigen und vergleichenden Grammatikschreibung wie auch in der Interaktionsanalyse an.This article gives an overview of the implementation of negation in contemporary German from the perspective of descriptive grammar. Three main areas are touched upon: the role of negation in syntactic structures, negation at the interface between syntax and compositional semantics, as well as the role of negation in focus-background structure. In several places the view is expanded to include pragmatic aspects. Negation is understood as the de-selection of a piece of information for an utterance in an interaction context. An approach which intends to capture the meaning of negation in real-world actions must impose requirements for pragmatic relevance. Specifically, the following items must be relevant in their respective contexts: the piece of information de-selected by negation, the act of de-selecting it, and its possible replacement by alternative pieces of information. The approach presented lends itself to empirical applications in monolingual and comparative descriptive grammar as well as in interaction analysis